FrühlingszwiebelLauch- bzw. Frühlingszwiebel im Eigenanbau in einer bereits passablen Größe
Lauch- bzw. Frühlingszwiebel im Eigenanbau in einer bereits passablen Größe

Unter der Bund- oder Frühlingszwiebel verstehen wir Formen und Sorten der Winterheckzwiebel (Allium fistulosum), welche so angebaut werden, dass sie als Lauchzwiebel (Röhrenlauch) geerntet werden können, also mit den kleinen Zwiebeln und dem Lauch zusammen. Wir kennen das Gemüse meist aus dem Supermarkt, doch im Kleingarten wird man die Frühlingszwiebel kaum anbauen, weil es dort einfachere Alternativen gibt. Trotzdem soll die Kultur hier beschrieben werden, denn vielleicht sind bei uns nur die verfügbaren Anbauanleitungen und Sorten die falschen. Woanders sieht das nämlich ganz anders aus. In China, Japan und in vielen anderen Ländern dieser Welt ist dieser praktisch zuzubereitende Lauch um sehr viel mehr verbreitet, als bei uns.

Interessantes und botanisches

Es ist schon eine Merkwürdigkeit, dass die Frühlingszwiebel, welche aus einer kontinentalen Klimazone im östlichen östlichen Zentralasien stammt (die Urform ist der Alltai-Lauch) heute besonders in den heißen und tropischen Ländern verbreitet ist, oft mehr, als unsere übliche Gemüse- bzw. Küchenzwiebel. Definitiv ist die Pflanze frosthart, wobei im Herbst aber das Laub abstirbt (nicht im Winter Grün, wie oft beschrieben!). Es überwintert eine Zwiebel, die im Frühjahr wieder austreibt.

Lauchzwiebel gebundenDiese Qualität ist im Garten nur schwer zu bekommen. Lauchzwiebeln aus dem Erwerbsgartenbau.

Erst mit der Bezeichnung Lauchzwiebel oder, wie hier beschrieben, mit dem Marktnamen Frühlingszwiebel, und zugleich mit dem immer größer werdenden Interesse für die fremdländische Küche, finden wir die Art heute bei uns in jedem Gemüseregal des Supermarkts. In den 1980er und 90er Jahren war das wohl noch nicht so der Fall war. Deutsche Gartenbücher der 1990er Jahre beschreiben die Bundzwiebel fast gar nicht.

Die hier vorgestellten Typen sind der Pflanzenart Allium fistulosum zugehörig, von der die botanische Einordnung die folgende ist: Allium fistulosum ist eine Lauch-Art und der Unter-Gattung Cepa (Zwiebel) zuzuordnen. Diese gehört der Gattung (Allium) an und stellt dort als Allieae eine Unter-Unter-Familie (Tribus) der Unter-Familie der Allioideae dar, welche innerhalb der Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) auszumachen ist. Die Amaryllisgewächse wiederum gehören zur Ordnung der Spargelartigen (Asparagales). So gesehen ist die Frühlingszwiebel sogar mit dem Spargel verwandt.

Beschreibung: Es sind langschäftige, Lauchzwiebeln ohne ausgebildete runde Zwiebeln.[1] Geschätzt werden Sorten mit sehr aufrechtem Laub, weil sie sich nach der Ernte gut bündeln lassen. Das Laub ist röhrig, parallelnervig und je nach Sorte von mittel- oder dunkelgrüner Farbe. Die Pflanzen werden bei uns um die 35 cm hoch, in anderen Klimazonen aber höher. Auf Kreta zum Beispiel, wo das Gemüse zusammen mit Petersilie und Dill zu den drei wichtigsten Würzegemüsen zählt, werden sie um 20 cm länger und sind um etliches stärker. Zweijährige Pflanzen bilden im Mai runde, doldige Blütenstände aus und bis zum Sommer kleine, flache schwarze Samen. Ältere Pflanzen bilden auch Nebenzwiebeln, womit sie (vegetativ) durch Teilung vermehrt werden können (weiteres dazu unten im Text).

Verwechslungen sind möglich: Unglücklicher Weise gibt es auch eine Sortengruppe der Art Allium cepa (z.B. Sorten 'De Vaugirard', 'Frühernte'), welche ebenfalls als Winter- oder Frühlingszwiebel bezeichnet wird. Dies sind nichts anderes als Sorten der Gemüsezwiebel, welche von Mitte August bis September ins Freiland gesät werden (sonnig, leicht halbschattig) und dann überwintern. Die feinschaligen, weißen Zwiebelknollen sind dann im Juni erntereif. Diese Sortengruppe darf nicht mit der hier vorgestellten verwechselt werden.


