Spargel anbauen frisch geerntete PfeifenErnte aus dem eigenen Garten. Der Anbau ist weniger kompliziert, als gedacht!
Ernte aus dem eigenen Garten. Der Anbau ist weniger kompliziert, als gedacht!

Bevor der Autor die folgenden, wichtigen Tipps zum Spargelanbau zusammenstellte, hat er selber einige Meter an Grün- und Bleichspargel im eigenen Garten gepflanzt, um fachlich mitreden zu können. Anleitungen gibt es ja die Menge und Skizzen ebenfalls, doch diese schrecken den Kleingärtner eher ab, als dass sie anregen dieses außerordentlich nützliche Gemüse selber anzubauen. Für denjenigen, der es anstrebt, sich einigermaßen aus dem Garten selbst zu versorgen, der wird auf die Spargelsaison nicht verzichten können, denn in dieser Zeit gibt es kaum etwas anders zu ernten. Hier folgt nun eine erprobte Anbauanleitung.

Da das Thema etwas umfangreich ist, wird der Anbau von Grünspargel gesondert ausgeführt (bitte dem Link folgen). Diese ungeblichene Form ist etwas einfacher in der Kultur und durch neue, ertragreiche Sorten auch sehr effizient. Bezüglich der Anbauplanung lohnt es im Nutzgarten durchaus zum Beispiel 1/3 Grünen- und 2/3 Weißen Spargel anzupflanzen.

Spargel ernten

Erwähnt sei noch, dass es neben den herkömmlichen weißen Bleichvarianten noch Sorten gibt, welche sich bei Licht lila einfärben. Diesen Violett-Spargel könnte man als eine Zwischenform zwischen Grün- und Bleichspargel beschreiben. Bei diesen werden die Stangen (Pfeifen) aus dem Damm nicht sofort nach Erscheinen ausgestochen, sondern erst einen Tag später, nachdem sie weiter durchgewachsen und durch das Licht Färbung bekommen haben.[1] So viel zur Einführung in das Thema.

Hinweis für Selbstversorger

Der Grund weshalb es sinnvoll ist, eine solche Anlage selber zu pflanzen, wurde bereits genannt. Für viele mag der Asparagus eine Delikatesse sein und es wird ja auch entsprechend viel Werbung um die Spargelsaison gemacht, bis hin zum dazugehörigen Wein oder zu den Spargelkatoffeln (die allerfrühesten Frühkartoffeln). Das ist die eine Welt und die ist auch vollkommen in Ordnung. In einem Selbstversorgerhaushalt liegen die Prioritäten etwas anders. Da ist das Saisongemüse von Ende April bis Anfang Juni ein Grundnahrungsmittel, denn außer Salat, Sprosskohl, frühen Rettichen und Spinat gibt es in dieser Zeit kaum frisches Gemüse aus dem Eigenanbau.[2] Wer dazu ein paar Legehennen im Stall hat, der hat natürlich auch in dieser Jahreszeit keinen Mangel an selbsterwirtschafteten Nahrungsmitteln, zumal etwas Federvieh (oder mittels einer anderen Kleintierhaltung) durch den anfallenden Hühnerkot eine gute Düngegrundlage auch für den Saprgelanbau bietet. Dieses sei nur am Rande bemerkt, doch es soll darauf hinweisen, dass die Unterhaltung eines Selbstversorgergartens vielschichtig gesehen werden sollte. Da das Thema Dünger schon einmal angeschnitten wurde, so sei noch erwähnt, dass die Alten darauf schworen, dass der Mist von Schafen der beste für die besagter Kultur ist. Und vielleicht ist ja auch die Pflanzung von 10 oder 20 Metern Spargel eine Alternative für entsprechende Kleintierhalter, die oftmals mit den anfallenden Dung ihrer Hühner, Schafe, Ziegen oder Kaninchen nicht wissen wohin.

Drei Häufige Fragen - FAQ

1. Macht der Spargelanbau viel Arbeit?

Nein, das tut er nicht. Allein die Vorbereitung für die Kultur ist etwas aufwändig, doch hat man dann erst einmal den Anbaurytmus in die Jahresarbeiten eingetaktet, wird der Aufwand für die unbestritten ertragreiche Kultur von Jahr zu Jahr leichter, weil durch die jährliche Bewegung des Bodens beim An- und Abhäufeln immer weniger Unkräuter aufkommen. Zudem wird der Boden mit den Jahren immer feinkrümliger und ist damit immer leichter zu bearbeiten. Bedenken wir dabei, dass die Pflanzung 20 Jahre lang Ertrag bringt, dann sind die anfänglichen Aufwendungen am Ende doch sehr rentabel.

