Kopfsalat Laibacher Eissalat
'Laibacher Eis' (Grazer Krauthäuptel).

Ich habe die Kopfsalatsorten grob in neue und alte Sorten gruppiert. Je nach Wuchs- und Ernteeigenschaften haben alte und neue Züchtungen Vor- und Nachteile. Wer nach lizenzfreien Zuchtformen sucht, der muss sich an den alten Sorten orientieren. Das sind fast immer auch Formen, die samenecht sind, also Blattgemüse welche sich selber vermehren lassen, ohne dass sie ihre Sorteneigenschaften verlieren.*

Der Anbau von Kopfsalat (Freiland/Gewächshaus) lohnt sich im Selbstversorgeranbau auf jeden Fall und überall da, wo man nicht täglich Zeit zum Ernten hat, denn die Köpfe sind schnell geschnitten und im Kühlschrank halten sie sich  5 Tage oder länger. Im Ein- oder Zweipersonenhaushalt mögen die Pflücksalate eine Alternative sein, wo regelmäßig kleinere Mengen an Blättern geerntet werden können.

Winterbutterkopf

Bei der Verwendung neuer Kopfsalatsorten sollte man genau auf deren Anbauanleitungen schauen. Heutigentags wird viel für den industriellen Gartenbau gezüchtet. Dort wird dann Wert auf gleichmäßige Kopfgröße, Haltbarkeit derselben bezüglich Transport und Lagerung gelegt. Außerdem wird in den modernen Produktionsstätten fast nur noch unter Glas produziert, was vermutlich auch großen Einfluss auf den Nitratgehalt der Köpfe hat. Kopfsalatpflanzen, welche unter voller Sonneneinstrahlung im Freiland gewachsen sind und erst am Abend geerntet wurden, haben in der Regel um vieles niedrigere Nitratwerte, als Gewächshausware.
In einigen Bundesländern wie Sachsen, Hessen und Bayern, werden landwirtschaftliche Forschungsstätten unterhalten, welche im Sinne der Klein- und Selbstversorgungsgärtner neue Sorten prüfen und beurteilen. Und so habe ich unten eine weitergeführte empfohlene Sortenliste der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau über neuere Kopfsalatsorten, die für den Kleingartenanbau geeignet sind [1]. Interessant sind dabei sicher die Resistenzen gegenüber Blattklausbefall, Mosaikvirus und Mehltaubefall. Solche Unempfindlichkeiten gegen Krankheiten und Schädlinge machen den Einsatz von Insektiziden und Fungizieden (diverse Spritzmittel) völlig entbehrlich.

Neue Kopfsalat-Sorten für Kleingärten

  • 'Estelle' – Kopfsalat für Ganzjahresanbau, schossfest, blattlausfest, mehltauresistent
  • 'Fiorella' – für den Ganzjahresanbau, widerstandsfähig gegen Blattläuse, resistent gegen Mehltau, tolerant gegen Salatmosaikvirus
  • 'Irina' – für Ganzjahresanbau, blattlausfest, resistent gegen Salatmosaikvirus und Mehltau
  • 'Jiska' – für den Ganzjahresanbau, blattlausfest, resistent gegen Salatmosaikvirus und Mehltau
  • 'Osaka' – für die Ganzjahreskultur, blattlausfest, resistent gegen Mehltau
  • 'Mona' – für den Unterglasanbau, resistent gegen Mehltau
  • 'Britney' – Unterglasanbau, resistent gegen Mehltau
  • 'John' – Gewächshaussalat, resistent gegen Mehltau
  • 'Gisela' – Anbau über das ganze Jahr, resistent gegen Mehltau, blattlausfest
  • 'Monique' – Ganzjahreskultur, resistent gegen Mehltau, blattlausfest

