Blühende Kartoffeln.Blühende Kartoffeln.
Blühende Kartoffeln.

Kartoffeln selber aus Samen ziehen ist ein hochinteressantes Thema, weil es früher eine Möglichkeit war, selber Saatknollen zu kultivieren. Das geschah oft aus der Not heraus, weil ja bekanntlich die Pflanzkartoffeln, bei Wiederverwendung von der Ernte, von Jahr zu Jahr schlechtere Erträge bringen.

Nach Anderegg sind diese "ausgearteten Kartoffeln" nicht nur von minderer Qualität, sondern sie bilden auch kaum Samen aus. Wie auch immer, gute Saatkartoffeln müssen mittels Erhaltungszucht beständig nachgezüchtet werden. Eine Erhaltungszucht geschieht jedoch generativ durch Samen und nicht vegetativ durch Knollen. Offensichtlich sind durch Aussaat viele der Nachkommen relativ "sortenecht", bzw. man muss vermutlich eine Sorte immer wieder durch Aussaat vermehren und dann die besten Kartoffeln entsprechend auslesen und weitervermehren. Auf diese Weise könntest du dir deine eigene Kartoffelsorte züchten. Vermehrt werden die Kartoffeln, die den Tomatenpflanzen sehr ähneln, wie Tomaten. Unten im Text wird es beschrieben.

Ein Tipp für denjenigen, der eine eigene Kartoffelzucht betreiben möchte ist der, dass du zuerst einmal 4 – 5 verschiedene Kartoffelsorten kaufst und nach der Ernte probierst, welche am schmackhaftesten ist. Ebenso wichtig ist aber auch, zu beobachten, welche Sorte problemlos im Garten wächst. Weitere Zuchtexperimente machst du dann nur noch mit einer einzelnen Sorte, damit keine unerwünschten Kreuzungen mit anderen Kartoffelsorten entstehen. Außerdem kommt es bei mehreren Saatkartoffelsorten schnell zu Verwechslungen.

Frühkartoffel La RatteFrühkartoffel 'La Ratte' oder auch 'Wiener Kipfler'.

Außerdem ist es ratsam, als Ausgangsmaterial für die eigene Kartoffelzucht alte, freie Sorten zu verwenden (Bild: 'Wiener Kipfler'), damit man keine Sortenrechte verletzt. Beim Eigenanbau spielt dies zwar kaum eine Rolle, doch man weiß ja nie, was sich die Politiker noch ausdenken werden. Es gibt schon genügend Gesetzesentwürfe, mit denen man auch den bürgerlich privaten Sektor kontrollieren möchte - die NWO lässt grüßen.

Hier nun ein informativer Text aus dem Büchlein "Der Gemüsebau" von H. Anderegg (Zürich 1880):

Von großer Bedeutung ist der zeitweilige Wechsel des Saatgutes. Ausgeartete Kartoffeln geben immer geringere Ernten. Versuche im Kanton Graubünden haben gezeigt, das durch den Anbau von neu eingeführtem Pflanzkartoffeln die Erträge sich gegenüber dem einheimischen Saatgut ums 2 – 3fache steigern. Die Versuche wurden mit der 'Redskin Flourball' gemacht. Dieser Saatwechsel kann durch Einfuhr neuer Knollen (heute = neu zukaufen) aus anderen Gegenden oder durch zeitweilige Erziehung aus Samen bewerkstelligt werden. Auf ersterem Wege kommt man leichter und früher zum Ziel. Als Merkmal ausgearteter Kartoffeln gilt, wenn die Blüten abfallen und keine Samenkapseln sich mehr bilden. Man hat die Auffrischung des Saatgutes mittelst Samenaufzucht deshalb zur rechten Zeit (ein Jahr Vorlauf) vorzunehmen. Man gewinnt die reifen Fruchtkapseln (kleine "Tomaten"), sobald sie weißlich werden, lässt sie an der Sonne etwas nachreifen, zerdrückt sie in einem Gefäß und sucht durch Auswaschen mit Wasser die schleimige Masse von den Samen zu entfernen. Hierauf werden die Samen getrocknet und bis zur Aussaat trocken aufbewahrt. Die Kartoffelsamen werden im Frühjahr (frostfrei) in gut (organisch) gedüngte Gartenbeete in Reihen gesät und hernach so gelichtet, dass die Pflanzen einzeln in einer Distanz von 35 – 45 cm stehen. Die im ersten Jahr geernteten Knollen sind klein, in der Größe einer Walnuss, und werden im nächsten Frühling gesetzt. Diese treiben dann wieder Knollen in normaler Größe.H. Anderegg: Der Gemüsebau, Zürich 1880

Meine Theorie hierzu: Man kann die Kartoffelsamen, ähnlich wie bei der Tomatenanzucht, in Pflanzschalen am Zimmerfenster im Februar/März vorkultivieren und dann die einzelnen Setzlinge Mitte Mai auspflanzen. Ich könnte mir weiterhin vorstellen, dass sie im Garten gemeinsam mit einer geeigneten Mischkultur das Vermehrungsbeet effektiver ausnutzen.