Eine weitere Befürchtung für Anfänger ist die, dass man Unmengen von Erde benötigt, um die Dämme aufzuschütten, welche dann anderswo fehlt. Dazu lässt sich sagen, dass die Dämme gar nicht so gewaltig hoch und breit aufgeschüttet werden müssen. Wir benötigen etwa 40 bis 50 cm Platz neben der Bleichspargelreihe, von dem etwa 10 cm abgetragen und aufgeschüttet werden. Diese Streifen von 40 cm sind dann ein Zeit lang abgesenkte Gartenwege, die ohnehin benötigt werden.

2. Die Kultur nimmt anderen Gemüsen zu viel Platz weg?

Auch hier gibt es ein Nein. Der Autor selber, der in seinem kleinen Selbstversorgergärtchen mit jedem Zentimeter Beetfläche geizt, ist da ganz anderer Meinung. Zum Einen bringt der Quadratmeter Anbaufläche beim Spargel etwa 600 g Ertrag, was so schlecht nicht ist, doch dieser lässt sich steigern, indem wir zum Beispiel unmittelbar neben dem Hügel im Frühjahr eine Reihe Buschbohnen stecken (aller 40 cm 7 Bohnen), welche mit Ende der Spargelsaison dann schon in Vollernte steht und bis zum Frühsommer mit einem Durchschnittsertrag von 1,2 kg Gemüsebohnen pro m² aufwartet. Außerdem kann nach Abhäufeln der Asparagus-Kultur Mitte Juni ein Teil der Fläche mit einem wenig zehrenden und flach wurzelnden Gemüse besähet werden. Zum Beispiel geht dies mit Italienischem Brokkoli, der erst Mitte August gesät werden muss. So sind im Hochsommer zwei volle Monate lang Zeit, in der sich die Spargeln allein auf dem Beet kräftigen können und wenn sie im Spätsommer ihre Aktivität zurückfahren, bringt eine moderate Herbstkultur noch eine weitere Ernte. Allein dieses Beispiel zeigt, dass die Befürchtung völlig unbegründet ist, dass ein Spargelbeet den weiteren Gemüseanbau einschränkt. Weitere Möglichkeiten dieser Mischkultur, die genauer gesagt eine Zwischenkultur ist, sind unten aufgeführt.

3. Geht der Anbau nur auf Sandböden, oder auch auf Lehmboden?

Die Meinung, dass die Kultur nur auf Sandböden möglich ist, ist eine, durch zahlreiche Puplikationen vertretene, irrige Auffassung, welche nur für den professionellen, landwirtschaftlichen Anbau gilt. In Kleingärten ist die Kultur durchaus auch auf schwierigen Anbauflächen möglich. Warum und wieso, ist unter der Überschrift "Boden und Standort" ausführlich erklärt.

Botanik und Geschichte

Im Vergleich zu anderen Gemüsen hat die hier vorgestellte Art eine relativ gestraffte Systematik. Der Gemüsespargel (auch Gemeiner Spargel, Grüner- und Weißer Spargel), trägt den botanischen Namen Asparagus officinalis. Er gehört zur Pflanzengattung der Spargel, welche etwa 220 Arten umfasst. Die Heimat dieser Gewächse reicht von Afrika und Europa bis Asien. Die Gattung gehört zur Unterfamilie der Asparagoideae und diese zur Pflanzenfamilie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Diese wiederum ist der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) zugeordnet.

