Knoblauch ZwiebelnDie schönsten Zwiebeln werden für die Vermehrung genommen und nicht für die Küche!
Die schönsten Zwiebeln werden für die Vermehrung genommen und nicht für die Küche!

Knoblauch (Allium sativum) ist eine leicht anzubauende, gesunde Gewürz- und Heilpflanze. Trotzdem ist die Kultur in unseren heimischen Gärten eher selten anzutreffen. Der Grund dafür mag sein, dass zum einen viele Fachbücher falsche Anleitung geben und zum anderen, der Knoblauch zusammen mit Salat, Kohlrabi und Co. im Frühjahr gepflanzt wird. Einzig die Tatsache, dass dieses Gemüse im September gesteckt werden muss, damit es im August des kommenden Jahres geerntet werden kann, hat viele Gartenfreunde offensichtlich bisher davon abgehalten, denn dann für viele ist dann das Gartenjahr schon vorbei und es wird im Garten nichts mehr gesät oder gepflanzt.

Desweiteren ist es aus Sicht des Autors eine Merkwürdigkeit, dass Knoblauch in Deutschland zu den mediterranen Gemüsen zählt. Dabei sind die Pflanzen absolut frostfest und gehören zu denjenigen mehrjährigen Gewächsen, die in den Gärten des nordalpinen Raums ebenso heimisch geworden sind wie beispielsweise die Rote Beete. Ursprünglich kommt letztere auch aus dem Mittelmeerraum, und niemand käme auf die Idee, diese Rüben als typische Mittelmeerkost zu bezeichnen.

KnoblauchernteDer Anbau ist leichter, als gedacht. Es kommt auf den Zeitpunkt der Pflanzung an.

Ein Grund vieler Misserfolge beim Knoblauch pflanzen sind die Beschreibungen in der gängigen Literatur zum Thema. Diese empfiehlt häufig, ihn nicht nur im Herbst, sondern auch im Frühling zu stecken. Ich bin jedoch der Meinung, und da spreche ich aus Erfahrung, dass der Anbau im Frühjahr in unseren mitteleuropäischen Breiten völlig ungeeignet ist. Es folgen meine Tipps für die Kultur im Kleingarten, doch zuvor wollen wir uns noch einmal kurz der Botanik widmen.

Zur Botanik

Allium sativum gehört zur Gattung der Laucharten (Allium). Diese Pflanzengattung ist eine Unter-Unter-Familie (Tribus) der Unter-Familie der Allioideae, welche der Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) zugeordnet wird. Die Amaryllisgewächse gehören zur Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) und so sehen wir, dass die beliebte Würzpflanze sogar mit dem Spargel verwandt ist, wenn auch sehr fern. Das Verwandtschaftsverhältnis zur Küchenzwiebel ist hingegen sehr nahe, da beide bereits über die gleiche Gattung genetisch verbunden sind.

KnoblauchbeetFür den Jahresbedarf braucht es ein Beet von ein bis zwei Quadratmeter.

Die Bezeichnung sativum im botanischen Namen Allium sativum leitet sich vom Latein ab und heißt so viel, wie angebaut oder ausgesät. "Kultivierter Lauch" wäre ebenfalls eine passende deutscher Übersetzung. Allium sativum ist eine ausdauernde (perennierende), krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 30 bis 90 Zentimetern erreicht. Sie kommt in ihrer ursprünglichen Wildart auf Sizilien vor, war schon bei den alten Babyloniern, Ägyptern und Griechen bekannt und wird von den landwirtschaftlichen Schriftstellern des alten Rom als Kulturpflanze erwähnt. Die Pflanze blüht im Juni und Juli. Die kugelige, häutige Zwiebel ist aus mehreren kleinen, länglichen Zwiebelchen, den sogenannten Zehen, zusammengesetzt. Allium sativum var. sativum bezeichnet den Kulturknoblauch. Daneben gibt es den Schlangenlauch (Roggenbolle, Rockenbolle), vermutlich eine Unterart des Knoblauchs mit dem botanischen Namen Allium scorodoprasum. Nur diese Art wird vom Frühling bis zum Sommer kultiviert.

