Kleiner Hühnerstall
Mein erster Hühnerstall und vier Junghennen. (Mischrasse vom Bauernhof)

Ich hatte schon immer vier bis fünf Kaninchen zu versorgen und so dachte ich mir eines Tages, dass auch ein paar Hühner dazu kommen könnten, da ohnehin regelmäßig Zeit in das Füttern investiert werden muss. Nachdem ich dann ein Stück meiner Werkstatt abgetrennt, dort einen kleinen Hühnerstall mit Außengehege gebaut und mir vier Legehennen zugelegt habe (heute sind es 15), bemerkte ich recht schnell, dass die Hühnerhaltung außerordentlich rentabel ist. Im Vergleich zur Kaninchenzucht hat man deutlich weniger Arbeit und man benötigt weniger Einstreu in Form von Heu, Stroh und dergleichen. Zudem wird man täglich mit frischen Eiern belohnt. Wer sich das Schlachten zutraut, braucht kein Suppenhuhn mehr zu kaufen, bzw. holt sich nie wieder mehr eines aus dem Supermarkt. – Und irgendwann hatte ich mir aus dem Landhandel auch ein paar Masthähnchen mitgebracht, die im Garten auch noch ihren Platz fanden. Nach wenigen Wochen guter Fütterung und viel Auslauf sind diese schlachtreif und stehen unserer Küche als bestes Bio-Fleisch zur Verfügung. Für die Kleintierhaltung zur Selbstversorgung sind Hühner mit Abstand die geeignetsten Nutztiere.

Schauen wir uns vergleichsweise noch einmal die Haltung von Kaninchen an. Zwar lohnt diese für den Eigenbedarf durchaus, wenn das Futter im Garten im Sommer quasi als Nebenprodukt abfällt und wenn wir täglich im Garten aufhalten. Doch im Hinblick auf den Arbeitsaufwand wäre etwa der Verkauf von selbst gezogenen Schlachtkaninchen hoffnungslos unrentabel. Mit dem gleichen Arbeitsaufwand könnten wir uns auch 12 gute Legehennen einquartieren, die uns dann im Schnitt 8 bis 10 Eier am Tag liefern. Können wir im Bekanntenkreis dann unserer Bio-Eier verkaufen, wirft das sogar einen kleinen Gewinn ab, der sich auch in barer Münze darstellen lässt. Allerdings sollte dann unsere Hühnerhaltung auch gut durchorganisiert sein. Zur Frage der lohnenden Hühnerhaltung im Garten findet sich am Ende des Beitrags ein wertvoller Buchtipp (Taschenbuch).

Zur Frage wie viele Hennen wir uns halten sollten gibt es hier weitere Infos. Wie erwähnt, ist die Mästung von Brathähnchen im kleinen Maßstab eine Möglichkeit sich selber mit gesundem Fleisch zu versorgen. Die Tipps dazu sind hier nachzulesen. Im besagten Taschenbuch ist auch die mögliche eigene Hühnermast ausführlich beschrieben.

Auf günstiges Futter und den Auslauf kommt es an

Voraussetzung für die rentable Hühnerhaltung ist, dass neben dem Bedarf an günstig gekauftem Körnerfutter auch Garten und Haushalt Nahrung für die Tiere liefern. Bei der Haltung sind nämlich die Futterkosten der größte Ausgabeposten. Eine überschaubare Anzahl von Hennen – sagen wir anfangs vier, fünf oder sechs Stück – lässt sich mit dem Zubrot aus Küche und Garten jedoch recht preiswert ernähren und zwar so, dass wir für uns selbst gerechnet mit den Preisen der Supermärkte durchaus mithalten können. Sechs leistungsstarke Hennen genügen also, um einen Haushalt regelmäßig mit frischen Eiern zu versorgen. Selbst wenn man keine Hochleistungshennen im Stall sitzen hat, legt ein Tier etwa 200 Eier im Jahr (ein Hybridhuhn bis zu 320 Eier in gleicher Zeit). Junghennen, die es zu erschwinglichen Preisen zu kaufen gibt, können etwa zwei Jahre lang rentabel gehalten werden.

Die zweite wichtige Voraussetzung, die wir liefern müssen, ist die Unterbringung und der Auslauf für die Tiere. Dafür gibt es zwei Optionen. So bieten sich versetzbare Hühnerhäuser mit Voliere an. Sie machen die artgerechte und gesunde Haltung der Tiere auch in kleinen Grundstücken möglich. Warum gerade mit den mobilen Ställen? Mit der oben empfohlenen Ausstattung von bis zu sechs Hennen sind diese verrückbaren Hühnerhäuser eine Option, da so der Auslauf von Zeit zu Zeit gewechselt werden kann. Die Qualität des Hühnerauslaufs ist nämlich bei unserem Projekt das Hauptproblem. Kleine Flächen, die schnell überansprucht sind, werden nämlich morastig und für die Tiere dann ein Hort von Keimen, die wiederum Krankheiten verursachen. Allerdings ist es kaum möglich eine größere Hühnerschar in den handelsüblichen Mobilställen zu halten. Mit einigen

