Kürbisart
Typischer Cucurbita maxima

Für Kleingärtner und Selbstversorger gibt es vier wichtige Kürbisarten (Speisekürbisse), für welche sich hier bei uns der Anbau lohnt und die man auch selber weiter vermehren, wie auch selber weiter züchten kann. Letzteres dürfte nicht schwer sein, haben doch zahlreiche Generationen von indianische Ureinwohnern bis zur Ankunft der Europäer, mit einfachsten Mitteln weit über achttausend Jahre lang die Speisekürbisse aus den Wildformen gezüchtet. Was diese konnten, das können wir auch und dieser Weiterkultur sollten wir nicht nur den Saatgutkonzernen überlassen.

Allerdings sollten wir gerade in Sachen interessanter Kürbissorten nie eingleisig fahren. Ich mache es jedenfalls so, dass ich auf der einen Seite autonom bleibe und zu jeder wichtigen Sortengruppe den Samen selber vermehre und auf der anderen Seite aber auch jedes Jahr den einen oder anderen recht ausgefallen schönen Kalebassen- oder Kürbissamen zukaufe.

Die nutzbaren Arten dieser Früchte haben ihre Heimat in tropischen Klimazonen. Wie man den Kürbisanbau in unserem Klima effektiv durchführen kann ist separat thematisiert. Hier sollen vorzugsweise die wichtigsten Formen in ihren botanischen Eigenschaften und Gebrauchseigenschaften für die Küche genannt sein.

Botanik

Die botanische Klassifizierung ist beim Kürbis außerordentlich differenziert. Hat man bei anderen Pflanzen eine klare Struktur, wie Sorte – Art – Familie – Ordnung – Klasse, so gibt es beim Kürbis zahlreiche Abstufungen innerhalb dieser botanischen Klassen. Als Fallbeispiel soll und hier der Butternut-Kürbis (ein Moschus-Kürbis) mit der Sorte 'Butter Boy F1' dienen:

'Butter Boy F1' (Sorte) – Butternut Sortengruppe – Cucurbita moschata (Pflanzenart) – Cucurbita (Subtribus [Unter-Unter-Unter-Familie]) – Cucurbiteae (Tribus [Unter-Unter-Familie]) – Cucurbitoideae (Gattung [Unter-Familie]) – Cucurbitaceae, Kürbisgewächse (Pflanzenfamilie) – Anisophylleaceae (Unterordnung) – Cucurbitales, Kürbisartige (Ordnung) – Magnoliopsida [Bedecktsamer] (Klasse).

Die wichtigsten Kürbisse (botanische Arten)

Ich empfehle vier bewährte Arten für den Garten, die unter unseren klimatischen Bedingungen gute Erträge bringen und in der Küche beliebt sind. Diese einzelnen Arten teilen sich selber mitunter wieder Unterarten oder Sortengruppen auf:

Speisekürbisse – nach Eigenschaften und Verwendung

Speisekürbisse. Das sind die Arten und Sorten, welche genießbar sind und in der Küche Verwendung finden. Diese Speisesorten sind als solche bekannt und ausgewiesen. Daneben gibt es aber auch giftige Varianten, welche sogenannte Cucurbitacine enthalten. das sind etwa 40 verschiedene Bitterstoffe, welche zum Beispiel in wilden Kürbissen, aber auch in entsprechenden Gurken vorhanden sein können. Cucurbitacin in hohen Dosen ist giftig und kann unter seltenen Umständen auch zum Tode führen. Wir können natürlich unbedenklich all unsere Kulturformen an Kürbissen verspeisen, weil man die Bitterstoffe roh, wie gekocht schmeckt und dann ganz sicher verschmähen würde. Ein oder zwei bitter schmeckende Bissen würden vermutlich außer Übelkeit auch keine Schäden verursachen. Beim Zucchini oder Flaschenkürbis kann so etwas tatsächlich hin und wieder passieren, weil selbst Hochzuchtsorten in diese Wildformeigenschaften zurück-mutieren können. Die klassischen Zierkürbisse gelten alle als Ungenießbar.

