Gott Amor mit Sanduhren.Gott der Liebenden Amor, mit Sanduhren. Die Bedeutung der Haarlocke ist unten erklärt.
Gott der Liebenden Amor, mit Sanduhren. Die Bedeutung der Haarlocke ist unten erklärt.

Die Sanduhr, die früher auch als Stundenglas bezeichnet wurde, ist zunächst das Symbol für das Verrinnen der Zeit. Mit der Sanduhr maß man etwa seit dem 14. Jahrhundert die Zeit, wobei die Stundengläser vor allem in der Seefahrt Verwendung fanden (Glasenuhr). Bei diesen Geräten der Seefahrer dauerte der Durchlauf eines Glases in der Regel 30 Minuten und mit dem verrinnen des zweiten Glaskolbens, nach der Drehung, wurde die Länge einer Stunde bemessen war. Wenn wir uns die Symbolik dieses nautischen Instruments aus der Perspektive des Seefahrenden betrachten, so wird die Bedeutung dieses Bildzeichens sicher tiefgehender, als ohne diesen Teilaspekt. Dazu unten mehr.

Der Fluss der Zeit – Panta rhei

Wenden wir uns zunächst kurz dem Vorläuferinstrumenten dieser mittelalterlichen Uhren zu, welche die antiken Wasseruhren darstellen. Diese waren mit Wasser gefüllte Gefäße, welche sich durch einen kein dimensionierten Abfluss in einer bestimmten Zeit entleerten.

Seifersdorfer Tal FlussZeitströme können sich auch teilen. Im biblischen Paradies entspringt ein Fluss, der sich dann in vier Hauptarme, in die Zeitlichkeit teilt.

Bekanntermaßen nutzte man diese bereits bei den alten Ägyptern und Griechen und später konkret auch bei den Debatten der römischen Senatoren, wo man mit Wasseruhren die Redezeit der Senatoren zeitlich begrenzte. Von dieser Gewohnheit her, spricht man heute noch davon, dass die Redezeit irgendjemandes abgelaufen ist oder auch allgemein, dass für irgendetwas die Zeit abgelaufen ist. So hat man frühzeitig den Fluss des Wassers allgemein auch in den Flüssen als Zeitsymbol gesehen und versucht damit das Wesen der Zeit zu verstehen. Ein altes Sprichwort, welches von Heraklit [1] stammen soll, besagt: "Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen". verkürzte diese Symbolik wohl auf die Kurzform: "Panta rhei", was mit "alles fließt" zu übersetzen ist, welche später auch als philosophisches Gedankengut in den Platonismus einging. Plato formulierte es folgendermaßen: "Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln."

Barockes Grabmal Sanduhr FledermausflügelDas Stundenglas mit Flügel versinnbildlicht das rasche verfliegen der Zeit. Detail auf einem barocken Grabmal., Bild unten.

Das Gedankengut des Heraklit Panta rhei, lateinisch cuncta fluunt, finden wir grundlegend auch in den Metamorphosen des Ovid (im 15. Buch) [2] in der "Rede des Pythagoras", wo der Dichter diese alte Naturphilosophie seinem Werk zugrunde legt. Für Freunde barocker Parkanlagen und Architektur ist das Wissen um diese Dinge von großem Wert, da doch ein großer Teil des künstlerischen Bildprogramms der Renaissance und des Barock, auf die Literatur des Ovid, wie auf die Ideenwelt des Plato und die Philosophie des Heraklit zurückgehen. Beschreibungen zu derartigen Plastiken findet der Leser hier über Apollo und Daphne, Amor und Psyche oder Halkyone und Keyx.

Sanduhr ein Vanitas-Symbol

Die Sanduhr, das Stundenglas wurde im Mittelalter (14. Jahrhundert) etwa gleichzeitig mit den mechanischen Räderuhren erfunden, doch hatte es, wie eingangs schon erwähnt, in der Seefahrt eine besondere Bedeutung, weil auf hoher See mechanische Uhren ohne die später erfundene aufziehbare Feder nicht funktionierten. Die Seefahrt und das Schiff gehörten aber zur ältesten menschlichen Symbolik, welche die Reise in die unbekannte, jenseitige Welt versinnbildlicht. Somit mögen mit dem Stundenglas mehrere Symbolgedanken zusammenfallen, wie – Zeitfluss – Wandel – Tod als Übergang – Unabänderbarkeit der Zwei und so weiter. Es gibt aber auch die Symbolik der liegenden Sanduhr, in der kein Sand mehr fließt. Dies ist ein Allegorie für die Zeitlosigkeit.

