Winterlauch

Neues über die Porreekultur im Kleingarten. Thomas Jacob, 27.2.2024

Porree (auch Lauch, Breit- oder Winterlauch) hat eine große Bedeutung für die Versorgung mit Frischgemüse den ganzen Winter über. Er wird in Sommer- und Winter-Porree unterteilt. Im Selbstversorgergarten sollte vor allem der Winter-Porree angebaut werden, da er bis in den Vorfrühling hinein frische Lauchstangen liefert. Und er ist definitiv eines der ertragreichsten Gartengemüse, welches uns zur Verfügung steht. Ein gut vorbereiteter Boden, der richtige Pflanzzeitpunkt pflanzen und ein gut gedüngtes und mäßig feucht gehaltenes Beet sind Voraussetzungen für eine üppige Ernte. Und diese ist nicht erst am Ende der Wachstumsphase der Porreepflanze möglich. Was heutzutage fast gänzlich in Vergessenheit geraten ist, das ist die Möglichkeit, den Porree mehrfach zu beernten. Dafür eignen sichaber nur die starkwachsende Sorten. Wie die Ernte erfolgt, ist unten beschrieben.
Am Ende des Beitrags gehe ich auch einmal kurz auf die Thematik der Mischkultur ein, welche, wenn sie nicht richtig angewendet wird, den Ertrag erheblich mindern kann.

Besonderheiten beim Anbau im selbstversorgenden Kleingarten

Ich vertrete mittlerweile die Ansicht, dass wir bei den verschiedenen Kulturanleitungen für Porree, deren es etliche gibt, zunächst eine klare Unterscheidung machen müssen, für welche Sorte ich mich entscheide. Zum einen gibt es Sorten, die überwiegend für den Anbau im großen Maßstab zur Versorgung der Gemüsemärkte geeignet sind, und ein anderes Pflanz- und Ernteverfahren erfordern, als Sorten für den Kleingarten. Haben wir letztere gewählt, können wir sie auch mit dieser ganz spezielle Kultur des Mehrfachschnitts in unserem Selbstversorgergarten anbauen. Bevor ich mich für eine Kulturmethode entscheide, muss ich wissen, welches Ergebnis ich erwarte. Der Marktgärtner, der Porree kommerziell anbaut, muss dem Händler leicht transportierbare, gut lagerbare und einfach händelbare Produkte in bestimmten Qualitäten (Größe/Gewicht) liefern. Der Kleingärtner hingegen sollte bestrebt sein, das Gemüse möglichst oft und ohne großen Aufwand ernten zu können [1].

