Die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine wunderschöne Sommerblume und häufig unterschätzte Würz- und Heilpflanze. In Blumenkübeln auf der Terrasse und ganz besonders auch auf dem Balkon, wo sie sich entfalten und kaskadenartig herabwuchern kann, kommen ihre im warmen Gelb über Orange bis Rot leuchtenden Blüten gut zur Geltung. Die Kresse ist sehr einfach anzubauen und, wenn man im Herbst die dicken, kugeligen Samen sammelt, auch gut selber zu vermehren.
Da Kapuzinerkresse nicht frostfest ist, darf sie nicht zu zeitig ausgesät werden. Wer schon bald junge Pflanzen, wie im Bild 2) zu sehen, haben möchte, kann sie im Blumentopf am warmen Fenster vorziehen. Die Samen brauchen lange zum Keimen.
Die Pflanzerde sollte nährstoffarm sein, sonst bildet die Pflanze nur jede Menge Blattmasse aber kaum Blüten aus. Darum muss auch nicht gedüngt werden. Eine Schneckenschutz wird nicht benötigt.
Botanik
Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine Art der Pflanzengattung der Kapuzinerkressen (Tropaeolum). Diese wiederum sind die einzige Gattung der Pflanzenfamilie der Kapuzinerkressegewächse (Tropaeolaceae) und gehören in die der Ordnung der Kreuzblütlerartigen (Brassicales).
Die Kreuzblütlerartigen fügen sich nach der Nomenklatur in die Malviden (auch Eurosiden II), diese in die Rosiden und diese in die Kerneudikotyledonen, welche eine Pflanzengruppe der Bedecktsamigen sind.
Eine relativ nahe verwandte Gruppe stellen die Kaperngewächse (Capparaceae) dar, welche ebenfalls eine Familie in der Ordnung der Kreuzblütlerartigen sind. Zu ihnen gehört der Echte Kapernstrauch (Capparis spinosa), von dem die bekannten Blütenknospen gewonnen werden. Tatsächlich ähneln sie dem Samen der Kapuzinerkresse, der wiederum als Kapern-Ersatz verwendet werden kann.
Genau genommen ist die Große Kapuzinerkresse keine richtige Art, sondern es soll wohl ein Hybrid (Bastard) zweier südamerikanischer Kapuzinerkresse-Arten (?) sein. Das mag etwas außergewöhnlich scheinen, doch ein ähnliches Phänomen haben wir auch bei der Kartoffel, welche ebenfalls ihre Herkunft in Südamerika hat und ein Hybrid ist.
Meist ist es ja so, dass Hybriden selbst nicht mehr fruchtbar sind, doch sowohl bei der Kartoffel als auch bei der Kapuzinerkresse ist das anders. Sie können aus dem gewonnenen Samen wieder weiter vermehrt werden.
2) Oft dauert es mehr als 14 Tage, bis die Samen aufgehen.
Heilwirkung
Wir können die Kapuzinerkresse durchaus zu den uralten Kulturpflanzen der Ureinwohner Amerikas (westliches Südamerika, Brasilien, Peru) zählen. Bekannt ist, dass bereits die Hochkultur der Inka (13. bis 16. Jahrhundert) die Pflanze als Schmerz- und Wundheilmittel verwendete, und auch heute noch ist sie bei den indigenen Völkern Südamerikas eine Heilpflanze, um Hautkrankheiten, Skorbut, Vergiftungen, Kopfschmerzen und Bronchitis zu lindern. [1] Weitere Heilwirkungen werden ihr bezüglich Candida-Infektionen (Pilzinfektionen), Blasenentzündung und Erkältung zugesprochen.
Die Kapuzinerkresse wurde vom "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gekürt. Ihre Heilwirkung ist vermutlich aber nur eine unterstützende, da die in der Pflanze befindlichen Senföl-Glucoside, welche im menschlichen Körper durch Enzyme in Senföle umgewandelt werden, leicht antibakteriell und antimykotisch wirken. Auch eine krebshemmende Wirkung wird ihnen zugeschrieben.
