Astilben Schattenstauden(A) Astilbe chinensis var. taquetii 'Romanze'
(A) Astilbe chinensis var. taquetii 'Romanze'

Schattige Bereiche sind im Ziergarten für viele Gartenfreunde ein Problem, doch gerade in der Pflanzengruppe der Stauden (ausdauernde, winterharte Blumen- und Staudengewächse) ist für diesen Standort die Auswahlmöglichkeit größer, als man denkt. Die hier vorgestellten, blühenden Pflanzen sind zunächst nur eine kleine Auswahl und sollen Anregung geben, sich mit diesem Thema noch intensiver zu beschäftigen. Hilfreich sind hierfür Besuche in botanischen Gärten, wo es immer schöne Beispiele solcher Schattenpflanzungen gibt und wo aber auch die Arten uns Sorten der entsprechenden Stauden gut ausgeschildert sind.

Schattenstauden(B) Blühende Funkien (Hosta). Günstig ist, wenn die Pflanzen Abstand zu großen Bäumen haben, damit sie keine Wurzelkonkurrenten haben

Zum Anfang meiner Ausführungen sei noch erwähnt, dass Pflanzen für wirklich tiefen Schatten gesondert gelistet sind. Informationen dazu findest du hier. Ansonsten ist der Schatten und Halbschatten, wenn er nicht zu trocken ist, ein idealer Lebensraum für viele der Staudengewächse. Allerdings sind dauerhaft trockene Standorte schwierig und viele der hier empfohlenen Arten leiden unter solchen Bedingungen. In diesem Falle muss in der Vegetationsperiode regelmäßig bewässert werden, wie beispielsweise bei den Astilben:

Feuchter Standort

Zu den schönsten Blütenstauden, die auf absonnigen Flecken gedeihen, gehören die Astilben (Bild A), die auch unter dem Namen Prachtspieren verkauft werden. Das sind Pflanzen mit großen, doppelt oder dreifach dreizähligen Blättern, Blütenrispen und kräftigen Rhizomen durch welche sie sich auch willig ausbreiten, wenn ihnen der Standort zusagt. Sie benötigen aber nahrhaften und tiefgründigen Boden, der nie völlig austrocknen darf. Je nach Art, Sorte und guter Auswahl blühen sie von Mai bis August und sind als Sommerflor durch keine anderen Stauden zu ersetzen. Man rahmt und ergänzt sie sie mit Funkien (B), Schaublatt (Rodgersien), mit den duftenden Traubensilberkerzen (C) oder mit größeren Farnen. Im Frühling sind Rosen-Primel, Japan-Primel und Trollblumen ideale Vorläufer.

Cimicifuga dahurica Silberkerze(C) Cimicifuga dahurica (August-Silberkerze, Kandelaber-Silberkerze) ist eine der wenigen Schattenblühpflanzen, welche intensiv duften.

In der großen Gruppe der Funkien (im Bild B zu sehen), welche zierende Blüten- aber vor allem auch Blattzierstauden sind, finden sich viele Arten und Sorten, welche explizit keine besonders feuchten Standorte benötigen und dem nächsten Kapitel zugeordnet werden können. Andersherum ist unten die Schaumblüte genannt (Bild F), welche an manchen Gartenplätzen nur auf leicht feuchten Böden fortkommt, an anderen Plätzen braucht es diese nicht. Es ist also nie endgültig zu sagen, was wo sicher wächst. Das trifft auch auf die Klassifizierung "schattig" oder halbschattig" zu. Selbst manche Staude, welche gern in der Sonne steht finden wir hier und da auch an finsteren Plätzen.

Normaler Standort

Die Liste der Pflanzen für diesen Standort wäre so lang, dass sie schon wieder unübersichtlich wäre und so will ich einige Empfehlungen geben und vor allem Gewächse vorschlagen, welche auf irgend eine Art und Weise eine Besonderheit aufweisen. Da wäre zum Beispiel das Waldgedenkemein (Omphalodes verna) zu nennen (Bild D). Es ist ein Bodendecker, der nur um die 15 cm hoch wird und sich über Wurzelausläufer ausbreitet. Man pflanzt mit ihm größere Flächen zu, aber es können mit ihm auch einzelne Tuffs als Kontrapunkt gesetzt werden. Die Besonderheit des Waldgedenkemeins ist die weithin leuchtende himmelblaue Blüte, also eine Farbe, die unter den Blütenstauden nicht zu häufig ist – wenigstens im Bezug auf Schattenstandorte.

