Hornveilchen auf dem Grab von Frére Roger SchutzHornveilchen auf dem schlichten Grab von Frére Roger Schutz (Taize, Frankreich)[1]
Hornveilchen auf dem schlichten Grab von Frére Roger Schutz (Taize, Frankreich)[1]

Wer im Frühjahr eine Grabstätte bepflanzen möchte, der geht in jedem Falle auf Nummer sicher, wenn er auf bewährte Pflanzungen setzt und das sind zu aller erst die Stiefmütterchen, denn sie sind Gewächse, welche robust und sehr frostfest sind. Wir können sie sehr zeitig pflanzen, was den großen Vorteil hat, dass wir später weniger gießen müssen, da es im Vorfrühling häufig regnet und der Boden durch die recht kühlen Temperaturen nicht so schnell austrocknet, wie das später im April der Fall ist.

Wichtige Tipps für eine pflegeleichte Pflanzung

Haben wir, wie eingangs erwähnt, in den ersten Märztagen die empfohlene Frühjahrsbepflanzung für die Gräber ausgeführt, also Stiefmütterchen in die Erde gesetzt, dann treiben deren Wurzeln bereits in den nächsten vier Wochen so tief, dass sie ihr Wasser und ihre Nahrung ab Mitte April schon weitgehend selber einholen können. Pflanzt man viel später, dann haben die Frühlingsblumen an sonnigen Tagen schon tüchtig Stress die heißen Mittagsstunden zu überstehen. Sie haben dann nur noch wenig Kräfte, Wurzeln zu treiben. Die Folge ist, dass wir öfters auf den Friedhof gehen und gießen müssen, denn die Stiefmütterchen und auch die meisten Blumen der Frühjahrsbepflanzungen mögen keine Trockenheit.

StiefmütterchenUnschlagbar in den positiven Eigenschaften: Stiefmütterchen

Zwischendurch sei erwähnt: Wer es jährlich nicht schafft vor Mitte April auf den Friedhof vorbeizukommen und zu Pflanzen, der lasse die Frühjahrsbepflanzung einfach aus und lasse in dieser Zeit Zwiebelpflanzen blühen, die bereits im Herbst gesteckt werden können. Die Palette solcher Frühlingsblumen ist größer, als du denkst. Unten gehe ich auf dieses Thema noch einmal ausführlicher ein.

Grabbepflnzung mit Efeu und SzillaEfeu und Szilla. Was macht das Flair solcher schönen alten Gräber aus?

Weiter zur Thematik der Frühjahsblumenbepflanzung: Oben gab ich den Tipp robuste Blumen zu wählen und da war der erste Tipp das Stiefmütterchen. Der zweite Hinweis betraf die möglichst zeitige Pflanzzeit, weil dann die Blumen schnell Wurzeln treiben und bald unabhängig von regelmäßigem Gießen werden. Diese Möglichkeit des schnellen Anwachsens nutzen wir aber nur, wenn der Boden für die Frühjahrsbepflanzung bestens vorbereitet ist. Damit meine ich gar nicht, dass besonders nährstoffreiche und gute Blumenerde aufgeschüttet wird, sondern dass die Pflanzstelle möglichst mit einem Spaten "spatentief" umgegraben und gelockert wird. Der Grund, warum ich das so betone ist der, dass die Erde auf den meisten Gräbern durch nahe Bäume oder Hecken durch und durch mit Wurzeln derselben durchsetzt sind. Diese Wurzeln sind aber die härteste Konkurrenz für das Wurzelwerk unserer frisch gesetzten Blümchen. Wer sich die Arbeit machen will, der kann den alten Grund natürlich trotzdem mit frischer Blumenerde aufbessern, doch das A und das O ist das Abstechen eventuell eingewachsener Wurzeln und die Bodenlockerung überhaupt. Die Frühjahresbepflanzung ist auch nicht diejenige, welche viel gedüngt werden muss, denn dass ist eher bei den Sommerblumen nötig. Im Frühling ist es, wie nun ausführlich dargelegt, die zeitige Pflanzung in gut aufgelockerter Erde.

Das Pflanzen und Gießen

Zur Pflanzung selber ist noch zu sagen, dass es wichtig ist, die Blümchen so tief einzusetzen, wie sie vorher in der Erde, oder im Topf gestanden haben. Einen halben Zentimeter tiefer setzen, geht auch noch, doch nicht einen halben Zentimeter höher. Haben wir einen gut gelockerten Grund, so wie ich es soeben eindringlichst empfohlen habe, dann ist das Pflanzen in dieser Weise kein Problem. Das zu hohe Setzen geschieht meist dann, wenn wir wenig Zeit haben, hastig pflanzen und dann auch noch einen harten Boden vor uns haben. In der Regel setzen wir die Blumen ein Hand breit auseinander (also etwa 10 cm Abstand). Nach dem Einpflanzen drücken wir die Blumen nochmals fest an, damit sich die Wurzeln gut mit dem Boden verbinden. Anschließend wird angegossen, damit sich Erde und Wurzelballen noch mehr aneinander anschmiegen. Dabei gießen wir vorsichtig, aber reichlich. Nach einer Woche wird der Vorgang wiederholt und dann braucht in der Regel nur noch bei Trockenheit gegossen werden.

