Knoblauch ZwiebelnDie schönsten Zwiebeln werden für die Vermehrung genommen und nicht für die Küche!
Die schönsten Zwiebeln werden für die Vermehrung genommen und nicht für die Küche!

Knoblauch (Allium sativum) ist eine leicht anzubauende, sehr gesunde Gewürz- und Heilpflanze. Trotzdem ist sie in unseren heimischen Gärten eher selten anzutreffen. Der Grund dafür mag sein, dass die Kultur sehr oft zusammen mit Salat, Kohlrabi und Co. im Frühjahr gepflanzt wird [1]. Doch die Pflanzung im Frühjahr bringt nur selten gute Ernten. Besser ist es, die Knoblauchzehen im Spätsommer zu stecken und sie auf dem Beet überwintern zu lassen, was überhaupt kein Problem ist. Auf all diese Eigenheiten werde ich in diesem Beitrag mit einer entsprechenden Anbauanleitung eingehen. Natürlich bedingt die Pflanzung im September, dass wir schon im laufenden Jahr für die kommende Saison planen müssen, also welches Beet voraussichtlich mit welcher Gemüseart belegt werden soll. Wer im Herbst die gesamte Anbaufläche umgraben möchte, sollte den Platz für den Knoblauch mit Bedacht wählen. Doch dieses Planen und Tüfteln macht ja gerade den Reiz und Spaß des Hobbys aus, und so mag sich der Leser nun mit Interesse in diese Thematik begeben.

Betrachten wir zunächst kurz die botanische Systematik und vor allem auch die Herkunft dieser uralten Kulturpflanze.

Botanik

Allium sativum gehört zur Gattung der Laucharten (Allium). Diese Pflanzengattung ist eine Unter-Unter-Familie (Tribus) der Unter-Familie der Allioideae, welche der Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) zugeordnet wird. Die Amaryllisgewächse gehören zur Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) und so sehen wir, dass die beliebte Würzpflanze sogar mit dem Spargel verwandt ist, wenn auch sehr fern. Zur Küchenzwiebel ist das Verwandtschaftsverhältnis hingegen sehr nahe, da beide bereits über die gleiche Gattung genetisch verbunden sind. Nahe ist auch die Verwandtschaft zum Porree und optisch besonders zur Porree-Art-Variante des Elefanten-Knoblauchs (Allium ampeloprasum var. ampeloprasum), der oft mit Allium sativum verwechselt wird.

KnoblauchbeetFür den Jahresbedarf braucht es ein Beet von ein bis zwei Quadratmeter Größe.

Die Bezeichnung sativum im botanischen Namen Allium sativum leitet sich vom Lateinischen ab und heißt so viel wie angebaut oder ausgesät. "Kultivierter Lauch" wäre ebenfalls eine passende deutsche Übersetzung. Allium sativum ist eine ausdauernde (perennierende), krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 30 bis 90 Zentimetern erreicht. Sie blüht im Juni und Juli. Die kugelige, häutige Zwiebel ist aus mehreren kleinen, länglichen Zwiebelchen, die als Zehen bezeichnet werden, zusammengesetzt. Allium sativum var. sativum bezeichnet den Kulturknoblauch.
Daneben gibt es den Schlangenlauch (Roggenbolle, Rockenbolle), vermutlich eine Unterart des Knoblauchs mit dem botanischen Namen Allium sativum var. ophioscorodon (Syn. Allium scorodoprasum). Lediglich diese Art wird vom Frühling bis zum Sommer kultiviert.

