Kapuzinerkresse am Zaun
1) Hier am Zaun fühlen sie sich wohl und ranken in sonnige Bereiche.

Die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine wunderschöne Sommerblume und häufig unterschätzte Würz- und Heilpflanze. In Blumenkübeln auf der Terrasse und ganz besonders auch auf dem Balkon, wo sie sich entfalten und kaskadenartig herabwuchern kann, kommen ihre im warmen Gelb über Orange bis Rot leuchtenden Blüten gut zur Geltung.  Die Kresse ist sehr einfach anzubauen und, wenn man im Herbst die dicken, kugeligen Samen sammelt, auch gut selber zu vermehren.

Da Kapuzinerkresse nicht frostfest ist, darf sie nicht zu zeitig ausgesät werden. Wer schon bald junge Pflanzen haben möchte, kann sie im Blumentopf am warmen Fenster vorziehen. Die Samen brauchen lange zum Keimen, siehe Bild 2).

Die Pflanzerde sollte nährstoffarm sein, sonst bildet die Pflanze nur jede Menge Blattmasse aber kaum Blüten aus. Darum muss auch nicht gedüngt werden. 

Einen Schneckenschutz benötigen die Pflanzen nicht.

Botanik

Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine Art der Pflanzengattung der Kapuzinerkressen (Tropaeolum). Diese wiederum sind die einzige Gattung der Pflanzenfamilie der Kapuzinerkressegewächse (Tropaeolaceae) und gehören in die der Ordnung der Kreuzblütlerartigen (Brassicales).

Die Kreuzblütlerartigen fügen sich nach der Nomenklatur in die Malviden (auch Eurosiden II), diese in die Rosiden und diese in die Kerneudikotyledonen, welche eine Pflanzengruppe der Bedecktsamigen sind.

Eine relativ nahe verwandte Gruppe stellen die Kaperngewächse (Capparaceae) dar, welche ebenfalls eine Familie in der Ordnung der Kreuzblütlerartigen sind. Zu ihnen gehört der Echte Kapernstrauch (Capparis spinosa), von dem die bekannten Blütenknospen gewonnen werden. Tatsächlich ähneln sie dem Samen der Kapuzinerkresse, der wiederum als Kapern-Ersatz verwendet werden kann.



Genau genommen ist die Große Kapuzinerkresse keine richtige Art, sondern es soll wohl ein Hybride zweier südamerikanischer Kapuzinerkresse-Arten (?) sein. Das mag etwas außergewöhnlich scheinen, doch ein ähnliches Phänomen haben wir auch bei der Kartoffel, welche ebenfalls ihre Herkunft in Südamerika hat und ein Hybrid ist.

Meist ist es ja so, dass Hybriden (Bastarde) selbst nicht mehr fruchtbar sind, doch sowohl bei der Kartoffel als auch bei der Kapuzinerkresse ist das anders. Sie können aus dem gewonnenen Samen wieder weiter vermehrt werden.

Kapuzinerkresse Jungpflanzen2) Oft dauert es mehr als 14 Tage, bis die Samen aufgehen.

Heilwirkung

Wir können die Kapuzinerkresse durchaus zu den uralten Kulturpflanzen der Ureinwohner Amerikas (westliches Südamerika, Brasilien, Peru) zählen. Bekannt ist, dass bereits die Hochkultur der Inka (13. bis 16. Jahrhundert) die Pflanze als Schmerz- und Wundheilmittel verwendeten und auch heute noch ist sie bei den indigenen Völkern Südamerikas eine Heilpflanze, um Hautkrankheiten, Skorbut, Vergiftungen, Kopfschmerzen und Bronchitis zu lindern. [1]

Weitere Heilwirkungen werden ihr bezüglich Candida-Infektionen, Blasenentzündungen und Erkältungen zugesprochen. Die Kapuzinerkresse wurde vom "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gekürt. Ihre Heilwirkung ist vermutlich aber nur eine unterstützende, da die in der Pflanze befindlichen Senföl-Glucoside leicht antibakteriell und antimykotisch wirken.