Wachstumszyklus, eigene Sortenzüchtung und Vermehrung

Der natürliche Wachstumszyklus der Frühlings- oder Bundzwiebel (wie sie im Handel oft genannt wird) beginnt mit dem Aufgehen der ausgefallenen Samen im Sommer oder Spätsommer. Die jungen Lauchpflanzen werden in diesem ersten Jahr – wenn überhaupt – im Durchmesser nicht stärker als 1 cm. Wir können sie ernten oder stehen lassen. Nachdem sich die Lebenskraft der oberirdischen Pflanzenteile in die Zwiebel zurückgezogen hat, verlieren sie dann aber im Herbst rasch ihr Laub. Die Zwiebel überwintert unterirdisch und treibt im März abermals grüne Röhrenblätter, und bildet bis Ende Mai zunächst seine vorhandene Zwiebel kräftiger aus, wie auch kräftigere Lauchröhren. Vom Treiben im April bis Mai kann das Würzgemüse nun in der Küche Verwendung finden. Im Juni teilt sich jedoch die Zwiebel und es sollte in dieser Zeit erst einmal nicht geerntet werden. Diese Teilung ist in der Regel im Juli abgeschlossen, wobei sich dann aus einer Zwiebelpflanze zwei, drei ober seltener vier neue, voneinander getrennte, kleinere Lauchzwiebeln gebildet haben, welche wiederum geerntet werden können. Unter guten Bedingungen sind die Stängel dieser geteilten Exemplare ein bis zwei Zentimeter stark. Wenn diese Pflanzen nun wieder überwintern (wir können im Herbst oder Frühjahr die Zwiebeln auch verpflanzen), dann beginnt der beschriebne Zyklus von vorn, doch mit der zusätzlichen Ausbildung eines bald erhärtenden Stängels mit kugelrundem Samenansatz. Pflanzen mit Samen eignen sich nicht zur Ernte, doch können die sich im April bildenden Samenstängel sofort ausgeschnitten werden, was die Frühlingszwiebeln dann wieder brauchbar für die Selbstversorgerküche macht. Lassen wir Jahr für Jahr die Samen von den besten Pflanzen ausreifen, können wir auf diese Weise recht schnell eine eigene regionale Lauchzwiebel-Sorte züchten, welche sich durch die generative Vermehrung an unsere regionales Klima und an unsere Bodenverhältnisse anpasst. Neben dieser Vermehrung durch Samen können wir – natürlich auch unsere eigenen Sorten – vegetativ vermehren, also im Spätsommer und Herbst die belaubten oder unbelaubten Zwiebeln (von den sich geteilten Exemplaren) pflanzen oder die überwinterten Zwiebeln im Frühjahr verpflanzen.


Anbau – allgemeines – Boden, Düngung

Die Bedingungen für einen guten Anbau, also Bodenverhältnisse und Kleinklima sind bereits hier bei der Winterheckzwiebel ausführlich beschrieben, denn die Frühlingszwiebel ist nichts anderes, als eine Edelform der Winterheckzwiebel. Günstig sind sonnige Anbaustandorte, doch Halbschatten wird auch vertragen. Nur haben die Edelsorten ähnlich dem Porree, lange Schäfte, womit sie praktisch zu verarbeiten und im Marktanbau gut zu transportieren und lange zu lagern sind. Der Boden sollte vor der Kultur bereits in gutem Zustand und gut gelockert sein und ausreichend Nährstoffe enthalten. Kompost, Mist und dergleichen wird während der Kultur nicht eingebracht. Eine Düngung mit einem nicht zu hoch konzentrieren Flüssigdünger (z.B. Jauche), ist Ende Juni möglich.

Aussaat Zeitpunkt

Nach den Angaben der Saatzuchtbetriebe und der Fachbücher ist der optimale Zeitpunkt der Aussaat (es wird flach gesät) der Monat März und April, bis in die ersten Maiwochen hinein. Schön drückten es die Alten aus, welche die "Aussaat während der Obstbaumblüte" rieten, was für den Kleingärtner leicht zu merken ist. Die Keimung der Samen beginnt bei 4 bis 5°C, doch das Optimum liegt um die 20°C. Je nach Temperaturen geht der Samen nach 5 bis 14 oder 20 Tagen auf.

Winterheckzwiebeln BüschelAuf dem Beet...