Natürlich ist auch der klassische Hühnerstall in einem Gebäude oder stationär eine sinnvolle Option. Er braucht, wenn er nur zur Übernachtung von  6 bis 12 Hühnern dient, eine Grundfläche von etwa 2 x 2 Metern (siehe unten: Winteraufenthalt). Angeschlossen sollte eine überdachte Voliere stehen. Der extra nötige Auslauf ist mit wenigen Mitteln eingezäunt. Wenn nötig, dann schützt ein Netz darüber vor Raubvögeln und dem Wegfliegen des Federviehs. Automatische Hühnerklappen und Futterautomaten reduzieren den Pflegeaufwand bedeutend. Drei bis 6 m² pro Huhn sind mittelgroße Ausläufe, wo jedoch kein Gras mehr hochkommt. Kleinere Gehege sind durchaus möglich, doch sollten wir dort wenigstens einmal pro Jahr die obere Bodenschicht austauschen, da der Boden durch die Ausscheidungen der Tiere versottet und nach Regengüssen morastig wird. Wegen der Versottung des Bodens ist es auch angebracht, kleine Auslaufflächen zu überdachen. Auch dort ist es zwar ebenfalls nötig den Oberboden einmal im Jahr zu wechseln, doch die Überdachung verhindert das Versumpfen der Fläche. Bei der Planung dieser Außenanlagen achten wir darauf, dass wir die nötigen Pflegearbeiten (Bodenwechsel) bequem erledigen können, dann ist die Hühnerhaltung auf kleiner Fläche auch kein Problem.

Übrigens: Das Behandeln stark belasteter Hühnerauslaufflächen mit sogenannten Effektiven Mikroorganismen (man kaufe eine EM-Lösung für die Bodenverbesserung) wirkt Wunder. Zuvor bringe man eine dünne Schicht Rindenmulch auf die die Fläche. Die EM-Lösung wird mit Wasser verdünnt und mit einer Gießkanne ausgebracht. Das geschieht am besten im Frühjahr. Die Kosten für solch eine Behandlung sind moderat.

Wichtig: Überdachte Bereiche, also Volieren, braucht es auch für den Winter, wenn der Stall für den Winteraufenthalt zu eng ist. Auch bei strengen Frösten können sich die Tiere draußen aufhalten, nur Kälte und gleichzeitige Nässe ist nicht gut für unsere gefiederten Freunde.

Innerhalb von Ortschaften sollte man sich genau überlegen oder vorher informieren, ob es sinnvoll ist, auch einen Hahn anzuschaffen. Nicht überall wird das Krähen geduldet und ein eingesperrter Hahn wird auch nicht glücklich sein. Damit Hühner Eier legen, braucht es nicht unbedingt einen männlichen Artgenossen. Sollten sich jedoch Hühner ihrer Mutterpflichten erinnern (dies passiert, wenn sie auf natürliche Art und Weise aufgezogen wurden / Hybridhühner sind dazu gar nicht in der Lage) und anfangen zu glucken, sollte man ihnen befruchtete Eier unterlegen, um ihr Brutverhalten nicht zu unterdrücken. Befruchtete Eier für die Glucken bekommt man im Handel oder beim Bauern vor Ort. Die Küken kann man in den eigenen Hühnerhof integrieren oder nach entsprechender Zeit abgeben. Wer die Küken behält, sollte sich bewusst sein, dass auch Hähnchen schlüpfen. Sie können bereits nach zehn Wochen schlachtreif sein.

Hinweis für Selbstversorger

Übrigens: Mit der eigenen Produktion von Eiern ändert sich nach meiner Erfahrung das eigene Konsumverhalten und auch das Kochen. So werden Eiergerichte und Kuchen- und Gebäckrezepte wieder interessanter. Man wird nebenbei bemerken, dass sich der Fleischkonsum mit der Zeit senkt, bzw. dass dieser sich hin zu mehr Hühnerfleisch verschiebt.

Haben wir zeitweise ein "Überproduktion" an Eiern in unserem Haushalt, dann müssen wir nicht unbedingt nach Abnehmern suchen. Wir lagern sie ein. Die einfachste Art der Haltbarmachung von Eiern ist die Herstellung von Nudeln. Selbsthergestellte Eiernudeln sind zudem eine weitere Möglichkeit, sich vom Supermarkt ein wenig unabhängiger zu machen. Wer zur eigenen Nudel- oder Spätzleproduktion übergegangen ist, wird bald auch bekömmlichere Mehle wie Dinkelmehl verwenden, oder man produziert glutenfreie Eiernudeln. Wer Freunde oder Bekannte mit entsprechenden Allergien hat, kann als Geschenk auch einmal selbst hergestellte Leckereien mitbringen.

Hühnerhaltung in der Stadt?

Beim Autor ist es so, dass er mit seinem kleinen Selbstversorgergarten und mit der Kleintierhaltung (Hühner und Kaninchen) nebenher ein Testprojekt verfolgt und schauen will, ob und wie es möglich ist, mit relativ kleinen Grundstücks- und Gartenflächen eine gewisse Grundversorgung an Nahrungsmitteln zu erzielen. Dabei hat er auch daran gedacht, diese "Selbstversorgungseinheit" mit möglichst wenig Arbeitsaufwand zu bewirtschaften. Das alles zielt natürlich besonders auf die Gartenwirtschaft im urbanen Umfeld. Und da bietet sich die Hühnerhaltung durchaus an. Das einzige Problem dabei, wie bereits erwähnt, ist das Krähen eines Hahnes. Auf diesen muss man unter Umständen verzichten. Ansonsten kann man ohne Probleme mit wenig Raum in der Stadt eine artgerechte Hühnerhaltung gewährleisten.

Wenn industrielle Hühnerzuchtbetriebe ihren Tieren nur wenige Quadratzentimeter Platz auf abenteuerlichen Gitterkonstruktionen geben, dann wird es doch möglich sein, ein kleines Hühnerparadies auf 2 m² Stall und 8 m² Auslauf zu schaffen. Zudem sollte man wissen, dass Hühner Waldvögel sind und keine Wiesen-Weidetiere. Der Stall mit bequemen Stangen, der gewissermaßen den Kronenbereich des Waldes simuliert, ist, neben einem Auslaufgehege von moderater Größe, ein gleichwertiges Lebensumfeld.