Lavasteingarten
Sicher der merkwürdigste Steingarten ...

Wenn ich in Gärten unterwegs bin, dann mache ich neben Fotos auch gern kurze Video-Notizen, die hier eingesehen werden können. Durch sie kann man sich durchaus gute Gestaltungsanregungen holen, denn eine Gartenanlage wird ganz anders wahrgenommen, wenn man sich durch sie hindurchbewegt, als durch einfache Bildwirkungen, die von bestimmten Betrachtungspunkten aus entstehen.

Lavastein-Garten

Ein wirklich außergewöhnlicher Steingarten ist dieser "Vulkan-Garten", der sein Flair im Wesentlichen aus Lavastein, Wasser und düsteren Koniferen schöpft. Die Anlage befindet sich im Erfurter Egapark.

Dieser ist übrigens ein wirklich lohnendes Tagesausflugsziel für die ganze Familie. Denn es finden sich in der Riesenparkanlage nicht nur wunderschöne Gartenanlagen und jahreszeitliche Pflanzengestaltungen sondern auch Spielplätze, ein Bauernhof mit Kleintierhaltung und kreative Experimentiermöglichkeiten für Kinder sowie ein Freibad.

Noch ein Wort zum Vulkangarten im Video: Wir fragen uns oft, mit welchen Mitteln um Methoden wir unserem Flair im Garten den letzten Schliff geben können. Nicht selten werden entsprechende Gestaltungen mit den Jahren langweilig, obwohl alles so schön Ton-in-Ton angelegt wurde. Doch genau das ist das Problem. Nicht ein ausgeglichenes Flair macht einen Garten interessant, sondern scharfe Kontraste. Das ist ein Thema für sich, was ich hier auf diesen Infoseiten schon vielfach herausgestellt habe. Hier haben wir im Video aber ein konkretes Beispiel. Auf der einen Seite haben wir die dargestellte heiter Natur mit ihrem freundlichen Gesicht und auf der andern Seite das bedrohliche Element unserer Umwelt. Dieses Grundmotiv ("das Heitere und Bedrohliche" – wir finden es auch ganz unten im Felsgarten dargestellt) – ist genau das, was den meisten Gartengestaltungen fehlt. Diesen Spannungbogen können wir mit den verschiedensten stilistischen Mitteln darstellen – hier im Video ist dieser jedenfalls gelungen und außergewöhnlich.

Hohlweg im Steingarten

Der alpine Garten findet sein Motive in den Alpen und anderen Berglandschaften, doch ist es problematisch solch gewaltige Naturlandschaften im kleinen Maßstab nachzubilden. Wenn wir das versuchen entsteht meistens Kitsch. Die erste Idee – die wir oft haben – wenn wir ein Alpinum anlegen möchten ist, einen Hügel aufzuschütten und mit Polsterstauden zu bepflanzen. Die alten Gartengestalter machten es aber genau andersherum. An Stelle der gestalteten Erhebung, senkten sie wichtige Gartenbereich ab. Neben sogenannten Senkterrassen ist der Hohlweg eine dieser Möglichkeiten, die wir hier im Video sehen.

Wir gehen durch den Steingarten Karl Foersters (öffentlicher Garten in Potsdam, Bornim). Diese Anlage hat ein Hauptwegesystem. Die nötigen, kleineren Nebenwege sind jedoch unsichtbar angelegt, denn sie würden sonst die Anlage optisch zerteilen. Der Gartenweg führt zu einem schattigen Ruheplatz, der an einem kleinen Quellteich liegt. (Linktipp: Wasseranomalie) Auch ein kleines ruhendes Gewässer vermittelt de Eindruck, dass man sich in bergigem Gelände befindet, denn das Wasser sammelt sich am tiefsten Punkt im Gelände. Als Gegensatz zum ruhenden kleinen Quellteich können Wasserfälle wiederum eine Felslandschaft suggerieren, da mit dem Wasserfall eine bestehende Höhe unweigerlich interpretiert wird.

Ein chinesischer Felsengarten

Ein kurzer Einblick in den "Garten der Dichter und Gelehrten" – einer wunderschönen, echt chinesischen Gartenanlage in Deutschland. (Felsen-Garten unterhalb des Universitätsgeländes in Bochum, innerhalb des botanischen Gartens) In die Anlage führt ein breiter offensichtlicher und gleich auch (nach dem Eingang) ein geheimer Weg, der etwas versteckt nahe am Eingang beginnt. Er erzählt uns in Bildern die Geschichte vom Pfirsichblütenquell.

In der alten chinesischen Erzähung vom Pfirsichblütenquell geht es darum, dass ein Fischer auf der Fahrt auf einem Fluss durch Zufall in einem Felsental auf einen Pfad gelangt, der zu einem verborgenen Dorf führt. Dort verlebt der Fischer, abgeschieden von der Welt, glückliche Tage und Wochen. Diesem Grundmotiv folgend, ist die Anlage in Bochum gestaltet. Der Rundgang im Video beginnt entgegen dem Uhrzeigersinn – also entgegen dem Sonnenlauf – was vielen fernöstlichen Gärten eigentümlich ist. Es mag eine Bedeutung haben. Ist es ein Lauf gegen die Zeit? Wenn wir diesen Sinn in der Tiefe erfassen, dann ist dieser Rundgang tatsächlich ein Initiationsweg, der uns zuerst vom Weltgetriebe abschneiden will. An einem ganz bestimmten Punkt ist der Weg deshalb tatsächlich durch einen klaren Schnitt getrennt:

Steinplattenweg, Brücke mit Trennschnitt

... Dann geht es durch eine Grotte zu den besagten, verborgenen Ort des Schaffens und der Muse, was durch eine stilisierte Fischerhütte und ein chinesisches Schachbrett (Xiangqi) symbolisiert ist. Weiteres erfahren wir im obigen Link zur mystischen Geschichte vom Pfirsichblütenquell. Diese alte Geschichte ist auch heute noch sehr aktuell.

Ein japanischer Felsengarten

Es ist eine Besonderheit der japanischen Gärten, dass sie fast immer ein gewisse Melancholie ausstrahlen. Das wird durch karge, schroffe, dunkle Felsen zu Ausdruck gebracht. Diese Eigenschaften des Gesteins ermöglichen erst den Kontrast mit hellen, freundlichen Pflanzen wie z.B. Bambus. Dadurch entsteht eine ganz eigene gestalterische Spannung.

Im Video bekommen wir ein optisches Lehrstück, wie wir mit gartenkünstlerischen Mitteln Natur nachempfinden können. In den fernöstlichen Anlagen ist aber niemals Natur im 1:1 Maßstab nachgebildet, sondern immer mit unbemerkten Tricks inszeniert. So bringen zum Beispiel architektonische Elemente, die in die Naturlandschaft hineingesetzt werden – etwa die Bogenbrücke – Vergleichsmaßstäbe für das Auge. Durch das Menschenwerk wirkt dann die Natur noch natürlicher und ursprünglicher ...


Die Videos stammen teilweise aus dem Jahr 2006 und sind mittlerweile historisches Bildmaterial.