Herkunft

Die alte Kulturpflanze stammt ursprünglich aus der eurasischen Steppenlandschaft, die zwischen Schwarzem Meer und der Wüste Gobi liegt, und ist heute in ihrer ursprünglichen Wildform auch dort nicht mehr zu finden, sondern nur in der Varietät  Allium longicuspis, welche A. sativum aber sehr nahe steht [2]. In dieser Steppenlandschaft wurde sie ganz sicher schon in ältester vorgeschichtlicher Zeit kultiviert und gelangte von da aus in die Hochkulturen der alten Welt. In China wurde das Gewächs bereits in der Shang-Dynastie (ca. 1570–1066 v. Chr.) urkundlich erwähnt. Im alten Indien war der Knoblauch ein wichtiges Heilmittel und man schätzte ihn über die Maßen auch bei den alten Babyloniern, Ägyptern, Griechen und Römern. Erwähnt wird das Würzgemüse selbst in der Bibel (Num. 11,5), und der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jahrhundert v. Chr.) wusste von den Skythen zu berichten, dass sie neben Getreide, Hirse und Linsen auch Zwiebeln und Knoblauch anbauten (4. Buch, 17). Interessant sind dabei zwei Umstände. Der eine ist, dass die oft fälschlich als Reiternomaden bezeichnete Skythen (heutige Nachfahren sind quasi die Mongolen) Ackerbau betrieben, und der andere, dass vermutlich seit der Steinzeit urheimatliche Gemüse genutzt und "angebaut" wurden. Natürlich wurde der Knoblauch damals vorzugsweise als Würzgemüse für Fleischgerichte genutzt. Er machte sie bekömmlicher und haltbarer. Deshalb können wir auch davon ausgehen, dass solch uralten Gemüsepflanzen, wie Zwiebeln und Lauchgewächse bereits bei den steinzeitlichen Jägern und Sammlern in Gebrauch waren, um mit ihnen die Fleischspeisen zu würzen und zu konservieren. Unsere heutiger Knoblauch und ebenso die Küchenzwiebel (deren Herkunft ebenfalls in Richtung eurasischer Steppe vermutet wird), sind deshalb wohl echte "Steinzeitgemüse" und schon so lange durch Menschen kultiviert worden, dass deren Wildformen nicht mehr auszumachen ist.

Knoblauch pflanzen – Die Anbauanleitung

Vorweg möchte ich kurz die drei wichtigsten Voraussetzungen nennen, die es beim Anbau zu beachten gibt:

1. Eingangs hatte ich bereits den ersten wichtigen Punkt genannt und das ist der Zeitpunkt der Pflanzung. Die Zehen sollten im September gepflanzt werden. Anfang Oktober ist auch noch möglich, aber später nicht.
2. Der zweite Faktor für das Gelingen der Kultur ist der Abstand der Pflanzen auf dem Beet. Ein Reihenabstand von 15 und ein Pflanzabstand von 20 Zentimetern ist ideal. Engere Zwischenräume bewirken, dass die Knoblauchzwiebeln kleiner bleiben und die Pflanzen anfälliger für Pilzkrankheiten (Knoblauch-Rost) werden.
3. Der dritte wichtige Aspekt ist die Pflege, zu der die Düngung nach dem Winter (im März) und das Wässern bei Trockenheit im Frühsommer (Mai/Juni) zählen.

