Koreanischer Garten Berlin-MarzahnDie Anlage im Jahr 2006 kurz nach der Fertigstellung.
Die Anlage im Jahr 2006 kurz nach der Fertigstellung.

Der Seouler Garten in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn ist ein Geschenk der Stadt Seoul an die Berliner. Eigens aus Korea angereiste Planer und Handwerker haben den Garten im Jahr 2005 gebaut und am 31. März 2006 übergeben. Das Bildmaterial, welches der Autor hier verwendete, stammt fast alles vom Sommer 2006 und hat mittlerweile schon zeitgeschichtlichen Wert. In diesem Beitrag will er auf die gestalterischen Besonderheiten der Anlage eingehen. Dem Autor kommt es bei der kurzen Beschreibung vor allem auf die Frage an, ob sich Interessenten hier Anregungen für die Gartengestaltung daheim holen können. Vorweg aber noch ein paar allgemeine Angaben zur Anlage:

Die Vorlage für das Ensemble ist ein historischer Pavillon*, "Das Haus der einsamen Freude" in der koreanischen Heimat, welches 1516 für den Beamten Eon Jeok Lee gebaut wurde.

Das Haus der einsamen Freude - Pavillon Berlin MarzahnDas Haus der einsamen Freude

Der Beamte hatte sich aus dem politischen Amt dorthin zurückgezogen und widmete sein Leben den Lehren des Konfuzius. Eon Jeok Lee lebte während der Herrschaft des Jungjong (1488 – 1544, regierend 1506 – 1544), der im Lande vielerlei Reformen durchsetzen wollte. Dieses scheiterte jedoch an konservativen Kräften. Die meiste Zeit konnte er nicht nach seinen Vorstellungen regieren. Er erreichte wenig, sein Reich durchlebte aber eine verhältnismäßig ruhige Zeit. (wikipedia 2/2016). der Autor kann an dieser Stelle nur mutmaßen, aber diese "verhältnismäßig ruhige Zeit" mag bei den Koreanern vielleicht mit einem Hauch von romantischer Verklärung verbunden sein, wie bei uns die Zeit der Romantik, denn diese koreanische Epoche wurde 1592 durch eine japanischen Invasion (Imjin-Krieg/der Siebenjährige Invasionskrieg) beendet.

Hier in der Berliner Parkanlage ist für den Bau des Gartens das Gelände durch Erdaufschüttungen geformt worden, um eine sanfte Gebirgslandschaft anzudeuten. Nach den Gesetzen der Harmonielehre des chinesischen Feng-Shui schmiegt sich die Architektur von Pavillon und Hofanlagen in die idealisierte landschaftliche Umgebung. Doch diese aus China kommenden Elemente des Feng-Shui sind nur entliehen und dem koreanischen Stil und Zweck angepasst worden. Das Flusstal symbolisiert eine koreanische Landschaft, in der Wald, Wasser und Steine harmonisch vereint sind. Der Pavillon am Fluss ist der Ort, an dem Menschen und Natur miteinander kommunizieren. ² Die schattige Flusslandschaft ist von einem angedeuteten Wald umgeben, der mit Kiefern, Bambus, Eichen und Fächerahorn bepflanzt ist. Die Anlage besteht nicht nur aus gestaltetem Grün, sondern beherbergt auch eine Art Wohnhof als Wesenskern des Gartens. So ist das Areal neben der Flusslandschaft durch Mauern und Tore in weitere Raumelemente gegliedert und zwar in die der Höfe (Ma-Dang) und des Pavillons (Kye Zeong, "Pavillon am Wasser"). Das Gebäude erreicht der Besucher über die Höfe, die meist wie Durchgangszimmer angeordnet sind, sodass man sie vom Haupttor aus nacheinander durchschreitet, bis man das Gartengebäude erreicht. Die Hofräume sind:

  1. Hofraum am Haupttor
  2. "Außenhof der Feierlichkeit"
  3. ein seitlicher Innenhof, von dem aus ein Weg zur Südterrasse am Fluss führt
  4. Innenhof mit der Nordterrasse
  5. der am höchsten gelegene Ma-Dangs (Wohnhof) am Pavillon mit Jangdokdae

Ein sehr typisches Detail koreanischer Kultur finden wir auf dem Wohnhof (5.), welcher einen speziellen Platz für glasierte Tonkrüge (Onggi) besitzt. Dieser Bereich, der traditionell zu jedem alten koreanischen Haus gehörte, nennt sich Jangdokdae, was man mit Speicherplattform übersetzen könnte.

Jang Dok Dae und Onggi TöpfeJangdokdae mit glasierten Gärtöpfen Namens Hangari oder Onggi

Das ist eine Vorratskammer unter freiem Himmel (hier eingehender beschrieben). Auf ihr stehen diverse Gärtöpfe, in denen Lebensmittel fermentiert werden, ähnlich unserem klassischen Verfahren bei der Sauerkrautherstellung in einem Tongefäß. In Korea hat das Fermentieren von Gemüsen, Soja und diversen Lebensmittel eine uralte Tradition und wen dieses Thema interessiert (ein beliebtes Hobby unserer Tage), der sollte einen Ausflug zum Koreanischen Garten in Berlin unbedingt planen.

