Kleiner Hühnerstall
Mein neu gebauter Hühnerstall und vier Junghennen. (Mischrasse vom Bauernhof)

Wie es einmal begann: Nachdem der Autor ein Stück seiner Werkstatt abgetrennt, dort einen kleinen Hühnerstall gebaut und sich vier Legehennen zugelegt hat, kann er bestätigen, dass die Hühnerhaltung außerordentlich rentabel ist. Im Vergleich zur Kaninchenzucht hat man deutlich weniger Arbeit und man benötigt weniger Einstreu in Form von Heu und Stroh. Und täglich wird man mit frischen Eiern belohnt. Wer sich das Schlachten zutraut, braucht auch kein Suppenhuhn mehr zu kaufen. Irgendwann wird man dann auch auf die Idee kommen selber Masthähnchen zu kaufen und zu füttern. Nach wenigen Wochen sind diese dann schon schlachtreif und stehen der Küche als bestes Bio-Fleisch zur Verfügung.

Schauen wir uns vergleichsweise noch einmal die Haltung von Kaninchen an. Zwar lohnt diese für den Eigenbedarf durchaus, wenn das Futter im Garten im Sommer quasi als Nebenprodukt abfällt und wenn wir täglich im Garten aufhalten. Doch im Hinblick auf den Arbeitsaufwand wäre etwa der Verkauf von selbst gezogenen Schlachtkaninchen hoffnungslos unrentabel. Mit dem gleichen Arbeitsaufwand könnten wir uns auch 12 gute Legehennen einquartieren, die uns dann im Schnitt 8 bis 10 Eier am Tag liefern. Können wir im Bekanntenkreis dann unserer Bio-Eier verkaufen, wirft das sogar einen kleinen Gewinn ab, der sich auch in barer Münze darstellen lässt. Allerdings sollte dann unsere Hühnerhaltung auch gut durchorganisiert sein.

Auf günstiges Futter und den Auslauf kommt es an

Voraussetzung für die rentable Hühnerhaltung ist, dass neben dem Bedarf an günstig gekauftem Körnerfutter auch Garten und Haushalt Nahrung für die Tiere liefern. Bei der Haltung sind nämlich die Futterkosten der größte Ausgabeposten. Eine überschaubare Anzahl von Hennen – sagen wir 6 Stück – lässt sich mit dem Zubrot aus Küche und Garten jedoch recht preiswert ernähren und zwar so, dass wir für uns selbst gerechnet mit den Preisen der Supermärkte durchaus mithalten können. Sechs leistungsstarke Hennen genügen also, um einen Haushalt regelmäßig mit frischen Eiern zu versorgen. Selbst wenn man keine Hochleistungshennen im Stall sitzen hat, legt ein Tier etwa 200 Eier im Jahr (ein Hybridhuhn bis zu 320 Eier in gleicher Zeit). Junghennen, die es zu erschwinglichen Preisen zu kaufen gibt, können etwa zwei Jahre lang rentabel gehalten werden.

Die zweite wichtige Voraussetzung, die wir liefern müssen, ist die Unterbringung und der Auslauf für die Tiere. Dafür gibt es zwei Optionen. So bieten sich versetzbare Hühnerhäuser mit Voliere an. Sie machen die artgerechte und gesunde Haltung der Tiere auch in kleinen Grundstücken möglich. Warum gerade mit den mobilen Ställen? Mit der oben empfohlenen Ausstattung von 6 Hennen sind diese verrückbaren Hühnerhäuser wirklich zu empfehlen, da so der Auslauf von Zeit zu Zeit gewechselt werden kann. Die Qualität des Hühnerauslaufs ist nämlich bei unserem Projekt das Hauptproblem. Kleine Flächen, die schnell überansprucht sind, werden nämlich morastig und für die Tiere dann ein Hort von Keimen, die wiederum Krankheiten verursachen. Natürlich ist auch der klassische Hühnerstall in einem Gebäude oder stationär eine Möglichkeit. Er braucht, wenn er nur zur Übernachtung von  6 bis 12 Hühnern dient, eine Grundfläche von etwa 2 x 2 Metern (siehe unten: Winteraufenthalt). Der extra nötige Auslauf ist mit wenigen Mitteln eingezäunt. Wenn nötig, dann schützt ein Netz darüber vor Raubvögeln und dem Wegfliegen des Federviehs. Automatische Hühnerklappen und Futterautomaten reduzieren den Pflegeaufwand bedeutend. Drei bis 6 m² pro Huhn sind mittelgroße Ausläufe, wo jedoch kein Gras mehr hochkommt. Kleinere Gehege sind durchaus möglich, doch sollten wir dort wenigstens einmal pro Jahr die obere Bodenschicht austauschen, da der Boden durch die Ausscheidungen der Tiere versottet und nach Regengüssen morastig wird. Wegen der Versottung des Bodens ist es auch angebracht, kleine Auslaufflächen zu überdachen. Auch dort ist es zwar ebenfalls nötig den Oberboden einmal im Jahr zu wechseln, doch die Überdachung verhindert das Versumpfen der Fläche. Bei der Planung dieser Außenanlagen achten wir darauf, dass wir die nötigen Pflegearbeiten (Bodenwechsel) bequem erledigen können, dann ist die Hühnerhaltung auf kleiner Fläche auch kein Problem.