Standort und Boden, Pflanzmaterial

Der optimale Boden sollte warm und sandig-lehmig sein. In alter Fachliteratur fand ich die passende Beschreibung "Gartenboden in alter Kraft". Das heißt, die Erde erfuhr über viele Jahre Bearbeitung und ist reich an Humus und Bodenorganismen ist. Ungünstig sind ein reiner Sandboden und ein nasser Standort. Sehr harte Erde muss mit Kompost und Sand aufgebessert werden. Dabei ist wie bei allen Zwiebelgewächsen wichtig: niemals mit frischem Mist düngen! Eine Vorfrucht kann organisch mit Stallmist gedüngt werden, der Knoblauch selber nicht mehr. Nur gut verrottete Komposterde darf vor der Pflanzung zugegeben werden.
Der Standort muss warm, sonnig und luftig sein. Viel Nässe fördert den Pilzbefall. Auch ein ausreichender Abstand zu anderen Zwiebel- und Lauch-Beeten sollte eingehalten werden. Für kleine Gärten heißt das, nicht unmittelbar nebeneinander anbauen. Je größer der Abstand, umso geringer die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge, die für all diese Kulturen dieselben sind.
Die Vermehrung des Knoblauchs erfolgt mittels der Zehen, die sich in einer gesunden, gut ausgereiften Zwiebel befinden. Diese werden einzeln gesteckt bzw. gepflanzt. Der Begriff “pflanzen” ist dabei sogar genau der richtige, denn es werden Pflanzenteile in den Boden gesetzt.
Wer eigenes Pflanzmaterial verwenden will, der nimmt die letzten Zwiebeln der Ernte, die garantiert gut ausgereift sind, und lässt sie an einem trockenen Ort mindestens zwei bis drei Wochen nachreifen und gut trocknen. Natürlich können wir Pflanzknoblauch auch kaufen. Das Material dazu gibt es ab Anfang September in den Gartenmärkten oder beim Onlinehändler zu erwerben. Es ist aber auch möglich, ganz normale Knoblauchzwiebeln auf dem Wochenmarkt oder in der Gemüseabteilung im Supermarkt zu kaufen. Diese Zehen bringen den gleichen Ertrag.

Zeitpunkt

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist der Zeitpunkt der Pflanzung bei der Kultur des Knoblauchs (Pflanzknoblauch) von großer Wichtigkeit. Das Pflanzen im Frühjahr, wird für unsere Breiten zwar oft empfohlen, doch nach meinen Erfahrungen ist das viel zu spät. Nur, wenn die Zehen im September, spätestens Anfang Oktober in die Erde kommen, können sie noch vor dem Winter Wurzeln schlagen und erste kleine Laubblätter bilden. In diesem Zustand überwintern die Pflanzen und beginnen im kommenden, zeitigen Frühjahr (im Gegensatz zum Frühjahrsanbau aufgrund der Vorlaufzeit) mit einem kräftigen Wachstum. In Gegenden, wo die Winter hart und schneereich sind, sollte die Pflanzung allerdings nicht schon im September sondern tatsächlich erst Ende Oktober erfolgen, weil so vor der kalten und harten Jahreszeit noch nicht zu viel Grün austreibt. Haben wir diese Termine verpasst, können wir Knoblauch notfalls noch im November stecken. Der Vorlauf ist dann zwar geringer, aber immer noch höher als bei der Frühjahrspflanzung.

Pflanzabstand und -tiefe

Die Zehen werden in einem Reihenabstand von 20 Zentimetern, einem Pflanzabstand von 15 Zentimetern und einer Tiefe von fünf bis sieben Zentimeter gepflanzt. Wer die Tiefbeetkultur anwendet, kann im Dreiecksverband in 15 Zentimeter Abstände pflanzen. Geringere Zwischenräume bewirken, dass die Zwiebeln kleiner bleiben. Man kann allerdings zunächst dichter kultivieren und später "ausdünnen" und zwar dann, wenn wir zu Frühjahrsbeginn den grünen Lauch jeder zweiten Pflanze ernten (siehe unten). Die jungen grünen Blätter können uns als Würzkraut dienen oder eine Zugabe zum Hühnerfutter sein. Das Federvieh ist gierig danach!
Auch die Pflanzung im Topf, Pflanzkübel oder Hochbeet ist möglich. Dort muss aber von März bis Juni unbedingt auf eine gleichmäßige Wasserversorgung geachtet werden.
Übrigens: Man kann manche Sorten vom Knoblauch auch 24 Monate (zweijährige Kultur) in Kultur nehmen. Das heißt, dass wir wie gewohnt im September pflanzen, nach dem ersten Jahr ernten, abtrocknen lassen und dann  komplett wieder einpflanzen. Erst im Sommer des darauffolgenden Jahres wird zum Verbrauch geerntet. Bei dieser Methode werden die Knollen besonders groß und können, je nach Sorte, bis zu dreißig Zehen ausbilden. Diese Form der Kultur sollten wir aber zuvor austesten, weil die dafür geeignete, spezielle Sorten aus dem Mittelmeerraum und Ungarn stammen müssen und die bei uns erhältlichen dazu nicht geeignet sind.

