Gartenrefugium versteckter Pavillon
Ideal: versteckter, romantischer Pavillon.

Das Wort Refugium ist dem Lateinischen entlehnt und hat die Bedeutung Rückzugsort, Rückzugsraum, Zufluchtsort oder auch Schutzhütte. Dass man den Garten als solch einen Schutz- und Rückzugsort ansieht, das liegt im Wesen der Anlage selber, denn Wohngärten als umzäunte Schutzräume sind schon immer Refugien gewesen – früher inmitten der Wildnis und später inmitten der ruhelosen Städte oder einfach als Rückzugsort vom Alltag. Refugien, welche diese Zwecke erfüllen, finden sich von der Antike bis in unsere heutige Zeit hinein in vielen Kulturen der Erde. Besonders ausgeprägt findet man sie im fernen Osten wie beispielsweise in den klassischen Hausgärten der Chinesen.

Ein Beispiel dafür hat der Autor bereits an anderer Stelle beschrieben. Es ist der Chinesische Garten in Bochum. Eine vergleichbare Anlage aus der koreanischen Kultur ist in Berlin-Marzahn zu finden. Beide Anlagen sind umso interessanter, je mehr man sich mit der Philosophie beschäftigt, welche hinter der  Gestaltung steht. In den verlinkten Beiträgen geht der Autor darauf ein. Diese Beispiele mögen uns auf das Thema einstimmen. Sie haben jedoch für das Übertragen der Ideen in den eigenen Garten einen Nachteil und das ist ihre Größe. Beide Gärten sind Anlagen von beachtlicher Größe.

Gartenrefugium für japanische Teezeremonie

Sparsamer, was die Grundfläche des Gartenrefugiums betrifft, sind schon immer die Japaner. Ihre Sonderform als Rückzugsort ist der Tee-Garten (Bild oben). Es ist ein speziell angelegter Garten für die japanische Teezeremonie. Auch diesen hat der Autor vom Wesen her beschrieben und es lohnt sich, dort ein wenig zu stöbern. Aus diesen Anlagen stammen beispielsweise die Trittsteinwege, die in unsere Gärten in den 1930er - 70er Jahren Einzug fanden, allerdings häufig aus praktischen Gründen und ohne deren Sinn zu verstehen. Japanische Mönche erdachten sich diese, um die Schritte der Besucher zu verlangsamen und den Menschen einen anderen Zeitrhythmus vorzugeben. Solche Elemente können wir durchaus auch für kleine Gartengestaltungen kopieren. Wichtiger ist aber noch ein anderer Grundgedanke, der von diesen Tee-Gärten für das eigene Projekt übernommen werden kann und das ist der Zweck:

Zweck

Wer beispielsweise eine Leseratte ist, der kann sich einen Lesepavillon als Rückzugsraum im Garten einrichten. Das kann eine gemütliche Ecke in einer Laube sein oder ein extra dafür gefertigter Pavillon. Wer aber selten zum Lesen kommt, sollte nicht glauben, mit der Einrichtung eines solchen Refugiums mehr Zeit dafür zu finden. Häufig wurden schon Gärten mit Ausstattungen versehen, die nach ein-,  zweimaliger Benutzung verwaist dastehen. Der Nutzungszweck ist also wichtig. Oben erwähnte der Autor die japanischen Tee-Gärten. Dort zelebriert man zum Beispiel die Teezeremonie. Zeremonie und Garten sind dort unzertrennlich.

Doch der Grund, einen Rückzugsort anzulegen, kann auch ganz einfacher Natur sein. Was für den Einen die versteckte Raucherinsel im Garten ist, kann für den Nächsten eine Lese- oder Fernsehlaube sein. Der Dritte braucht nur einen ungestörten Platz für den Liegestuhl und der Vierte setzt seinen Hobbyraum für die Eisenbahnanlage in den Garten. Doch auch bei bestehendem Interesse kann es geschehen, dass Refugien, wie eben erwähnt, angelegt und später kaum genutzt werden. Und das liegt häufig am fehlenden Sichtschutz.

Terrasse

Sichtschutz

Schade um die Arbeit, kann man da nur sagen, wenn so manch eine aufwändig gestaltete Gartenecke in der Praxis selten aufgesucht wird, weil es an einem ausreichenden Sichtschutz und mitunter auch am Lärmschutz fehlt. Ein Gartenrefugium, welches nicht über ausreichenden Sichtschutz verfügt, ist kein richtiges Refugium. In einer Reihenhaussiedlung ist nach Meinung des Autors nicht nur der Blickschutz schlechthin wichtig, sondern auch der blickgeschützte Weg vom Haus dorthin. Es ist doch manchmal so, dass man einfach nur Ruhe haben möchte und in solchen Situationen nicht erst mit den Nachbarn ins Gespräch kommen will. Hier musst du findig sein. Mitunter kann ein Gerätehaus, welches klug platziert und mit zwei Türen ausgestattet ist, als Durchgang fungieren, oder man pflanzt einen kleinen durchgehbaren Bambushain oder errichtet eine Pergola mit Seitenspalieren und führt darunter einen Hohlweg hindurch. Hier sind also Ideen gefragt. Viele findest du hier auf folgenden diesen Gartenseiten.

Das Refugium im eigenen Hausgarten - Ideen

Bisher hat der Autor noch wenige Gestaltungsbeispiele genannt, aber wichtiger sind eben die oben genannten Grundvoraussetzungen. Das Gestalterische ist dann mehr eine individuelle Sache. Allgemeine Regeln, die hier auf den Gartenseiten des Autors beleuchtet werden, können für dein Projekt Anregungen geben. Doch auch konkretere Beispiele findest du hier:

Bank Ruheplatz im Garten

Selbstgenügsamkeit

Am Ende bleibt noch etwas Zeit, herumzuphilosophieren. Der Wunsch, ein kleines Gartenrefugium zu besitzen, weist hin auf die  Selbstgenügsamkeit, die viele von uns heimlich hegen, wenn wir an solch besagte Zufluchtsorte denken. Wenig bekannt ist, dass der Begriff der Selbstgenügsamkeit aufs engste mit dem der Autarkie verbunden ist. Unabhängigkeit und Selbständigkeit, Selbstversorgung sind alles Themen, die letztendlich auch mit dem Wunsch nach einem Refugium zu tun haben und der Garten (der auch gemietet sein kann) bietet Raum genug, seine Freizeit und Ideen dort zu verwirklichen.

Bildquellen:

  • 3. Bild, Hanggarten © cocoparisienne - pixabay.com
  • 4. Bild, Bank © KRiemer - pixabay.com