Maya Stadt
1.) Riesige Mayastädte - aber ohne Mauern

Unten folgt zur Thematik "Gärtnerische Landwirtschaft der präkolumbianischen Indianer" ein Textauszug aus dem Gartenkalender des Autors Band Nr. 3 "Erprobter, immerwährender Saat- und Pflanzkalender, sowie Tagebuch und Almanach – Ertragreiche Kulturen für Selbstversorger". Wie man von dieser besonderen indianischen Feldkultur zu ähnlichen Anbauformen in deutschen Städten kam, und das schon vor über hundert Jahren, liest du hier. Doch es gibt nicht nur Hinweise zur Geschichte, sondern auch Tipps darüber, wie man dieses alte Wissen heute noch und wieder als Selbstversorger anwenden kann.

Die Bücher, eBooks und Gartenkalender des Autors findest du bei amazon. Der Band Nr. 3 wird als Druck ab Februar 2016 verfügbar sein. Dem Textauszug sei noch vorangestellt, dass dieser Gartenkalender speziell für gärtnerische Anbaumethoden im kleineren Maßstab geschrieben ist, und so wird nun zuerst auf denjenigen Unterschied aufmerksam gemacht, der zwischen Ackerbau und Gartenkultur besteht:

Selbstversorger Markt>> Für den hier favorisierten, gärtnerischen Selbstversorgungsanbau ist die Unterscheidung wichtig, um die eigenen Kräfte dort zu konzentrieren, wo sie ökonomisch sinnvoll sind. Der Ackerbau (Feldwirtschaft) bezieht sich auf großzügige, technisch bewirtschaftete Flächen in freier Landschaft. Den Gartenbau betreibt man dagegen auf einem überschaubaren, meist umfriedeten Areal. Wird der Ackerbau nur mit wachsender Fläche rentabler, kann einen Garten auch dann noch ökonomisch bewirtschaftet werden, wenn er klein ist und händisch bearbeitet wird. So ist es zum Beispiel unrentabel, im Kleingarten Getreide auszusäen. Es gibt auch Gartenkulturen, die man zwar im Garten anbauen kann, die aber auf dem Feld besser gedeihen. Das bitte ich stets zu beachten, wenn es um das Thema des rentablen Gemüseanbaus für Selbstversorger geht. So zähle ich etwa Kopfkohl, Steckrüben und Erbsen zu den typischen Feldkulturen und es ist nicht möglich, diese Nutzpflanzen in größeren Mengen über Jahre hin auf kleinen Gartenflächen erträglich anzubauen. Hingegen können ohne besondere Aufwendungen ein paar Tomaten- und Zucchinipflanzen selbst auf einem Balkon nennbare Erträge liefern und damit ein Beispiel für die rentable Gartenkultur geben.

Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass die oben genannte Einteilung der Agrarwirtschaft in Feld- und Gartenbau nur typisch für unsere westliche Kultur und “alte Welt” ist. Hinzu kommt, dass bei uns Stadt und Land klar getrennt sind. Dieses Prinzip lässt sich bis ins Mittelalter und weit in die Vorgeschichte der Mittelmeerkulturen verfolgen.