Verwendung im Kräutergarten und in der Küche
Auf jeden Fall ist die Kapuzinerkresse ein gesundes Würzkraut und ein attraktives dazu. Sowohl Blätter als auch Blüten können wir herzhaften Salaten und Kräutermischungen zugeben und zum Würzen von Kräuterbutter, Pesto oder Kräuterquark verwenden. Wer für ein Buffet essbare Blüten zur Dekoration benötigt, hat mit diesen farbenfrohen Kapuzinern eine gute Wahl getroffen.
Von wann bis wann die Blüten zur Verfügung stehen, ist unter der Überschrift "Reiche Blüte" nachzulesen. Wer den Anbau der Kapuzinerkresse zu Gewinnung für ein Buffet einplant, der sollte sich in der Anbauanleitung auch bezüglich der Blühwilligkeit kundig machen. Oft lese ich in Internetforen oder höre von Hobbygärtnern den Hilferuf: "Meine Kapuzinerkresse blüht nicht, was kann ich tun?" Auch dazu findet der Leser entsprechende Hinweise.
3) Eine attraktive und zugleich gesunde Dekoration.
Das vitaminreiche [2] Küchenkraut punktet vor allem durch den scharfen Geschmack der Blätter. Diese Schärfe wird, wie bei Rettich, Meerrettich, Rucola usw. durch Senfölglucoside bewirkt. Als angenehm scharfes Würzkraut erfreut uns die Kapuzinerkresse im Hausgarten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon zugleich noch als pflegeleichte Zierpflanze (Sommerblume), deren leuchtende Blüten nicht zu übersehen sind.
Doch nicht nur Blätter und Blüten können in der Küche Verwendung finden. Auch die Blütenknospen und sogar die Samen können nützlich sein. Die noch geschlossenen Blütenknospen und junge Samen werden als als Ersatz für Karpern verwendet und dafür in Essig eingelegt, wodurch sie haltbar und mit einer zusätzlichen Geschmacksnote versehen werden.
Ausgreifte und getrocknete Samen werden von der festen Hülle befreit und dienen als Pfefferersatz. Sie können sogar in der Pfeffermühle gemahlen werden. Wir sollten die ausgereiften Samen durchaus alle sammeln, in der Küche verwenden, aber unbedingt auch einen Teil für die Aussaat im kommenden Jahr aufheben.
Verwendung als Zierpflanze
Die Kapuzinerkresse ist nicht nur eine köstliche Würzpflanze und ein universelles Heilkraut sondern zugleich eine hervorragende Blühpflanze für den Balkon, um Zäune zu bekleiden, wie im Bild 1) zu sehen, Bodenflächen zu bedecken oder Terrassierungsmauern zu bepflanzen. Sie passen auch sehr schön in mediterran gestaltete Gärten, Balkone und Terrassen sowie in jeden Landhausgarten.
Die Pflanzen lieben volle Sonne, aber auch im Halbschatten gedeihen sie noch recht gut, nur bilden sie dort weniger Blüten aus. Die farbenfrohen, leuchtenden Blüten sitzen an verhältnismäßig langen Stielen und können auch zu kleinen Blumensträußen gebunden werden.
Ab etwa Anfang Juli kann man mit den Blüten rechnen und, wenn es keinen Nachtfrost gibt, sich bis in den Oktober hinein daran erfreuen. Wenn der Herbst lange frostfrei bleibt, geht der Flor an sonnigen Plätzen sogar bis in den November hinein. Aber nur wenige Grade unter Null machen die ganze Pracht zunichte.
Anbau im Freiland
Die Kapuzinerkresse wächst bei uns als einjährige Pflanze. Gesät wird nach dem 15. Mai direkt ins freie Land. Solange Nachtfrostgefahr besteht ("Eisheilige" vom 11. bis 15.Mai), nimmt die kälteempfindliche Pflanze Schaden.