Ältere Kopfsalat-Sorten

  • 'Apollo' – reine Gewächshaussorte
  • 'Maikönig Treib' – wird im Januar gesät und kommt nur im Frühjahr zur Ernte, Treibhaus
  • 'Victoria Typ King' – sehr frühe Freilandsorte, rötliche Blattränder
  • 'Maikönig' – frühe Freilandsorte
  • 'Attraktion' – mittelfrühe Freilandsorte mit festen Köpfen, schnelle Entwicklung, Aussaat April/Mai, Ernte Juni bis Oktober
  • 'Neckarriesen' – sehr frühe Freilandsorte, sehr große Köpfe
  • 'Kagraner Sommer' – späte Freilandsorte - hitzeresistent
  • 'Laibacher Eis' (Grazer Krauthäuptel) – späte Freilandsorte - gekraust
  • 'Maiwunder', auch 'Mai Wunder' – Wintersorte, große Köpfe, Winterschutz durch Abdeckung, für milde Lagen

Sehr alte Kopfsalat-Sorten

  • 'Maikönig' –  früher Salat
  • 'Erstling' – früher Salat
  • 'Universal' – früher Salat
  • 'Brauner Trotzkopf' – Sommer- und Spätanbau
  • 'Grüner Trotzkopf' – Sommersalat
  • 'Forellensalat' – für den Sommerkultur [2]
  • 'Winter-Butterkopf' – Herbst/Wintersalat (heute noch im Handel) war nach Böttner die einzige brauchbare Wintersorte, die älteren Wintersalate empfahl er nicht mehr.

Römischer Salat Kopfsalat Goldforelle

 Zur Überwinterung der Jungpflanzen geeignet (nach A. Bier)

  • 'Brauner Wintersalat'
  • 'Gelber Wintersalat'
  • 'Frühlingsbote'
  • 'Brauner Trotzkopf'
  • 'Winterbutterkopf'

Krauthäuptl-Sorten früher bevorzugt in Österreich angebaut

  • Früh: 'Maikönig'.
  • Sommersorten: 'Laibacher Eissalat' (Grazer Krauthäuptel), Brauner Trotzkopf, Wiener Gelber Sauersalat.
  • Winter: 'Nansen', 'Wiener Großer Gelber'

Gruppen

Die Kopfsalate (Lactuca sativa var. capitata) sind eine Varietät der Pflanzenart der Gartensalate (Lactuca sativa). Letztere gehören in die Pflanzenfamilie der Lattiche (Lactuca).

Kopfsalat – Lactuca sativa var. capitata

Das sind die Gartensalate mit den geschlossenen, runden Köpfen, eine Varietät, die es in der langen Geschichte der über 4000jährigen Geschichte dieser Blattgemüse erst seit der Renaissance gibt. Bedeutende Züchtungen wurden im 18. und 19. Jahrhundert vor allem in den Anbaugebieten um Paris gemacht, welche neben den regionalen Landsorten in Deutschland im 19. Jahrhundert weiterentwickelt wurden.

– Buttersalat – Lactuca sativa var. capitata

Es ist eine Untergruppe alter Sortenvarianten. Meist haben diese Auslesen schöne, große Köpfe, die außerdem sehr zarte Blätter aufweisen, also das äußerste Gegenform der Crisp Group. Sie wurden vor allem im zeitigen Anbau verwendet. Im 18. und 19. Jahrhundert züchtete man besonders in Richtung zarter Varianten, sowie Köpfe mit grünen und gelben Blättern. Rötlichbraune Variationen, die heute recht beliebt sind, fanden auf den Märkten kaum Absatz.

– Wintersalat

Der Begriff bezieht sich auf die Anbaumethode mancher alter Sorten. Korrekter wäre die Bezeichnung "Überwinterungszeit-Kopfsalat", bei welchem die Jungpflanzen überwintern: Aussaat August bis September, Auspflanzen im Oktober oder März, Ernte Ende April bis Mai. Für Kleingärten sind sie heute besonders geeignet, kaum mehr für den gewerbliche Gärtnereien.