Spargelpflanze

Das Sprossgemüse wurde bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. bei den Ägyptern gezüchtet, was Grabfresken zeigen. Der römische Naturkundler Plinius [3] weiß von 150 g schweren Asperagus-Stangen zu berichten und überlieferte uns, dass auch die Germanen den Spargelanbau betrieben. Später geriet die Kultur im römischen Reich aber wieder in Vergessenheit und lebte erst durch die in Spanien ansässigen Araber wieder auf. Im Mittelalter galt das Gemüse als Heilpflanze – deshalb auch A. "offcinalis" mit der Bedeutung "als Arzneimittel geeignet". Man verwendete ihn früher bei Husten, Blasenleiden und Geschwüren. Heute schätzt man die Stangen wegen ihrer sehr offensichtlich harntreibenden Eigenschaft als entschlackend, und entgiftend. Als Gemüse finden die frischen, ganz jungen Triebe (15 bis 30 cm lange, sogenannte Pfeifen) der Pflanzen Verwendung, welche aus robusten Wurzelstöcken ausschlagen. Das geschieht etwa ab der dritten Aprilwoche. Die Stauden werden etwa 1,50 m hoch und besitzen ein sehr filigranes Laub. Im Juni bilden sich an die Trieben zierliche grünlich-weiße, glockenförmige Blüten und im Herbst rote Beeren, welche eine schwache Giftwirkung besitzen.

Bleichspargel Anbau

Wenn wir Spargel einfach so in die Erde einpflanzen und im Frühling treiben lassen, dann ernten wir relativ dünne Stangen. Irgendwann haben findige Gärtner einmal festgestellt, dass die verschiedensten Gemüsepflanzen bei Lichtentzug um vieles stärkere Sprosse ausbilden, als unter voller Sonne, und dass dieses sogenannte Bleichgemüse auch einen milderen Geschmack bekommt. Dieses Prinzip ist beim Spargelanbau anwendbar. Der nicht geblichene Grünspargel hat relativ dünne Stangen, die dafür allerdings ein besonderes Aroma besitzen. Hingegen bringt die Bleichkultur, mehr Ertrag, also dickere Stangen mit milderem Aroma. Der besagte Entzug von Tageslicht wird durch das Aufschütten von lockerer Erde bewirkt. Damit wir aber nicht zu hohen Dämme aufschütten müssen, werden die Jungflanzen einfach etwas tiefer, als normal eingepflanzt. Das ist das Grundprinzip beim Bleichspargelanbau, der nun beschrieben wird.

Boden und Standort

Man hört und liest oft, dass man für den Spargelanbau sandige, steinfreie Böden benötige, doch das ist so nicht ganz korrekt, denn dies gilt nur für den großflächigen Anbau des Gemüses. Der Grund dafür ist zum einen, dass eine lockere Deckschicht benötigt wird, durch welche sich die Pfeifen leicht hindurchschieben können. Zum anderen können die professionellen Anbaubetriebe die Stangen, welche ausschließlich in Handarbeit geerntet werden, nur aus sandigen Dämmen rentabel gestochen werden. Im Garten, wo wir mit ein oder zwei PKW-Hängern voll Sanddie Deckschicht bei lehmigen Böden leicht aufbessern können, ist das Problem leicht zu lösen. Außerdem bewirken sehr sandige Standorte, dass die ertragreiche Kultur um einige Jahre verkürzt wird, gegenüber den kräftigeren Untergründen. Auf besten Plätzen kann das beliebte Sprossgemüse 25 Jahre lang gestochen werden.

Der Boden, in den gepflanzt wird, muss vor allem zwei Spaten tief gelockert und wasserdurchlässig sein. Diese Arbeiten (das Rigolen) sind am vorteilhaftesten im Herbst durchzuführen, da der winterliche Frost den Boden garer werden lässt. Die Alten haben sich sogar die Mühe gemacht in nasse, schwere Untergründe eine Drainage hineinzulegen. Um lockere und feinkrümelige Obererde für die Dämme zu erhalten lohnt es auf steinigen Beeten mit einem Sieb die Erde durchzuwerfen. Haben wir tonhaltige, kühle und schwere Bodenverhältnisse, so ist der Aufwand durchaus zu vertreten, diesen mit angefahrenen Sand aufzubesseren. Der Autor hat dies so gemacht, zumal für diese Arbeiten noch zwei Sommer lang Zeit sind, denn der Damm wird ja erst im dritten Jahr im April aufgeschüttet. Ist das vorzubereitende Beet vom Grund her sehr nass, kann man sich auch für eine weniger tiefe Pflanzung entscheiden, und Sand für die Abdeckung verwenden. Eine weitere Alternative wäre Grünspargel zu setzen.