Riesenkürbisse. Diese mehr als Dekoration beliebten, und bei Wettbewerben im Mittelpunkt stehen Formen, sind alles spezielle Sorten von Cucurbita maxima. Sie sind alle essbar. Theoretisch sind diese auch für die Selbstversorger die effizientesten Früchte, denn eine einzige große Frucht bringt mehr Ertrag als viele kleine. Der Nachteil ist allerdings, dass der Riesenkürbis, wenn einmal angeschnitten ist, rasch verarbeitet werden muss. Die lange Lagerung ist dann auch im Kühlschrank nicht mehr möglich. Früher hatte man aus ihnen Massen an Kürbiskompott eingekockt, doch das tut wohl keiner mehr. Die Sorten sind alle hervorragende Suppenkürbisse und man nimmt sie auch für das backen von speziellem Brot und Kuchen.

Curcurbita maxima

Suppenkürbisse. Im Prinzip können wir vom Zucchini bis zum Flaschenkürbis alle Arten für Suppen verwenden, wobei jede Variante ein etwas anderes Aroma bereit hält. Die besten Früchte für die Suppenverarbeitung finden wir aber unter den Sorten der Art Cucurbita maxima. Die Riesenform ist oben erwähnt, doch die Art hält auch sehr zahlreiche keinfrüchtige Sorten bereit, welche um die ein, zwei oder drei Kilo Gewicht die ideale Größe für die Küche haben. Von diesen können wir auch unbedenklich die Schale mit verarbeiten, was die Zubereitung vereinfacht. Am bekanntesten sind sicher die Hokkido-Kürbisse, welche aber nur ein Teil von der Sortengruppe der japanischen Kürbisse darstellen. Unter diesen gibt es auch viel interessantere alte Sorten mit samenfestem Samen.

Spaghettikürbisse. Sie gehören der Pflanzenart Cucurbita pepo an und haben die Eigenschaft, dass nach deren Backen im Ofen oder kochen das Fleisch fasrig, wie Spaghetti wird. Die Spaghetti-Sorten gehören in der Regel zur sogenannten Vegetable marrow Gruppe, quasi eine Unterart oder Sortengruppe mit ei-förmigen Früchten und um die 2 Kilogramm schwer. Doch auch weitere Unterarten, wie Gorgonzola-Kürbisse (auch Eichelkürbisse), die eher rund ausfallen und geringere Größen aufweisen, fallen mittlerweile in diese Eigenschaften-Gruppe.

Lagerkürbisse. Fast alle Speiseformen halten sich mit der Ernte um den 1. Oktober, wenn sie gut gereift sind, mindestens bis Anfang Januar. Spaghetti-, Butternuss- und japanische Kürbisse, Hokkaido, Keulenzucchini, wie auch Patisson, schaffen es bis Februar. Die genannten Fruchtgemüse gehören allem der Art Cucurbita pepo, C. moschata und C. maxima an. Einzelne Sorten dieser Arten sind noch länger lagerfähig und bis zu sechs Monate haltbar (zum Beispiel Cucurbita pepo var. turbinata 'Acorn Squashs'). Mit diesen Eigenschaften kann man sie tatsächlich auch als Lagergemüse bezeichnen. Diese Sorten sind allesamt ideal für die Selbstversorgung, da sie auch bei Zimmertemperaturen in der Vorratskammer liegen können. Nach meiner Erfahrung muss man diese Thematik aber auch nicht übertreiben, denn im Selbstversorgerhaushalt gibt es spätestens ab dem Hochsommer reichlich Kürbisgerichte. Bei reicher Ernte hat man im Herbst zusätzlich noch die entsprechenden Suppen auf den Tisch, sodass dann irgendwann im Januar der Bedarf an Kürbismenüs gedeckt ist.