– Eisbergsalat – Lactuca sativa var. capitata Gruppe: Crisp Group

Diese besitzen runde, knackige Häupter. Da sie bei Hitze nicht so schnell ins Kraut schießen, werden sie im Kleingarten gern über die Sommermonate angebaut.

– – Bataviasalat – Lactuca sativa var. capitata Gruppe: Crisp Group

Es ist eine neuartige Untergruppe der Crisp Group mit weicheren Blättern.

Romanasalte – Lactuca sativa var. longifolia

Sie sind eine eigene Varietät der Gartensalate, vermutlich die ältesten Sortengruppe überhaupt mit länglichen Blättern (longifolia) und die geschlossenen Formen mit länglichen Köpfen. Geschmacklich sind sie etwas dumpfer, als die oben gelisteten Blattgemüse. Im Kleingarten sind sie im Sommer- und Herbstanbau beliebt, da sie die Köpfe auch bei Hitze lange halten. 

* Anmerkung – Alte Salatsorten selber züchten – besser weiter züchten?

*Zur Thematik alter regionaler Landsorten habe ich eine besondere Meinung: Im Kleingartenbereich werden gern alte Zuchtformen von Gemüsen angebaut und weitervermehrt. Züchter und Hobbygärtner haben es sich zur Aufgabe gemacht alte Salatorten anzubauen und weiter zu vermehren. Das ist durchaus begrüßenswert, doch noch wichtiger finde ich es, diese alten Zuchtlinien nicht nur zu erhalten, sondern auch weiterzuführen und weiter zu züchten. Die Kompetenz Kulturpflanzen zu züchten ist eine Kompetenz die sich jeder Mensch aneignen sollte. Hochzuchtsorten sind Produkte des industriellen Gartenbaues und da gehören sie auch hin.
Pflanzenzucht im eigenen Nutzgarten wurde über tausende von Jahren von gewöhnlichen Menschen praktiziert, die sicher keine Experten waren, aber dafür eine natürliche Beobachtungsgabe besaßen.
Am Kopfsalat können wir unser Können in der Weiterzucht (Auslese) relativ einfach erproben. Man kauft eine oder verschiedene alte samenechte Formen, welche online von etlichen Gärtnern angeboten werden.
Das Blattgemüse bauen wird dann so früh, wie möglich im Jahr an. Es wird gesät, verpflanzt und gepflegt, bis sich schöne feste Köpfe gebildet haben. Die festesten, schönsten und am längsten geschlossen bleibenden, wählen wir für die Samenzucht aus. Man lässt etwa drei dieser Exemplare stehen und lässt sie in den Samen schießen und hat damit eigenes Saatgut gewonnen. Das macht man möglichst jedes Jahr, um immer wieder neue Pflanzengenerationen zu generieren. Auf diese Weise wird nicht nur eine Sortenauslese betrieben, sondern die Pflanzen bekommen so die Möglichkeit sich generativ, genetisch und memetisch an ihren individuellen Standort anzupassen. Man muss sich die Fähigkeit dieser einjährigen Pflanze, auf die Umwelt zu reagieren und auf sie einzuwirken, so vorstellen, dass dieses über die Generationen ihrer Sämlings-Nachkommen geschieht – und das funktioniert im Sinne einer naturähnlichen Kreislaufwirtschaft (Permakultur) am wirkungsvollsten direkt am regionalen Standort.

Literatur, Quellen:

  • Sobischek, Josef: Der kleine Garten, Wien und Leipzig, um 1940.
  • Bier, A.: Lohnende Gemüsezucht, Erfurt um 1925, im Verlag des Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau.
  • Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger, 1944.
  • Grau, Prof. Dr. Jürke/Friedrch, Dr. Hans-Christian: Mein Gartenjahr, HonosVerlagsAG Zug 1988.
  • [1] lwg.bayern.de 2010 – Liste 2017 dort nicht mehr recherchierbar
  • [2] die Sorte ist ein Romanasalat