Bulbillen stecken?

Das Würzgemüse treibt Anfang Juni pro Pflanze einen Blütenstängel. Dieser dreht sich bald spiralförmig zusammen und bildet am oberen Ende eine Dolde aus (selten mit einigen Blüten), welche mit kleinen Kügelchen besetzt ist (8 bis 12 Stück). Das sind die sogenannten "Bulbillen" (Brutzwiebeln, ähnlich der Etagenzwiebel). Dabei handelt es sich um kleine Zwiebelchen, durch die sich die Pflanze vegetativ vermehren kann. Es ist also durchaus möglich, Knoblauch auf diese Weise anzubauen, im professionellen Gartenbau ist diese Art der Vermehrung allerdings nicht effektiv.

KnoblauchbeetBei dieser dichten Besetzung wird im zeitigen Frühjahr jede zweite Pflanze als grüner Lauch geerntet. Siehe unten.

Für einen längerfristigen Anbau (dreijährige Kulturzeit) können sie jedoch trotzdem Verwendung finden. Diese Bulbillen werden zur Erntezeit eingesammelt und dann sofort wieder in die Erde gesteckt. Sie sind gegen Frost unempfindlich. Sie können aber auch in der Gartenlaube überwintern und im Frühling gepflanzt werden. Aus Bulbillen entwickeln sich Pflanzen, die zunächst nur eine zwiebelförmige Knolle ohne die typischen einzelnen Zehen besitzen. Überwintern sie ein weiteres Mal im Boden (oder geerntet an einem frostfreien Ort), bilden sie im kommenden Jahr sehr kleine Zehen aus. Diese können nun geerntet und verbraucht werden.
Alternativ verwendet man sie ein weiteres Mal zum Anbau. Allerdings pflanze ich in diesem Falle die komplette Zwiebel mit all ihren Zehen, da sie in diesem Verbund kräftiger weiter wachsen, als wenn ich Zehen teile und einzeln stecke. Für diese Kultur kann hier auch ein leicht überschatteter Standort genutzt werden. Selbst Plätze in der Umgebung der Obstbauhecken sind ideal. Von diesem jungen Knoblauch hab ich immer größere Mengen auf allen möglichen Splitterflächen verteilt stehen und nutze die Ernten hauptsächlich als Hühnerfutter. Knoblauch (Blattwerk und Knollen), wie auch Küchenzwiebeln (alles regelmäßig in moderaten Mengen verabreicht) sind ein wichtiger Futterzusatz für das Federvieh, der es vor Parasiten schützt.

Pflege und Stickstoff-Düngung

Während der Zeit des Wachstums wird der Boden gelockert und gejätet. Sehr wichtig ist eine Düngung (flüssiger Stickstoffdünger [3]) Anfang März, wenn der Boden frostfrei ist. Im April, etwa fünf bis sechs Wochen nach der ersten Düngergabe, kann erneut ein Flüssig-Sticksoffdünger gegeben werden. Später bringen Nährstoffgaben allerdings nicht mehr viel.
Außer einer flachen Bodenlockerung und dem Gießen bei Trockenheit braucht es dann keine besondere Pflege mehr. Auch wenn unser Lauchgemüse aus der Steppe stammt, so ist bei Bedarf das gründliche Wässern (vor allem im Mai und Juni) aber sehr wichtig. Es wirkt sich signifikant auf das Wachstum der Zwiebelzehen aus, was aber nicht heißt, dass die Pflanzen ein feuchtes Klima mögen. Sehr ungünstig ist etwa eine feucht-warme Witterung im Frühjahr, welche Pilzkrankheiten, wie den Knoblauch-Rost fördern. Diesbezüglich haben wir also wiederum eine Steppenpflanze vor uns, mit ihren sehr speziellen Bedürfnissen an den Standort.
Übrigens: Viele alte Tipps zur Thematik der Kultur mögen zwar interessant sein, doch mehr auch nicht: "Damit die Zwiebeln größer werden, soll man die langen Blätter zusammenknoten", las ich beispielsweise in einem alten Gartenbuch. Eine weitere Möglichkeit empfiehlt ein moderner Ratgeber: die im Juni treibenden Blütenstängel zu entfernen, also zu köpfen. Das habe ich getestet, jedoch ohne Erfolg. Später las ich in einem älteren Gartenbuch, was auch meine Erfahrung war: Man kann getrost den Knoblauch blühen lassen, bekommt die Bulbillen "gratis" dazu und kann diese, wie oben beschrieben, zur Pflanzenvermehrung verwenden.