Ausgehend von der Zweckbestimmung erfolgt nun unsere Herangehensweise im Anbau. Ich habe leider häufig die Beobachtung gemacht, dass im Selbstversorgungsbereich allzu oft die Kulturmethoden der großen, mechanisierten Gartenbaubetriebe übernommen werden, was letztlich zu Ärger und Frust führt, da das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Das beste Beispiel dafür ist der nerven-zerrüttende Anbau unter Schutznetzen, welche die Lauchminierfliege von unserer frischen Pflanzung fernhalten sollen, weil wir natürlich gegen dieses Schadinsekt keine Spritzmittel einsetzen wollen. Nicht selten verunkrauten solche Unter-Netz-Kulturen dann, weil es sehr aufwändig und oft auch mühsam ist, die Netze zur Gartenarbeit zu öffnen und hinterher wieder gut und dicht zu verschließen. Entfernen wir jedoch das Unkraut nicht regelmäßig, entwickelt es sich (wie auch bei der Küchenzwiebel) zu einem ungeahnt starken Konkurrenten, der unsere Ernte definitiv mindert.
Apropos Schadinsekt, Spritzmittel und Unkraut (Pilzkrankheiten wie Rost oder falscher Mehltau kommen hinzu), ich vermute stark, dass beim Porreeanbau in der industriellen Landwirtschaft relativ häufig "gespritzt" wird. Zwar kommen Insektizide, Herbizide und Fungizide im konventionellen Anbau natürlich nur ganz gezielt zum Einsatz [2], sollte uns das aber schon zuviel sein, könnte mein Beitrag dazu motivieren, das Lauchgemüse selber und ohne diese "Zutatenliste" anzubauen. Und dafür müssen wir nur schauen, wie vor 150 oder 200 Jahren das Gemüse angebaut wurde, also zu Zeiten, da im Gartenbau noch keine chemischen Spritzmittel verwendet wurden. Und trotzdem gab es durchaus hoch entwickelte Marktgärtnereien. Beispielsweise im Umfeld von Paris, die über etliche hundert Jahre eine große Stadt kontinuierlich mit frischem Gemüse belieferten. Bei deren Anbauverfahren habe ich Anleihe genommen [3] und in den sonst gängigen Anbauplan für "Kleingarten-Porree" eingefügt.
Das Prinzip dieser Anbaumethode ist, dass wir schnellwüchsige Riesensorten (z.B. 'Elefant') möglichst zeitig pflanzen. Während ihrer Kulturzeit werden sie zunächst mehrfach "geköpft", das heißt bis etwa 2,5 Zentimeter über dem Boden zurückgeschnitten. Die dabei gewonnen Porreestangen sind selbstverständlich in der Küche verwendbar! Es entsteht der sogenannte Schnitt-Porree. Den Schnitt-Porree-Anbau habe ich hier eingehend beschrieben.
Etwa ab Mitte September lassen wir dann den letzten Durchtrieb stehen und haben, wenn wir wie empfohlen eine starkwüchsige Riesensorte gewählt haben, noch recht passable Porreestangen zur Ernte im Herbst. Sollen sie uns auch im Winter zur Verfügung stehen, muss es sich um eine frostfeste Sorte handeln.

Durch den Rückschnitt und damit stetigen Neuaufbau der Pflanzen haben Lauchfliegen und Pilzkrankheiten weniger Gelegenheit, sich zu entwickeln und auszubreiten. Ich habe bei dieser Anbaumethode bisher auf Fliegenschutznetze verzichtet und keine Ernteeinbuße zu beklagen. Das ist der ganze Trick. Mit diesem habe ich etwa ab Mitte Juli (der August ist die Hauptwachstumszeit) mehrfach frischen, zarten und sehr delikaten Lauch in der Küche, und das immer in reichlicher Menge!

Im Kleingartenbereich kommt es uns zugute, dass ein gelegentlicher Nacheinanderanbau vom gleichen Gemüse beim Porree kein Problem darstellt, wenn der Boden in guter Kultur ist [3]. Auch eine leichte Überschattung wird verkraftet, wenn keinerlei Wurzel- und Lichtkonkurrenten (Unkraut, Baumwurzeln) in der Nähe stehen. Allerdings sollte an solchen Standorten der Pflanzabstand etwas vergrößert werden [3].

Da mein einführender Text nun schon recht lang geworden ist, habe ich die folgende Anbauanleitung etwas gestrafft und eher stichpunktartig gestaltet. Der Themenbereich der Botanik und ein kurzer Exkurs in die Historie folgt im Anschluss an die Anbau-Checkliste.

2) So groß kann der Porree in seiner Wachstumsphase immer wieder werden, wenn er bis zu dreimal zurückgeschnitten wird.

3) Die Porreestange wird etwa zwei Zentimeter über dem Boden abgeschnitten.

junger Porree-Austrieb nach dem Schnitt4) Neuer Austrieb nach dem Schnitt nach etwa zehn Tagen.

Anbauanleitung für Porree

Boden und Düngung: Porree wächst auf jedem gut bewirtschafteten Gartenboden. Die optimalen Verhältnisse findet er in kräftigem, nährstoffreichen Boden, welcher die Feuchtigkeit gut hält, stauende Nässe aber auch ableitet. Humusreicher Lehmboden mit neutraler Bodenreaktion eignet sich somit am besten für den Lauchanbau. Das Pflanzbeet sollte in zweiter Tracht stehen. Optimal ist die freigewordene Fläche der Frühkartoffeln, die im Vorjahr mit reichlich Stallmist [4] gedüngt wurde. Frischer Mist dagegen lockt Zwiebel- und Lauchfliegen an. Eine Kali-Phosphordüngung zum Beispiel mit Holzasche oder Hühner-Jauche (die ich mit Urin aus der Gartentoilette mische) einige Tage vor der Pflanzung ist gleichwohl angeraten und gegebenenfalls, wenn der Gartenboden recht sauer ist, auch eine Kalkgabe.