Anders ist da etwa die Tradition der “neuen Welt”, also die Agrarkultur des präkolumbianischen Amerikas. Auf dem südamerikanischen Kontinent existieren bis in unsere heutige Zeit hinein verschiedene ackerbauliche Sonderformen. Sie sind zwischen den oben genannten Agrarwirtschaften einzuordnen und somit weder als reiner Land- noch als Gartenbau anzusehen. Diese Sonderformen wurden in unserem Kulturkreis kaum ansatzweise verstanden. Sie basieren auf dem Anbau von hocheffektiven und sehr vielfältigen Kulturpflanzen und deren weitgehend verlustlose Ernte, Lagerung und Zubereitung. So wurden in den indianischen Hochkulturen beileibe nicht nur Mais und Kartoffeln angebaut, sondern auch Bohnen, Anden-Lupinen, verschiedene Kürbisarten, Kalebassen, Jamswurzeln, Süßkartoffeln, Knollen der Dahlien und des Indischen Blumenrohrs, Topinambur, Maniok, Yambohne (Pachyrhizus erosus), Yacón (Smallanthus sonchifolius), Yacon-gaucho (Polymnia connata), Oka (Oxalis tuberosa), Maca, Chia-Samen, sowie Paprika, Tomaten und kaum bekannte Gemüse, wie die Broccoli-Melde (Chenopodium nuttaliae). Man bewirtschaftete Obstgärten in denen Avocado, Papaya, Cashewnüsse, Brotnussbäume (Brosimum alicastrum), Zapote-Früchte (Pouteria sapota), Passionsblumen-Früchte (Passiflora edulis), Mameyäpfel (Mammea americana) und weitere, uns wenig bekannte Obstarten gediehen. Das Veredeln (Okulation) von Gehölzen war bekannt. Zwar betrieben die präkolumbianischen Indios ihren „Ackerbau“ lediglich mit einfachsten Hacken, Grabstöcken und Steinmessern, doch ernährten sie auf diese Art und Weise riesige Stadtsiedlungen, die an Einwohnerzahlen von gut 100.000 Menschen heranreichten.
Diese eigentümliche Agrarkultur erlangte ihre Effektivität, durch die Ausbeutung ertragreicher Nutzpflanzen, aber auch durch eine besondere Infrastruktur. Präkolumbianische Städte kannten keine hohen Stadtmauern und man lebte im Außenring jener Großsiedlungen in einer Art Gartenstadt, wo Landwirtschaft und urbanes Alltagsleben im engen Verbunde stand.

Dresden Gartenstadt Hellerau

Gartenstädte

Mit dem Schlagwort “Gartenstadt” sind wir aber auch schon wieder in der abendländischen Moderne angekommen, denn auch hier verfolgte man vorübergehend ein ähnliches Konzept. Mit der Gründung von Genossenschaften zum Ende des 19. Jahrhunderts, also bald nach dem Schleifen der alten städtischen Mauer- und Wehranlagen, entstand die Idee, in den Außenbezirken der Großstädte Kleingarten-Wohnsiedlungen anzulegen. Hauptanliegen war es, neben günstigen Wohnungen, die frei von Spekulationsgeschäften bleiben sollten, die Bürger in den Stand einer gewissen Grundversorgungsautarkie zu versetzen. Doch der zunehmende Einfluss der Industriekartelle auf die folgenden Regierungen verhinderte die Förderung dieser Idee. Und so wurden diese ersten, guten Initiativen alsbald wieder verwässert. Entsprechende Musteranlagen waren zwar geschaffen und werden bis in unserer Tage hinein weitergeführt, jedoch den geistigen Kern dieser Idee hat man nicht kultiviert. So ging er mit der Zeit wieder verloren und das trotz einer zwischenzeitlichen kurzen Renaissance. Durch die Not der Weltwirtschaftskrise und später zur Ansiedlung von heimatvertriebenen Deutschen lebte das Konzept nämlich erneut auf. Man sprach bei dieser Spielart von “Nebenerwerbssiedlungen”, die aber schon wenige Jahre nach dem Krieg erneut in Vergessenheit gerieten.

Bei den indigenen Völkern Amerikas fußten dagegen ganze Hochkulturen auf dem Konzept, wie es oben kurz umrissen wurde. Und dabei arbeiteten jene indianischen “Ackerbürger” beileibe nicht das ganze Jahr in ihren Gärten, sondern sie gingen zu einem Drittel ihrer Zeit andern Tätigkeiten nach.

Grundnahrungsmittel neu entdecken

Asien Markt FrüchteGerade beim Blick in die Küchen und auf Märkte anderer Weltgegenden, vorzugsweise dahin, wo noch überwiegend autark gewirtschaftet wird, bekommen wir manchmal eine Vorstellung, wie einfallslos unsere Speisepläne oft sind und das trotz inflationärer Kochsendungen im Fernsehen. Es ist ein Paradoxon, dass in den Supermärkten eine beachtliche Gemüsevielfalt vorzufinden und zu jeder Jahreszeit verfügbar ist; und dann sind die Hauptnahrungsmittel hierzulande doch nur Weizen, Kartoffeln, Fleisch, Fett und Zucker, aufgepeppt mit Salz, Glutamat und Chemiearomastoffen.