Japanische Kürbisse. Diese sind nicht einer speziellen Art zuzuordnen, sondern sind Sorten, die aus Japan stammen. Meist sind es Sorten der Arten Cucurbita maxima oder C. moschata. In der Regel haben diese Auslesen eine rundliche Form und sind weniger auf Größe gezüchtet. Es sind also gut portionierte Größen für die Küche mit einem Gewicht um die 800 g bis 1000 g.

Ölkürbis zur Gewinnung von Kürbiskernen. Es gibt eine Varietät innerhalb der Art Cucurbita pepo, welche schalenlosen Kerne ausbildet, welche zur Ölegwinnung dienen oder getrocknet verzehrt werden können. Diese Varietät ist der Steirischer Ölkürbis, botansich Cucurbita pepo var. styriaca. Der Anbau ist unkompliziert und für den Eigenbedarf braucht man eigentlich nur die getrockneten ungerösteten Kerne im Supermarkt kaufen, welche die natürliche Samen sind und entsprechend der Anbauanleitung verfahren.

Sorten für Pommes und zum Fritteren. Für diese Zwecke nehmen wir die Moschuskürbisse, also 'Butternut', 'Muscade de Provence' und ähnliche Formen.

Halloween Kürbis (Pumkins) und Früchte zum schnitzen. In der Regel sind dies spezielle Sorten der Art Cucurbita maxima, doch haben wir mit einigen Sorten und F1 Hybriden auch gekreuzte Arten z.B. mit C. pepo. Letztlich ist das für den Zweck aber egal. Auf jeden Fall können wie die Früchte auch in der Küche verwenden.

Zucchini. Die bekannten Gemüse sind nichts anderes, als eine Variante von nicht rankenden, länglichen Kürbissen der Art Cucurbita pepo, welche unausgereift geerntet und zubereitet werden. Ein alter deutsche Name für diese Form ist "Gemüsekürbis", der heute aber die Art C. pepo bezeichnet.

Patisson, Ufo-Früchte. Diese sind dem Zucchini botanisch sehr ähnlich und ebenfalls eine Sortengruppe innerhalb der Art Cucurbita pepo. Nur enthält ihr Fruchtfleisch etwas weniger Wasser, als das der Zucchini. Damit eigenen sie sich besser für Bratgemüse und für den Wok, als die Zucchini.

Eigene Erfahrungen

Oben habe ich bereits angedeutet, dass ich von einigen robuste Formen (Zucchini, Patisson, Spaghetti- und Suppenkürbis) die Samen selber vermehre. Diesen nehme ich und säe ihn im Frühjahr recht zeitig an die Stellen direkt am zukünftigen Standort im Garten aus (oft Rand- und Splitterflächen), wo irgendwie Platz ist. Die zeitige Saat aus dem Grunde, weil ich beobachtet habe, dass diese Arten auch "wild" in meinem Garten aufgehen, wo also durch eingegrabene Komposterde der Samen direkt auf dem Beet überwintert hat. Nach meinen Betrachtungen dieser "Wildkulturen" waren diese ohnehin immer gesünder und durchsetzungsfähiger (auch gegen Schnecken), als die in Töpfen vorgezogenen. Diese robusten Auslesen bekommen also einen weniger optimalen Standort und werden eher extensiv angebaut. In diesem Falle stecke ich an einen Platz aber auch gleich ein halbes Dutzend Samen, von dem ich dann eine einzige Pflanze stehen lasse. Deshalb auch der Tipp den Samen dafür selber zu gewinnen, da diese Anbaumethode sonst recht teuer wird. Sämereien sind nämlich wirklich nicht billig.

