Yacon KnollenDie Knollen sind roh ein wirklich schmackhaftes Gemüse, welches meist wie Obst verwendet wird.
Die Knollen sind roh ein wirklich schmackhaftes Gemüse, welches meist wie Obst verwendet wird.

Es gibt ein Vielzahl von seltenen oder exotischen Gemüsearten, von denen Eine immer mal wieder in Mode kommt. Man preist das außergewöhnliche Gemüse an, welches meistens auch noch super gesund und ein sogenanntes Superfood ist und dann ist die Begeisterung aber ebenso schnell wieder verpufft, wie sie gekommen ist. Zählt dieses Knollengewächs, aus Amerika stammend, nun auch in diese Kategorie? Nein, ganz im Gegenteil: Es wird Zeit, dass dieses Gemüse wie jede andere bekannte Art auch im Kleingarten angebaut wird.

Yacon Pflanze HabitusYacón ist offenbar eine extrem gesunde Nutz- und Heilpflanze. Neben den Knollen nimmt man die Blätter für Tee. Die Speicherknollen sind Superfood und den übriggebliebenen Wurzelstock hat man zur Vermehrung übrig.

Vorteile für den Anbau im Selbstversorgergarten

Bevor ich auf die Botanik und den Anbau eingehe, möchte ich die Vorzüge dieser Art aufzählen, um den Leser für Yacon zu begeistern:

  • leichter Anbau und leichte Vermehrung
  • schmeckt sogar den Kindern gut – frischer, leichter Geschmack nach Kohlrabi und Birne
  • wächst auch im Halbschatten
  • ist im Kübel kultivierbar (Balkongemüse)
  • leicht und lange lagerbar
  • sehr gesund

Yacon Blüten im SeptemberDie Blüten ähneln etwas denen des Echten Alants (Inula helenium) Tatsächlich sind beide Arten miteinander verwand.

Botanik und Herkunft

Yacón (auch als Inkawurzel bekannt) hat die botanische Bezeichnung Smallanthus sonchifolius, doch gibt es auch noch die botanischen synonymen Bezeichnungen Polymnia edulis und Polymnia sonchifolia, unter welchen das Gewächs beschrieben ist. Yacon ist eine Art der Pflanzengattung Smallanthus (mit etwa 21 amerikanischen Arten) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Inkawurzel wurde von den südamerikanischen Ureinwohnern kultiviert und vor allem in den wärmeren Andentälern angebaut. Alle Pflanzenteile sind roh essbar. Die Blätter nimmt man für einen heilenden Tee (Magen, Darm, Leber, Haut), er schmeckt etwas süßlich wie Schachtelhalmtee, und auch die Frühjahrsaustriebe können wir als Gemüse verwenden. Vor allem die Knollen sind aber ein begehrtes Wurzelgemüse, welches vor allem roh verzehrt werden kann und soll. Der Verzehr soll den Hunger dämpfen und damit Diäten unterstützen. Außerdem wird den Knollen eine heilende und (heilungsunterstützende) Wirkung zugesprochen (Herz-Kreislauf-System, Diabetes, Krebs). Die Wurzelknollen enthalten reichlich Aminosäuren, Kalzium, Kalium, Phosphor und Eisen, aber wenige Vitamine. Das Knollengemüse kann durchaus als Heilpflanze bezeichnet werden, zumal es mit den Heilkräutern Alant und Beifuß eng verwand ist.

Eine enge botanische Verwandtschaft besteht mit dem indianischen Topinambur (Helianthus tuberosus), welchem ähnliche Gesundheitswirkungen zugesprochen werden. Ich führe hier den Topinambur deshalb an, weil er zu den eingangs erwähnten Mode-Gemüsen zählt, welches einmal überschwänglich angepriesen wurde, aber in der der Praxis ziemlich unbrauchbar ist, denn dessen Knollen schmecken nur einem kleinen elitären Kreis von Kennern. Selbst meine Kaninchen sind davon nicht besonders begeistert – allerdings um so mehr von dem Yacon-Gemüse.

Yacon Anbauanleitung

Man braucht für den Anbau einen tief gelockerten Gartenboden und normalerweise viel Platz, denn die Indianerwurzel wird im Abstand von 1 m von Reihe zu Reihe und in der Reihe gepflanzt. Im Kleingarten kann man diese optimalen Abstände auch auf 80 cm reduzieren und wird noch gute Erträge haben. Optimal ist auch ein freier Stand und volle Sonne, was auf Landwirtschaftsflächen sicher leichter zu bekommen ist, als etwa in einem Kleingarten, wo selten der Platz mit den entsprechenden Bedingungen vorhanden ist, es sei denn der Gartenfreund verzichtet auf einige andere Gemüse. Bei einem sächsischen Gartenfreund (silvo a. m.) habe ich jedoch eine sehr brauchbare Anbaumethode begutachten können, wo die Yacon-Pflanzen in kleinen temporären, nur 30 cm hohen Hochbeeten mit besten Ergebnissen gezogen wurden. Der Selbstversorgergärtner hatte dafür alte Kunststoffregentonnen in einzelne Ringe zersägt, diese ein Stück eingegraben, mit Komposterde gefüllt und bepflanzt.