Beim Selbstversorger bestimmt jedoch ganz bewusst das wechselnde Angebot des Nutzgartens den Speiseplan. Allerdings möchten auch Selbstversorger nicht nur zwischen Garten und Küche pendeln und pausenlos mit der Haltbarmachung von Obst und Gemüse beschäftigt sein. So funktioniert die Philosophie der autarken Ernährung nur, wenn man es schafft, die selbst angebauten Nahrungsmittel schnell und schmackhaft zuzubereiten. Dabei ist das erwähnte “schnell” keine Floskel, denn was sich nicht unkompliziert und flott zubereiten lässt, das taugt nicht für den Alltag. Die geschickte und schnelle Form der Zubereitung oder Haltbarmachung bestimmt dann wiederum, was für uns zum Grundnahrungsmittel wird und was nicht.

Gehen wir das Erntejahr einmal stichpunktartig durch und beginnen mit den längsten Tagen im Jahr. Bereits im Juni ernten wir die ersten Frühkartoffeln und können mit ihnen die verschiedensten Gerichte herstellen. Der Hochsommer beschert uns dann eine Vielzahl von Gemüsen für die leichtere, mediterrane Küche, als da sind Gemüsebohnen, Zucchini, Tomaten, Paprika, Auberginen, Kalebassen, Gurken, Kürbisse und viele Kräuter. Es folgt im Spätsommer die “Sauregurken-Zeit”, d.h. sowohl Freilandgurken als auch Weißkohl sind in großen Mengen vorhanden. Sie sollten jetzt durch Fermentierung haltbar gemacht werden, um sie für die winterliche Küche zur Verfügung zu haben. Da sich auch andere Gartenprodukte wie Bohnen und Zwiebeln fermentieren lassen, ist es ratsam, sich einmal intensiver mit diesem Verfahren zu befassen.

Selbstversorgergarten 20er JahreMit den ersten Nachtfrösten im Herbst folgen auf die südlichen Aromen etwas abrupt die der Rüben- und Kohlgerichte. China-, Grün- und Blumenkohl sowie Brokkoli und Romanesco verändern erneut den Speiseplan. Des weiteren verwerten wir bis in den Winter hinein Zichorien, Wurzelgemüse und Kürbisse, die sich bei richtiger Lagerung problemlos bis Ende Januar/Februar halten. Besonders der Kürbis bietet uns mit seinen vielfältigen Zubereitungsmöglichkeiten (von Suppe über Brot bis hin zu gedünstetem und gebratenem Kürbis) eine große Bereicherung unserer Selbstversorgerküche. Und nicht zuletzt sei das Rotkraut erwähnt, das in größerer Menge zubereitet und kochendheiß in Twist-off-Gläser gefüllt über Monate haltbar bleibt und jederzeit als Beilage zur Verfügung steht. Ist das Sauerkraut fertig, kann es in rohem und gekochtem Zustand zum Einsatz kommen. Porree, Rüben, Rettiche und Wurzelgemüse sowie Lagerkartoffeln dominieren den Speiseplan im Winter. Sie sind bei entsprechender Lagerung stets frisch verfügbar. Im Frühjahr werden Kartoffeln und Lagergemüse verbraucht. Frischer Grünkohl kann noch immer geerntet werden. Ansonsten ist das Frühjahr, abgesehen von Spargel, verfrühtem Kohlrabi, Salat und Winterportulak aus dem Gewächshaus, noch lange Zeit knapp an frischen Zutaten. In dieser Zeit sollten eingemachte Gemüsebohnen und die Trockenbohnen zum Einsatz kommen. Schmackhafte Rezepte für deren Zubereitung gibt es viele.Wer im Sommer reichlich Gerichte wie Letscho und Borschtsch eingekocht hat, der verwende sie im April und Mai. Sie helfen gut über die an Frischgemüse arme Zeit. Im April treiben aber auch bereits Grün- und Spargelkohl wohlschmeckende “Brokkoliblütchen”. Im Mai gibt es dann Salat in Mengen, und Ende Mai ernten wir Kohlrabi und allererste Frühkartoffeln.

Frühe Erbsen (Zuckerschoten) bereichern Anfang Juni die Küche und zeitig gepflanzter Blumenkohl gibt im Juni sichere Erträge, deren Überschüsse im einfachsten Falle eingfrostet werden. Nun reifen die ersten Gewächshausgurken und Zucchini, und mit der Frühkartoffelzeit schließt sich der Erntejahreskreis. <<

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