Klima und Standort: Porree hat keine hohen Ansprüche, was die sommerlichen Temperaturen betrifft, denn er hat keine ausgesprochene Wärmebedürftigkeit. Kühle Sommer machen ihm nichts aus. Jedoch der Wasserbedarf in trockenen Perioden ist sehr hoch. Ähnlich wie Knollensellerie und Blumenkohl sollte Porree nie Trockenheit ausgesetzt werden. Zur Vereinfachung unserer Gartenarbeit können diese Kulturen in unmittelbarer Nachbarschaft wachsen, aber nicht in enger Mischkultur! Außerdem braucht Porree viel Platz, was bedeutet, dass wir die Pflanzabstände unbedingt einhalten müssen. Auch ausreichend Licht [5] ist vonnöten, obwohl ich weiter oben erwähnte, dass er auch im leicht schattigen Bereich wächst. Dann muss aber mit weniger Ertrag gerechnet werden.

Aussaat, Jungpflanzen: Für die Kultur im Kleingarten wird unser Porree (wie bereits erwähnt für diese Anbaumethode eine starkwachsende Sorte wählen) in der ersten Märzwoche nicht zu dicht in ein Frühbeet gesät. Der Samen sollte in gesiebte, feinkrümeliger Erde kommen, sehr dünn bedeckt, ein wenig festgeklopft und gleichmäßig feucht gehalten werden. Das Frühbeet wird anfangs abgedeckt, da Porree ein sogenannter Dunkelkeimer ist. Beginnen die Samen nach etwa 10 bis 12 Tagen zu keimen, entfernen wir die Abdeckung und lassen sofort Licht und Luft an die Sämlinge.
Wer sich diese Arbeit nicht machen will, der kann Porree-Jungpflanzen beim Gärtner oder in einem Gartenmarkt kaufen. Auch die Direktsaat im freien Land auf ein Saatbeet ist möglich. Diese erfolgt, wenn die Obstbäume blühen (zweite Aprilhälfte).
Die Jungpflanzen haben die richtige Stärke zum Versetzen, wenn sie etwa so dick wie ein Federkiel, ein Strohhalm oder ein dünner Bleistift, wie im Bild 5) zu sehen, sind – so die typischen Angaben in den Gartenbüchern. Ist die Witterung in der Pflanzzeit ungewöhnlich heiß und trocken, rate ich dazu, noch zu warten und den Pflanzen ein wenig mehr Zeit zu lassen, um etwas kräftiger zu werden.

5) Porreejungpflanzen im Juni. Bei Strohhalm-Stärke können sie verpflanzt werden.

Vorkultur und Auspflanzung: Haben wir schon Anfang März Jungpflanzen (z.B. aus der Gärtnerei) zur Hand, dann können wir bei milder Witterung bereits Sommerlauch pflanzen. Allerdings profitieren wir vom Porreeanbau erst dann so richtig, wenn wir ihn als sogenannte Nachkultur anbauen. Das heißt, dass unser Lauchbeet in der ersten Jahreshälfte mit einer anderen Gartenkultur, der Vorkultur bewirtschaftet wird. Geeignete Vorkulturen sind (je früher sie geerntet werden, umso weiter vorn stehen sie in meiner Liste): Spinat, Kopfsalat, frühe Karotten, Frühkartoffeln, Erdbeeren, Zuckerschoten und zeitige Gemüseerbsen.

