Wasserfall
Die Steinformation stemmt sich gegen das Wasser.

Wer einen Naturgarten anlegen möchte, der sucht sicher auch nach interessanten Motiven. Die Suche wird er sicher in der Natur beginnen. Woher sonst? So steht am Anfang sicher auch die Frage, welche malerischen Bilder für sein eigenes Projekt übernehmen kann und was solch ein Bildthema überhaupt ansprechend? Beispiele für die Gartengestaltung aus der Natur zu entnehmen ist oft schwierig, weil man dann nicht selten versucht ist, Landschaften im Kleinen nachzubilden. Der Garten ist aber keine Miniaturlandschaft. Genau genommen ist er ein Menschenbauwerk. Will man das völlig negieren, wird man vermutlich einen gestalterischen Schiffbruch erleiden.

Schon die alten Gartengestalter forderten Authentizität umzusetzen, aber auch “die Natur zu steigern”. So wird dies gemacht:

Kontraste wirken lassen

An vielerlei Beispielen habe ich aufgezeigt, dass beeindruckende Naturmotive und -ansichten von Kontrastwirkungen leben, etwa wenn wir harte Felsen sehen, die von weichem Moos oder Gras eingesponnen sind. Diese Gestaltungskontraste kann man durchaus auf die Spitze treiben und erhält dabei sehr romantische Anlagen. Ein Beispiel dafür sind die japanische Teegärten, welche auf der einen Seite ein Flair von Düsternis aufweisen, denen auf der anderen Seite liebliche und heitere Szenen entgegengestellt sind. Auch hier im Bild ist uns eine Vorlage gegeben, in der durch heftige Kontrapunkte Düsternis, doch auch Schutz und Stille suggeriert wird. Das Motiv des ruhigen Wasserlaufes kann im Garten auch der Weg übernehmen. Im nächsten Bild ist die Schlucht als malerischer Gartenteil aufgegriffen.

Unsplash Schlucht

Bei der Nachbildung von Naturmotiven geht man in den fernöstlichen Gärten aber auch den Weg, dass man diesen Bildern bewusst das Werk des Menschen zur Seite stellt. Das kann eine einzige Steinlaterne oder ein Schrein sein, der in scheinbar unberührter Landschaft steht und auf die Anwesenheit des Menschen weist. In unserer Kultur ist das mit dem Wege- oder Feldkreuz vergleichbar und es darf durchaus auch in den Garten übernommen werden.
Interessanterweise wirken in den chinesischen Gärten Landschaftsnachbildungen um so echter und romantischer, je überhöhter sie gestaltet und zu Architekturen gesetzt sind. Man hat dort auf die beschriebene Weise Motive thematisiert, wie Fels und Schluchten, fließendes und ruhendes Wasser, Bambushaine, Einsiedlerhütten in Urlandschaften usw.

Chinesischer Felsgarten

Solche und ähnliche Themen kann man in der Landschaft finden und auf die oben geschilderte Art auf den Naturgarten übertragen. Der zweite Leitfaden ist aber der:

Natur-Echt gestalten

Wenn es um Naturgärten geht, blättere ich gern in der Literatur eines Gartengestalters, der sich eingehend mit dieser Thematik beschäftigt hat. Willy Lange, der 1864-1941 Garteninspektor in Berlin Dahlem und ein Verfechter von naturnahen Gärten war, achtete peinlich genau auf Details, das etwa bei der Pflanzung von Bäumen in einer größeren Anlage die verschiedenen Baumgenerationen sichtbar werden. Ebenso bekommt in flacher Umgebung ein Teich nur eine einfache, runde Form und Pflanzen besitzen je nach Standort eine ihnen eigene Physiognomie und entsprechend sind sie zu verwenden.

Idealisierte Kieferngesellschaft in einem Parkgarten

Ein weiterer Punkt idealisierter Natürlichkeit ist etwa das Fehlen einer so genannten Randpflanzung zwischen Weg und Baumpflanzung, denn die "Unterpflanzung" größerer Gehölzgruppen geht in die Pflanzung hinein und durchdringt sie.