Typische Vanitas-Symbolik an einem Renaissance-Portal.
Typische Vanitas-Symbolik an e...
Sanduhr, Knabe, Totenschädel weisen auf die Vergänglichkeit des Lebens.
Sanduhr, Knabe, Totenschädel w...
Putte mit Stundenglas auf einem geschnitzten Grabmal.
Putte mit Stundenglas auf eine...

Auf jeden fall gehört die Symbolik der Sanduhr zu den sogenannten Vanitas-Darstellungen, also zu Zeichen der Vergänglichkeit und Nichtigkeit des Lebens. Mitunter spricht man in der Kunst auch von Memeto mori (bedenke den Tod) Motiven. Diese Symbolik wurde in der Renaicancezeit populär und ereichte in der Barockzeit ihren Höhepunkt. In diesem Zusammenhang findet sich in der Alltagskunst nicht selten die Sanduhr in Verbindung mit einem Knaben und Totenkopf dargestellt. Hierzu sind unten drei interessante Beispiele Abgebildet. Zum Ersten ist es ein Portalzierrat (Renaicance) an einem Bürgherhaus in Wittenberg. Symbolistisch ist dort Stundenglas, Knabe und Totenkopf als halbplastisch in Sandstein gearbeitet, Darüber das Schriftband in lateinischen Großbuchstaben mit: "Hodie mihi, cras tibi", was heißt: "Heute mir, morgen dir". Das zweite Bildbeispiel stammt aus barocker Zeit von einem Kapellenportal (Friedhof Dippoldiswalde), über der Inschrift "Mors ianua vitae", was mit: "Der Tod ist die Pforte des Lebens" zu übersetzen ist. Dort finden wir einen liegenden Knaben, der den rechten Arm auf einen Totenschädel lehnt und mit der linken Hand eine Sanduhr fasst. Das dritte Bildbeispiel aus moderner Zeit (um 1945), zeigt das Deteil eines Holz-Epitapes (geschnitzte Grabplatte) mit geflügelter Putte und Stundenglas.

Barockes Grabmal Memento mori Gerippe und SanduhrBarockes Grabmal mit Gerippe und geflügelter Sanduhr, welche das rasche verfliegen der Zeit symbolisiert und erinnert so den Betrachter an Sterblichkeit und Tod.

Die Sanduhr können wir, je nachdem in welchem Zusammenhang sie steht, als Symbol für die Zeitlichkeit und für das Verrinnen der Zeit deuten und´interpretieren, wie es uns auch die folgenden Gedichte aufzeigen, welche das Stundenglas oder die Uhr zum Thema haben. Sie dienen uns als kleine Auswahl von vielen. Am Ende wenden wir uns noch der Besonderheit der Symbolik der Sonnenuhr zu:

Beispiele

Amor (ein verkappter Kairos?)

Im Seifersdorfer Tal bei Dresden, einem der ältesten romantischen Landschaftsparke Deutschlands, finden wir eine nachdenklich stimmende Amor-Plastik, nahe am Fluss im felsigen Tal. Es ist ein geflügelter, schlanker, nackter Knabe, der mit beiden Händen jeweils ein Stundenglas über sich hält. Darunter die Inschrift:

Eine Sanduhr in jeglicher Hand
erblick ich den Amor
Wie? Der leichtsinnige Gott doppelt
misst er die Zeit
Langsam rinnen aus einer die
Stunden entfernten Geliebten
Gegenwärtig fließt eilig die zweite herab.

Amor mit Sanduhren SeifersdorfAmor mit Sanduhren im Seifersdorfer Park bei Dresden/Radeberg.

Der originale Text stammt von Goethe (Vermische Epigramme) – Zeitmass

Eros, wie seh' ich dich hier! In jeglichem Händchen die Sanduhr!
Wie? Leichtsinniger Gott, missest du doppelt die Zeit?
"Langsam rinnen aus einer die Stunden entfernter Geliebten;
Gegenwärtigen fließt eilig die zweite herab."

Die Plastik weist zwei Besondeheiten auf. Und zar finden wir an ihr das alte barocke Vanistas-Motiv (Knabe/Stundenglas), doch nicht mehr vordergründig in der Bedeutzung der Vergänglichkeit der Lebenszeit. Die zweite Besonderheit der Amor-Plastik ist nicht sofort erkennbar. Der Liebesgott besitzt auffällig gelocktes Haar und mittels auf dem Haupt angedeutet eine große geschwungene Locke (siehe Beitragsbild ganz oben), welche wir vom griechischen Gott Kairos her kennen. Kairos ist die Personifizierung des "günstigen Momentes", des "günstigen Zeitpunktes", welchen. Dargestellt ist der Gott Kairos mit einem kahlen Hinterkopf und einer dichten Haarlocke am Vorderhaupt. Wenn er (die günstige Gelegenheit) auf uns zukommt, können wir sie sprichwörtlich "beim Schopfe fassen" – ist dieser Augenblick jedoch verstrichen und Kairos an uns vorbeigezogen, dann ist er am kahl geschorenen Hinterkopf nich mehr zu fassen und die Gelegeheit ist verpasst.

