Garten mit Mädchen und Gegenlicht
Hoffnungsvolle Melancholie. Bewahre Deinen Schutzraum und baue Dein Refuguim.

Der Garten war zuallererst ein Schutzraum und Wohnplatz für Mensch, Haustier und Nutzpflanze. Vielleicht ist er die älteste Bautätigkeit des Menschen überhaupt, denn das Wort bezeichnet zuerst einmal nur einen umfriedeten Raum. Dieser umgertete Raum ist nichts Natürliches. Er ist Menschenwerk.

Wohnplatz für die Seele

Ein Garten ist bebautes Land, was schon immer einer menschlichen Wohnstätte zugeordnet war und jeder weiß, wie schnell ein ungepflegtes Stück Land verwildert oder wie schnell ein verlassenes Haus zur Ruine wird: Der Zaun kann das Haus nicht mehr schützen. Zuerst werden die Fenster zerschlagen. Stürme reißen das Dach auf, Regen und Frost bröckeln an dem Mauerwerk. Balkenkonstruktionen werden zur Nahrung von Pilzen, Flechten und Insekten. Die Natur zersetzt, ebnet und tilgt die menschliche Ordnung, worauf Pionierpflanzen wie Birken, Holunder und Brennnesseln das Werk der roh waltenden Kräfte fortsetzen und ihre neue Ordnung aufbauen. In unserer modernen Umwelt haben wir kaum noch eine Vorstellung davon, dass besonders in unseren Breitengraden diese Naturordnung dem Menschen feindlich gegenüber stand. Wilde Tiere, Kälte und Unwetter waren Bedrohungen für unsere Vorfahren, und so schuf man einen schützenden Raum: die Hütte und den Hag.

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Refugium

Auch heute noch brauchen wir diesen Schutzraum. Die Wildnis ist immer noch vorhanden, welche der Seele zusetzt, und die ihr sonst schutzlos ausgeliefert ist. Gegen Seelenkälte, Alltagslärm und auf Beute lauernde Raubgesellen, wie auch immer du das interpretieren möchtest, braucht es ein trockenes und warmes Heim, ein Feuer und den Garten, der ein geschütztes und gepflegtes Refugium und Übergangsland nach draußen ist. Vergiss also nicht, dieses zu bebauen und zu bewahren, auch im metaphorischen Sinn.

P.S. Zum 1. Bild ganz oben. Ist der Kontrast zu stark? Lerne von der Gartenphilosophie der fernöstlichen Gestalter. Sie gestalteten ihre Gärten kontrastreich mit der Philosophie des "Heiteren" und des "Bedrohlichen" oft merkwürdig heiter-melancholisch, doch vollendet harmonisch.

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