Knoblauch pflanzen

Standort und Boden

Der optimale Boden sollte warm und sandig-lehmig sein. In alter Fachliteratur fand ich die passende Beschreibung "Gartenboden in alter Kraft". Das heißt, die Erde erfuhr über viele Jahre Bearbeitung und ist reich an Humus und Bodenorganismen ist. Ungünstig sind reine Sandböden und nasse Plätze. Sehr harte Erde muss mit Kompost und Sand aufgebessert werden. Dabei ist wie bei allen Zwiebelgewächsen wichtig: nicht frisch mit Mist düngen! Der Standort muss warm und sonnig sein. Zu viel Nässe wird nicht gut vertragen.

Zeitpunkt

Der einzig richtige Zeitpunkt für die Pflanzung der Knoblauchzehen ist im mitteleuropäischen Raum der Spätsommer und damit der Zeitraum von August bis September. Der Begriff “pflanzen” ist dabei sogar genau der richtige, denn es werden Pflanzenteile in den Boden gesetzt. In unserem Falle sind das einzelne Zehen gesunder, gut ausgereifter Zwiebeln. Wer eigenes Pflanzmaterial verwenden will, der nimmt die Zehen vom (im August) geernteten Knoblauch, der an einem trockenen Ort etwa 2 bis 3 Wochen nachreifen konnte. Gepflanzt wird dann im September. Kauft man Pflanzmaterial zu (im einfachsten Falle aus der Gemüseabteilung des Supermarkts), so kann bereits im August gepflanzt werden.

Pflanzabstand und -tiefe

Die Zehen steckt man in einem Reihenabstand von 20 cm, einem Pflanzabstand von 15 cm und einer Tiefe von 5 cm. Auch die Pflanzung im Topf, Pflanzkübel oder Hochbeet ist möglich. Dort muss aber von März bis Juni unbedingt auf eine gleichmäßige Wasserversorgung geachtet werden. Übrigens: Man kann den Knoblauch auch 24 Monate (zweijährige Kultur) in Kultur nehmen, also im September pflanzen und erst im Sommer des übernächsten Jahres ernten. In diesem Falle werden die Knollen noch gewaltiger und können, je nach Sorte, bis zu dreißig Zehen ausbilden.

Bulbillen stecken?

Das Würzgemüse treibt Anfang Juni pro Pflanze einen Blütenstängel. Dieser dreht sich bald spiralförmig zusammen und bildet am oberen Ende eine Dolde aus (selten mit einigen Blüten) welche mit kleinen Kügelchen besetzt ist (8 bis 12 Stück). Das sind die sogenannten "Bulbillen" (Brutzwiebeln, ähnlich der Etagenzwiebel). Dabei handelt es sich um kleine Zwiebelchen, durch die sich die Pflanze vegetativ vermehren kann. Allerdings ist im Gartenbau diese Art der Vermehrung nicht effektiv.

Knoblauchbeet

Für einen längerfristigen Anbau (dreijährige Kulturzeit) können sie jedoch trotzdem Verwendung finden. Diese Bulbillen werden zur Erntezeit eingesammelt und dann sofort wieder in die Erde gesteckt. Sie sind gegen Frost unempfindlich. Sie können aber auch in der Gartenlaube überwintern und im Frühling gepflanzt werden. Aus Bulbillen entwickeln sich Pflanzen, die zunächst nur eine zwiebelförmige Knolle ohne die typischen einzelnen Zehen besitzen. Überwintern sie ein weiteres Mal im Boden (oder geerntet an einem frostfreien Ort), bilden sie im kommenden Jahr sehr kleine Zehen aus. Diese können nun geerntet und verbraucht werden. Alternativ verwendet man sie ein weiteres Mal zum Anbau, indem man sie teilt und sofort wieder steckt. Bei dieser Vermehrungsart braucht es also etwas Geduld. Allerdings kann hier auch ein leicht überschatteter Standort genutzt werden. Ich habe immer solch ein Beet in meinem Garten, nutze aber die Ernten von diesem hauptsächlich als Hühnerfutter. Knoblauch (Blattwerk und Knollen), wie auch Küchenzwiebeln, sind ein wichtiger Futterzusatz für das Federvieh, der es vor Parasiten schützt.