Verwendung im Kräutergarten und in der Küche

Auf jeden Fall ist die Kapuzinerkresse ein gesundes Würzkraut und ein attraktives dazu. Sowohl Blätter als auch Blüten können wir herzhaften Salaten und Kräutermischungen zugeben und zum Würzen von Kräuterbutter, Pesto oder Kräuterquark verwenden. Wer für ein Buffet essbare Blüten zur Dekoration benötigt, hat mit diesen farbenfrohen Kapuzinern eine gute Wahl getroffen.

Von wann bis wann die Blüten zur Verfügung stehen, ist unter der Überschrift "Reiche Blüte" nachzulesen. Wer den Anbau der Kapuzinerkresse zu Gewinnung für ein Buffet einplant, der sollte sich in der Anbauanleitung auch bezüglich der Blühwilligkeit kundig machen. Oft lese ich in Internetforen oder höre von Hobbygärtnern den Hilferuf: "Meine Kapuzinerkresse blüht nicht, was kann ich tun?" Auch dazu findet der Leser entsprechende Hinweise.

Kapuzinerkressenblüte auf einer Quarkschnitte3) Eine attraktive und zugleich gesunde Dekoration.

Das vitaminreiche [2] Küchenkraut punktet vor allem durch den scharfen Geschmack der Blätter. Diese Schärfe wird, wie bei Rettich, Meerrettich, Rucola usw. durch Senfölglucoside bewirkt, welche durch Enzyme im Körper in Senföle umgewandelt werden und denen eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben wird. Wie man nun diese gesundheitliche Wirkung bewerten mag, als angenehm scharfes Würzkraut ist die Kapuzinerkresse sehr zu empfehlen und im Hausgarten oder auf dem Balkon erfreut sie uns nebenher noch als pflegeleichte Zierpflanze (Sommerblume), deren leuchtende Blüten nicht zu übersehen sind.

Doch nicht nur Blätter und Blüten können in der Küche Verwendung finden. Auch die Blütenknospen und sogar die Samen können nützlich sein. Die noch geschlossenen Blütenknospen und junge Samen werden als als Ersatz für Karpern verwendet und dafür in Essig eingelegt, wodurch sie haltbar und mit einer zusätzlichen Geschmacksnote versehen werden.

Ausgreifte und getrocknete Samen werden von der festen Hülle befreit und dienen als Pfefferersatz. Sie können sogar in der Pfeffermühle gemahlen werden. Wir sollten die ausgereiften Samen durchaus alle sammeln, in der Küche verwenden, aber unbedingt auch einen Teil für die Aussaat im kommenden Jahr aufheben.

Verwendung als Zierpflanze

Die Kapuzinerkresse ist nicht nur eine köstliche Würzpflanze und ein universelles Heilkraut sondern zugleich eine hervorragende Blühpflanze für den Balkon, um Zäune zu bekleiden, Bodenflächen zu bedecken oder Terrassierungsmauern zu bepflanzen. Sie passen auch sehr schön in mediterran gestaltete Gärten, Balkone und Terrassen sowie in jeden Landhausgarten.

Die Pflanzen lieben volle Sonne, aber auch im Halbschatten gedeihen sie noch recht gut, nur bilden sie dort weniger Blüten aus. Die farbenfrohen, leuchtenden Blüten sitzen an verhältnismäßig langen Stielen, und können zu kleinen Blumensträußen gebunden werden.

Man kann mit ihnen ab etwa Anfang Juli und, wenn es keinen Nachtfrost gibt, bis in den Oktober hinein rechnen. Wenn der Herbst lange frostfrei bleibt, geht der Flor an sonnigen Plätzen bis in den November hinein. Aber nur wenige Grade unter Null machen die ganze Pracht zunichte.

