Fetthenne
Unentbehrlich für Staudenrabatten auf trockenem Boden. Sorte 'Matrona'.

Allgemein nennt man diese Stauden Man nennt diesen Hohe- oder "Große Fetthenne". Die Gartenstauden fügen sich jedoch aus zwei verschiedenen Arten zusammen und so ist ist die botanische Herkunft unten ausführlicher behandelt. Schwierig ist es, da es für die Ziersorten noch keine gefestigten deutsche und botanische Namen gibt. Früher zählte die Zierstaude nämlich zu den Sedum-Arten, neuerdings jedoch einer eigenen Kategorie: zur Pflanzenart Hylotelephium. Doch nun zur Pflanze selber: Diese Fetthennen sind absolut anspruchslose Gewächse. Besonders dort, wo Gartenplätze recht trocken sind, können wir diese Dickblattgewächse pflanzen, denn sie kommen mit sehr wenig Wasser aus.

Neben der Anspruchslosigkeit dieser Steingartenpflanzen, ist es der langanhaltende und ständig wechselnde Zierwert der Fetthenne, welche ihn für unsere Gärten so wertvoll macht. Bereits der hellgrüne Austrieb im Frühling ist sehr dekorativ. Dem folgend sind es die fleischigen Blätter der Sukkulenten. Nachher bilden sich faszinierende, schirmartigen Blütenstände aus, die ab dem Hochsommer blühen und zahlreiche Insekten anlocken. Schmetterlinge, Bienen und Hummeln sind der I-Punkt jeder Gartengestaltung und unseren Garten erst lebendig.

Hylotelephium telephium Matrona

Das Foto aus dem egapark in Erfurt zeigt uns ein mögliches Einsatzgebiet. Hier dominiert die Sorte 'Matrone' als Leitstaude gemeinsam mit der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) die spätsommerliche Blumenrabatte. Ein paar halbhohe Ziergräser und eine Blauraute lockern das Areal auf.

Botanische Zuordnung und der griechische Mythos um Telephos

Zur botanischen Einordnung ist vorweg zusagen, dass die Stauden früher den Sedum-Arten zugeordnet waren. Deshalb sind auch Heute noch in den Gärtnereien sehr viele der Pflanzen als Sedum telephium oder Sedum spectabile ausgezeichnet, doch mittlerweile ist Hylotelephium eine eigene Art der Dickblattgewächse neben den Sedum-Arten.

Hylotelephium telephium im egapark Erfurrt

Hylotelephium telephium und Hylotelephium spectabile sind also zwei verschiedene Arten der Pflanzengattung Hylotelephium. Diese wiederum fügt sich in die Unter-Unterfamilie (Tribus) der Telephieae und diese in der Unterfamilie der Sempervivoideae, welche zur Pflanzenfamilie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) gehört. Die Dickblattgewächse wiederum gehören der Ordnung der Steinbrechartigen (Saxifragales) an.

Der botanische Name der Gattung leitet sich vom griechischen hyle = Wald und von telephium ab. Letzteres bezeichnet Pflanzen, wie zum Beispiel Telephium imperati (Zierspark), welche nach Meinung der alten Ärzte es vermögen, Wunden und Geschwüre zu heilen. Die Begrifflichkeit bezieht sich auf den Mythos um den Griechischen König Telephos von Mysien, welcher mit einem Speer verwundet, mit allerlei Kräutermedizin behandelt wurde. Das führte aber nicht zum Erfolg. Erst der abgekratzte Rost der gleichen Lanze, die ihn verletzte, heilte den Griechenkönig. Was verletzt, kann also auch heilen – diese Story und dieser Mythos steckt auf jeden Fall in der Wortbedeutung symbolisch in "Hylotelephium telephium", dem das Wort "telephium" sogar zwei mal innewohnt. Zudem mag, in Bezug auf die Geschichte der Wundheilung mittels abgeschabtem Rost, der Pflanzenname Rote- oder Purpur-Fetthenne nicht ganz korrekt sein. Die Art müsste genau genommen "Rost-Fetthenne" heißen und tatsächlich sehen die Blüten, zumindest beim Verwelken, wie herabgefallener abgeschabter Rost aus. Im Mittelalter bezeichnete der Begriff telephium auch Geschwüre und Ekzeme, wo sich die Begrifflichkeit vermutlich auch wieder vom Bild des Eisenrostes ableitet. Nun sollen aber die Gartenformen noch einmal kurz vorgestellt werden:

Rote Fetthenne Hylotelephium telephium

Früher Sedum telephium. Die Art tritt von Europa bis Sibirien auf und wächst dort in Eben und Gebirgen auf trockenen Plätzen. Die Stauden besitzen aufrechte Stängel und werden bis 50 cm hoch. Die Blätter erscheinen gegen-, wechsel- und auch quirlständig in den Stängeln; sie sind verkehrt-eirund, fleischig, hellgrün und 6 bis 8 cm lang. Die Blüten bilden 10 cm breite Schirme und werden purpur-rot. Der Flor reicht von August bis in den Herbst hinein. Die Blüten dieser Art haben ein kräftigeres Rot, als die der Spectabile-Form. Ihre Blütenstände sind sehr stabil stabiler und bleiben auch verblüht im Winter noch eine Zierde. Wichtige Sorten:

  • 'Atropurpureum' – schwarzrote Blätter, Blüte August bis September
  • 'Herbstfreude' – standfest, breitere Blüten von bräunlichroter Farbe, bewährte beste Sorte, 50 cm
  • 'Karfunkelstein' – stabiler Stand, große Blätter verfärben sich langsam dunkelrot mit violettem Schimmer, rosa, sehr wertvolle Sorte
  • 'Matrona' – rosa Blüte Juli bis September, die fleischigen Blätter sind rötlich, 50 cm

Prächtige Fetthenne Hylotelephium spectabile – besser Name: "Pracht-Fetthenne"

Früher Sedum spectabile, wobei der lateinische Artname spectabile so viel wie sehenswert bedeutet. Auch die Anspielung auf speculum = Spiegel sein mag, was sich dann auf die breiten "Blütenspiegel" bezieht. Die "Pracht-Fetthenne" wurde aus China eingeführt und war dort bereits seit alter Zeit eine Zierpflanze. Sie wird 30 bis 50 cm hoch und hat fingerdicke, straff aufrechte Stängel und bildet zwei oder drei gegenständig/quirlig sitzende, breit-eiförmige, fleischige Blätter aus, die bis 10 cm lang werden können. Die flachen Blütenschirme haben eine enorme Breite, die bei 20 cm und mehr liegen kann. Sie blühen vom Hochsommer bis zum Herbstanfang. Bekannte Sorten sind:

  • 'Abendröte' verbesserte Sorte Septemberglut, brillantere dunklere Farben
  • 'Brillant' – karminrosa, sehr breite Blüten
  • 'Carmen' – Flor mit intensiverer Färbung (dunkal-karminrosa), früh, sehr hoch wachsend
  • 'Purple Emperor' – fast schwarzrote Blätter, lockere Dolden
  • 'Rosenteller' – wertvolle Sorte mit leuchtenden leicht gewölbten Blütentellern, dunkelrosa, 30 cm hoch, Flor von Juli bis September
  • 'Septemberglut' – später blühend
  • 'Stardust' – weiße Blüten, Blüte von August bis September

Hylotelephium-Hybriden

Wie bei vielen andern Zierpflanzen auch, gibt es zahlreiche Sorten, welche aus den verschiedensten Kreuzungen (auch mit weiteren Arten) hervorgegangen sind. Bei ihnen ist ein botanische Zuordnung nicht mehr möglich und man nennt sie einfach Hylotelephium-Hybriden oder H. cultivar oder Sedum-Hybriden. Eine solche Hybride ist zum Beispiel 'Iceberg' – weiße Blüte von August bis September. Besonders für spätsommerliche Blumenrabatten eignet sichweiße Sorten, denn das Weiß benötigt man, um in der Blumenrabatte zwischen verschiedenen Farben zu vermitteln.

Fetthenne Karfunkelstein

In den meisten Katalogen hat man aber keine eigene Kategorie mit Hybriden aufgestellt und ordnet die Sorten irgendwie den oben stehenden Arten zu, was auch völlig ausreichend ist.

Standort und Verwendung

Fast alle Sedum-Arten wachsen in der vollen Sonne ebenso gut, wie im Halbschatten und sie vertragen Trockenperioden sehr gut. Die Sorten eignen sich für Steingärten und für Grabbepflanzungen. Auf jeden Fall sind auch dekorative winterharte und trockenheitsresistente Kübelpflanzungen zu erwähnen, wofür sich besonders die starkwüchsigen Sorten eignen. Die Sorte 'Herbstfreude' ist sehr stabil in Blüte und im Habitus und daher eine sehr geeignete Sorte für Kübelpflanzungen. Die Kombination mit der Zypressen-Wolfsmilch (siehe oben) ist dort gut möglich.

Auch andere Wollfsmilch-Arten eigenen sich als Partner, denn prinzipiell ist es etwas schwierig, für die höheren Fetthennen einen Pflanzennachbarn zu finden. Rein von der Pflanzenpysiognomie bieten sich die sehr variantenreichen Wolfsmilchgewächse an.

Euphorbia caraccias Blue Wonder und Sedum Herbstfreude

Vorn sehen wir das silbrige Euphorbia caraccias 'Blue Wonder' (Wolfsmilch), gemischt mit der Sorte 'Herbstfreude, und dahinter als Rahmen Rudbeckia fulgida deamii, ein Staudensonnenhut. Zu erwähnen bleibt noch, dass die Dickblätter sehr gute Schmetterlingsmagneten und wertvolle Bienenweiden darstellen.


Literatur:

Johann Heinrich Zedler; Grosses vollständiges UNIVERSAL LEXICON Aller Wissenschafften und Künste ..., Band 42; Leipzig und Halle 1744 Johann Heinrich Zedler; Grosses vollständiges UNIVERSAL LEXICON Aller Wissenschafften und Künste ..., Band 42; Leipzig und Halle 1744; Seite 183: Sedum telephium als alte Heilpflanze