(Und was kann auf dem Beet nach dem Porree angebaut werden? Auch wenn der Lauch mit seiner enormen Wurzelmasse nach der Ernte reichlich organisches Material hinterlässt, zehrt er den Boden stark aus, sodass nach ihm ohne zusätzliche Düngung nur sehr genügsame Gemüse angebaut werden können. Langfristig wiederum verbessert der Porreeanbau den Boden).

Pflanzzeit: Haben wir Ende Juni/Anfang Juli die Vorkultur abgeerntet, wird das Beet tiefgründig gelockert, wenn nötig gedüngt und damit auf die Pflanzung vorbereitet. Der Pflanzabstand beträgt 20 Zentimeter (bei Tiefbeetkultur 15 Zentimeter) und der Reihenabstand 30 Zentimeter. Man kann auch die Methode anwenden, bei der der Pflanzabstand fünf Zentimeter geringer ist, der Reihenabstand dafür auf 40 Zentimeter erhöht wird [6]). Auch eine Pflanzung im Dreiecksverband ist möglich, wobei allseitig mindestens 25 Zentimeter einzuhalten sind, 17 Zentimeter bei Tiefbeetkultur .

Vor dem Einpflanzen werden die Wurzeln und die äußeren Blätter der Setzlinge etwas kupiert. Das heißt, die Blätter sollten um ein Drittel und die Wurzeln um zwei Drittel gekürzt werden. Porree wird nicht ebenerdig gepflanzt, wie andere Gemüse, sondern, damit er lange, gebleichte Stangen ausbildet, in ca. 12 Zentimeter tiefe Löcher, die wir mit dem Pflanzholz bohren. Nach dem Einsetzen der Pflanze wird das Pflanzloch nicht mit Erde, sondern mit Wasser befüllt. Es schwemmt beim Gießen nach und nach zu. Später werden die Lauchstangen leicht angehäufelt, was bewirkt, dass der Schaft gebleicht wird. Mit dem Anhäufeln wird zudem der Boden gut bearbeitet und gelockert sowie das Unkraut untergehackt.

Pflege: Die Hauptwachstumszeit geht von Ende Juli bis Ende September. In dieser Zeit muss gut gewässert und der Boden oberflächlich gelockert werden. Dunggüsse mit einem Flüssigdünger sind vorteilhaft, sollten aber nur bei feuchter Witterung erfolgen.

Ernte und Lagerung: Je nach Wachstumsfortschritt können wir von Mitte Juli an den Porree bis zu dreimal bis auf zwei Zentimeter über dem Erdboden abschneiden und ihn somit quasi "ohne Fuß" ernten.
Je nach Sorte und Witterung kann dann der Lauch im Herbst, Winter oder Nachwinter im Ganzen ausgegraben werden. Zu 100 Prozent frostfest sind explizite Wintersorten oder relativ spät gepflanzter Lauch. Für den Winterbedarf (wenn starker Schneefall und Frost zu erwarten sind) kann der Lauch auch im November herausgenommen und frostgeschützt eingeschlagen werden. Ausgesprochener Sommerporree sollte im Herbst vor dem Frost vom Beet genommen werden. Winterporree bekommt einen besonders milden Geschmack, wenn er von März bis Mai geerntet wird.

Ernte-Ertrag: Der Ertrag ist im Vergleich zu anderen Gemüsekulturen hoch. Wir ernten drei bis vier Kilogramm Lauch (manchmal auch mehr) pro Quadratmeter.