Sagen die Wetterprognosen in den letzten Apriltagen einen frostfreien Mai voraus, dann können wir den Samen natürlich schon eher aussäen. Geht die Temperatur trotzdem einmal gegen 0 °C, kann ein Abdecken der Saatfläche hilfreich sein.
Kapurzinerkrese gedeiht am besten in einem lockeren, gut vorbereiteter Boden. Die Samen geben wir zwei Zentimeter tief (Dunkelkeimer) in die Erde mit einem Pflanzabstand von 15 Zentimetern.
Die ideale Temperatur für das Auflaufen der Samen liegt bei 15 bis 18°C. Es dauert relativ lange, je nach Außentemperatur etwa 14 bis 20 Tage, bis sich die Pflänzchen zeigen.
Reiche Blüte
Oft hören wir die Hobbgärtner klagen: "Meine Kapuzinerkresse blüht nicht!" Was mag die Ursache dafür sein? Die ist schnell gefunden, denn bekannt ist, dass der Boden für das Gewächs nicht zu nährstoffreich sein darf, denn dann wachsen nur Blätter, und es werden kaum Blüten ausgebildet. Wer für die Aussaat und später auch fürs Auspflanzen fertiges Substrat im Gartenmarkt kauft, bedenkt selten, das dieses häufig bereits mit Stickstoff angereichert wurde.
Was für andere Kulturen von Vorteil ist, wird der Kapuzinerkresse zum Nachteil. Die Blätter wachsen zu rasch, bekommen keine starke Epidermis und werden zudem anfällig für Schadinsekten (Blattläuse). Wer das kränkliche Aussehen nun für Nährstoffmangel hält und mit Blumendünger gießt, befeuert diesen Teufelskreis nur noch mehr. Besser ist eine Gabe von Kali, der die Pflanze stärkt.
Die Besonderheit bei Tropaeolum majus ist, dass diese Gewächse möglichst humusreiche Erden zum gesunden Wachstum benötigen – genau gesagt ist es humusreiche, sandige Lehmerde, die leicht kalkhaltig sein sollte, aber keinesfalls sauer. Am besten eignet sich dafür Kompost, dem kein Dünger zugegeben wird. Kompost, feinkrümelig gesiebt, ohne Zugabe von Mist oder Kunstdünger, ist sehr reich an Humus. Zudem enthält er ein ausgewogenes Verhältnis von Nährstoffen.
Es sind die Mikroorganismen, welche Komposterde so wertvoll und fruchtbar machen und die der Kapuzinerkresse besonders dienlich sind. Wir können diese Mikroorganismen fördern, indem wir mit abgestandenem, leicht angewärmtem Wasser gießen. Wenn wir zusätzlich ein wenig Komposterede in das Gießwasser krümeln und es noch einige Zeit stehen lassen, wird dieses biologisch aktiviert und von den Blumen besser vertragen, als frisches, meist kaltes Gießwasser aus der Leitung.
Im Garten können wir auch mit stark verdünnter Mist- oder Pflanzenjauche gießen, aber auf dem Balkon oder der Terrasse ist das wegen der Geruchsbelästigung nicht ratsam.
Und nicht zuletzt ist es die Wassermenge, die ausschlaggebend für ein gesundes Wachstum und eine reichhaltige Blütenbildung ist. Es sollte nur soviel gegossen werden, dass die Pflanzerde feucht ist. Es darf sich keinesfalls Staunässe bilden, was in Töpfen und Blumenkästen oft schnell der Fall ist. Deshalb sollten wir keine hohen Übertöpfe verwenden und auch in den Untersetzern darf kein Wasser stehen. Auf dem Balkon oder auf der Terrasse ist es ratsam, bei Dauerregen die Pflanzschalen ins Trockene zu stellen.
