EtagenzwiebelAllium proliferum
Allium proliferum

Botanisch heißt sie Allium proliferum. Sie ist ein Lauchgewächs. Ein alter Gärtner schrieb im 19. Jahrhundert: "Ich will nicht behaupten, dass die ägyptische Zwiebel unentbehrlich wäre, doch es ist für den intelligenten Teil der Gartenfreunde Bedürfnis, mit den Objekten ihrer Gartenkultur zu wechseln und dadurch an Kenntnis, Erfahrung und Annehmlichkeiten zu gewinnen; und darum mag der Etagenzwiebel in diesen Blättern ein Platz gegönnt sein."

Selber vermehren, Pflanzgut gewinnen

Die Art hat die Eigenschaft, eine doppelte Ernte zu bringen, Brutzwiebeln und an der Stelle der Blüten doldenartig gestellte Luftzwiebeln (Bulbillen, ähnlich wie beim Knoblauch). Wenn man im Frühjahr die überwinterten "Luftzwiebeln" auspflanzt, so entwickelt sich jede derselben im Laufe des Sommers zu einer gewöhnlich sehr starken Exemplaren.
Um reichlich Pflanzmaterial zu bekommen, genügt es einige große Pflanzzwiebeln (nicht die Bulbillen) letzter Ernte auspflanzt; dieselben treiben ihren Samenstängel, auf dem sich statt der Blüten und Samen, wie bemerkt, eine ziemliche Anzahl von Kügelchen erzeugt, von denen man die größten für die Küche verwertet, während die mittleren und kleineren Steckzwiebeln benutzt werden. Letztere bilden sich nach dem obigen nicht nur zu einer großen Zwiebel aus, sondern erzeugen auch zwei bis drei andere mittlerer Größe.
Doch die Etagenzwiebel hat auch ihre Fehler; ihr Fleisch ist grob und fault gern, wenn sie im Laufe des Winters der geringsten Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Sie muss deshalb an einem kalten, zum wenigsten nicht erwärmten und vollkommen trocknen Ort aufbewahrt werden.

Der eingangs erwähnte Autor meint: Ein Liter Luftzwiebeln reicht aus, um ein Beet von 12 bis 14 m Länge und 1,30 m Breite zu bestellen. Diese Menge nährte früher eine Familie mit Gesinde über ein Jahr und dieses Pflanzenmaterial erntet man von 6 bis 8 ausgebildeten Zwiebeln, die man im Frühjahr in das Land setzt. Entsprechend etwas weniger Pflanzen braucht es heute für die Nachzucht. Man pflanzt die Etagenzwiebeln mit 30 cm Abstand nach jeder Seite hin im Monat März.
Wenn sich die Samenstängel gebildet haben, so ist es vorteilhaft, sie aufzubinden, denn sie fallen in der Folge der Schwere der Bulbillen leicht um, was der Ausbildung der letzteren nachteilig ist.

Kulturanleitung

Oben ist beschrieben, wie das Pflanzgut selber gewonnen wird. Mit den gewonnenen Bulbillen hat man dann das Pflanzmaterial für das kommende Jahr. Man pflanzt sie Monat April, je nach ihrer Größe in 8 bis 12 cm Abstand von einander in Reihen, die 15 bis 20 cm von einander entfernt sind.

Catawissa-Zwiebel

Eine Spielart der Ägyptischen Zwiebel ist die Catawissa-Zwiebel, eine höchst interessante, aus Amerika stammende Novität, welche ebenso profiliert, wie jene, oder vielmehr diese Eigenschaft in einem viel höherem Maße besitzt.

Im Frühjahr oder Herbst gepflanzt, bringt diese Zwiebel im ersten Jahr nur 2 bis 3 Stängel. Kaum haben sich auf denselben die Zwiebeln ausgebildet, so treiben diese selbst wieder neue Stängel, welche ihrerseits wieder Luftzwiebeln tragen, die häufig eine dritte Generation erzeugen, so dass das Ganze eine Höhe von 75 bis 80 cm erreicht und eine ganze Familie darstellt, bestehend aus Großmutter, Müttern, Töchtern und Enkelinnen. Nach einem oder oder nach zwei Jahren verändert sich der Vegetationscharakter. Die Stöcke werden ungemein kräftig, bilden 20 bis 30 Stängel, deren jeder 10 bis 20 Luftzwiebeln in einem dicht gedrängten Kopf trägt. Dieselben erzeugen ziemlich selten eine zweite Generation. Von jetzt an ist die Fortpflanzung dieser Zwiebel außerordentlich leicht, denn von einem einzigen Stock dieser Stärke erhält man durch Teilung des Pflanzenstocks und mit den Luftzwiebeln mindesten 200 bis 300 Setzlinge. Der Geschmack des Gemüses ist nahezu der der gemeinen Küchenzwiebel. Man kann sie verwerten wie diese, hauptsächlich aber zu Mixed Pickles, wie die Perlzwiebel, nur muss man in diesem Falle die ziemlich harte Hülle entfernen.

Literatur:

Th. Rümpler; Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei (Bearbeitete Auflage); Verlag von Wiegand , Hempel & Parey; Berlin 1879