Das Düngen

Oben wurde bereits gesagt, dass die Frühjahrsbepflanzung der Gräber eigentlich keiner besonderen Düngung bedarf, natürlich nur, wenn der Boden nicht ausgemergelt ist. Das reichliche Düngen ist dann eher kontraproduktiv, denn wer viel Düngt, muss auch viel Gießen! Bei Stiefmütterchen kommt noch hinzu, dass diese dann beizeiten zu schießen beginnen, also nur in die Höhe wachsen und dann auseinander fallen. Eine einzige moderate Düngung mit einem flüssigen Blumendünger ist aber angebracht und zwar etwa drei Wochen nach der Pflanzung. Später nicht mehr. [2]

Welche Blumen jetzt aufs Grab? (Tipps auch für Schatten)

Wie ich bereits angedeutet habe, ist die Qual der Wahl gar nicht so groß, denn die Auswahl ist für denjenigen, der zweckmäßig denkt, relativ klar vorgegeben:

Stiefmütterchen und Hornveilchen

Bei den Stiefmütterchen hat man die Wahl zwischen den großblumigen Gartenstiefmütterchen (Viola-Wittrockiana-Hybriden) und den kleinblütigeren Hornveilchen (Viola cornuta). Die Gartenstiefmütterchen kann man auch gut mit anderen Frühlingsblumen mischen, etwa mit Vergissmeinnicht, oder mit vorgezogenen getopfte Tulpen oder Narzissen. Die Hornveilchen pflanze ich lieber nur allein, weil sie sich mehr bodendeckerartig ausbreiten. Stiefmütterchen gedeihen fast immer – notfalls auch im Schatten. Stiefmütterchen gibt es als getopfte Ware, seltener aus dem Freiland ohne Ballen. Der Vorzug der Freilandware ist, dass sie kälteunempfindlicher ist. Bei der weiteren Pflege werden die getopften Pflanzen etwas anders behandelt – man düngt sie etwas mehr. Freilandstiefmütterchen können wir auch im Garten selber ziehen, im Spätsommer pflanzen und bis zum Frühling draußen überwintern lassen.

111 grab dauerpflanzung

Hornveilchen brauchen nicht ganz so viel Pflege wie Stiefmütterchen. Sie kommen mit weniger Wasser aus und wollen auch keinen besonderen Boden. (zum Bild) oben: Gartenazaleen können mit ihrer Blüte düstere Ecken eines Friedhofes aufhellen. 

Vergissmeinnicht und Tausendschönchen

Ich nenne hier beide Frühlingsblumen, weil diese eigentlich wie ein Liebespaar unzertrennlich zusammen gehören. Das Tausendschönchen (Bellis perennis) ist das allbekannte Gänseblümchen in hochgezüchteter Form, wie hier im Foto auch noch gut zu erkennen ist.

Vergissmeinnicht und BellisVergissmeinnicht und Tausendschönchen

Tausendschönchen mit Vergissmeinnicht zusammengepflanzt ist immer eine prima Kombination. Bekannter sind vielleicht die gefüllten Sorten, doch mir gefallen die einfachen mehr. Es gibt übrigens auch langstielige Sorten, speziell für Frühlingssträußchen. Wir können die Bellis auch mit vorgetriebenen Traubenhyazinthen (Muscari) oder mit den edlen Garten-Hyazinthen (Hyacinthus orientalis).

Das Vergissmeinnicht (Myosotis alpestris): Besonders die blauen Sorten sind wunderschöne Frühlingsblumen auch für Schatten! Dort leuchten ihre Blüten im schönsten Himmelblau und geben ihrer von diesem Flair ihrer Unmgebung reichlich ab. Die Gartenvergissmeinnicht eignen sich auch als Beipflanzung zu Stiefmütterchen oder Hornveilchen. Sie verblühen zwar schneller, aber wenn man nur einige Exemplar pflanzt, den fallen die abgeblühten Blumen nicht weiter auf. Man sollte die verblühten Vergissmeinnicht ruhig an Stellen, wo sie nicht stören, aussamen lassen. Die aufgehenden, kleinen Pflänzchen werden dann im kommenden Jahr blühen.

VergissmeinnichtVergissmeinnicht (Myosotis alpestris). Man wähle die himmelblauen Sorten!

