Regionalmarkt
Regoinal- statt Supermarkt!

Vorweg vier Grundregeln für Selbstversorger, die nachfolgend etwas näher beleuchtet werden. Die Ausführungen sollen Anregung sein, die Thematik selber weiter zu entwickeln:

  • Imitiere mit deinem selbst kultivierten Gemüseangebot nicht das des Supermarktes.
  • Ein guter Gärtner sollte ein noch besserer Koch sein.
  • Baue ertragreiche Gemüse an und experimentiere nicht zu viel im Garten.
  • Strebe Autonomie an. Benutze eigenes Saatgut.

Wer einen Klein- oder Selbstversorgergarten unterhält und begonnen hat, mit den Früchten und Gemüsen aus eigener Zucht seine Küche weitgehend selbst zu versorgen, der wird mit der Zeit sein Anbaukonzept grundlegend ändern. Das hat den Grund, dass bei der Umstellung vom reinen Supemarktkonsum auf den Eigenanbau anfangs meist diejenigen Gemüse anbaut werden, die man bisher im Markt erworben hat. Doch mit der Zeit ändert sich das. Im Handel gibt es vor allem dasjenige Obst und Gemüse preiswert und viel, welches im Plantagen- und Feldbau kultivierbar und leicht transportabel und haltbar ist. Im Zusammenhang mit billigen Getreide-, Milch- und Fleischprodukten haben sich über Jahrzehnte hin bestimmte Vorlieben für Speisen und Geschmäcker gebildet. Daran ist auch nichts auszusetzten, und wer diese Produkte in Bioqualität erwirbt, der wird die moderen Hausmannskost noch einmal so gern genießen.

Selbstversorgergarten

Wer jedoch als Bezugsquelle für seine Nahrungsmittel einen Selbstversorgergarten hat, der wird vielmehr auf die saisonalen Angebote der Gartenwirtschaft zurückgreifen. Da auch hier die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielt bzw. spielen sollte, wird man sich mit einfach anzubauenden und ertragreichen Kulturen befassen. Das Angebot an diesen saisonal verfügbaren Lebensmittelpool ist aber meist ein wenig anders strukturiert, als das im Supermarkt.

Auch unterscheidet sich der moderne Selbstversorgergarten klar vom Küchengarten, wie wir ihn etwa aus dem frühen 20. Jahrhundert kennen. Damals baute man in groß angelegten Gärten viel Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Möhren, Rüben, Rot- und Weißkohl an, weil sich diese Nahrungsmittel lange lagern ließen und weil man sie haltbar machen und beispielsweise zu Rot- und Sauerkraut verarbeiten konnte. Die Anbaugewohnheit beeinflusste wiederum die deutsche Küche, wo Fleisch mit Kartoffeln, Klöße, Sauerkraut, Kraut- und Bohnensuppen typische Gerichte wurden.

Durch umfangreiche staatliche Förderungen und durch vielfältigste Genossenschafts- und Vereinsarbeit entwickelte sich in den deutschen Ländern die Gartenkultur seither fort. Neue Gemüsearten und Anbaumethoden unter Glas wurden publik gemacht und kamen in Mode. Tomaten, Zucchini und Paprika eroberten die Kleingartensparten. Hierauf folgte, allerdings mit reichlich Verzögerung, eine wachsende Begeisterung für die mediterrane Küche. Wusste man noch um 1970 aus einem Kürbis nur süßsaures Kompott herzustellen, so wirbt heute fast jedes Restaurant , welches deutsche Küche in der Speisekarte führt, im Herbst mit pikanten Kürbissuppen. Und auch daheim kennt man mittlerweile die leckersten Zubereitungsarten der mediterranen Gemüse.

Interessant ist, dass die Begeisterung für fremde Küchen weiter anhält und immer neue Regionen in den kulinarischen Focus geraten. Foodhunter durchstreifen die Weltgegenden und kehren mit fetter Beute heim. Trotzdem dieses auch oft nur mediales Spektakel darstellt, so bringt es doch auch Nutzen und vor allem Vielfalt in Töpfe und Pfannen der Nordländer. Der Autor mag sogar behaupten, dass diese Fertigkeit, sich aus der Ernte des Gartens schnell eine abwechslungsreiche, einfache, schmackhafte und gesunde Mahlzeit kochen zu können, ein großer Schritt auf dem Weg zu einer gewissen materiellen und kulturellen Autonomie und Selbstverantwortung ist. Wie viele Menschen sind heutzutage an den wöchentlichen Einkauf im Supermarkt gebunden, und ist das ein erstrebenswertes Merkmal von Kultur?

Neben den oben aufgezeigten Fortschritten in der Rezeptevielfalt können wir jedoch auch die Merkwürdigkeit beobachten, dass die moderne Kochkunst im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, dem Gemüsegarten vorausgeeilt ist. Dort baut man immer noch das an, was man von früher her gewohnt ist. Viele für den Eigenanbau rentable Kulturen werden jedoch nicht gemocht, weil man keine Ahnung hat, wie man sie schackhaft zubereiten sollte. Der Autor denkt da nur an die Vielfalt der Wurzel- und Rübengemüse.

Freilich werden auf der anderen Seite Jahr für Jahr immer wieder Neuheiten von Kräuter- und Gemüsesorten als Nonplusultra präsentiert, doch wenn man ehrlich ist, so sind diese verkäuferischen Higligts fast immer gärtnerische Strohfeuer und verschwenden die Zeit. Ständig wird man angehalten, Neuheiten auszuprobieren und den Garten als Experimentierfeld zu betrachten. Sebst bei der Propagierung der vielfältigsten alternativen Anbaumethoden ist der Autor skeptisch, denn auch sie können den Blick auf das Wesentliche verstellen und uns davon abhalten, das zu tun, was wichtig ist. Wichtig ist beipielsweise, die Gartengemüse selber durch Samen vermehren zu können und selber weiter zu züchten. Wer das beherrscht, der wird bemerken, wie von Jahr zu Jahr, die durch eigene Augen und Hände ausgelesenen Pflanzen widerstandsfähiger und vitaler den Garten bevölkern. Heute ist es eine Binsenweisheit, dass sich samenfeste Gemüse genetisch und memetisch an den Standort anpassen wollen. So werden sie robust und zu unkomplizierten Gartenkulturen. Wenn nur die einfachsten gärtneischen Grundregeln Beachtung fanden, ist es dann zweitrangig, mit welcher alternativen Kultur sie herangezogen wurden. Das selbst gewonnene Saatgut ist nicht nur aus wirtschaftlichen und gärtnerischen Gründen zu befürworten, sondern es ist die Haupsäule jener Autonomie überhaupt, die wir durch Selbstversorgung und Subsistenzwirtschaft anstreben.

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