Kleingewächshaus, Eigenbau.
Kleingewächshaus, Eigenbau.

Bevor ich über ein Gartenthema schreibe, versuche ich erst einmal, selber alles auszuprobieren und dann meine Erfahrungen einfließen zu lassen. Es gab eine Zeit, wo ich der Meinung war, ein Gewächshaus im Garten lohne nicht, denn die Gurken oder Tomaten sind im Supermarkt so billig, dass sich die Investition nicht lohnt.

Weiter im Thema: Beim flüchigen Hinsehen mag es stimmen, dass die Anschaffung eines Gewächshauses nicht lohnt, doch in der Praxis ist es so, das der Eigenenabu von Gemüse in Garten und Gewächshaus um einiges ökonomischer ist als der Kauf im Geschäft. Und so habe ich meine Meinung geändert und produziere nun mein Gemüse im eigenen kleinen (nicht extra beheizten) Kleingewächshaus (großes Bild) und berichte somit aus selber gemachten Anbauerfahrungen.

Rentables KleingewächshausDer Grund für die tatsächliche Rentabilität z.B. eigener Gurkenernten ist aber der, dass man mit dem Selbstversorgergarten, ohne es bewußt zu wollen den Speiseplan verändert und damit auch das Kaufverhalten. Abgesehen davon schmecken die gut ausgereiften Früchte aus meinem Garten um vieles besser als die selbst im Hochsommer in Deutschland geernteten Tomaten und Gurken, ganz zu schweigen von den oft unreif gepflückten und über weite Strecken transportierten Früchte.

Was im Gewächshaus rentabel anbauen?

Im Kleingarten-Treibhaus baut man hauptsächlich Gurken und Tomaten an. Doch die Kulturzeit dafür liegt beim unbeheizten Gewächshaus nur von Mitte Mai bis Anfang Oktober. Da fragt man sich natürlich, ob in der restlichen Zeit das Kleingewächshaus auch noch zum Anbau für anderes Gemüse genutzt werden kann. Die Antwort ist eindeutig ja! Ich habe sogar Anbaumethoden entwickelt, bei denen ich alle Kulturpflanzen selber ziehe und selbst im Januar im Gewächshaus noch ernte. Wer vor dem Gewächshaus noch einen kleinen Beetstreifen anlegt, der kann dort Gemüse anpflanzen (Tomaten, Kletterbohnen) die im Hochsommer das Glashaus etwas beschatten.

So richtig rentabel werden im "kalten Gewächshaus" neben Gurken (Tomaten besser draußen) vor allem Salat (Wintersalat), frühe Kohlrabi, Gartenkresse und Radieschen angebaut. Sie sind reif, wenn die Gurken im Mai gepflanzt werden. Von März bis Mai dient das Gartengewächshaus aber nebenbei noch der bequemen Jungpflanzenanzucht. Dafür habe ich mir eine Hängestellage gebastelt, wo quasi in der 2. Ebene die Saatschalen stehen (Zucchini, Kürbis, Tomaten, Studentenblumen, Tabak, Sellerie, usw.)

GewächshausgurkenIm Mai folgt dann der Gurkenanbau als Hauptkultur. Dafür kauft man veredelte Gurkenpflanzen beim Gärtner, oder man sät die Gurkenpflanzen im März/April selber aus. Für frühe Ernten benötigt man vor allem viel Licht. Saubere Scheiben können die Erträge tatsächlich steigern. 1 % weniger Licht bringt 1 % weniger Ernte, so ein Richtwert.

Im Herbst, nachdem die Sommerkultur vorüber ist, wird dann das Haus mit vorgezogenem Wintersalat bepflanzt. Ein Teil (im Juli gesät) kann bis Neujahr geerntet werden und ein Teil (im August und September gesät) bringt kleinere Ernten im Januar/Februar und die Masse dann im März/April. Ende Februar kann auch Pflücksalat direkt gesät werden, der dann ebenfalls bis zur Gurkenpflanzung abgeerntet ist.

Auch frostempfindliche Gartenkräuter wie winterharter Thymian, Ysop, Gurkenkraut und Origano setze ich vom Beet ins Treibhaus um und ernte von ihnen im Winter die zarten, frischen Triebspitzen.

Frühgemüse oder besser saisonales Gemüse anbauen?

Mancher, der ein Gewächshaus hat, neigt dazu, möglichst viel Gemüse unter Glas zu verfrühen (Frühgemüseanbau). Ich bin davon abgekommen, auf Krampf möglicht viel Frühgemüse im Hausgarten anzubauen. Jedes Gemüse hat seine Zeit im Jahr, wo es auf natürlich Weise maximale Erträge bringt. Diese optimale Kulturzeit versuche ich vor allem zu nutzen. Die Köche sprechen hier von saisonalem Gemüse, dass verarbeitet werden sollte. Man kann halt nicht immer zu jeder Zeit jedes Gemüse frisch vorrätig haben.

Dann gibt es aber auch noch die vielen Lagergemüse (Herbstkohlrabi,Knollensellerie,Weißkohl, Winterrettich), die im Herbst in Lagergruben eingeschlagen werden und bis zum Frühjahr frisch bleiben. Es gibt Wintergemüse, die im Freiland überwintern (Grünkohl, Rosenkohl, Porree, Schwarzwurzel, Pastinake) und bis März direkt vom Beet geerntet werden können. Gleichsam etwas in Vergessenheit geraten sind die verschiedenen Trockenbohnen, die gekocht oder als Sprossengemüse im Frühjahr in der Küche Verwendung finden.

Treibhaus - Definition

Bei dieser Gemüsevielfalt, die der Garten ohne besondern Aufwand hervorbringt, fragt man sich, wozu man überhaupt ein Treibhaus benötigt und damit meine ich die exakte Definition für "Treibhaus" als ein Gewächshaus, dass den ganzen Winter eine Innentemperatur von 18 °C hat. Oben im Text ist immer nur vom sogenannten Kaltgewächshaus mit Temperaturen unter 12 °C im Winter die Rede. Solch ein gewöhnliches Kleingewächshaus ist nicht einmal frostfrei.
Die Frage, ob ein beheiztes Kleingarten-Gewächshaus rentabel ist, erübrigt sich meiner Ansicht nach.