Trockenmauer
Sie sind um vieles haltbarer, als man glaubt.

Man nennt sie auch Buch- oder Feldsteinmauern, und obwohl sich in der Trockenbautechnik auch freistehende Mauern bauen lassen, so werden im Garten- und Landschaftsbau aus losen Schichtsteinen nur Stützmauern gebaut, um damit Hänge und Böschungen abzufangen oder zu terrassieren. Die Wände sind für den Laien einfach zu errichten, sie sind haltbar und haben eine gute Optik und so fügen sich sich in jede Gartengestaltung bestens ein.

Allgemeine Hinweise, was zu beachten ist

Wer eine oder mehrere Trockenmauern bauen möchte, der braucht allerhand Material für solch ein Projekt und schnell hat man sich in der Menge verkalkuliert. Meist ist es aber so, dass das Bauwerk halb zu zwei drittel fertig ist und festgestellt wir, dass noch Steine fehlen. Aus diesem Grunde sollte sich der Bauherr vorher kundig machen, wo im Bedarfsfalle noch genügend Steine herangeholt werden kann. Das ist besonders dann wichtig, wenn Altmaterialien verbaut werden, welche auf die Schnelle nicht immer beschaffbar sind. Das Problem hat man nicht, wenn man sich von einem Steinbruch beliefern lässt.

Tockenmauer Findlinge

Aufbau

Die folgenden Ausführungen entsprechend dem althergebrachten gärtnerischen Formen, die so übernommen werden können. Allerdings sind auch die entsprechenden örtlichen Bauvorschriften zu beachten.

Fundament?

Die Bruchsteine können als Hangstütze ohne Fundament verbaut werden, allerdings ist es zweckmäßig einen Unterbau aus grobem Material aufzuschütten und zu verfestigen, welcher Staunässe unter der Stützmauer verhindert. Wenn auch nicht zwingend, so ist es auch ratsam diesen Unterbau so tief einzubringen, dass die anschließend verfestigte Schüttung so tief liegt, dass der Frost im Winter nicht bis an dessen Sole reicht. Es ist dann ein frostsicheres Bruchstein- oder Schotterfundament.
Wer eine freistehende Mauer baut, der sollte solch ein Fundament planen. Ich will aber auch ein Beispiel geben, in welchen Fällen solch ein Unterbau nicht nötig ist.

Trockenmauer mit Bepflanzung

Hier im Foto ist beispielsweise ein frei stehendes Schichtmauerwerk (zum Teil aus größeren Blöcken) zu sehen, welches in dieser Form 10 cm Tief einfach auf den aufgeschachteten Boden aufgesetzt werden braucht.
Im nächsten Bild ist eine kleine Terrassenmauer zu sehen, welche in diesem Falle gemeinsam mit dem Holzdeck auf einem 10 cm hohen Schotterfundament steht. Bei all solchen Bauwerken braucht es keine besonderen statischen Berechnungen, die allerdings bei Höhen ab 2 m nötig werden. Allerdings werden wohl vermutlich für solche Weinbergmauern (Bild), die den Weinberg terrassieren, die Bauämter so eine Art Traditionsbauweise akzeptieren. Man möge sich entsprechend informieren.

Trockenmauer als Hangstütze

Weiterer Aufbau

Im folgenden Bild ist gut zu sehen, wie die Steine geschichtet werden. Die geraden Seiten kommen dabei nach Außen, wo mit einer gespannten Schnur die Flucht und die Horizontale vorgegeben wird. Wenn es auch nicht immer möglich ist, so sollten die Schichten, oder wenigstens jede dritte Steinschicht optisch waagerecht liegen. Kipplende Brocken werden mit kleineren Steinkeilen von außen oder innen fixiert und dann wird das Innere der Trockenmauer mit möglichst wasserdurchlässigem (grober Splitt, Kies) Material verfüllt. Im Foto ist das gut zu sehen.

Tockenmauer Schichtung

Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich auf diese Art und Weise wirklich schöne Stütz- oder Gartenmauern setzen. Hat man etwas mehr Füllmaterial zur Verfügung, dann plane man diese etwas breiter, also 80 oder 100 cm, bei 100 cm oder 120 cm Höhe, denn nicht nur statisch, sondern auch optisch sieht das Ganze dann nicht so schmächtig, wie mir das Bildbeispiel dann doch vorkommt.

Schichtmauerwerk

Frei stehen wird immer senkrecht geschichtet, allerdings darf und sollte die Mauer an der Krone ein wenig schmäler sein, als am Grund. Auch das gibt dem Gartenbauwerk nicht nur physikalische, sondern auch eine optische Stabilität.

An Böschungen

Soll ein Hang befestigt werden, so wird vor dem gewachsenen Boden des Hanges (der aus Platzgründen gegebenenfalls auch ein Stück abgetragen werden muss) die Stützmauer im Abstand von etwa 20 cm bis 50 cm vor dieser Böschung gebaut. Hinter die Mauer kommt zwischen ihr und dem Hang eine Schüttung von möglichst groben Schotter. Wie das Fundament gestaltet werden kann, wurde bereits oben beschrieben. Danach ist zu verfahren. Die Grobe Schotterschicht, das Schotterfundament und die Trockenschichtung der Steine bewirken eine ideale Wasserdreinage, welche ein zusätzliches Drainagerohr in den allermeisten Fällen unnötig macht. So haben die Trockenmauern gegenüber den in Mörtel gesetzten Werken den immensen Vorteil, dass Wasser ungehindert abfließen kann. Die unzureichende Drainage ist an vermörtelten Hangmauern der Hauptgrund an Bauschäden. Oft wird dort die fachgerechte Entwässerung, die an Hängen besonders wichtig ist vernachlässigt oder ganz vergessen. Aus diesem Grunde kann der Trockenbau ohne Bedenken dem scheinbar solideren Bau vorgezogen werden.