Pflege

Während der Zeit des Wachstums wird der Boden gelockert und gejätet. "Damit die Zwiebeln größer werden, soll man die langen Blätter zusammenknoten", las ich in einem alten Gartenbuch. Eine weitere Möglichkeit dafür empfiehlt ein moderner Ratgeber: die im Juni treibenden Blütenstängel zu entfernen, also zu köpfen. Das habe ich getestet, jedoch ohne Erfolg. Später las ich in einem älteren Gartenbuch, was auch meine Erfahrung war: Man kann getrost den Knoblauch blühen lassen, bekommt die Bulbillen "gratis" dazu und kann diese, wie oben beschrieben, zur Pflanzenvermehrung verwenden.

Ernte und Lagerung

Erste junge, zarte Zehen mit bestem Geschmack lassen sich vom 1. Juli an ernten. Diese werden frisch verwendet, in Öl eingelegt oder getrocknet mit Salz verarbeitet, denn sie sind noch nicht lagerfähig.

junger KnoblauchVon März bis Mitte Mai ist der Lauch ganz weich und die Zehen haben sich noch nicht ausgebildet. Der Selbstversorger erntet von März bis Mai diesen Frühlingsknoblauch, der im Geschmack besonders mild und würzig ist. Verwertet wird die ganze Pflanze.

Lagerfähig werden die Zwiebeln erst durch die Reife: Wenn die Blätter beginnen gelb zu werden (Juli bis September), nimmt man die Knoblauchzwiebeln aus dem Boden, reinigt sie von anhaftender Erde, bindet die Stängel zusammen und hängt sie an einem luftigen Ort zum Trocknen auf. Die schönsten Exemplare behält man für die erneute Pflanzung zurück. Die Ernte für den Verbrauch lagert man in trockenen Räumen. Das geht sowohl in gebündelter Form als auch ohne Stängel in einem Netz. Wer geschickt ist, kann die Ernte auch zu einem Zopf flechten und auf diese Weise lagern, was natürlich nicht nur praktisch sondern auch dekorativ ist. Die Lagertemperatur liegt idealerweise bei 10 bis 15 °C, kann aber auch mal kurzzeitig über- oder unterschritten werden. Ich habe in meiner Sommerküche, welche ich auch ab und an im Winter nutze, immer einige Knoblauchzehen in einem offenen Topf liegen. Bisher hat der Frost diesen in keiner Weise geschadet.

Tipp zur Mischkultur

Ein Grund, warum man Knoblauch in unseren Gärten kaum findet, ergibt sich vermutlich aus der ungewöhnlichen Kulturzeit, die von September bis August dauert und damit das entsprechende Beet für andere Kulturen blockiert ist. Die meisten Kleingärtner sind es gewohnt, den Garten im Frühjahr zu bestellen und im Spätsommer/Herbst abzuernten. Da stört dann oft diese Beetbesetzung. Allium sativum lässt sich aber bestens mit der Kultur von frisch gepflanzten Erdbeeren (diese werden im Juli gepflanzt) als echte Mischkultur kombinieren. Beide Pflanzenarten benötigen volle Sonne und kommen gut miteinander aus. Mit diesem speziellen Kombinationsanbau nutzt du jeden Zentimeter Gartenland optimal aus.

Knoblauch Erdbeeren MischkulturDer Anbau in Mischkultur mit den Erdbeeren bietet sich besonders im Kleingarten an.

Knoblauchanbau auf dem Balkon im Topf oder Blumenkasten?