Man könnte zwischen die Vergissmeinnicht auch mittel- und spät-blühende Tulpen setzten, um weitere kräftige Farben in die Pflanzung zu bringen: Die mittelfrüh blühenden Tulpen, wenn sie gleichzeitig mit den Vergissmeinnicht blühen, und die die spät blühenden Tulpen, wenn sie die Myostis-Blüte ablösen sollen. Die Zwiebeln dafür müsste man allerdings im Jahr zuvor in Töpfen vorkultivieren, wenn man sie im März als Wechselpflanzung aufs Grab bringen möchte. Für diese Zwecke werden von den gewählten Sorten im Spätsommer Zwiebeln gekauft und im Oktober im Töpfe gesteckt, weche dann auf einem Beet bis zur Frühjahrspflanzung randtief eingegraben werden.

Ranunkeln

Ranunkelblüten sind natürlich wunderschön. Sie eignen sich wie hier bestens zur Bepflanzung von Gräbern (und als Balkonbepflanzung).

Ranunkel Blüten als Frühjahrsbepflanzung für Gräber

Diese bei uns einjährigen Gartenblumen blühen allerdings nur kurz, und so empfehle ich doch für den Anfänger die robusteren und viel länger blühenden Stiefmütterchen.

Im Mai noch Stiefmüttechen pflanzen?

Eine Problemfrage, welche sich oft stellt ist die, ob wir Ende April oder Anfang Mai noch die typische Frühjahrsbepflanzung auf das Grab bringen sollten, oder bereits die Sommerblumen. Wer nicht den sicheren Pflanztermin (15. Mai) der frostempfidlichen Sommerblumen abwarten will, der mache folgendes. Mitunter sind die oben erwähnten Ranunkeln eine Alternative, wenn sie in den Gartenmärkten gerade im Angebot sind. Meist gibt es aber um diese Zeit keine Ranunkeln, Stiefmütterchen und andere Frühlingsblumen mehr, aber die Sommerblumen stehen bereits in den Verkaufsflächen. Ob man nun Stiefmütterchen pflanzen würde, die eh nach 4 Wochen wieder welk sind, so können wir es ja wagen, bereits die Sommerpflanzung auszuführen. Gibt es Spätfrost, dann haben wir halt Pech, aber die spät gepflanzten Frühlingsblumen wären genauso ein Verlustgeschäft. Bleibt der Maifrost aus, dann haben unsere Blümchen Glück gehabt und sind dann duch die zeitige Pflanzung aber auch wieder im Vorteil, weil sie (wie eingangs beschrieben) bis zur nächsten Hitzeperiode reichlich Wurzeln treiben können und robuster durch den Sommer kommen, als bei später Pflanzung.

Noch mal das Thema Schatten – Die Frühlingsmargerite

Die gelb blühende Frühlingsmargerite (Doronicum caucasicum), auch Gemswurz genannt, ist eine Staude und mein Geheimtipp für schattige Grabanlagen. Doronicum orientale ist zwar eine Staude, doch man kann diese auch während der Blütezeit gut verpflanzen. Sie nimmt das nicht übel. Sie blüht zwar erst erst gegen Ende April, doch es ist eine sichere Blühstaude, welche auch auf schattigen Plätzen fortkommt und für manche Grabgestaltung im Schatten die einzige Alternative zu Beetblumen.

Doronicum caucasicumFrühlingsmargerite (Doronicum caucasicum). Sie ist eine mehrjährige Staude.

Doronicum lässt sich als dauerhafte Staude auch mitten im Efeu kultivieren. So habe ich schon einige Gräber bepflanzt. Wenn Doronicum unmittelbar neben dem Gartenkrokus (Crocus vernus) steht, dann öffnen sich die gelben Blüten genau dann, wenn die Krokusblüte vorbei ist. Außerdem kaschieren die hellgrünen Blätter des Gemswurz anschließend die absterbenden Laubbüschel der Gartenkrokus. Also: Gemswurz immer zu den Krokus pflanzen.

Grabgestaltung und Pflegeleichte Dauerpflanzung im Frühling

Mit der soeben beschrieben Frühlingsmargerite ist bereits das Thema einer möglichen Dauerbepflanzug der Grabanlage angeschnitten worden und mit der Kombination von Frühlingsmargerite und Krokus ein schönes Bepflanzungsbeispiel gegeben, was optisch auch immer gut wirkt.