Ernte und Lagerung

Frühe Lauchernte ab März

Von März bis Mitte Mai ist der Lauch ganz weich und die Zehen haben sich noch nicht ausgebildet. Der Selbstversorger erntet von März bis Mai diesen Frühlingsknoblauch, der im Geschmack besonders mild und würzig ist. Verwertet wird die ganze Pflanze von der Zwiebel bis zum jungen frischen Blattwerk.

junger KnoblauchAnfang Mai: Bereits im Frühajhr steht junger Lauch für die Küche bereit.

Erste Zehen am 1. Juli

Erste junge, zarte Zehen mit bestem Geschmack lassen sich vom 1. Juli an ernten. Diese werden frisch verwendet, in Öl eingelegt oder getrocknet mit Salz verarbeitet, denn sie sind noch nicht besonders gut aufbewahrungsfähig. Wenn wir die Ernte eingelegt verbrauchen oder vermarkten, kann es durchaus rentabel sein zeitig zu ernten: Wird nämlich das Beet anschließend sofort wieder bestellt, können wir auf der selben Fläche noch weiteres, ertragreiches Gemüse anbauen. Das ist der Zuckerhut-Salat, die Busch- oder Rankbohne (besonders Schwertbohne), vorgezogener Romanesco, Japanischer Herbstrettich und ähnliches Spätgemüse. Auch ist als Nachkultur die Erdbeere empfehlenswert, weil deren Pflanzung zeitig im Juli erfolgen sollte.

Die Ernte lagerfähiger Zwiebeln

Lagerfähig werden die Zwiebeln durch die weitere Reife, doch sollten sie auch nicht zu lange im Boden verbleiben, da sonst die äußere robuste Zwiebelhaut (welche die Zehen schützt) schadhaft wird. Spätestens, wenn die Blätter gelb werden (je nach Sorte und Witterung von Juli bis Anfang August) nehmen wir die Knoblauchzwiebeln aus dem Boden, reinigt sie von anhaftender Erde, bindet die Stängel zusammen und hängt sie an einem luftigen Ort zum Trocknen und Nachreifen auf. Die schönsten Exemplare behält man für die erneute Pflanzung zurück.
Die Ernte für den Verbrauch lagert man in trockenen Räumen. Das geht sowohl in gebündelter Form als auch ohne Stängel in einem Netz. Wer geschickt ist, kann die Ernte auch zu einem Zopf flechten und auf diese Weise lagern, was natürlich nicht nur praktisch sondern auch dekorativ ist. Die Lagertemperatur liegt idealerweise bei 10 bis 15 °C, kann aber auch mal kurzzeitig über- oder unterschritten werden. Ich habe in meiner Sommerküche, welche ich auch ab und an im Winter nutze, immer einige Knoblauchzehen in einem offenen Topf liegen. Bisher hat der Frost diesen in keiner Weise geschadet.
Empfehlenswerte Nachkulturen (Ende Juli und erste Augustwoche) sind: Cima di Rapa, Echtes Rapunzel (Rapunzel-Glockenblume), Feldsalat, Herbstrübchen und Rucola. Sie gelingen immer.