Was den Bedarf an Licht und Luft betrifft, so ist zu sagen, dass die Spargelpflanzen volle Sonne benötigen und so stehen sollten, dass sie sich im Frühjahr schon durch die Morgensonne aufwärmen. Der Standort sollte auch frei und luftig sein, damit Pilzerkrankungen vorgebeugt wird.

Pflanzen kaufen

Das benötigte Pflanzenmaterial (Rhizompflanzen) gibt es Ende März in den Gartenmärtken zu kaufen. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Pflanzen zu bestellen und sich zuschicken zu lassen. Diesbezüglich ist aber zu beachten, dass das Zeitfenster für den Kauf und Versand relativ schmal ist. Wir müssen uns also rechtzeitig um die Bestellung kümmern, was spätestens im Februar geschehen sollte.

Spargeljungpflanzen drei SortenJungpflanzen per Versand geschickt: Zwei Bleich- und eine Grünspargelsorte (rechts).

Gute Anbieter finden wir in den traditionellen Spargelanbaugebieten. Mitunter erfährt man bei einem telefonischen Kontakt oder einem Besuch direkt vor Ort etliche Tipps und Tricks, die es sonst so nicht gibt. Es versteht sich von selber, dass nur die allerbeste Pflanzenqualität gewählt werden sollte. Je weniger Anbaufläche wir vorgesehen haben, um so besseres Material sollten wir kaufen, was heißt, dass man F1 Hybriden wählen sollte. Die wenigen Mehrkosten werden über die Jahre jedoch in jedem Falle durch die größere Ernte wieder eingespielt.

Anlegen der Reihen. Pflanzung.

Für den Anbau im Kleinen gibt es eine einfache Regel: Reihenabstand 1 m. Pflanzabstand 50 cm. Diesen halben Meter können wir individuell auch von 40 auf 80 cm variieren.[4] Bei 1 m Abstand der Reihen und selbst bei 90 cm ist so viel Erde zwischen den Reihen vorhanden, wie wir später für den Damm brauchen. Unter 90 cm Reihenabstand soll aber nicht gegangen werden. Die Pflanzreihen werden mit Schnüren vermessen und an ihren Enden mit Pflöcken markiert.

Graben SpargelanbauGraben für die Pflanzung

Am Tag der Pflanzung im März oder April (als optimal gilt die Zeit vom 5. bis 10. April) und bei trockener, nicht zu kalter Witterung, machen wir entlang der gespannten Schnur einen etwa 30 cm tiefen und etwa 50 cm breiten Graben, deren Erde wir auf die besagten 1 m breiten Zwischenräume schippen. Die Sohle dieses Grabens ist die Fläche, in welche wir die Spargeljungpflanzen setzen. Diese betrachten wir wie ein tiefer gelegtes Beet und arbeiten diesen Grund nochmals auf. Haben wir gut verrotteten Mist oder Kompost graben wir ihn dort auf der Sole hinein und arbeiten ihn unter. Ist Gartenjauche vorhanden wird der tief gelockerte Grund damit getränkt. Organische Dünger, die noch nicht fertig verrottet sind, dürfen nicht genommen werden, da sie im Boden faulen.

Um die jungen (einjährigen) Spargelpflanzen einsetzen zu können, ohne dass deren lange Wurzeln zu sehr in die waagerechte gelangen oder gar nach oben gerichtet liegen, ziehen wir in der Mitte des Grabens einen spitzen Erdrücken zusammen und setzen die Setzlinge rittlings darauf. Die Pflänzlinge sehen aus, wie eine Art Wischmop und müssen so eingesetzt werden, dass deren fleischige Wurzeln bei der Pflanzung etwas schräg nach unten weisen. Später werden sich ihre Wurzeln zu beiden Seiten weit ausbreiten. Über die Wurzeln breiten wir nun dungreiche, gute Erde, aber nur so viel, dass die Knospen der Pflanzen leicht bedeckt sind (drei Finger stark) und dass die ganze Pflanzung sich noch abgesenkt in der Grube befindet. Diese Arbeiten sollen bei trockener, und nie bei nasskalter Witterung erfolgen.

Spargeljungpflanzen im GrabenIm ersten Jahr stehen die Pflanzen noch im Graben.