Sorten

Die Porree-Sorten unterteilt man in Sommerlauch (auch Sommer-Porree; der eigentliche Lauch) und Winterlauch (Porree; Winter-Porree).
– Sommerlauch, so sagt man, ist im Geschmack feiner und zarter als Winterlauch. Bewiesen ist das nicht, denn der Geschmack ist sehr sortenabhängig. Sommerlauch wird relativ schnell erntereif, nach Pflanzung im zeitigen Frühjahr kann er bereits Ende Mai verbraucht werden. Und er kann deshalb so zeitig kultiviert werden, weil er seltener versehentlich in den Samen geht, umgangssprachlich "schießt".
Der Sommer-Porree steht seiner Urform, dem Ackerlauch (auch Ackerknoblauch, Allium ampeloprasum) genetisch näher, als der Winter-Porree. Dadurch ist er noch in der Lage, Knoblauch-Zwiebelchen zu bilden.
Übrigens: Je näher eine Sorte dem ursprünglichen Lauch steht, um so mehr sind die abgeknickten, eigentümlich überhängenden Lauchblätter ausgeprägt, nach denen die Germanen (Ostgoten) ihre "Lauch-Rune" Laukaz entwarfen (siehe unten).
– Winterlauch erkennt man daran, dass die Stangen flachgedrückt sind. Man unterteilt ihn nochmals in Herbstsorten, die schnell- und meistens riesenwüchsig sind und in der ersten Winterhälfte geerntet werden, und ausgesprochene Wintersorten. Diese wachsen langsam und sind extrem frosthart. Sie sind für die Überwinterung und die Ernte im Frühjahr geeignet. Werden sowohl Herbst- als auch Wintersorten allerdings zu zeitig im Freiland ausgesät, kann es passieren, dass sie "schießen". Auslöser dafür sind Kälteperioden, die auch im Frühling noch auftreten können. Anhaltende Kälte führt zum Vernalisieren der Jungpflanzen  [7].

  • Sommerlauch: 'Kulaures', 'Früher Sommer', 'Bavaria', 'Hilari', 'Bulgarische Riesen', 'Large American Flag', 'Elefant', 'Kamusch'
  • Herbst- und Winterlauch: 'Brabanter', Carentan', 'Blauwgroene Herfst', 'De Carentan', 'Pandora', 'Herbstriesen', 'Blaugrüner Winter', 'Poros'
  • Riesenorten: 'Bulgarische Riesen', 'Elefant', 'Herbstriesen 2 Hanibal'; sehr alte Sorten sind 'Brabanter', 'Porree von Nouen', 'Musselburger', 'Gelber Porree von Poitou'

Was bringt eine Mischkultur?

Meiner Meinung nach baut man Porree besser als Alleinfrucht an. In Gatenratgebern werden als mögliche Mischkultur-Partner manchmal Gurken, Möhren, Rettiche, Sellerie, Kohlrabi und Salat-Arten genannt. Das funktioniert aber nur, wenn die Kulturen in ausreichender Entfernung voneinander stehen. Dann ist es aber häufig schon kein echter Mischkulturanbau mehr.
Was aber durchaus möglich ist, das ist der sogenannte Zwischenkulturanbau. Dabei wird ein Gemüse, welches schnell erntereif ist (z.B. Kopfsalat), in die Zwischenreihen des Lauchs gesät, und beim Vereinzeln des Salats wird zugleich der junge Porree gepflanzt. Wichtig ist dabei ein Reihenabstand von 40 Zentimetern beim Porree und eine Zwischensorte, die bereits Anfang Juli zur Ernte kommt (Hochsommersorte), denn dann beginnt Ersterer mit seinem üppigen Wachstum und benötigt den Platz.