Tipp zur Mischkultur

Eingangs erwähnte ich, dass der eigene Anbau von Knoblauch oft aufgegeben wird. Ein weiterer Grund dafür – warum man Knoblauch in unseren Gärten kaum findet – ergibt sich vermutlich aus der ungewöhnlichen Kulturzeit, die von September bis August dauert und damit das entsprechende Beet für andere Kulturen blockiert ist. Die meisten Kleingärtner sind es gewohnt, den Garten im Frühjahr zu bestellen und im Spätsommer/Herbst abzuernten. Da stört dann oft diese Beetbesetzung. Allium sativum lässt sich aber bestens mit der Kultur von frisch gepflanzten Erdbeeren (diese werden im Juli gepflanzt) als echte Mischkultur kombinieren. Beide Pflanzenarten benötigen volle Sonne und kommen gut miteinander aus. Mit diesem speziellen Kombinationsanbau nutzt du jeden Zentimeter Gartenland optimal aus.

Knoblauch Erdbeeren MischkulturDer Anbau in Mischkultur mit den Erdbeeren bietet sich besonders im Kleingarten an.

Knoblauchanbau auf dem Balkon im Topf oder Blumenkasten?

Die Kultur in Pflanzbehältern ist durchaus möglich. Günstig ist es, wenn man lehmhaltige Blumenerde dafür zur Verfügung hat. Natürlich lohnt es auf dem Balkon nur, die Zehen im Sommer zu stecken. Wenn man in größeren Blumenkästen nicht zu dicht pflanzt, dann ist auch hier die Mischkultur mit Erdbeeren machbar. Letztere werden ja ebenfalls mit Sommerpflanzung kultiviert und sollten auf dem Balkon immer im Juli umgepflanzt werden. Der Anbau von dem oben beschriebenen Frühlingsknoblauch (Bild B.), der von März bis Mitte Mai frisch geerntet werden kann, ist im Topf sehr effektiv. Auch hier werden Zehen gesteckt (August bis Oktober), aber mit wenig Abstand (max. 1 bis 2 cm). Als Pflanzmaterial nimmt man gekauften Knoblauch. Im Frühjahr wird dann der größte Teil des Gemüses jung geerntet. Nur drei Exemplare werden im Topf belassen, welche ausreifen dürfen und eine zweite Ernte geben.
Für die Anzucht in Kästen bietet uns übrigens auch der Schnittknoblauch (Allium tuberosum). Dieser ist eine Art Schnittlauch mit entsprechend anderem Geschmack und ergänzt das Kräutergärtchen auf dem Balkon.

Welche Sorten kaufen? Weitere Erfahrungen.

Nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen gibt es noch einen dritten Grund, warum sich viele Gartenfreude im Knoblauchanbau versuchen und diesen wieder aufgeben: sie verwenden ungeeignete Sorten. Es scheint so zu sein, dass es für das deutsche Anbaugebiet (sowie Österreich/Schweiz) keine speziell gezüchteten Sorten gibt. Um herauszufinden, welcher Lauch bei mir am besten und ertragreichsten wächst, habe ich mir Pflanzmaterial aus verschiedenen Quellen besorgt: Sorten vom Gemüsestand im Supermarkt, aus den Gartenmärkten und von Online-Händlern. Diese habe ich im September gepflanzt und von Jahr zu Jahr die fettesten Knollen aufgehoben und weiter gezogen. Auf diese Art und Weise habe ich mir einen Grundstock an Sortenmaterial geschaffen, der speziell für meine Anbaubedingungen geschaffen ist. Wer es ebenso macht, bekommt seine ganz eigene, regionale Sorte.
Heutzutage wird viel vom sogenannten Sommerknoblauch bzw. Winterknoblauch geschrieben und mit speziellen Sorten in Verbindung gebracht. Nach meiner Erfahrung beziehen sich diese Begrifflichkeiten aber mehr auf die Anbaumethode und weniger auf die Sorte. Zudem habe ich eingangs schon erwähnt, dass die Frühjahrskultur bei uns in der Regel keine befriedigenden Erträge bringt.