Im ersten Standjahr ist nun keine weitere Pflege mehr nötig, außer das jäten von Unkraut und Gießen bei Trockenheit. Bei letzteren Arbeiten ist es besser weniger, aber dafür durchdringender zu wässern. im Juni ist ein Düngung mit gut verdünnter Jauche empfehlenswert. Diese Arbeit führt man aber während einer Regenperiode durch und nicht bei Trockenheit und großer Hitze. Lange Triebe, welche bei Sturmböen umknicken können, sind anzubinden. Wer will, der kneife im Spätsommer die sich bildenden Beeren aus, was die Wurzelstöcke der Stauden allgemein stärkt. Stellen, wo Pflanzen eingegangen sind, werden markiert und im nächsten Frühjahr neu bestückt. Im Herbst bekommt die Spargelanlage noch einmal eine Oberdüngung mit Kompost/Mist/Jauche. Die Triebe sterben im Herbst ab und werden möglichst tief abgeschnitten.

2. Jahr

Im erste, wie im zweiten Jahr nach der Pflanzung werden noch keine Spargelstangen gestochen! Auch über den zweiten Sommer müssen sich die Stauden nochmals stärken. Im April des zweiten Jahres ziehen wir aber die Gräben waagerecht mit der seitlich gelagerten Erde zu und halten diese Fläche wiederum unkrautfrei. Wir wässern wie oben beschrieben bei Trockenheit. Um die Anbaufläche unter den Spargeln zu nutzen, können wir als Mischkultur Buschbohnen unter diese säen, welche ja bekanntlich als Leguminosen dem Boden Stickstoff zuführen. Die Bepflanzung sollte aber nicht zu dicht erfolgen und alles ist frei von Unkraut zu halten. Die Zwischenwege können im zweiten Jahr mit Kohlrabi, Brokkoli und anderen Kohlarten bepflanzt werden. Beide Kulturen – Kohl und Spargel – vertragen leichte Jauchdüngungen übers Jahr, wie oben beschrieben und ergänzen sich gut. Auch im 2. Jahr werden im Herbst die vergilbten Triebe herausgeschnitten und das Beet gedüngt. Wichtig ist im 2. Herbst, den Verlauf der Reihen noch einmal genau zu markieren, um im Frühjahr dort die Dämme am richtigen Platz aufzusetzten!

3. Jahr – erste Ernte

Wenn sich im dritten Jahr der Boden im April frostfrei ist und sich auch schon etwas erwärmt hat, wird von den Seiten her Boden zu einem Damm über die Spargelreihen gezogen (Aufdämmen). Da wir tief gepflanzt haben, müssen diese Wälle nie so gewaltig hoch aufgeschüttet werden, wie das oft beim feldmäßigen Anbau zu beobachten ist. Eine Höhe von 20 bis 25 cm für den Damm ist ausreichend. Etwa ab 12. bis 24. April beginnt das Spargelstechen (unten gesondert erklärt). Dieses währt bei älteren Anlagen 8 bis 10 Wochen. Doch in diesem dritten Jahr nach der Pflanzung muss spätestens am 1. Juni mit dem Stechen aufgehört werden, damit sich die relativ jungen Pflanzen noch grundlegend aufbauen können. Im 4. Jahr [5] sollten wir ebenso verfahren und erst ab dem 5. Jahr bis zum 24. Juni das Sprossgemüse stechen. Es folgt die weitere jährliche Pflege:

Die weitere Pflege – Sargel düngen usw.

Nach der Saison wird im Juni der Hügel wieder breit gezogen (Abdämmen). Haben wir Mist zur Verfügung, muss er sofort nach der Nivellierung flach eingearbeitet werden, da schon nach einem Tag die neuen Triebe beschädigt werden würden. Für diese Arbeiten können wir auch frischen Dung verwenden, da er bis zum Herbst gut verrottet. Eine flüssige Kopfdüngung ist ebenfalls im Juni angeraten, welche im Idealfall mit stark verdünnter Jauche bei Regenwetter erfolgt. Mit flüssigen stickstoffreichen Kunstdüngern ist ebenso zu verfahren. Durch diese Kopfdüngung sollen kräftige Triebe gebildet werden, welche wiederum die Wurzelstöcke gut mit Nährstoffen versorgen, sodass sie kräftige Triebknospen für das kommende Jahr bilden. Im Juni legen wir hierfür das Fundament. Ist die Witterung heiß und trocken, wird eindringend gewässert. Prinzipiell ist öfters, weniges gießen zu vermeiden, was nur den Pilzbefall der Anlage fördert. Im wesentlichen hollt sich der Spargel die Feuchtigkeit aus der Tiefe und ist auch in der Lage, diese in seinen fleischigen Wurzeln zu speichern. Es gilt aber auch die allgemeine Regel, dass Kulturpflanzen nach einer kräftigen Stickstoffdüngung auch immer reichlich Wasser zur Verfügung haben müssen, um die Nährstoffe auch verarbeiten zu können. Ist dies nicht gewährleistet, dann richtet die Düngung nur Schaden an.