Idee für daheim kopieren

Es stellt sich für den Besucher nun die Frage, was das Besondere dieser koreanischen Gartengestaltung ist, und was man sich vielleicht für die eigene Gartengestaltung daheim abschauen kann. Zum einen ist das allgemein die Einbeziehung des Gartenraumes als Wohnraum. In diesem Falle sind das die Höfe. Der Hof als universell nutzbarer Wohnplatz hat in vielen Kulturen (Patio im Süden) eine uralte Tradition. Ein Überbleibsel davon mag unsere Hausterrasse sein und der Glaube, dass eine geräumigere Terrasse oder gar ein Gartenhof vom übrigen Außengelände etwas fortnehmen würde. Der grüne Rasen erscheint da wichtiger zu sein. Doch der Rasen selber schränkt die Nutzung des Gartens gewaltig ein: Bei Niesel- oder Regenwetter werden im Gras schnell die Schuhe nass und auch im Winter bei Matschwetter sollten wir die Rasenfläche ebenfalls nicht betreten, denn durch diese Witterung schädigen wir diese. Wir haben also daheim ein teuer bezahltes und unterhaltenes Grundstück und können es letztlich nur bedingt nutzen. Der grüne Wohnhof löst das Problem. Beispiele finden sich hier auf diesen Garten-Infoseite etliche – der mediterrane Wohnhof wurde bereits genannt – und Tipps wie wir mit der gekonnten Platzierung des Gartenhauses auch im kleinen Grundstück Hofräume schaffen können (die vor allem guten Lärm- und Sichtschutz aufweisen), finden sich hier. Das gleiche Prinzip gilt auch im Firmenbereich.

Neben diesen Gestaltungsideen und -prinzipien, finden wir des weiteren in der koreanischen Anlage auch Ideen für den grünen Teil des Gartens. Wer die Anlage einmal in Ruhe betreten hat, den Pavillon erreicht hat – und über die versteckten Trittsteinpfade eine Rast am Fluss einlegt, der wird an diesem Ort ein ganz bestimmtes Flair wahrnehmen, welches der Autor im folgenden Abschnitt beschreiben möchte:

Mauern gliedern die Höfe.
Mauern gliedern die Höfe.
Ausblick.
Ausblick.
Eine paradiesische Flusslandschaft
Eine paradiesische Flusslandsc...
Die hoch aufgeputzten Kiefern ermöglichen Transparenz.
Die hoch aufgeputzten Kiefern ...
Findlingsmauern
Findlingsmauern
Hier entsteht eine dichte Bambushecke gals Rahmenpflanzung.
Hier entsteht eine dichte Bamb...

Mit Findlingen stilistisch gestaltet

Verfolgen die Gestalter in den chinesischen/japanischen Gärten ein Stimmungsbild, welches man als heiter-melancholisch (Das Lachende"und das Bedrohliche) bezeichnen kann, so schufen die koreanischen Gestalter hier in diesem Seouler Gartenmodell ein Grundmotiv und einen Grundkontrast, den man als "das Heitere und das Ernsthafte" beschreiben könnte. Der heiteren Flusslandschaft setzte man als prägendes Landschaftsmotiv große Findlingssteine entgegen. Diese Findlinge, die auch Teil der koreanischen Architekturen sind (Fundamente/Mauern), nimmt man, um mit ihnen eine gewisse optische Schwere zu erzeugen. Verwenden die Japaner in ähnlichen Anlagen lieber schroffes und dunkel-düsteres Felsgestein, um die bedrohliche Natur darzustellen, so setzen die Koreaner die Akzente doch deutlich anders. Höchstens die Kiefern liefern eine Art düster melancholisches Flair.

Die Naturdarstellung in Berlin-Marzahn mit der koreanischen Holzarchitektur ist keineswegs eine versuchte Kopie einer Landschaft. Man hat mit den Findlingen durchaus stilistisch gearbeitet und die wirkliche Natur etwas abstrahiert. Findlinge würden in der Natur nie so zu liegen kommen, wie man sie hier vorfindet. Doch dies bemerkt der Betrachter nicht wirklich und nimmt statt dessen eine angenehme optische Spannung wahr. Man empfindet das hier geschaffene Naturbild als romantisch und paradiesisch und weiß gar nicht genau warum. Das ist wirkliche Gartenkunst.

Natürlich ist dies Leitmotiv, also das heiter-ernsthafte Flair, auch im Garten daheim umsetzbar und das muss gar nicht in einem besonderen koreanischen Gartenstil geschehen. Sanfte Formen können beispielsweise in Heidegärten geschaffen werden. Hier kann man mit Findlingen gestalten und besonders Holzarchitekturen (Gartenhaus) sind passend. Das Wichtigste einer solchen Gartengestaltung ist aber die Zweckbestimmung. Schaffe auch dir ein Refugium, wo du dem Alltag "entfliehen kannst". Mach es wie dieser koreanische Staatsbeamte und fliehe dem Lärm dieser Zeit und nutze deinen Hausgarten und baue ihn entsprechend um.

Tor DurchblickBlick durch das Tor


*Solche Pavillons wurden in Korea in besonders schöner landschaftlicher Umgebung gebaut, an Plätzen mit schöner Aussicht und besonders am Wasser auf Fels²

** In der Heimat sind es Korea-Kiefer (Pinus koraiensis), Mongolen-Eiche (Quercus mongolica) und Fächerahorn (Acer palmatum) und der kleinere Koreanische Fächer-Ahorn (Acer pseudosieboldianum)

Quellen:

  • ² Infotafel vor Ort
  • www.berlin.de