Von den Muskat-Kürbissen kaufe ich mir den Samen (in der Regel online). Meist irgend ein Keulenzucchini, welches dann aber auch dekorativ ranken muss, wo also die länglichen Früchte wunderbar zur Geltung kommen. Für gleiche Zwecke ordere ich auch von den Kalebassen die Sorte 'Schlangenkürbis' (auch 'Schlangenkuerbis'), der fast zwei Meter lange, dünne Keulen-Kürbisse wachsen lässt.

Mitunter habe ich auch den weißen Flaschenkürbis in traditioneller Flaschenform in Kultur. Die weiße Sorte 'Bianca' eignet sich besonders gut für Bastelarbeiten.

Allerdings brauchen die Kulturen vom zugekauften Samen eigentlich fast immer eine Sonderbehandlung. Die Samen – wenn sie denn aufgehen – werden in 12er Blumentöpfen vorgezogen und müssen besonders gut vor Schneckenfraß geschützt werden. Das trifft auch auf die folgenden Sorten zu:

Zierende Speisekürbisse

Zugekauft wird von mir hin und wieder auch wieder zierende Speisekürbisse. Das sind für mich besonders die exotischen Patisson-Sorten, welche in außergewöhnlicher Farbe und Form immer etwas hermachen und sich besonders gut zum Verschenken eignen. Da sind goldgelbe Früchte besonders attraktiv, sowie die Auslesen, die Seesternen gleichen. Zu den Sondersorten von C. pepo gehören auch die sogenannten Bischofsmützen, bzw. Turban-Kürbisse, für die sich manche Gartenfreunde begeistern.

Essbare Zierkürbisse sind für mich aber auch die Pumkins, also Heloween-Sorten. Diese lassen sich kaum samenecht vermehren. Für sie braucht es F1-Hybriden. Zu guter Letzt ist natürlich noch der Riesenkürbis zu nennen. Ein solche macht auf jeden Fall als Dekoration etwas her und wer etwas geschäftstüchtig ist, bietet ihn für gutes Geld im Spätsommer auf ebay eben als Dekoration an. In der Regel kauft und kultiviert man dafür die Sorte 'Atlantic Gigant' oder 'Atlantic Gigant JD'.

Kürbisse als Hühnerfutter?

Recht wenig wird im Internet über die Möglichkeit geschrieben, Kürbisse als Hühnerfutter zu verwenden. Da ich selber Hühner und auch immer reichlich Kürbisfrüchte habe, ist es bei mir gang und gäbe, dass ich den Überschuss im Winter nach und nach an das Federvieh verfüttere. Hier machen sich besonders die C. pepo gut, weil sie relativ kleine Kerne aufweisen. Zu ihnen gehören die oben erwähnten Spaghetti-Sorten, Zucchini und Patisson. Ausgereift sind sie sehr hartschalig und können von den Tieren nicht aufgepickt werden. Man lässt sie deshalb einen Tag bei Frost draußen liegen und wenn sie dann bei milderer Witterung wieder auftauen, sind sie weich und von den Hühnern verzehrbar. Natürlich ist dieses Gemüse kein Hauptfutter, sondern dient mehr der Beschäftigung. Trotzdem macht es den Speiseplan der Tiere reichlicher.

Allerdings könnte der Steirische Ölkürbis (Cucurbita pepo var. styriaca), der bekanntermaßen früher auch viel als Viehfutter Verwendung fand, durchaus ein sehr nahrhaftes Hühnerfutter sein. Heute werden die Reste der Ölpressung (Kürbisöl-Kuchen) in der Tierfutterindustrie weiter verarbeitet oder der ausgepresste Kuchen direkt als Hühnerfutter verwendet. Von Selbstversorgern kaum gehört, könnte aber auch der Kürbis ohne weitere Verarbeitung direkt ans Federvieh weiter gegeben werden – vorausgesetzt man frisst die Kerne den Hühnern nicht selber weg. Diese letzte, hier vorgestellte österreichische Sortenauslese besitzt Kerne ohne Schale, welche ohne weitere Behandlung gegessen werden können.