Japanischer KnoblauchEine japanischer Varietät mit sehr kleinen Bulbillen.

Eine letzte Erfahrung, welche ich in den letzten Jahren gemacht habe ist die, dass die oben beschriebenen Bulbillen bei den verschiedenen Sorten unterschiedlich groß ausfallen. Manche sind einen Zentimeter groß und rund; andere sind halbrund und viel kleiner und beim Japanischen Knoblauch sogar winzig, und ähneln dort etwas großen, fetten Kümmelkörnern. Diese sind ein gutes Hühnerfutter und bekanntlich vertreibt der Lauch auch die Hühnermilben, die besonders in den Sommermonaten eine Plage des Federviehs sind. Doch, wie schon Hölderlin vermerkte: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" und dies ist genau zur Plagezeit der rettende "Hühnerknoblauch". Der Autor hat in seinem Garten diesbezüglich bereits Jahr für Jahr die geeigneten Sorten selber ausgelesen. Vielleicht sind für den Selbstversorger zukünftig sogar die Japanischen Sorten die besseren. Sie besitzen zwar kleinere Zwiebeln, doch das bessere Futter für die Hühner. Zudem kann man mit kleinen Zwiebeln in der Küche besser dosieren. Auf der anderen Seite können diese Sorten dichter angebaut werden und bringen womöglich den gleichen Ertrag, wie die Riesensorten.


Hinweise und Literatur:
[1] Ein Grund vieler Misserfolge beim Knoblauch pflanzen sind die Beschreibungen in der gängigen Literatur zum Thema. Diese empfiehlt häufig, ihn nicht nur im Herbst, sondern auch im Frühling zu stecken. Ich bin jedoch der Meinung, und da spreche ich aus Erfahrung, dass der Anbau im Frühjahr in unseren mitteleuropäischen Breiten völlig ungeeignet ist. Es folgen meine Tipps für die Kultur im Kleingarten, doch zuvor wollen wir uns noch einmal kurz der Botanik widmen. Des Weiteren ist es aus Sicht des Autors eine Merkwürdigkeit, dass Knoblauch in Deutschland irgendwie zu den mediterranen Gemüsen zählt, für die es hier zu kalt sei. Dabei sind die Pflanzen absolut frostfest und gehören zu denjenigen mehrjährigen Gewächsen, die in den Gärten des nordalpinen Raums ebenso heimisch geworden sind wie beispielsweise die Rote Beete. Ursprünglich kommt letztere auch aus dem Mittelmeerraum, und niemand käme auf die Idee, diese Rüben als typische Mittelmeerkost zu bezeichnen.
[2] Dürrauer, Vanessa Victoria; Knoblauch (Allium sativum): Fakten und Mythen im Hinblick auf die menschliche Gesundheit (Diplomarbeit); Graz 2016; Seite 16
https://unipub.uni-graz.at/download/pdf/1552471
[3] nach dem SelfBio-Kanal, eignet sich einen angesetzte Jauche aus Hühnermist bestens für diese Zwecke
https://www.youtube.com/watch?v=bNPzQdMOnJ4; Knoblauch im Frühjahr düngen damit du später richtig große Knollen ernten kannst - Düngen im März; 4.3.2022

  • Schwefelhaltige Dünger können den Gehalt an ätherischen Ölen erhöhen:
    Laber H. / Lattauschke G.; Gemüsebau; Stuttgart (Hohenheim) 2020; Seite 445
  • https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenbau/dateien/2016_g2-02-12_knoblauch_sorten.pdf
  • https://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/DE/Ernaehrung-Lebensmittel/Vermarktungsnormen/VermarktungsnormenObstGemuese/TagungQualitaetskontrolle/Menghui-Text-DE.pdf?__blob=publicationFile&v=2
  • https://www.derstandard.de/story/2000124974486/antike-skythen-waren-wohl-weniger-nomaden-als-gedacht