Solche flachen, abgesteckten Hügelbeete können auch mit Brettern oder aus alten Kisten angelegt werden und sie können an Stellen platziert werden, wo sich kein besonderes Gartenland befindet, wie an Stellen, die leicht überschattet sind. Dass die Yacon-Pflanzen auch im Halbschatten noch ganz gut gedeihen und dort reichlich Knollen ansetzen, habe ich in meinem Nutzgarten beobachten können. In der Kombination mit den flachen Hochbeeten können damit auch Plätze unter Obstbäumen nutzbar gemacht werden, anderenfalls funktioniert der Anbau nur in größeren Küchengärten, weil der Platzverbrauch doch enorm ist. Wer aber mit jedem Quadratmeter Gartenboden haushalten muss, der sollte auf die von mir vorgeschlagene Hügelbeetkultur zurückgreifen. Nach der Ernte werden diese eingefassten Hügel- oder Hochbeete (wie man sie nun nennen möchte) wieder entfernt, denn befinden sich Obstbäume oder andere Gehölze in der Nähe würden sich deren Wurzelsyteme dort ausbreiten.

Yacon Wurzelstock VermehrungNachdem die Knollen entfernt sind, dienen die Wurzelstöcke der Vermehrung.

Vermehrung und Pflanzung

Gepflanzt wird gekaufte Ware (getopfte Pflanzen) ab dem 15. Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, denn das Knollengewächs ist nicht frosthart. Man kann aber auch die von den abgeernteten Spiecherknollen übrig gebliebenen, und frostfrei überwinterten Wurzelstöcke, teilen und einpflanzen. Das ist die übliche Vermehrungsmethode, da die Blüten kaum Samen ausbilden.

Wuchseigenschaften

Auf das Wachstum der Pflanze möchte ich noch einmal gesondert eingehen, denn die Gewächse, welche im Mai gepflanzt werden, stehen zunächst mindestens bis Mitte Juli auf dem Beet, ohne sich besonders auszubreiten. Erst Mitte August starten sie so richtig durch und bilden im September mannshohe Büsche.

Yacon Pflanzen im AugustNoch Ende Juli sind die Gewächse nur kniehoch, erst dann bilden sie hohe Büsche aus.

Das hat den Vorteil, dass man die Yacon-Beete im Kleingarten mit einer sogenannten Zwischenkultur bestellen kann, also einem Gemüse, welches zusammen mit der Inkawurzel gepflanzt oder gesät wird, und welches im Juli erntereif ist. Es wird also geerntet, wenn die Knollenpflanzen mit ihrem Hauptwachstum starten. Diese Zwischenkulturen (es ist eine Art Mischkultur) sollten aber keine Wurzelkonkurrenten für die Inkawurzel sein. Man kann also sicher ohne Probleme frühe Buschbohnen als Mischkultur wählen oder Pflück- oder Spargelsalat (diesen nicht zu dicht setzen). Kapuzinerkresse würde sicher auch eine brauchbare Unterpflanzung geben. Eine Mischkultur von Yacon und Mais könnte ich mir ebenfalls vorstellen, wobei der Mais aber schon Mitte April gesät werden muss.

Pflege, Düngung

Nach der Pflanzung lassen wir dem Gemüse die übliche Pflege von Gemüsen angedeihen, was das Unkraut jäten und reichlich Wässern bei Trockenheit ist. Gedüngt wird besser nur organisch. Eine Mulchschicht ist ideal und förderlich sind gelegentliche Jauchegüsse, welche aber nicht übermäßig erfolgen müssen.

Ernte, Lagerung

Spätestens nach dem ersten Nachtfrost sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab. Dann sollten die Knollen ausgegraben werden. Wer Kleintiere hat, der sollte aber das wertvolle Grün für die Fütterung nutzen und es im Oktober dafür verwenden. Die Knollen werden frostfrei gebogen und an einem nicht zu trockenen Ort, der im Winter durchaus um die 15°C haben kann (was relativ warm ist) frostfrei gelagert. Licht darf an die Wurzelknollen kommen (im Gegensatz zu den Kartoffeln), was deren Geschmack sogar noch verfeinern soll. Wer Dahlien über Winter einlagert, der kann die Yakon-Wurzeln wie diese aufbewahren.

Zubereitung

Die formen der Zubereitung sind sehr vielfältig. Neben dem Frischverzehr und Grünen Smoothies können die Knollen gedünstet oder gebraten werden. Geraspelte Chips kann man trocknen oder fitteren usw. – den experimentellen Kochen sind sicher keine Grenzen gesetzt.