Ungarischer Paprika Feher
Gedeiht gut im Freiland: Ungarischer Paprika 'Feher'

Aus botanischer Sicht gibt es genau genommen nur eine Art für den Anbau als Würz- und Gartengemüse und das ist Capsicum annuum. Die Pflanzenfamilie, zu der das Paprika gehört, zählt zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Das Herkunftsgebiet der Pflanze liegt in Mittel- und Südamerika und, so habe ich recherchiert, entstanden dort auch verschiedene Varietäten (Unterarten), die oftmals nicht ganz korrekt als Arten bezeichnet werden:

Die Arten C. annuum, C. frutescens und C. chinense entwickelten sich aus einem gemeinsamen Vorläufer, der im nördlichen Amazonasbecken (Nordwestbrasilien, Kolumbien) beheimatet war. Von dort fächerte sich die Entwicklung der Arten auf: C. annuum und C. frutescens breiteten sich nach Norden aus und wurden dort (in Mexiko bzw. Panama) in Kultur genommen. C. chinense dagegen wanderte westwärts und wurde in Peru domestiziert (allerdings wird diese Art heute in Südamerika kaum mehr angebaut). Ebenfalls eine westliche Ausbreitung erfuhren zwei weitere heute kultivierte Arten, die mit den vorherigen entfernter verwandt sind: C. baccatum im peruanischen Tiefland und C. pubescens im Andenhochland (Peru, Bolivien, Ecuador).

wikipedia.org/wiki/Paprika#Herkunft 2015

Weiterführend möchte ich nun nicht mehr auf die botanische Ordnung eingehen, die dieser hier beschrieben ist, sondern auf die geläufigen Bezeichnungen, wie sie für den Handel, für die Küche und für den Anbau im Garten relevant sind: Gemüsepaprika, Chili und Peperoni, Gewürzpaprika, Mini- und Zierpaprika.

Gemüsepaprika

Damit sind die süßen Paprika-Sorten gemeint. Capsicum annuum ist als Ursprungsform zwar scharf, doch wurden beim Gemüsepaprika die Capsaicinoide herausgezüchtet. Tatsächlich sind die Schoten (botanisch eigentlich Beeren) süß, denn die Früchte enthalten je nach Sorte auch Zucker. Der Anbau ist im Freiland möglich, doch unter Glas ertragreicher. In meinem Selbstversorgergarten begnüge ich mich mit dem Anbau im Freien.

Apfel- oder Tomatenpaprika

Das sind mehr runde Früchte, die viel Fruchtfleisch enthalten und knackig sind. Man verwendet sie überwiegend frisch, zum Einlegen und Grillen.

Chili und Peperoni

Chili und Peperoni sind Begriffe für ein und dieselbe Art. Je nach Capsaicingehalt sind die Früchte dieser Paprika-Variation unterschiedlich scharf.

Peperoni oder scharfe ungarische Paprika enthalten etwa bis 0,01 %, Cayenne oder Thai-Chili etwa bis 0,3 % und sehr scharfe Sorten (Tepin, Habanero) etwa bis 3 % Capsaicin. Die schärfsten Chilis können einen Capsaicingehalt von über 10 % erreichen. (wikipedia, siehe oben)

Gewürzpaprika

Das sind spezielle Züchtungen, welche, um gut getrocknet werden zu können, ein dünnes Fruchtfleisch besitzen und einen hohen Trockensubstanzgehalt aufweisen. Aus ihnen wird das im Handel erhältliche Paprikapulver hergestellt. Das Pulver kann auch selber gemacht werden. Man nimmt dazu reife Früchte, trocknet sie gut und pulverisiert sie. Dafür verwende ich eine elektrische Kaffeemühle, die nur zu diesem Zweck im Einsatz ist.  Das Pulver muss vor dem Verpacken aber nochmals nachgetrocknet werden (im Backofen oder Trockengerät), denn es darf nur absolut trocken in möglichst luftdichte Gefäße gefüllt werden, da es sonst schimmelt. Sorten sind z.B. 'Szegediner', speziell für den Szegediner Gulasch oder 'Kalocasi' für Delikatess-Paprikapulver.

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Tomatenpaprika
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'Chilly Chili, ein Zierpaprika.
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Mini- und Zierpaprika, Zierchili

Seit etwa 10 Jahren sind im Handel zahlreiche Zierpaprikasorten erhältlich, die sich gut im Kübel (ganzjährig im Wintergarten) oder im Blumenkasten auf dem Balkon kultivieren lassen. Natürlich sind diese Formen essbar und je nach Schärfegrad, über den man sich informieren sollte, genießbar. Neben speziellen Ziersorten gibt es auch kleinfrüchtige Gemüsepaprika, wie die Sorte 'Bunte Zwerge'. Im empfehlenswerten Dreschflegel-Katalog (sieh unten) ist zu letzteren "Zwergen" zu lesen: frühe Sorte mit zahlreichen 3 – 5 cm kleinen Früchtchen, die sich ideal zum Befüllen mit Frischkäse o. A. eignen. Das heißt also, Paprika mit Frischkäse gefüllt in Öl einlegen und damit Antipasti selber machen!

Literatur & Quellen: Dreschflegel-Katalog Saaten & Taten 2015, Dreschflegel GbR Witzhausen