Die Kultur in Pflanzbehältern ist durchaus möglich. Günstig ist es, wenn man lehmhaltige Blumenerde dafür zur Verfügung hat. Natürlich lohnt es auf dem Balkon nur, die Zehen im Sommer zu stecken. Wenn man in größeren Blumenkästen nicht zu dicht pflanzt, dann ist auch hier die Mischkultur mit Erdbeeren machbar. Letztere werden ja ebenfalls mit Sommerpflanzung kultiviert und sollten auf dem Balkon immer im Juli umgepflanzt werden. Der Anbau von dem oben beschriebenen Frühlingsknoblauch (Bild B.), der von März bis Mitte Mai frisch geerntet werden kann, ist im Topf sehr effektiv. Auch hier werden Zehen gesteckt (August bis Oktober), aber mit wenig Abstand (max. 1 bis 2 cm). Als Pflanzmaterial nimmt man gekauften Knoblauch. Im Frühjahr wird dann der größte Teil des Gemüses jung geerntet. Nur drei Exemplare werden im Topf belassen, welche ausreifen dürfen und eine zweite Ernte geben.

Welche Sorten kaufen? Weitere Erfahrungen.

Nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen gibt es noch einen dritten Grund, warum sich viele Gartenfreude im Knoblauchanbau versuchen und diesen wieder aufgeben: sie verwenden ungeeignete Sorten. Es scheint so zu sein, dass es für das deutsche Anbaugebiet (sowie Österreich/Schweiz) keine speziell gezüchteten Sorten gibt. Um herauszufinden, welcher Lauch bei mir am besten und ertragreichsten wächst, habe ich mir Pflanzmaterial aus verschiedenen Quellen besorgt: Sorten vom Gemüsestand im Supermarkt, aus den Gartenmärkten und von Online-Händlern. Diese habe ich im September gepflanzt und von Jahr zu Jahr die fettesten Knollen aufgehoben und weitergezogen. Auf diese Art und Weise habe ich mir einen Grundstock an Sortenmaterial geschaffen, der speziell für meine Anbaubedingungen geschaffen ist. Wer es ebenso macht, bekommt seine ganz eigene, regionale Sorte.

Heutzutage wird viel vom sogenannten Sommerknoblauch bzw. Winterknoblauch geschrieben und mit speziellen Sorten in Verbindung gebracht. Nach meiner Erfahrung beziehen sich diese Begrifflichkeiten aber mehr auf die Anbaumethode und weniger auf die Sorte. Zudem habe ich eingangs schon erwähnt, dass die Frühjahrskultur bei uns in der Regel keine befriedigenden Erträge bringt.

Japanischer KnoblauchEine japanischer Varietät mit sehr kleinen Bulbillen.

Eine letzte Erfahrung, welche ich in den letzten Jahren gemacht habe ist die, dass die oben beschriebenen Bulbillen bei den verschiedenen Sorten unterschiedlich groß ausfallen. Manche sind einen Zentimeter groß und rund; andere sind halbrund und viel kleiner und beim Japanischen Knoblauch sogar winzig, und ähneln dort etwas großen, fetten Kümmelkörnern. Diese sind ein gutes Hühnerfutter und bekanntlich vertreibt der Lauch auch die Hühnermilben, die besonders in den Sommermonaten eine Plage des Federviehs sind. Doch, wie schon Hölderlin vermerkte: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" und dies ist genau zur Plagezeit der rettende "Hühnerknoblauch". Der Autor hat in seinem Garten diesbezüglich bereits Jahr für Jahr die geeigneten Sorten selber ausgelesen. Vielleicht sind für den Selbstversorger zukünftig sogar die Japanischen Sorten die besseren. Sie besitzen zwar kleinere Zwiebeln, doch das bessere Futter für die Hühner. Zudem kann man mit kleinen Zwiebeln in der Küche besser dosieren. Auf der anderen Seite können diese Sorten dichter angebaut werden und bringen womöglich den gleichen Ertrag, wie die Riesensorten.