Omphalodes verna Waldgedenkemein Unterpflanzung(D) Omphalodes verna, das Waldgedenkemein bringt das begehrte Himmelblau in absonnige Gartenbereiche.

Die folgende Blühstaude war früher in den Gärten und auf Friedhöfen auf den Gräbern wohl öfters zu finden. Es ist die Zwerherzblume (Dicentra eximia, Bild E). Die große Schwester dieser Art ist sicher die bekanntere Tränende Herz (Dicentra spectabilis), die man aus den Bauerngärten kennt. Beide gedeihen auch gut im halbschatten, doch robuster und ausdauernder in der Blüte ist die Zwerherzblume. Im Foto (unten) habe ich sie zusammen mit dem Waldgedenkemein ertappt. Beide kommen offensichtlich zusammen ganz gut zurecht.

Zwergherzblume Dicentra exima hier zusammen mit dem blauen Waldgedenkemein an einem Platz.(E) Zwergherzblume Dicentra exima

Man kann die Zwergherzblume auch in eine Bodendeckerfläche von niedrigem Efeu hineinpflanzen. Der Efeu verdrängt die Staude nicht und im Winter, wenn die Herzblume ihr Laub einzieht, bleibt der Gartenplatz durch den Efeu grün.

Die Schaumblüte (Tiarella cordifolia, auch Ranken-Schaumkerze genannt) ist ein weiterer pflanzlicher Bewohner düsterer Gartenecken und hellt diese durch seine zarten, duftigen Schaumblüten im Mai auf (Bild F). Aber auch, wenn dieser elfenhafte Flor verschwunden ist, verströmt hat das hellgrüne bodendeckende Laub durch seine Färbung ein heiteres Flair in seiner Umgebung.

Tiarella cordifolia  Schaumblüte an einer Treppe(F) - Die Rankende Schaumkerze (Schaumblüte) als Treppen- und Wegbegleitstaude.

Im Herbst punktet das Laub der Schaumblüte durch eine dumpfrote Herbst- und Winterfärbung. Tiarella cordifolia breitet sich durch Ranken aus, wuchert aber nicht. Tiarella wherryi ist eine rankenlose Form, also die Rankenlose Schaumkerze, welche im Mai und Juni mit etwas größeren Rispen, als die zuerst genannte Art blüht. Tiarella wherryi ist robuster als die rankende Form und wenn Tiarella cordifolia eher dem leicht feuchtem Standort (siehe oben) zuzuordnen ist, so gedeiht die zweite Art auch noch gut auf normalen Standorten im Halbschatten. Man pflanze beide Formen der Schaumblüte zunächst zum testen an den vorgesehenen Platz. An manchen Plätzen verweildert sie dann förmlich; auf anderen zieht sie sich zurück.

Trockene Passagen

Ein weiterer Tipp ist die Verwendung der Großen Sterndolde (Astrantia major, Bild G), einer 30 bis 60 cm hohen, an Wildstauden erinnernde Pflanze. Eine kleiner Ausgabe der Art ist die Kleine Sterndolde (Astrantia minor). Auch sie deckt größere Bodenabschnitte zu und treibt den ganzen Sommer lang Blüten, was denn auch die Besonderheit dieser Zierpflanzen ist. Beachtenswert ist auch, dass sie in voller Sonne, wie im Halbschatten wachsen, bis in dunklere Bereiche hinein.

Astrantia maxima Grosse Sterndolde(G) Astrantia maxima, die Große Sterndolde ist erst vor wenigen Jahren so richtig im Mode gekommen. Mit ihr können auch größere Flächen bepflanzt werden.

Man gestaltet mit ihnen Übergänge von sonnigen Bereichen bis ins düstere Dämmerlicht trister Gartenbeieiche hinein und verwandelt diese durch die Blüte in heitere Auen. Sterndolden sind in den letzten Jahren zu Modepflanze geworden. Das hat den Vorteil, dass zahlreiche neue Ziersorten auf den Markt gekommen sind und noch kommen.

Bergenien immergrüne Schattenstauden(H) Blühende Bergenien (Bergenia cordifolia) im April

Eine unbedingt zu nennende Blütenstaude für trockene Standorte und Schatten sind die Bergenien (Bergenia cordifolia). Man kann die Bergenien in Massen pflanzen. oder auch in wenigen Exemplaren – eine besondere Blütenwirkung durch die Masse bekommt solche eine Pflanzung allerdings nicht. Dieser kleine Nachteil wird aber dadurch wieder wettgemacht, dass es sich bei diesem sich moderat selbst ausbreitenden Gewächs um eine immergrüne Blattschmuckstaude handelt.