Eine mögliche Zwischenkultur mit Karotten

Ebenfalls eher eine Zwischenkultur als eine echte Mischkultur ist die von Porree und Karotten [8]. Sie stammt aus dem historischen Holland und wurde von Marktgärtnern praktiziert. Merkwürdigerweise kam es diesbezüglich einmal zu einer Verwechslung, die zu einer Mischkultur der Küchenzwiebel mit Möhren führte. Leider funktioniert diese in der Regel nicht.
Bei der holländischen Methode werden auf einem Beet (1,2 m breit) vier Reihen bestellt. Dafür mischt man den Samen von kurzlaubigen, frühen Karotten ('Pariser Treib', 'Gonsenheimer Treib' oder 'Amsterdamer Treib') mit Porreesamen im Verhältnis 3 : 2 Gewichtsanteilen und säht ihn dünn aus (Zeitpunkt ist in der besagten Literatur leider nicht erwähnt).
Zwischen diese Reihen wird zudem noch jeweils eine Reihe Radieschen gesät, was das Beet wirklich effektiv ausnutzt. Die Radieschen räumen den Platz bis spätestens Mitte Mai, die Frühmöhren bis Mitte Juli (zur Zeit der Erbsenernte). Bei dieser Methode, die durchaus auch im Kleingarten umsetzbar ist, machen die zeitigen Gemüse dem Porree zu einer Zeit Platz, wenn er beginnt, mehr Raum zu beanspruchen. Zudem sollte dieser, wenn er noch zu dicht steht, auf zehn Zentimeter Abstand in der Reihe vereinzelt (nicht verpflanzt!) werden. Anfangs wird er flach, später hoch angehäufelt, damit wir schöne, lange, gebleichte Porreestangen erhalten.
In ähnlicher Weise lassen sich zeitig reifende Steckzwiebeln (Wintersteckzwiebeln!) und späte Möhren vergesellschaften, weil in diesem Falle die Steckzwiebeln bereits geerntet sind, wenn die späten Möhren erst richtig Fahrt aufnehmen.
Ähnlich funktioniert es vermutlich auch mit Knoblauch (bzw. Perllauch) und späten Lagermöhren.
All diese Anbaumethoden sind jedoch keine Mischkultur, sondern eine altbekannte klassische Zwischenkultur!

Porree – die botanische Einordnung der Art

In der gartenbaulichen Literatur wird Porree in der Regel mit seinem Synonym “Allium porrum L.” bezeichnet. Die wissenschaftliche Systematik verweist den Porree in die Varietäten-Gruppe des Ackerlauchs: Allium ampeloprasum ampeloprasum Porrum Group (oder eingedeutscht: Allium ampeloprasum Lauch-Gruppe). Porree ist eine Varietät des wild vorkommenden Ackerlauchs Allium ampeloprasum. Dieser gehört der Gattung Allium (Lauch) an und fügt sich zum Tribus [Unter-Unter-Familie] der Allieae. Die Allieae fügen sich in die Unter-Familie der Allioideae (Lauchgewächse) und diese zur Pflanzenfamilie der Amaryllidaceae (Amaryllisgewächse). Die Amaryllisgewächse wiederum sind Teil der Ordnung der Asparagales (Spargelartigen). Die botanischen Namen setzen sich oft sowohl aus lateinischen als auch aus griechischen Bezeichnungen zusammen. In unserem Falle gehen sie auf folgende Namensgebungen zurück:
Das Wort Állium stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Knoblauch[Zwiebel]. Porrum ist ebenfalls lateinisch und heißt übersetzt Lauch (äquivalent dem griechischen práson). Das Kürzel L. steht für Carl von Linné.
Ampeloprasum stammt aus dem Griechischen und heißt so viel wie “im Weinberg wachsend”; wobei ampelos mit Weinberg und práson mit Lauch übersetzt wird. Um die Übersicht über die verschiedenen, eng verwandten Laucharten zu behalten, sind hier noch einmal alle Kulturformen-Gruppen genannt [9]:

– Allium ampeloprasum ampeloprasum Great-Headed Garlic Group [Knoblauch]
– Allium ampeloprasum ampeloprasum Kurrat Group [Kurrat]
– Allium ampeloprasum ampeloprasum Leek Group [Lauch]
– Allium ampeloprasum ampeloprasum Pearl-Onion Group [Perllauch; Perlzwiebel]

Deutsche Namen sind neben Porree [10]: Aschlauch, Breitlauch, Fleischlauch, Gemeiner Lauch, Lauchzwiebel, Porrey, Winterlauch (als Kulturform des Sommerlauchs) [11]