Anbau im Freiland

Die Kapuzinerkresse wächst bei uns als einjährige Pflanze. Gesät wird nach dem 15. Mai direkt ins freie Land. Solange Nachtfrostgefahr besteht ("Eisheilige" vom 11. bis 15.Mai), nimmt die kälteempfindliche Pflanze Schaden. 

Sagen die Wetterprognosen in den letzten Apriltagen einen frostfreien Mai voraus, dann können wir den Samen natürlich schon eher aussäen. Geht die Temperatur trotzdem einmal gegen 0 °C, kann ein Abdecken der Saatfläche hilfreich sein.

Kapurzinerkrese gedeiht am besten in einem lockeren, gut vorbereiteter Boden. Die Samen (Dunkelkeimer) geben wir zwei Zentimeter tief in die Erde mit einem Pflanzabstand von 15 Zentimetern.

Die ideale Temperatur für das Auflaufen der Samen liegt bei 15 bis 18°C. Es dauert relativ lange, je nach Außentemperatur etwa 14 bis 20 Tage, bis sich die Pflänzchen zeigen. 

Reiche Blüte

Oft lesen hören wir die Hobbgärtner klagen: "Meine Kapuzinerkresse blüht nicht!" Was mag die Ursache dafür sein? Die ist schnell gefunden, denn bekannt ist, dass der Boden für das Gewächs nicht zu nährstoffreich sein darf, denn dann wachsen nur die Blätter und es werden kaum Blüten ausgebildet. Das ist die Theorie. Pflanzen in solchen Substraten und vor allem in Blumenkästen blühen tatsächlich, doch nicht selten sehen sie mager und kränklich aus und werden am Ende noch von Blattläusen (siehe unten) heimgesucht.

Die Besonderheit bei Tropaeolum majus ist, dass diese Gewächse möglichst humusreiche Erden zum gesunden Wachstum benötigen – genau gesagt ist es humusreiche, sandige Lehmböden. Dafür benötigen wir Komposterde, welche nicht extra mit Dünger versetzt wurde. Gesiebter Kompost, ohne Zugabe von Mist oder Kunstdünger usw., ist sehr reich an Humus, hat auf der anderen Seite aber gar nicht so viel Nährstoffe (vor allem Stickstoff) in sich, wie wir glauben.

Es sind die Mikroorganismen im Substrat, welche Komposterde so wertvoll und fruchtbar machen. Die Kapuzinerkresse braucht solche lebewesendurchsetzte Erde, die eher etwas zu kalkhaltig sein sollte, als sauer. Neben humusreicher Komposterde fördern wir diese Mikroorganismen aber auch, indem wir sie mit abgestandenen Wasser gießen. Dafür nehmen wir am besten eine extra Blumengießkanne und krümeln etwas Erde hinein, befüllen sie mit Wasser und lassen dieses einen Tag abstehen, bzw. entleeren es nie komplett.

Durch die anfänglich zugegebenen Erdkrümel wird schon das Gießwasser biologisch aktiviert und wird von den Blumen besser vertragen, als frisches Gießwasser aus der Leitung.

Draußen im Garten können wir auch Mist- oder Pflanzenjauchen stark verdünnen und damit wässern, doch besonders die Pflanzenjauchen entfalten zuweilen infernalische Gerüche, welche auf dem Balkon ganz sicher störend wirken. Das war bereit das kleine Geheimnis, warum bei manchen Gartenfreunden die Kapuzinerkressen von Juli bis in den November hinein üppig blühen und warum bei anderen nicht.

Was das Gießen betrifft, so bleibt am Ende nur noch der Hinweis, dass die Pflanzen nur so viel gegossen werden dürfen, wie unbedingt notwendig und besonders in Töpfen und Blumenkästen darf sich am Boden keine Staunässe bilden. Von hohen Übertöpfen oder Unterstellschalen ist abzusehen. Auf dem Balkon oder auf der Terrasse können wir Pflanzschalen bei Dauerregen ins Trockene stellen, was ebenfalls die Pflanzengesundheit und deren Blühwilligkeit fördert.

