Winterheckzwiebeln Allium fistulosumVon dieser Form ernten wir vor allem die Schlotten und verwenden sie frisch in der Küche
Von dieser Form ernten wir vor allem die Schlotten und verwenden sie frisch in der Küche

Allium fistulosum, die Ewige Zwiebel nennt man auch Winter-, Heck-, Winterhecke- oder Winterheckwiebel und sie hat neben diesen noch endlos viele andere Namen, bis hin zu Frühlings- oder Lauchzwiebel. Bei diesem Gemüse ist es nämlich so, dass die Anbauform, die Form der Vermarktung und die Verwendung in der Küche den jeweiligen Namen prägt. Hier wird zunächst die Variante beschrieben, von der wir (ähnlich dem Schnittlauch) nur das das Röhrenlaub schneiden. Der Anbau im eigenen Garten ist durchaus sinnvoll, weil wir mit der Art durchgängig fast das ganze Jahr grünen Zwiebellauch ernten können. Allerdings ist es ein Irrtum, dass die Pflanze wintergrün ist. Von Ende Oktober bis Anfang März ernten wir keinen Lauch. Dafür ist das Gewächs robust und kann dort platziert werden, wo sonst anderes Gemüse nicht gut fortkommt.

Allgemeines zur Verwendung im Garten

Die Kultur der Ewigen Zwiebel ist unkompliziert. Die Besonderheit der Pflanzen ist, dass eine einzelne Zwiebel auch Jahre lang an einem Platz bleiben kann. Dort bildet sie ständig Nebenzwiebeln mit Lauch aus. Die Bestände, die völlig winterfest sind, breiten sich somit am gegebenen Platz im Garten aus. Trotzdem wird ein Verpflanzen spätestens aller zwei oder drei Jahr geraten (siehe unten), weil es das Wachstum üppiger werden lässt.

Ich habe die Art in meinem Selbstversorgergarten als als Alternative neben der herkömmlichen Gemüsezwiebel angebaut, denn Letztere wird manchmal stark von der Zwiebelfliege heimgesucht, welche den Bestand ordentlich dezimiert. Mittlerweile helfen dort zwar Insektenschutznetze (Fliegengaze) die Schädlinge abzuwehren, doch hat man in der Küche einmal die Winterheckzwiebel eingeführt, so verwendet man sie auch gern weiter.

Allium fistulosum blüteIn Juni stehen die Pflanzen in voller Blüte. Junge Blüten können ebenfalls in der Küche Verwendung finden.

Einer ihrer Vorteile ist die schnelle Zubereitung, sowie das eigene Aroma.In Salaten sind die geschnittenen Ringe des Lauchs zudem recht dekorativ.


Nach einem kurzen Abstecher in die Botanik des Gartengemüses, wird die Verwendungsformen von Allium fistulosum unten weiter als Winterheckwiebel beschrieben. Die Behandlung als Lauch- bzw. als Frühlingszwiebel ist thematisch gesondert behandelt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass noch über die 1940er Jahre hinaus (abgesehen vom Johannislauch [1]), von dem Lauch nur das Schnittgrün geerntet wurde. Die Verwendung der Art (Allium fistulosum) im Ganzen als Lauch- und Frühlingszwiebel (mit Sorten aus Japan) kam in Deutschland erst in den 1980er Jahren auf. Vorher kannte man als Frühlingszwiebel offensichtlich nur Allim-cepa-Sorten, z.B. Allium cepa 'White Lisbon'. [2]


Botanik

Allium fistulosum [3] ist eine Lauch-Art welche der der Gattung (Allium) zugeordnet ist. Diese ist ein Tribus (Unter-Unter-Familie) der Allieae und diese wiederum der Unter-Familie der Allioideae. Letztere gehört in die Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) und diese wiederum zur Ordnung der Spargelartigen (Asparagales). Allium fistulosum stammt aus Sibirien, beziehungsweise aus dem östlichen Zentralasien. Von dort ist die Art Allium altaicum (Altai-Lauch) bekannt, welche vermutlich die Urform darstellt.

Allium fistulosum bildet schmale Zwiebeln mit langem Schaft aus und dazu reichlich Röhrenlaub aus. Die Schlotten sind in ihrer Mitte etwas verdickt von dunkelgrüner Farbe; sie werden je nach Variante oder Sorte von 40 Zentimeter bis fast einen Meter hoch. Wie bereits erwähnt sind die Trivialnamen des Gartengemüses sehr variantenreich. Neben den bereits genannten Formen sind das: Röhrenlauch, Schnattra (Schwaban) Schlotten-, Schnittzwiebel oder Grober Schnittlauch; Schnitt- und Schlottenzwiebel, Welsche Zwiebeln, Lange Bollen, Jakobszwiebel und im Schwäbischen auch Schnattra. Johannis- und Jakobslauch sind weitere Namen, wie auch Hohl- oder Fleischlauch.