Efeu und KrokusKrokus mitten im Efeu

Prinzipiell ist aber folgendes zu beachten: Eine Gräberbepflanzung mit Blumen, Zwiebelpflanzen (Tulpen usw.) oder blühenden Stauden ist nur dann von besonderem Wert, wenn dieser Blumenbesatz sparsam erfolgt, dafür aber üppig blüht. Besser sind wenige, einfache und üppige Blumentümpel mit robusten Blühpflanzen, als verkümmerte Exoten oder ein Zuviel des Guten. Auf allen gängigen Gartenaussetllungne finden wir entspechend schöne Beispiele und immer finden wir dort das Prinzip, dass der überwiegende Teil der Grabstätte mit einem grünen Pfanzenteppich eingehüllt ist, welcher den Rahmen für die Blumenpflanzung gibt (siehe Bild ganz unten). Dabei können wir natürlich Bodendecker wählen, welche selber im Frühjahr blühen. Die Golderdbeere (siehe nächstes Bild) ist beispielsweise solche ein empfehlenswertes Gewächs, welches wenig an Pflege bedarf und meistens zu Ostern blüht (gelber Flor). Als mehrjährige Frühlingsblumen sind die bereits erwähnten Zwiebelpflanzen ein guter Tipp, wobei kräftig rote und rosa Farbtöne beim benannten Besipiel bestens zum Gelb der Golderdbeere passen würde. Die Zwergherzblume (Dicentra eximia) ist absolut empfehlenswert, da sie zeitig blüht und dann nicht aufhören will. Aber auch die Bauerngartenblume, das Tränendes Herz (Dicentra spectabilis) ist eine wunderschöne Grabblume. Sie blüht zwar nicht so lange, wie die Zwergform, doch dafür üppiger und schöner.

ruhige GrabgestaltungGolderdbeere (Waldsteinia ternata) blüht (vor dem grauen Grabstein)

Wir sollten uns auch von dem Gedanken lösen, dass auf dem Grabe immer etwas blühen muss. Die Ruhestätte eines Mesnchen sollte doch eher ein stiller Ort sein, und dazu gehört genau genommen auch die optische Stille. Es genügt, wenn das Grab mit immergrünen Pflanzen flach bedeckt ist (Sedum, Efeu, ec.) und Blumen an bestimmten Gedenktagen aufblühen oder gesetzt werden. Die älteset Tradition ist übrigens gar nicht die gepflazte Blume, sondern der nierdergelgte Blumenstrauß, also die geschnittene Blume, welche verwelkend nicht die äußerliche Schönheit verkörpern sollte. Die welkende Blume war ein Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens, innere Schönheit und damit eine Opfergabe an die Ahnen und später auch ein Zeichen des Opfers Jesu.

Mustergräber

Gartenausstellungen sind eine gute Möglichkeit, um Anregungen für die Grabgestaltung zu bekommen. Auf jeder Bundesgartenschau und Landesgartenschau ist auch die Grab- und Grabmalgestaltung ein Thema. Solche Ausstellungen sind natürlich Leistungsschauen, und es werden nicht selten Beispiele gezeigt, die in der Praxis wohl eher die Ausnahmen sind. Hier im Bild ist ein schönes Beispiel, wie man ein Grab einfach, schön und relativ pflegeleicht gestalten kann. Der Grabstein ist schlicht und in guter handwerklicher Ausführung gearbeitet. Weiterhin ist das Grab mit robusten, immergrünen Bodendeckern bepflanzt. In diese Fläche könnten allerdings auch frühblühende Zwiebelpflanzen gesetzt werden, dann würde der Gesamteindruck der Ruhestätte etwas aufgelockerter erscheinen.

Mustergrab mit Frühlingsbepflanzung

In der Mitte hat man einen länglichen Blumentuff mit Wechselpflanzung eingerichtet. Die ausgewogene Gestaltung bringt optische Ruhe ins Bild. Soll das Bild lebendiger wirken, so ist es eine gute Idee, einige Stauden (oder wie erwähnt, Zwiebelpflanzen) mit lockerem Wuchs einzustreuen, so dass der Bewuchs etwas natürlicher wirkt. Trotzdem muss immer wieder gesagt werden: ein Grab ist nichts Natürliches. Es ist ein Kulturwerk des Menschen. Die Idee vom "natürlichen Grab" ist eine Illusion, wie etwa die Gedankenkonstruktion von menschlichen Ruhestätten im Wald. Sobald ein naher Angehöriger "sein Grab" öfters besuchen und Blumen niederlegen will, wird der Begräbnisort kein idyllischer Naturplatz mehr sein. Und so ist es viel ehrlicher, Friedhof und Grab als das zu kennzeichnen was es ist – Menschenwerk.


[1] Hornveilchen auf dem Grab von Frére Roger Schutz. Im Bild ist das Grab von Bruder Roger Schütz (geb. 12. Mai 1915, gest. 16. August 2005) zu sehen. Frére Roger gründete 1949 die erste ökumenische Ordensgemeinschaft (Taize, Frankreich) der Kirchengeschichte. Er starb duch Mord.

[2] Erst bei der Sommerpflazung gilt der Grundsatz, dass gutes Düngen besser ist, als zu vieles Gießen


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