Anzucht in Töpfen

Die Alternative zur Freilandaussaat ist die frostfreie Anzucht von Jungpflanzen in Töpfen zum späteren Umsetzen. Für die Aussaat in Blumentöpfen nehmen wir nicht zu kleine Größen. Sogenannte 9er Töpfe (Durchmesser oben 9 cm) sind ideal. Diese befüllen wir mit Erde, welche aus gemischter Kompost- und Gartenerde vom Beet bestehen sollte.

In jeden Topf kommen drei Samenkörner 1 bis 2 cm tief. Es wird mäßig angegossen. Bis die Samen aufgehen, können sie durchaus im Dunklen stehen, dann müssen sie aber an ein helles Fenster kommen.

Mischkultur und Läuse

Eine Art Mischkultur oder Mischanbau ist der, die Kresse als Bodendecker unter Apfelbäumen (Spindeln, uä.) zu pflanzen oder zu säen. Diese Blumen-Bodendecke soll Blutläuse von den Äpfeln fernhalten. Besonders gefährdet sind etwa die alten Apfelsorten 'Golden Delicious', Jonathan, 'Klarapfel' und 'Wintergoldparmäne', wo man in älterer Literatur zu dieser Maßnahme rät. [3]

Die Blutlaus (Eriosoma lanigerum) wirkt optisch übrigens eher wie eine Woll-Laus und bildet watteartig überzogen Kolonien am Geäst. Dort schädigt sie die Rinde und es siedeln sich dadurch oft auch noch Schadpilze an.

Im Zusammenhang mit der soeben erwähnten Eigenschaft Läuse von Obstgehölzen fern zu halten, mag auch die Eigenschaft erwähnt sein, dass sich auf den Pflanzen selber gern Läuse ansiedeln. "Blattläuse in der Kapuzinerkresse – was kann ich dagegen tun?" – solche Fragen lesen wir in den Internetforen zu Hauf.

Der Autor rät, gar nichts zu tun, weil man da wirklich gar nicht viel machen kann. Irgendwelche Spritzmittel (Insektizide) einzusetzen, wäre mit Spatzen auf Kanonen zu schießen und alternativen Mittel (Kernseifen-Laugen) zu verwenden sind reine Zeitverschwendung und Beschäftigungstherapie.

Wenn Zierpflanzen von Läusen befallen werden, dann ist meist Pflanzenstress ein Grund dafür oder plötzliche Wetterumschwünge im Mai und im Frühsommer, also etwa von einer kalten zu plötzlicher heißer Witterung.

Die magische Anziehungskraft der Läuse auf das Kraut scheint aber auch eine positive Seite aufzuweisen, denn offensichtlich lenkt es die Schadinsekten irgendwie ab, sich auf Apfelbäume niederzulassen. Die Läuse bevorzugen nach dem oben vorgestellten Konzept der Unterpflanzung von Apfelbaumspindeln (bei Hochstämmen ist es wohl zwecklos) nicht die Bäume, sondern die Kressen als das kleinere Übel.


Literatur/Hinweise

  • [1] https://web.archive.org/web/20130206104506/http://www.presse.uni-wuerzburg.de/einblick/single_special/artikel/kapuzinerk/
  • [2] Folgende Inhaltsstoffe sind weiterhin erwähnenswert Vitamin C und B, Kalium, Calcium, Phosphor und Chrom
  • [3] F. Böhmig; Rat für jeden Gartentag; Leipzig 1971
  • Ob die Namensgebung von den an Kapuzen der Mönche erinnernden Blüten herrührt ist fraglich, es kann auch sein, dass sie wie die Kapuzinererbsen direkt aus Mönchsgärten stammen

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