Skizze Trockenmauer bauen Anleitung

Stützmauern an Böschungen bekommen im Gegensatz zu den freistehenden einen sichtbaren Neigungswinkel von 10° bis 15° und werden in einer Schicht gebaut. Hat man jedoch nur kleinteiliges Steinmaterial zur Verfügung, so sollte diese Hangstütze wie eine freistehende Mauer gegen den Hang gesetzt werden, also mit zwei Schichten, die mittels ausgefüllt werden. Der Neigungswinkel von 10° bis 15° wird in diesem Falle ebenfalls beachtet. In diese Struktur werden aber auch Bindesteine eingefügt, welche die doppelwandigen Stützmauer mit dem Hang verbinden (siehe unten).
In der Regel haben wir aber Natursteinstücke für das Projekt, welche mindestens um die 40 cm Breite und Tiefe aufweisen. Damit wird dann die Hangstütze einreihig gesetzt. Sind die Steinbrocken nicht tief genug, werden sie zweireihig geschichtet, wobei in der inneren, zweiten Reihe die Optik nicht mehr die besondere Rolle spielt. Sonst gilt der Grundsatz, dass zur Außenseite der Konstruktion hin, möglichst die Schokoladenseite vom Material geschichtet wird.

Auf die Bindesteine kommt es an

Nun komme ich zum wichtigsten Punkt der Bauanleitung. Die Schichtungen bekommen zum einen ihre Stabilität, indem die Steine mit ihren Außenseiten möglichst flächig gut zueinander passen und aufeinanderliegen. Die optimale Auflage und möglichst schmale Fuge bedingt einen hohen Reibungswiderstand der Steine untereinander und verhindert horizontale Verschiebungen in der Struktur.
Weiterhin ist die ganze Statik davon abhängig, welches Gewicht und Eigengewicht von obenher auf die Mauerkonstruktion drückt und damit der Trockenmauer zusätzliche Festigkeit gibt. Eine Mauer mit großen und schweren Materialien hält dadurch besser, als die Schichtung aus kleineren Steinen. Man kann aber durch das Einfügen sogenannter Bindesteine, welche möglichst tief in die Hangstruktur hineinragen, das Gewicht vom Hang senkrecht von oben auf die Trockenmauer übertragen. Diese Last, welche auf das Schichtmauerwerk wirkt, erhöht nun den Reibungswiderstand innerhalb der Schichtung und macht sie dadurch extrem stabil und die Hangbefestigung erfüllt ihren Zweck. Ohne diese sogenannten Bilder ist das Stützmauerwerk nur Fassadenverkleidung ohne Festigkeit.

Trockenmauer mit Mauerpflanzen

Abdeckung und Bepflanzung

Jede in Mörtel gesetzte Mauer bedarf einer Abdeckung, damit von oben her das Bauwerk trocken bleibt, also Steine und Mörtel, denn Frost und Wetterunbilden setzen sonnst dem Mörtel zu und zerstören in.
Bei Trockenmauerwerk ist eine solche Abdeckung aus bautechnischen in der Regel nicht nötig, es ei denn man hat Natursteinmaterial, welches sich bei Nässe und Frost schnell zersetzt (z.B. Plänersandstein).
Aus optischen Gründen ist es aber mitunter angebracht, einer Trockenmauer auf der Krone einen ordentlichen Abschluss zu geben, denn besonders bei gleichförmigen rundlichen Steinen kann sonst das ganze Projekt in der Optik sonst wirken. Der schönste Abschluss ist der aus Mauerpflanzen. Meist sind das Polsterstauden und Steingartenpflanzen, die mit mageren Standorten bestens zurechtkommen.
Auch gibt es etliche Staudenarten, welche vermögen die Fugen zu besiedeln. Diese, wie auch Moose uns Flechten vollenden am Ende unser Projekt und machen es beinahe zum natürlichen Bestandteil der Gartenanlage.

Weitere Varianten

Schichtung von Schiefer

Am Ende sei noch auf eine Sonderform von Trockenmauern hingewiesen, welche in denjenigen Gegenden zu finden sind, wo flach gebrochenes Schiefergestein als Baumaterial genutzt wird. Mitunter eignet sich das Material nicht für stabile horizontale Schichtungen. Dort haben die Alten eine Möglichkeit gefunden durch vertikale Schichtung der Mauer Festigkeit ohne eine Vermörtelung zu geben.

Schieferstein Mauer Trockenbau

Trockenmauern aus Betonsteinen

Es gibt auch aus Mauersysteme aus Beton, welche durchaus sehr brauchbar sind. Beton ist ein altbewährter Baustoff im Garten- und Landschaftsbau. Was dabei aber zu beachten ist, kannst du hier nachlesen.

Friesenwall

Eine nordische Erfindung, die ursprünglich wohl nur mit Findlingen gebaut wurde (was aber nicht zwingend ist) - das ist der Friesenwall. Der Friesenwall ist keine freistehende Natursteinmauer und auch keine Böschungsmauer. Mit Friesenwällen werden Grundstücke eingefriedet. Dazu wird gut 2 m vor der Grundstücksgrenze eine Böschung aufgeschüttet, die auf der Außenseite dann in die Trockenmauer übergeht. Durch den sanften Geländeanstieg vom Grundstück her wird so die Einfriedung optisch kaum wahrgenommen.

Gabione

Beim Thema Trockenmauer muss dieses System ebenfalls genannt werden. Diese Technologie und ihre sinnvolle Anwendung wird hier beschrieben.