Gottvater zeigt Adam Paradies, Gemälde Arnold BöcklinArnold Böcklin, um 1884 - Gottvater zeigt Adam Paradies.
Arnold Böcklin, um 1884 - Gottvater zeigt Adam Paradies.

Der Garten ist in der Kunst oft Allegorie für das Paradies, für die Gefilde der Seligen – die Wohnung der Seelen. Er ist Symbol für die Lebensentfaltung und in vielen Religionen Teil der Urzeitmythen. Der Gärtner ist selber der Schöpfer des Lebens und in der Mitte seiner Schöpfung befindet sich der lebenspendende Baum, die Frucht oder die Blume des Lebens.

Das ParadiesgärtleinDas Paradiesgärtlein (Oberrheinischer Meister) um 1415.

Zur Symbolik

Er ist auch Symbol für die menschliche Seele und für die Eigenschaften, die in ihr herangezogen werden, sowie für die gezähmte und geordnete Natur. Umzäunte Gärten sind das weiblich schützende Prinzip; sie verkörpern die Jungfräulichkeit.

Römische Kultur - Umzäunte Begräbnisgärten wurden als das Gegenstück zum Elysium betrachtet. Irdische Festmähler in diesen Friedhofs-Gärten (zu den Totenfesten) sollten die elysischen Gelage symbolisieren. In diesen Gärten war nicht selten Wein angepflanzt; einerseits, um Trankopfer für die Götter zu bereiten, andererseits aber auch als Symbol für Leben und Unsterblichkeit. Rosen pflanzte man als Zeichen des ewigen Frühling.

Christliche Mystik/Kunst/Religion - Der beschlossene Garten ist ein Symbol für die Jungfrau Maria.

Hermeneutik -Der "Logos" ist der gute Gärtner des Lebens, der die Blüte des neuen Lebens zur Frucht gedeihen lässt.

Weltbild der Inka - Der "Garten der Sonne" ist ein Weltbild. Garcilaso de la Vega berichtete (1609) von einer goldenen Nachbildung, welche die Inkas angefertigt hatten: "Jener Garten war zur Zeit der Inka ein Garten aus Gold und Silber, wie ihn auch die Königshäuser hatten, und darin standen viele verschiedenartige Kräuter und Blumen, viele kleine Pflanzen und viele große Bäume, viele große und kleine Tiere, wilde und zahme, und kriechendes Getier, wie Schlangen, große und kleine Eidechsen und Schnecken, Schmetterlinge und kleine Vögel sowie andere große Vögel der Lüfte, ein jedes Ding an dem Platz, wo es die nachgeahmte Natur am getreuesten wiedergab. Es gab da ein großes Maisfeld und ein Feld mit der Kornfrucht, die sie quinua nennen, und andere Gemüsearten und Obstbäume, die Früchte ganz aus Gold, Silber, der Natur nachgebildet."

Islamische Mystik/Kunst/Religion - Die vier Gärten des Paradieses: Garten der Seele, des Herzens, des Geistes und des Wesens - sie verkörpern die mystische Reise der Seele.

Daoistische Mystik/Kunst/Religion - Miniaturgärten sind ein irdisches Abbild des Paradieses. Künstliche Teiche in den chinesischen Gartenanlagen besaßen Inseln (Inseln der Seligen).

Zen-Buddhismus - Betrachtungsgärten dienten der Meditation. Dazu legte man meist sehr stilistisch gestaltete Gärten an (Bild unten). Für die Teezeremonie der Japaner wurden spezielle Gärten angelegt.

stilistischer ZengartenZengarten

Der Garten selber ist Kunst:

Als Nachahmung der Natur oder besser: als der Versuch der Nachahmung jenes großen, göttlichen Schöpfungswerkes und der ihr innewohnenden Lebensentfaltung. Dazu die bedenkenswerten Worte von Goethe aus Wilhelm Meisters Lehrjahre: "Die Kunst ist lang, das Leben kurz, das Urteil schwierig, die Gelegenheit flüchtig. Handeln ist leicht, Denken schwer; nach den Gedanken handeln unbequem. Aller Anfang ist heiter, die Schwelle ist der Platz der Erwartung. Der Knabe staunt, der Eindruck bestimmt ihn er lernt spielen, der Ernst überrascht ihn. Die Nachahmung ist uns angeboren, das Nachzuahmende wird nicht leicht erkannt. Selten wird das Treffliche gefunden, seltener geschätzt."