Zuckererbsen
Zuckererbse 'Ambrosia' voll ausgereift.

Erbsen sind für Kleingärtner und Selbstversorger ein Gemüse, welches im Garten nicht fehlen sollte. Je nach Sorten benötigen sie im Frühjahr vom Tage der Aussaat an, bis zur Reife, lediglich zwischen 75 und 95 Tage. Aus diesem Grund ist dieses schmackhafte Gemüse für Kleingärtner recht interessant. Allerdings gibt es von diesem sehr unterschiedlichen Sortenttypen, welche jeweils besonderen Zwecken dienen und diese sollten wir genau beachten. Es gibt zum Beispiel Formen, die keine Rankhilfe benötigen. Diese sind effektiver zu kultivieren, wenn wir größere Anbauflächen haben. Andererseits kennen wir reich tragende Typen, welche 2 m hoch werden und an einem Gerüst gezogen werden müssen. Diese eignen sich z.B. für kleine Gärten, da sie mit wenig Flächen viel Ertrag bringen.

Auf dieser Seite möchte ich die Sortentypen der im Garten verwendeten Arten der Gemüseerbse vorstellen und nicht die speziellen Sorten der Erbse. Letztere sind gesondert aufgeführt. Hier soll es um die Definition der verschiedenen Begrifflichkeiten gehen, wie: Pahl- und Schalerbsen, Mark- und Zuckererbsen, Zuckerschoten usw.. Bevor wir auf die einzelnen Sortengruppen eingehen, werfen wir einen kurzen Blick auf die botanische Einordnung der Art:

Botanische Systematik

Pisum sativum, die Erbse ist eine Pflanzenart der Gattung Pisum (Erbse) – Art und Gattung haben hier den gleichen Namen, was nicht allzu oft vorkommt. Die Gattung wird botanisch dem Tribus (Unter-Unter-Familie) Fabeae zugeordnet und dieser der Unterfamilie der Faboideae (Schmetterlingsblütler). Die Pflanzenfamilie dieser Gewächse sind die Fabaceae (auch Leguminosae; früher: Papilionaceae), also die Hülsenfrüchtler/Leguminosen. Diese wiederum gehören in die Ordnung der Fabales (Schmetterlingsblütenartigen). Die Verwandtschaft zu den Gartenbohnen besteht über die Faboideae (Schmetterlingsblütler). Der botanische Name unserer Pisum sativum fügt sich aus den griechischen und lateinischen Wörtern Pisum (griech. Erbse, Pisa = Frucht) und sativum = ausgesät.

Die wichtigste Art für unseren Gebrauch ist die Gartenform Pisum sativum (L.). In Äthiopien und Saudi-Arabien baut man Pisum abyssinicum (A. Braun) und dann gibt es noch die Kichererbse (Cicer arietinum L.); sie gehört jedoch einer anderen Gattung der Schmetterlingsblütler an. Die Art und Unterarten, welche wir betrachten, gehören alle zur Art Pisum sativum. Sie besitzt drei Unterarten, die kultiviert werden:

  1. ssp. asiaticum (Gov.); Asien und Nordafrika
  2. ssp. transcaucasicum (Gov.); Kaukasus und südliches Russland
  3. ssp. sativum; die bei uns übliche Kulturformen

3. Von der Unterart Pisum sativum ssp. sativum gibt es wiederum drei Varianten:
3.1. convar. speciosum (Dierb.) Alef. (bisher P. arvense L.): Futtererbse, Acker- oder Felderbse, als Grünfutter und die Samen als Körnerfutter genutzt.
3.2. convar. sativum: Trockenspeiseerbsen, die auch auf dem Feld angebaut werden
3.3. convar. axiphium (Syn. P. sativum ssp. saccharatum Alef.) die Zuckererbsen und Zuckerschoten

Übrigens: Erbsen sind Leguminosen und reichern den Boden mit Stickstoff an, deshalb ist deren Anbau im Rahmen des jährlichen Fruchtwechsels für die Bodenfruchtbarkeit wichtig.

1. Schalerbsen: Pisum sativum L. convar. sativum

Man verwendet die Schalerbsen – auch Pahl-, Kneifel- und Schalenerbsen – zum Trocknen (Trockenerbsen), sie enthalten viel Stärke (z.B. Sorte 'Frühe Harzerin') und schmecken weniger süß als andere Arten. Das Besondere an den Schalerbsen ist, dass sie unempfindlich gegen Frost sind; sie vertragen noch -5 °C und so kann man sie schon früh im März oder im milden Februar in der Erde legen.