Allium fistulosum ist ausgesprochen gesund, denn die Pflanzenart enthält fünfmal so viel Vitamin C (80 g / 100 g) wie die herkömmliche Küchenzwiebel. Beta-Carotin ist mit 2,6 Milligramm und schwefelhaltige ätherische Öle mit ca. 15 Milligramm pro 100 Gramm enthalten.

Verwendung

Das Lauchgemüse ist im Geschmack relativ mild, aromatisch und einem leicht scharfen Nachgeschmack versehen. Der Gesundheit wegen, kann man so eine würzige Schlotte zwischendurch als Rohköstler-Snack im Garten verzehren. Für die Küche nehmen wir von dem sehr zeitig treibenden Lauch entweder nur die Blätter, die zweimal im Jahr geschnitten werden können, oder man benutzt die ganzen Pflanzen in der Küche so wie Frühlingszwiebeln, also herausgezogen mit Zwiebeln und Schlotten. Die Winterheckwiebel können wir auch als Dauergemüse bezeichnen, weil sie mehrere Jahre lang auf einem Platz bleiben kann. Die Art ist für Selbstversorgergärten bestens geeignet. Wir können den Lauch von März bis Jahresende schneiden. Für die Winterernte pflanzen wir aber besser den Altai-Lauch (siehe Botanik oben) an, der um einiges frosthärter ist, als die hier vorgestellte Art.

Anbau

Vermehrungsarten

Es gibt mehrere Anbaumöglichkeiten, und zwar Aussaat oder Teilung:

  • Ausgraben im Frühherbst, Teilen und Pflanzung
  • Ausgraben im zeitigen Frühjahr, Teilen und Pflanzung
  • Stecken der Zwiebeln im November
  • Aussaat ins Freiland in der ersten Aprilhälfte und im Spätsommer verpflanzen (Saattiefe 1 – 2 cm)
  • Aussaat in Saatschalen im Gewächshaus März/April oder Spätsommer und später verpflanzen

Standort- und Bodenansprüche

Optimal ist ein Standort in voller Sonne, doch gedeiht das Gemüse auch an halbschattigen Plätzen noch recht gut.

Im Gegensatz zur Küchenzwiebel sind die Anforderungen an den Boden sehr gering, selbst in Sandböden hat man noch gute Erträge. Allerdings gedeihen die Zwiebeln in gutem Gartenboden, der üppig mit Kompost angereichert wurde, am besten. Man kann auch vor der Pflanzung die Beete mit einer Grunddüngung versehen. Für Kunstdünger gilt dabei die Dosis je Quadratmeter von: 8 g N (Stickstoff), 4 g P (Phosphor) und 12 g K (Kali). Im Garten sollte der Boden immer tiefgründig bearbeitet sein, doch auch dort, wo keine tiefe Humusschicht vorhanden ist.

Wer ein ganzes Beet bepflanzen möchte, der wähle einen Reihenabstand von 35 Zentimeter und einen Pflanzabstand von 10 – 15 Zentimeter. Bei der sogenannten Tiefbeetkultur (doppeltief gelockerte Beete) können die Pflanzabstände sehr verringert werden: Reihenabstand von 10 – 15 Zentimeter und Pflanzabstand von 5 Zentimeter

Ewige Zwiebel SetzlingeSo beschnitten werden die sie verpflanzt

Es ist eine Fruchtfolge einzuhalten, was bedeutet, dass die vorherige Kultur auf dem Beet keine Zwiebel- oder Lauch-Art sein sollte, aber auch kein Gewächs aus der Familie der Liliaceae (Lilien, Tulpen).

Möglichst jährlich umsetzen!

Theoretisch können wir die Winterheckzwiebel wie ein Staude mehrere Jahre an einem Platz stehen lassen. Nach meinen Beobachtungen gehen dann aber die Erträge signifikant zurück. Ich setze die Zwiebeln jährlich um, was selbst auf einem Hochbeet geschehen sollte. Die beste Zeit hierfür ins Mitte bis Ende August mit Pflänzlingen, wie sie oben im Bild zu sehen sind oder wir versetzen die Zwiebeln, nachdem sie im Oktober da Laub einziehen.

Pflege, Ernte, Krankheiten

In den Beständen muss der Boden regelmäßig gelockert und Unkraut entfernt werden. Dabei sollte im Frühjahr durchaus auch etwas Stickstoffdünger mit eingearbeitet werden. Je nach der Witterung kann schon ab März der Schnitt des Lauches erfolgen (es wird nach Bedarf geschnitten). Nach diesem ersten Schnitt, so ist es in entsprechender Literatur zu lesen, braucht der Boden unbedingt eine weitere Stickstoffdüngung. In der Regel kann vom Bestand ein zweites Mal der Lauch geschnitten werden. Insgesamt erzielt man dabei einen Ertrag von 2 – 3 Kilogramm pro Quadratmeter.