Im Herbst werden die Reihen an den Enden mit Stäben markiert, absterbenden Stängel entfernt und organisch gedüngt. Für denjenigen, der keinen Dung (Schafs-, Kuh- oder Pferdemist, Kaninchenmist usw.) zur Verfügung hat, kann im auch Hornspäne streuen, welche eine gute Grunddüngung für das Spargelbeet darstellen. Die Alten schworen, wie bereits erwähnt auf Schafsmist wie wir im folgenden Text lesen können:

In der Regel bleibt eine gut erhaltene Pflanzung 20 – 25 Jahre und noch länger ertragsfähig, wenn sie mit Sorgfalt unterhalten wird, das heißt, wenn man die Beete in jedem Jahr stark mit Dünger, am besten mit Schafsmist bedeckt, der im Frühjahr flach untergegraben wird. Von sehr augenfälligen Erfolg ist es, wenn man nach Johanni die Stöcke mehrmals mit einer stakt verdünnten Auflösung von Chilesalpeter (heute Schwefelsaures Ammoniak 50 g/qm) oder auch mit Jauche begießt.[6]

Die Ernte – Spargel stechen, wie wird es gemacht?

Vorweg sein gesagt, dass beim Bleichspargel, der aus den Dämmen wächst, prinzipiell jede Pfeife (das ist der richtige Fachausdruck) herausgestochen wird. Dünne Triebe werden ebenso, wie die starken herausgestochen. Wenn wir es ermöglichen können, dann erledigen wir diese Arbeiten morgens und abends. Mit einer kleinen, schmalen Schaufel müssen wir die jeweilige Pfeife vorsichtig freigraben und dann die Stange am Grund abbrechen, oder mit einem Messer abschneiden. Für die Ernte gibt es in verlängerter Form spezielle Spargelmesser in verschiedener Form, mit seitlicher, oder mit meißelförmiger Schneide. Für den Hausgebrauch tut es auch ein langes Küchenmesser, welches wir nach eigenen Wünschen anschleifen können. Nach dem herausnehmen der Pfeife wird die herausgekratzte Erde wieder zurückgezogen, der Hügel wieder in Form gebracht und etwas angeklopft. Das ist schon alles. Die Pfeifen, die morgens gewonnen wurden, können wir zunächst in einer Eimer mit etwas Wasser stellen, am Abend die zweite Charge hinzu tun und am nächsten Morgen weiter verwerten.

Bleichpargel lagern

Der Autor hat den gestochenen Spargel für den Eigenbedarf zunächst drei Tage in einem Eimer stehen, der 10 cm hoch mit sauberem Wasser gefüllt ist. Was dann noch nicht verbraucht ist, wird in feuchtes Zeitungspapier eingewickelt und kommt in den Kühlschrank in das Gemüsefach, wo die Ernte gut 10 Tagen lang liegen kann. Für die längere Lagerung ist das Einfrieren die beste Variante das Einfrieren. Dafür werden die Stangen geschält und gewaschen,  mit etwas Salz 3 Minuten blanchiert und eingefrostet.


  • [1] Ideal für diejenigen Gartenfreunde, die einen Wochenendgarten besitzen und nicht täglich Spargel stechen können.
  • [2] Frühe Kartoffeln und Zuckererbsen gibt es je nach Frühjahrstemperaturen ab der letzten Mai- oder ersten Juniwoche.
  • [3] Plinius der Ältere (ca. 23 – 79 n. Chr.), Naturalis Historia 
  • [4] 80 cm wählen wir für besonders starke Stangen und 40 cm für den Massenanbau
  • [5] In älterer Literatur riet man erst ab dem 4. Jahr zu stechen.
  • [6] Rümpler, Theodor; Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei (Bearbeitete Auflage); Verlag von Wiegand , Hempel & Parey; Berlin 1879