Kamelie 'Contessa Lavinia'
Winterschutz ist doch besser ...

Winterharte Kamelien? Der Trend ging einmal in diese Richtung, in der Hoffnung, wie bei den Rhododendren frostfeste Sorten zu züchten. Auch der Rhododendron ist in wärmeren Regionen beheimatet, und war in unseren Breiten lange Zeit nur mit Frostschutz zu überwintern. Ausdauernde Züchtung und Auslese führten letztlich zum Erfolg. Bei den Kamelien ist dieser Erfolg bis jetzt ausgeblieben. Auch wenn bereits frostfeste Sorten im Handel angeboten werden, vertragen diese Pflanzen meist nur geringe Minusgrade. 

Vorreiter in der Rhododendron- und Kamelienzucht war bereits die bekannte Gärtner-Familie Seidel (zurückgehend auf den Dresdner Hofgärtner Johann Heinrich Seidel). Sie besaß bereits im 19. Jahrhundert in Dresden-Laubegast ihren berühmten Gartenbaubetrieb. Um frostfeste Gehölze zu züchten, erwarb die Gärtnerei ein Areal in der Lausitz, weil dort (in Grüngräbchen) eine 4 °C niedrigere Durchschnittstemperatur und eisigere Winter herrschten als im Dresdner Elbtal. Dorthin wurde die Azaleen- und Rhododendronzucht verlegt.
Um die Wirtschaftsleistung der Seidelschen Gärtnereien zu verdeutlichen: 1887 hatte man neben vielen anderen Kulturen 150000 Azaleen, 200000 Kamelien und 175000 Rhododendron in Kultur. Die Firma T. J. Rud. Seidel Rhododendronkulturen in 01936 Schwepnitz OT Grüngräbchen (Rudolf-Seidel-Straße 1) existiert heute noch.

Sorten, mit denen heute im Freiland experimentiert wird:

  • Camellia japonica 'Adolphe Audusson';
  • Camellia japonica 'Berenice Boddy'; Camellia hybride 'Freedom Bell';
  • Camellia (Hybride) japonica 'Ice Angels'; Camellia oleifera, Camellia sasanqua;
  • Camellia reticulata 'Frost Prince' und 'Frost Queen', die im Herbst blüht.

Die geeigneten Sorten werden in den nächsten Jahren sicher stak zunehmen.

Bisher sind die Ausfälle im Freiland bei starkem Frost sehr hoch. Nicht zuletzt spielt hierbei der Standort eine entscheidende Rolle. Morgendliche Wintersonne ist Gift für die Kamelien im Freiland, wie auch für alle immergrüne Pflanzen. Durch die Sonnenstrahlen beginnen die Blätter zu transpirieren. Die Verdunstung bedingt neuerlichen Wasserbedarf, der aber durch den gefrorenen Boden nicht gedeckt werden kann. Die Pflanzen vertrocknen regelrecht. Da aber Gießen von gefrorenem Boden nicht sinnvoll ist, kann durch Mulchen im Herbst der Boden im Wurzelbereich der Kamelie frostfrei gehalten werden. Eine Alternative wäre auch eine sogenannte Wurzelheizung. Wer also eine Passion für Kamelien hat, der könnte für den Frost-Notfall (ähnlich, wie es bei den Olivenbäumen gemacht wird) solch eine Wurzelheizung eingraben. Das ist ein Heizdraht, ähnlich wie er für die Treibhausheizung verwendet wird.

Ins Freiland sollten nur ältere Pflanzen gesetzt werden (etwa 5 Jahre alt).

Wichtig für die Freilandkamelien ist saurer Boden. Kalk ist Gift!