Natürlich können nach Bedarf auch ganze Zwiebeln mit Lauch geerntet werden. Das sind dann sogenannte Bündelzwiebel, Winterlauchzwiebeln. Am bekanntesten ist jedoch die Bezeichnung Lauch- oder Frühlingszwiebel. Für sie habe ich eine separate Anbauanleitung geschrieben, da es bei ihr nicht nur auf die Lauchblätter ankommt, sondern auch auf gut ausgebildete Zwiebelschäfte. Wir wir sie auch verwenden mögen, die Winterheckzwiebel ist für Selbstversorger ein somit Universalgemüse.

Es können dieselben Krankheiten wie bei der Gemüsezwiebel auftreten, jedoch blieben bei mir die Bestände bisher von der Zwiebelfliege verschont, auch wenn in unmittelbarer Nähe die Steckzwiebeln (Gemüsezw.), von den Schadinsekten befallen wurden.


Weitere Hinweise und Literatur

[1] Stein, Hanni; Zwiebeln das ganze Jahr; Berlin 1943; Seite 27: Hier wird der Lauch, von dem nur dasGgrün geschnitten wird, mit dem Hinweis versehen, dass er im Frühling lediglich eher, als der Schnittlauch erscheint. Offensichtlich gibt es schon japanische Sorten, die sich nach meinem Dafürhalten durch lange weiße Schäfte auszeichnen: "Die Verdickungen [...] sind bei neueren Sorten weiß, bei den älteren rötlichbraun." Dieselben finden wir aber auch schon in der Literatur des 19. Jahrhunderts bei Rümpler, Theodor; Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei (Bearbeitete Auflage); Berlin 1879; Seite 217–218: "[das Gemüse] befindet sich erst seit zwei bis drei Jahrhunderten in unseren Gemüsegärten. [...] Man hat von dieser Art eine weiße und eine rote Form, doch ist die erstere wegen ihres milderen Geschmacks vorzuziehen." Es folgt dann aber auch eine gesonderte Beschreibung des Johannislauchs, der "schon seit einigen Jahrhunderten" in den deutschen Gärten unter dem Namen Klöwen (Klauen, wegen der gespaltenen Zwiebel), Fleischlauch, Schlotten, Jakobslauch (Ciboule de Saint-Jaques) angebaut und in manchen Gegenden, z.B. in Hannover und Hessen, sehr beliebt [ist]". Weiterhin wird gesagt, dass er vermutlich eine Variante der Winterzwiebel oder des Schnittlauchs darstellt. "Er ist ausdauernd, wird aber alljährlich im September ausgehoben und geteilt, worauf die größeren Zwiebeln der Küche überliefert und die kleineren zur Fortpflanzung benutzt [werden]." (Es ist jedoch keine Schalotte, die auf der folgenden Seite 219 beschrieben ist.) Dann geht es weiter im Text, der auf eine frühe Form der Frühlingszwiebel schließen lässt: "Wenn die Zwiebeln im Frühjahr aufgewachsen sind, so verbraucht man sie samt den noch grünen Blättern [also Zwiebel und Blattwerk] als Gemüse.

[2] Grau/Friedrich; Mein Gartenjahr; Honos Verlags AG, Zug 1988. Auf Seite 315 ist zunächst die Salat- bzw. Frühjahrszwiebelsorte Allium cepa 'White Lisbon' beschrieben und dann die Winterzwiebel, wie im Beitrag oben. Dann folgt die Beschreibung: "Japanische Büschelzwiebel". [Sie] wird aus im Spätfrühling (Mai) gesäten Samen gezogen und erreicht erst im zweiten Jahr ihre volle Größe. Wie bei der ganz ähnlichen Winterzwiebel eignen sich die Sprossen der Blätter für Salate, während die Ballen wieder eingesetzt werden." Ich vermute, dass man hier Allium fistulosum 'Ishikura' (Sortentyp Ishikura) gemeint hat. Dabei war den Autoren aber immer noch nicht klar, dass auch die japanischen (bzw. fernöstlichen) Sorten von Allium fistulosum im Ganzen genommen, in der Küche als Frühlingszwiebel Verwendung finden können. Anschließend wird in dem Text auf Seite 315 noch die "Dauerzwiebel" als eine Art Exot beschrieben, in Wirklichkeit handelt es sich dabei um eine ganz normale Variante von Allium fistulosum: "Aussaat im Frühling oder Herbst. Verhält sich ähnlich wie die Winter- oder die Japanische Zwiebel. Leider ist sie nicht sehr verbreitet und wahrscheinlich nur über die Kataloge von Spezialzüchtern zu bekommen." (Ich vermute hier ist der unter [1] beschriebene Johannislauch gemeint.)

[3] Fistulosus heißt so viel, wie voller Löcher und bezieht sich auf das röhrenförmige Laub der Pflanzen