Wichtig: Überdachte Bereiche, also Volieren, braucht es auch für den Winter, wenn der Stall für den Winteraufenthalt zu eng ist. Auch bei strengen Frösten können sich die Tiere draußen aufhalten, nur Kälte und gleichzeitige Nässe ist nicht gut für unsere gefiederten Freunde.

Innerhalb von Ortschaften sollte man sich genau überlegen oder vorher informieren, ob es sinnvoll ist, auch einen Hahn anzuschaffen. Nicht überall wird das Krähen geduldet und ein eingesperrter Hahn wird auch nicht glücklich sein. Damit Hühner Eier legen, braucht es nicht unbedingt einen männlichen Artgenossen. Sollten sich jedoch Hühner ihrer Mutterpflichten erinnern (dies passiert, wenn sie auf natürliche Art und Weise aufgezogen wurden / Hybridhühner sind dazu gar nicht in der Lage) und anfangen zu glucken, sollte man ihnen befruchtete Eier unterlegen, um ihr Brutverhalten nicht zu unterdrücken. Befruchtete Eier für die Glucken bekommt man im Handel oder beim Bauern vor Ort. Die Küken kann man in den eigenen Hühnerhof integrieren oder nach entsprechender Zeit abgeben. Wer die Küken behält, sollte sich bewusst sein, dass auch Hähnchen schlüpfen. Sie können bereits nach zehn Wochen schlachtreif sein.

Hinweis für Selbstversorger

Übrigens: Mit der eigenen Produktion von Eiern ändert sich nach meiner Erfahrung das eigene Konsumverhalten und auch das Kochen. So werden Eiergerichte und Kuchen- und Gebäckrezepte wieder interessanter. Man wird nebenbei bemerken, dass sich der Fleischkonsum mit der Zeit senkt, bzw. dass dieser sich hin zu mehr Hühnerfleisch verschiebt.

Haben wir zeitweise ein "Überproduktion" an Eieren in unserem Haushalt, dann müssen wir nicht unbedingt nach Abnehmern suchen. Wir lagern sie ein. Die einfachste Art der Haltbarmachung von Eiern ist die Herstellung von Nudeln. Selbsthergestellte Eiernudeln sind zudem eine weitere Möglichkeit, sich vom Supermarkt ein wenig unabhängiger zu machen. Wer zur eigenen Nudel- oder Spätzleproduktion übergegangen ist, wird bald auch bekömmlichere Mehle wie Dinkelmehl verwenden, oder man produziert glutenfreie Eiernudeln. Wer Freunde oder Bekannte mit entsprechenden Allergien hat, kann als Geschenk auch einmal selbsthergestellte Leckereien mitbringen.

F1 Hühner

Hühnerhaltung in der Stadt?

Beim Autor ist es so, dass er mit seinem kleinen Selbstversorgergarten und mit der Kleintierhaltung (Hühner und Kaninchen) nebenher ein Testprojekt verfolgt und schauen will, ob und wie es möglich ist, mit relativ kleinen Grundstücks- und Gartenflächen eine gewisse Grundversorgung an Nahrungsmitteln zu erzielen. Dabei hat er auch daran gedacht, diese "Selbstversorgungseinheit" mit möglichst wenig Arbeitsaufwand zu bewirtschaften. Das alles zielt natürlich besonders auf die Gartenwirtschaft im urbanen Umfeld. Und da bietet sich die Hühnerhaltung durchaus an. Das einzige Problem dabei, wie bereits erwähnt, ist das Krähen eines Hahnes. Auf diesen muss man unter Umständen verzichten. Ansonsten kann man ohne Probleme mit wenig Raum in der Stadt eine artgerechte Hühnerhaltung gewährleisten.

Wenn industrielle Hühnerzuchtbetriebe ihren Tieren nur wenige Quadratzentimeter Platz auf abenteuerlichen Gitterkonstruktionen geben, dann wird es doch möglich sein, ein kleines Hühnerparadies auf 2 m² Stall und 8 m² Auslauf zu schaffen. Zudem sollte man wissen, dass Hühner Waldvögel sind und keine Wiesen-Weidetiere. Der Stall mit bequemen Stangen, der gewissermaßen den Kronenbereich des Waldes simuliert, ist, neben einem Auslaufgehege von moderater Größe, ein gleichwertiges Lebensumfeld.