Ab September ist das Gemüse erntereif, doch gutgewachende Exemplare können wir schon ab Ende Juni herausziehen. Dies ist die herkömmliche Anbaumethode, welche immer noch viel publiziert wird, doch die erhofften Ernten bringen diese nicht. Dafür braucht es überwinterte Pflanzen. Der Rat, das Gemüse im Frühjahr auszusäen, ist nicht falsch, doch für Ernte im gleichen Jahr haben wir dann nur recht dünne Schlotten zur Verfügung, die eher an große Schnittlauchstängel erinneren. Planen wir die Haupternte aber für das nächste Jahr, dann ist der Aussaatzeitpunkt ok.

Ein weiterer möglicher Zeitpunkt für die Aussaat (wie er im professionellen Anbau [2] empfohlen wird) liegt im Frühherbst, mit der anschließenden Überwinterung. Ach wenn nicht direkt ins Beet gesät wird und die Jungpflanzen in Anzuchtpaletten vorgezogen sind, dann kommen sie noch im Herbst in die Erde. Gepflanzt wird im Erwerbsgartenbau in Doppelreihen, welche 5 cm Abstand aufweisen. Die Abstände der Doppelreihen betragen 30 cm. In der Reihe werden die relativ dicht gesäten Jungpflanzen auf 2,5 cm verzogen. Bei Trockenheit wird gegossen.

Nach der Überwinterung treiben die Pflanzen spätstens im April und bilden auch schnell Samenstände aus.[3] Von den besten Zwiebelpflanzen werden wir den Samen ausreifen lassen – dafür müssen die Stängel aber an einen Stab angebunden werden. Im Juli/August wird der Samen reif. Bei den Pflanzen, die wir nutzen wollen, schneiden wir aber den Trieb mit dem Samanansatz heraus, da die Pflanze im Reifestadium holzig wird. Die Frühlingszwiebeln beginnen nun wieder Lauchblätter auszubilden und können bald geerntet werden:

Ernte und Verwendung

Je nach Aussaatzeitpunkt und Witterung werden die stärksten Pflanzen ab April vorsichtig aus der Erde gezogen. Mitunter müssen sie dabei mit einem Esser etwas in der Erde gelockert werden. Wir verwenden sie sofort, oder lagern sie im Kühlschrank, wo sie sich im Gemüsefach gut 10 bis 14 Tage lang halten. Das ist insofern ein guter Tipp, weil im Juni und Spätherbst/Winter nichts aus dem Garten geholt werden kann. Möchten wir überwinterte Pflanzen ernten, so ist das theoretisch von April bis Spätsommer möglich. Nur im Juni (wie oben bereits erwähnt) haben wir eine Zeit, in der die Gemüse holzig sind, weil sie sich gerade in einer Teilungsphase der Zwiebeln befinden. Nachher dieser Teilung haben wir dann aber statt einer Frühlingszwiebel etwas kleinere auf dem Beet stehen, die dann auch wieder sehr zart und aromatisch sind. Von den Frühjahresaussaaten ernten wir die stärksten Exemplare etwa ab Mitte Juni und so ist auch der Monat Juni weitgehend überbrückt.

Man verwendet die aromatischen und würzigen Bundzwiebeln, die etwas milder, als Küchenzwiebeln sind roh, gebraten und gekocht. Roh kommen sie in schmale Ringe geschnitten in Salate, Dips und Kräuterquark, oder auf ein Butterbrot. In Gemüsepfannen und im Wok und selbst auf dem Grill werden sie gebraten und gegrillt. Weiterhin würzen sie Suppen, Pasteten, Gemüsestrudel und vielerlei regionale schmackhafte Gerichte. Typisch ist das Würzgemüse beispielsweise für japanischen Gerichte (Suppen, Sukiyaki; Naga Negi), wobei die Miso-Suppe wohl am bekanntesten ist. Ich koche sie jede Woche (gleich für mehrere Tage) mit reichlich Gemüse und serviere sie, wie das in Japan üblich ist, als vollwertiges gesundes Frühstück.

Mischkulturanbau

Die Mischkultur ist mit einigen weiteren Gemüsen und auch mit Erdbeeren gut möglich, nur sollten Zwiebeln nicht mit Bohnen zusammenstehen. Beim Mischkulturanbau von Lauch-, bzw. Frühlingszwiebeln mit anderen Gemüsearten, nutzen wir vor allem den Zwischenkultur-Effekt. Das heißt, dass entweder der Lauch im Zusammenspiel mit andern Pflanzen noch sehr klein ist und diese sich untereinander deshalb nicht verdrängen, oder es ist umgekehrt. Der Autor hat gute Erfahrungen mit dem Gemischtanbau zusammen mit Schwarzwurzeln (sowie Haferwurzeln) gemacht. Möglich ist die Mischkultur auch mit Tomaten. Experimentiert habe ich mit mit Roten Beeten und mit Möhren, was sich aber nicht bewährte. Meine Empfehlung ist also die Mischkultur zusammen mit Tomaten und (wenn wir die Reihen etwas weiter legen), im Zwischenraum der Reihen (60 bis 65 cm) von Schwarz- und Haferwurzeln und Erdbeeren (Reihenabstand 70 bis 75 cm) in zweijähriger Kultur:

  • Tomaten – Mitte Mai zusammen mit verpflanzten Jungpflanzen aufs Beet
  • Schwarz- und Haferwurzeln – den Zwischenraum für die Frühjahrsaussaat nutzen!
  • Erdbeeren – im Herbst oder Frühjahr Zwiebeln pflanzen

Noch ein P.S.: Auf dem Schwarzwurzelbeet (Zwischenraum zwischen zwei Reihen) pflanze ich im Frühling genau in der Mitte eine Reihe Schalotten. Dann wird der ganze Zwischenraum zwischen den Schwarzwurzeln breitwürfig (dünn säen) mit Frühlingszwiebelnbesät, auch in die Reihe der Schalotten hinein. Letztere sind bereits im Juli zu ernten, also erst dann, wenn sich die aufgegangene Saat stark auszubreiten beginnt.

Krankheiten

Krankheiten sind kaum bekannt und Schädlingsbefall tritt in der Regel keiner auf; allerdings bekommen überalterte Pflanzen im Sommer schnell Flecken an den Röhren, was tatsächlich ein Befall von Pilzen bewirkt, doch ist dieser mit dem natürlichen Absterbeprozesses des Laubes verbunden. Nach meinen Beobachtungen ist der Befall von Zwiebelfliegen nicht zu befürchten.

Sorten

  • 'Bohemia' (Böhmen) – langes, schmales Laub
  • 'Da Mazzi Bunching' – sehr langer Schaft, milder Geschmack
  • 'Feast' – sehr hitzetolorant
  • 'Freddy'
  • 'Guardsman'
  • 'Ishikura' – samenfest; japanische Sorte
  • 'Ishikura Long White' – japanische Sorte
  • 'Kalgaro'
  • 'Marjolina'
  • 'Musona'
  • 'Negaro'
  • 'Pal'
  • 'Red Toga' – roter Schaft
  • 'Rote von Florenz' – roter Schaft
  • 'Tonda'
  • 'Totem' (F1)
  • 'White Lisbon'

Erfahrungen und Bewertung

Der Autor selber interessiert sich sehr für die Thematik, wie die Frühlingszwiebel im eigenen Garten effektiv angebaut werden kann, zumal sie in der Mischkultur mit anderen Gartengemüsen sehr wenig Platz verbraucht und weil sich von ihnen auch der Samen problemlos selber gewinnen lässt.

LauchzwiebelDiese Lauchzwiebel hat schon die Größe, welche akzeptabel ist.

Sorten, wie die samenfeste japanische 'Ishikura' lassen sich beispielsweise für den Privatgebrauch leicht selber vermehren, da die Lauch- und Frühlingszwiebeln mehrjährig und winterhart sind. So können wir an einer gesonderten Stelle den Lauch als Staude anpflanzen, dort die Lauchblätter ernten, aber auch Samen ausreifen lassen. Die selber frisch geernteten Lauchsamen sind zudem oft um vieles keimfähiger, als gekaufte Sämereien. Ob sich vielleicht noch eine effektivere Anbaumethode verwirklichen lässt, wird sich zeigen. Ein Problem bei der Zucht größerer Lauchpflanzen ist nur, dass sie irgendwann harte Blütenstiele treiben und dann nicht mehr wir gewünscht zu verwenden sind. Möchten wir nur den Lauch schneiden, so müssen wir uns die Mühe mit dem Frühlingszwiebelanbau nicht machen. In diesem Falle sein noch einmal auf die Winterheckzwiebel und ähnliche Laucharten verwiesen.


Quellen/Hinweise

[1] Neuerdings werden auch Sorten gezüchtet, welche mehr runde Zwiebeln ausbilden, was ich als Spielerei ansehen, da dann die praktische Handhabung in der Küche verloren geht.

[2] https://www.plantura.garden/leserfragen/gemuese/ fruehlingszwiebeln-anbauen-aussaat-pflege-und-erntezeit – mit "früher Herbstaussaat" kann ab April geerntet werden.

[3] Möglicherweise gehen die im Herbst gesäten Pflanzen im Frühjahr nicht in den Samen. Ich habe es noch nicht herausgefunden, was ich natürlich noch nachholen werde.

  • eigene Erfahrungen