Das waren bereit die kleinen Geheimnisse, warum bei manchen Gartenfreunden die Kapuzinerkresse von Juli bis in den November hinein üppig blüht und warum bei anderen nicht.
Anzucht in Töpfen
Die Alternative zur Freilandaussaat ist die frostfreie Anzucht von Jungpflanzen in Töpfen zum späteren Umsetzen. Für die Aussaat nehmen wir nicht zu kleine Gefäße. Sogenannte 9er Töpfe (Durchmesser oben 9 cm) sind ideal. Diese befüllen wir mit Erde, welche aus Komposterde gemischt mit Gartenerde vom Beet bestehen sollte.
In jeden Topf kommen drei Samenkörner zwei Zentimeter tief. Es wird mäßig angegossen. Bis die Samen aufgehen, können sie durchaus dunkel stehen, dann müssen sie aber an ein helles Fenster kommen.
Mischkultur gegen Läuse
Eine Art Mischkultur oder Mischanbau findet statt, wenn wir die Kresse als Bodendecker unter Apfelbäumen (Spindeln, uä.) aussäen oder -pflanzen. Damit soll die Blutlaus (Eriosoma lanigerum) von den Bäumen ferngehalten werden. Besonders gefährdet sind beispielsweise die alten Apfelsorten 'Golden Delicious', Jonathan, 'Klarapfel' und 'Wintergoldparmäne', und in älterer Literatur rät man zu dieser Maßnahme. [3]
Die Blutlaus wirkt optisch übrigens eher wie eine Woll-Laus und bildet watteartig überzogen Kolonien am Geäst. Dort schädigt sie die Rinde, und es können sich Schadpilze leichter ansiedeln.
Aber auch die Kapuzienerkresse ist oft das Ziel von Läusen, meistens der Blattlaus (Aphidoidea), die den Pflanzensaft aus Blättern und Stängeln saugt und das Gewächs damit schädigt. "Blattläuse in der Kapuzinerkresse – was kann ich dagegen tun?" – diese Frage lese ich in Internetforen häufig.
Ich rate dazu, gar nichts zu tun, weil man da wirklich gar nicht viel machen kann. Irgendwelche Spritzmittel (Insektizide) einzusetzen, wäre mit Spatzen auf Kanonen zu schießen und alternativen Mittel (Kernseifen-Laugen) zu verwenden sind reine Zeitverschwendung und Beschäftigungstherapie.
Wenn Zierpflanzen von Läusen befallen werden, dann ist meist Pflanzenstress ein Grund dafür oder plötzliche Wetterumschwünge im Mai und im Frühsommer, also etwa von einer kalten zu plötzlicher heißer Witterung. Oftmals regenerieren sich die Pflanzen von selbst und bilden neue, kräftigere Blätter aus, die dann nicht mehr so anfällig sind.
Die magische Anziehungskraft der Läuse auf das Kraut scheint aber auch eine positive Seite aufzuweisen, denn offensichtlich lenkt es die Schadinsekten irgendwie ab, sich auf Apfelbäumen niederzulassen. Die Läuse bevorzugen nach dem oben vorgestellten Konzept der Unterpflanzung von Apfelbaumspindeln (bei Hochstämmen ist es wohl zwecklos) nicht die Bäume, sondern die Kressen als das kleinere Übel.
Literatur/Hinweise
- [1] https://web.archive.org/web/20130206104506/http://www.presse.uni-wuerzburg.de/einblick/single_special/artikel/kapuzinerk/
- [2] Folgende Inhaltsstoffe sind weiterhin erwähnenswert Vitamin C und B, Kalium, Calcium, Phosphor und Chrom
- [3] F. Böhmig; Rat für jeden Gartentag; Leipzig 1971
- Ob die Namensgebung von den Kapuzen der Mönche ähnelnden Blüten herrührt ist fraglich, es kann auch sein, dass sie wie die Kapuzinererbsen direkt aus Mönchsgärten stammen