Pahlerbse 'Kleine Rheinländerin'

Die Körner dieser Art sind kugelig, voll und glatt. Man unterscheidet sie in grüne und gelbe Erbsen. Grüne Erbsen sind nicht voll ausgereift. Gelbe dagegen haben die Vollreife und vermutlich einen höheren Stärkeanteil und weniger Zucker als die Grünen. Im Handel kann man sowohl grüne wie auch gelbe Trockenerbsen geschält kaufen (Schälerbsen), wobei für die leckeren Erbsensuppen vom Feuerwehrverein meist die gelben Schälerbsen zum Einsatz kommen.

2. Markerbsen: Pisum sativum L. convar. medullare Alef.

Für den Sofortverbrauch, zum Einkochen in Konserven und zum Einfrieren eignen sich die recht süßen Markerbsen, Pisum sativum L. convar. medullare Alef. Beim Trocken schrumpfen sie ein und sind als Trockenerbsen nicht geeignet, weil sie beim Kochen nicht wieder weich werden. Frisch oder eingekocht haben sie einen feineren Geschmack als Schalerbsen, da Letztere auch schnell bitter werden. Markerbsen mögen etwas wärmeren Boden als Schal- und Zuckererbsen. Sie werden etwas später, im April, als diese gesät, weil Kälte die Saat oft faulen lässt und sie dann nicht aufgeht.

3. Zuckererbsen: Pisum sativum L. convar. axiphium Alef

Zuckererbsen (z.B. die Sorte 'Ambrosia') haben runde, glatte Körner und fleischige Hülsen ohne innere Pergamenthaut. Bei dieser Form kann man die Hülsen-Schale mitessen. Eine Besonderheit ist, dass sie Schalerbsenkörner oder (wenige Sorten) auch Markerbsenkörner haben können. Somit gibt es gewissermaßen wiederum "Unterarten": Zuckerpal- und Zuckermarkerbse.

Aber besser ist die Unterscheidung in:

  • Dünnschalige Zuckererbsen (Kaiserschoten). Sie müssen in jungem Zustand gepflückt werden. Das Korn darf noch nicht ausgebildet sein, da sie sonst streng schmecken.
  • Zucker-Brecherbsen. Diese dickschalige Art ist geschmacklich am besten, wenn das Korn voll ausgebildet ist. Es gibt aber wenige Sorten, die nur für den Anbau im Garten relevant sind; dazu gehören die u.a. die Sorten 'Quendlinburger Süße Dicke' und 'Quarz'.

Zuckererbsen vertragen frühe Aussaat.

Weitere Formen

Wintererbsen: eine Anbaumethode

Eine weitere Form, die auch für Kleingärtner und Kleintierhalter interessant sein könnte, ist die Wintererbse. Ähnlich dem Wintersalat wird sie in der zweiten Jahreshälfte (Mitte bis Ende September) gesät und überwintert als Jungpflanze. Im folgenden Frühjahr hat sie dann einen erheblichen Vorsprung gegenüber neu gesäten Pflanzen. Jede der oben genannten Erbsentypen kann es auch als Wintererbse geben, so bspw.. die Sorte 'Sima', die eine Markerbse ist. Die obenstehenden drei Typen bezeichnet man als Gemüseerbsen.

Felderbse: Pisum sativum L. convar. speciosum

Die ertragreichste Erbse ist die Felderbse, die auch Futter- oder Ackererbse genannt wird. Sie kommt für den Anbau im Selbstversorgergarten kaum in Betracht. Der Anbau als Feldfrucht dient der Landwirtschaft vorwiegend der Versorgung der Tierhalter mit Körnerfutter (Futtererbse, Peluschke) und Grünfutter sowie Gründünger. Für die Nahrungsmittelproduktion werden Trockenspeiseerbsen (Körnererbsen, Sorten z.B. 'Alvesta', 'Hardy') kultiviert, die natürlich auch Gemüseerbsen sind. Gemüseerbsen für den Feldbau sind z.B. 'Überreich' und die beliebte 'Kleine Rheinländerin'.

Erbsen auf einem Feld

Man könnte nun meinen, ähnlich einem kleinen Kartoffelacker im Garten einen Erbsenacker anlegen zu können. Das aber ist außerordentlich schwierig, weil Erbsen nicht auf Erbsen angebaut werden und eine Fläche mindestens drei (besser fünf) Jahre bis zur erneuten Saat ruhen sollte.


PS: Die Einordnung der verschiedenen Erbsen-Typen ist für den Kleingärtner eine Wissenschaft für sich und recht unübersichtlich. Auch die Empfehlung der wirklich geeigneten Gartensorten ist mir noch nicht klar, da nach meinem Kenntnisstand und für meine Erwartungen die Gartenerträge oft sehr unbefriedigend sind. Vermutlich gibt es für die verschiedenen Standorte, Böden und regionalen Klimata verschiedene geeignet Sorten. Aus diesem Grunde werde ich den Inhalt dieser Seite entsprechend meiner Erfahrungen immer weiter aktualisieren.


Literatur/Quellen:

http://bibd.uni-giessen.de/gdoc/2000/uni/p000003/erbse.htm