Geschichtliches

Was die Ansiedlung des Porree-Gemüses in historischer Zeit betrifft, so ist bekannt, dass es einst als Ackerlauch von seiner angenommenen Urheimat Zentralasien als Kulturfolger der menschlichen Wanderungen (indoeuropäische Jamnaja-Kultur oder älter) folgte beziehungsweise im Kulturaustausch in den gesamten Mittelmeerraum gelangte, bis es sich sogar auf den britischen Inseln als Wildpflanze neu beheimatete.
Als geschichtlich gesichert ist auch, dass das Gemüse bereits im alten Ägypten bekannt war, desgleichen bei den antiken Griechen und Römern. Und die Germanen und viele andere Völker kannten es ebenfalls, vermutlich schon lange vor ihrem ersten Kontakt mit den Hochkulturen der Antike. Teilweise wurden die Römer an der Grenze ihres Imperiums von den Germanen mit Porree versorgt. Einige Germanenstämme (z.B. Dänen/Wikinger) besaßen für die Lauchpflanze sogar ein Runenzeichen ( = Laukr, Laukaz), das die typisch abgeknickten Blätter des Lauchs stilisiert. Im Internet lesen wir allerdings recht oft über einen Zusammenhang dieser Rune und der Bedeutung von Wasser, was so jedoch nicht korrekt ist. Tatsächlich wurde in späterer Zeit die alte Bezeichnung der Rune durch christliche Einflüsse in Varianten von lagur (Wasser, Gewässer) umgedeutet, da wohl mit dem Lauch auch phallische Vergleiche verbunden waren, so jedenfalls argumentiert der anerkannte Runenexperte W. Krause [12].
Bereits vom frühen Mittelalter an gehörte Porree zum standardmäßigen Anbau in den Gärten der Mitteleuropäer. Wie intensiv dieser Anbau sein konnte, beweist der Umstand, dass die Benediktinerabtei Corvey (am Westufer der Weser) im 12. Jahrhundert aus einem einzigen Ort eine jährliche Lieferung von 500 Bündel (ligaturas) Porree erhielt (siehe RÜMPLER [4]).


[1] Eine dritte Anbaumethode bzw. eine dritte Zweckbestimmung wäre die von kleineren, regional orientierten Marktgärtnereien mit Direktverkauf. Auf diese Gruppe komme ich in einem separaten Beitrag zurück.

[2] Pflanzenschutzmittel, die 2024 beim Porreanbau beispielsweise in Österreich Anwendung finden: https://web.archive.org/web/20240226214857/
https://warndienst.lko.at/pages/pflanzenschutz/Porree.pdf

[3] JÄGER, Hermann ; Der praktische Gemüsegärtner · Zweiter Theil [in einem Buch]; Leipzig 1863; Seite 97ff Dort lesen wir unter weiteren bemerkenswerten Tipps: "In Bezug auf die Lage braucht man keine besonderen Umstände zu machen, denn er gedeiht auch im Schatten, freilich nicht so gut wie auf sonnigen, offenen Beeten. [...] Bei hinreichender Düngung kann man mehrere Jahre Porree auf demselben Lande bauen, wie ich oft gesehen habe."

[4] Für eine erstklassige Lauchernte kann mit gut verrottetem Mist gedüngt werden. Man liest zwar oft, dass frischer Mist zugegeben werden kann, doch schreibt RÜMPLER in seinem gut recherchierten Fachbuch 1879 bereits (Seite 216): "Der Porree verlangt einen nahrhaften, im vorigen Jahre gedüngten Boden. Frischer Rindermist ist ihm zuwider, nicht so sehr Pferde- oder Schafmist, besonders wenn er gut zersetzt ist. Weinträbern und ausgelaugte Asche sind ebenfalls [...] ein guter Dünger."
RÜMPLER, Theodor; Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei (bearbeitete Auflage); Verlag von Wiegand, Hempel & Parey; Berlin 1879; Seite 215ff
JÄGER schreibt wiederum: "Man baut ihn in frischer Düngung [gemeint sind vermutlich nur Jauchen]. Von ausgezeichneter Wirkung ist Abtrittsdünger [Jauche!]. Eine flüssige Düngung mit Mistjauche oder anderem Düngerguß ist ihm sehr dienlich." [3]
Ich verwende Hühnermist-Jauche, da ihr Ansatz im Vergleich zu anderen Jauchen wenig geruchsbelästigend ist. Der infernalste Geruch entsteht übrigens beim Herstellen von Brennesseljauche.