Epitaph aus Holz (Grabplatte) – Engel mit Stundenglas

Auf diesem Epitaph (an einer Wand befestigte Grabplatte) sehen wir den trauernden Engel mit einer Sanduhr in der Hand – es ist das Grabmal eines Uhrmachers, dessen Geschäft in der Dresdner Bomenterror-Nacht am 13. Februar zerstört wurde.

Epitaph aus Holz Gerippe BombenGrabplatte eines Uhrmachers mit Zeit- und Vanitas-Symbolik. Detail der Putte mit Stundenglas oben im Bild)

Hier finden sich Anklänge die barocken Memeto mori Motive (siehe oben) – die Grabmale jener Zeit sind oft sehr düster gestaltet (siehe Bild oben mit dem Knockenmenschen auf einem barocken Gramal) – und ähnlich hier mit Gerippe, Brandbmben in den Händen haltend. Dazu verschiede abgebildete Uhren (auch eine Sonnenuhr), welche auch mit dem Beruf des Verstorbenen zu tun haben. und zu dessen Füßen das Symbol einer geflügelten Sanduhr. Die Sanduhr, hier mit Fledermausflügel, symbolisiert das rasche verfliegen der Zeit und erinnert so an Sterblichkeit und Tod.

Die Uhr

Neben der Sanduhr wird in der Kunst auch die mechanische Uhr in ähnlicher Weise thematisiert. Unten finden wir das bekannte Lied von von Johann Gabriel Seidl (1804 - 1875) (Melodie: Johann Karl Gottfried Loewe (1796 - 1869) op. 123 no. 3

Ich trage, wo ich gehe,
Stets eine Uhr bei mir;
Wie viel es geschlagen habe,
Genau seh ich an ihr.

Es ist ein großer Meister,
Der künstlich ihr Werk gefügt,
Wenngleich ihr Gang nicht immer
Dem törichten Wunsche genügt.

Ich wollte, sie wäre rascher
Gegangen an manchem Tag;
Ich wollte, sie hätte manchmal
Verzögert den raschen Schlag.

In meinen Leiden und Freuden,
In Sturm und in der Ruh,
Was immer geschah im Leben,
Sie pochte den Takt dazu.

Sie schlug am Sarge des Vaters,
Sie schlug an des Freundes Bahr,
Sie schlug am Morgen der Liebe,
Sie schlug am Traualtar.

Sie schlug an der Wiege des Kindes,
Sie schlägt, will's Gott, noch oft,
Wenn bessere Tage kommen,
Wie meine Seele es hofft.

Und ward sie auch einmal träger,
Und drohte zu stocken ihr Lauf,
So zog der Meister immer
Großmütig sie wieder auf.

Doch stände sie einmal stille,
Dann wär's um sie geschehn,
Kein andrer, als der sie fügte,
Bringt die Zerstörte zum Gehn.

Dann müsst ich zum Meister wandern,
Der wohnt am Ende wohl weit,
Wohl draußen, jenseits der Erde,
Wohl dort in der Ewigkeit!

Dann gäb ich sie ihm zurücke
Mit dankbar kindlichem Flehn:
Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben,
Sie blieb von selber stehn.

Sonnenuhr

Die Sonnenuhr ist das Gegenteil zur düsteren Symbolik des Stundenglases. Die eher heitere Symbolik finden wir zunächt in der profanen Dichtkunst: "Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die schönen Stunden nur!", aber auch in der tiefgehenden Lyrik eines Rainer Maria Rilke. In seinem Gedicht "Herbsttsag" heißt es "Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los."

Sonnenuhr mit goldener Sonne

Es ist ein Gedicht voller Melancholie mit den bekannten Worten "Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr" und verweist damit wieder auf die Allegorie des Zeitflusses und auf das gefühl keine Zeit mehr zu haben.


  • [1] Heraklit von Ephesos ein vorsokratischer Philosoph * um 520 v. Chr.; † um 460 v. Chr.)
  • [2] Ovid, römischer Dichter, der von 43 v. Chr. bis etwa 17 n. Chr.