[5] Im ursprünglichen Text stand hier, dass Lauch viel "Licht und Sonne" benötigt und ich habe das etwas relativiert. Zudem las ich beim erfahrenen John Seymour die interessante Bemerkung: "Er ist eine Pflanze der gemäßigten Klimazonen, wächst aber außer in Tropengebieten überall. Meinem Gaumen erscheint es jedoch so, als ob der unter einem bedeckten Himmel herangewachsene Lauch besser schmeckt, als der nach einem wolkenlosen Sommer geerntete."
SEYMORU, John; Selbstversorgung aus dem Garten · Wie man seinen Garten natürlich bestellt und gesunde Nahrung erntet; London, Ravensburg 1978 (ein besonders zu empfehlendes Gartenbuch und ein "Klassiker", welcher antiquarisch sicher noch gehandelt wird)
Nach JÄGER gedeiht Porree sogar im Schatten [3]. Dieser Umstand könnte auch ein Hinweis auf seine Urheimat sein.

[6] 40 Zentimeter Reihenabstand sind vonnöten, wenn besonders hoch angehäufelt werden soll, weil uns sonst die Erde dazu fehlen würde. Durch den entstehenden Bleicheffekt des Häufelns, können wir sehr milden Porree ernten, sodass er dann auch oft diejenigen zusagt, die den derben Porregeschmack nicht mögen. Gezielte Düngung und reichliches Gießen im August bewirken ebenfalls die Milderung des Lauchgeschmacks.

[7] Für den zeitigen Anbau müssen Porree-Jungpflanzen im Frühbeet oder warmen Gewächshaus vorgezogen werden. Ist das nicht möglich, sollte im Freiland erst Anfang März ausgesät werden, da sie bei winterlichen Temperaturen vernalisieren und dann schon im ersten Jahr in den Samen schießen. Merkwürdigerweise sind Temperaturen um +5°C dafür besonders wirksam. Steigende Temperaturen im Mai (über 18°C) wirken wiederum de-vernalisierend. Quelle [6].und: https://web.archive.org/web/20230608075753/
https://www.landwirtschaftskammer.de/verbraucher/garten/gartentipp030.htm

[8] WIRTH, A. G.; Höchsterträge durch Mischkultur wahlverwandter Gemüsearten (Grundlagen und Fortschritte im Selbstversorger-Gartenbau, Heft 1); Ludwigsburg 1946 (3. Auflage); frühe Karotten und Porree, Seite 85f; Kopfsalat und Porree, Seite 92/93 (mit Abbildung).

[9] HANELT, Peter, IPK (Hrsg.): Mansfeld's Encyclopedia of Agricultural and Horticultural Crops; Berlin 2001. Das Buch im Websiteformat.

[10] Nach KLUGE ist das althochdeutsche forro und altsächsische porro (Lauch) früh von dem Lateinischen porrum entlehnt worden. Älter im Deutschen (germanische Dialekte) ist die Bezeichnung “Lauch”.
KLUGE, Friedrich; Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache; Berlin 1957; Seit 559

[11]
– WALPERT, H.; Alphabetisch- synonymisches Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, sowie der pflanzlichen Erzeugnisse, mit Angabe der systematischen Namen der Pflanzen; Magdeburg 1852; Seite 3
– Volksnamen gesammelt bei MARZELL, H.; Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen 1; 1943; Seite 202
– Nach KLUGE (unten) ist das althochdeutsche forro und altsächsisch porro (Lauch) früh von dem Lateinischen porrum entlehnt worden. Älter im Deutschen (germanische Dialekte) ist die Bezeichnung “Lauch”.
KLUGE, Friedrich; Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache; Berlin 1957; Seit 559

[12] Die Germanen besaßen ein Runenzeichen (Laukr, Laukatz), welche definitiv die Lauchpflanze symbolisiert.
KRAUSE, Wolfgang; Schriften zur Runologie und Sprachwissenschaft; Berlin/Boston 2014; Untersuchungen zu den Runennamen I, Seite 218ff

[TJ.18.2] I ©Bildrechte und Text: Thomas Jacob, (2023) 1.3.2024

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