Kohlrabianbau
Auf jeden Fall Kohlrabi anbauen!

Im Grunde ist der Anbau von Kohlrabi (Oberrübe) für Anfänger recht einfach, wenn man im Frühjahr Jungpflanzen beim Gärtner kauft und dann pflanzt. Wer die Pflanzen aber selber ziehen möchte, der kann schon ein paar Fehler machen, die ärgerlich sind (z.B. wenn das Gemüse schießt, d.h. er keine Knolle bildet oder er aufplatzt und verholzt). Man vermeidet einige Unannehmlichkeiten, wenn man zwischen Früh- und Spätsorten unterscheidet.

Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass Kohlrabi, wie es der Name schon sagt, zu den Kohlarten (Brassica) gehört. Bei diesen sehr variantenreichen Gemüsearten ist aber darauf zu achten, dass ein Nacheinander-Anbau derselben auf einem Beet unbedingt vermieden wird. Eine Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren ist erforderlich. Einzig bei der hier beschriebenen Oberrübe und beim Grünkohl kann diese empfohlene Pause, in der sich der Boden erholen kann, auf ein Jahr reduziert werden.
Es sei hier auch auf die sogenannten Riesen-Kohlrabi hingewiesen, deren Anbau von mir separat beschrieben ist. Diese stark zehrende Gemüseart braucht natürlich auch mehrere Jahre Pause bei der Kultur auf einem Beet.
Auf jeden Fall sollten diese Ruheperioden für den Boden eingehalten werden, denn sonst braucht es uns nicht zu wundern, wenn die Gemüse kümmern oder kränkeln.

Allgemeines – gesundes Gartengemüse, vor allem die Blätter!

Die botanische Bezeichnung unseres Gemüses ist Brassica oleracea var. gongylodes L. und es hat regional auch andere deutsche Namen, wie Rübkohl, Oberkohlrabi, Oberrübe oder Stängelrübe und ist mit den Speise- und Steckrüben und mit dem Markstammkohl enger verwandt.
Weniger bekannt ist, dass die Blätter des Kohlrabi ein sehr gesundes Gartengemüse sind. Die Blätter haben zum Beispiel einen Nährwert von 47 cal/100 g, sie sind eiweißreich, haben reichlich Provitamin A und sehr viel Vitamin C. Früher wurden die Blätter der Frühsorten viel in der Küche verwendet. Außerdem ist dieses ertragreiche Gemüse mit seinen verwertbaren Sprossknollen und vor allem mit den besagten jungen Blättern neben Tomaten, Gurken und Frührettichen, das basenreichste Gemüse im Garten überhaupt.
Also lohnt der Anbau aus vielerlei Gründen.

Kohlrabipflanze in Mischkultur

Als Lückenfüller pflanzen

Kohlrabi kann allein auf Beeten angebaut werden. Doch rentabler ist im Selbstversorgergarten der Anbau als Misch- und Zwischenkultur. Das Gemüse ist überall dort ein rentabler Lückenfüller überall, wo eine andere Kulturpflanze nicht gewachsen, also ausgefallen ist.
Die Besonderheit der Kohlrabikultur ist aber vor allem die, dass die Ansprüche an den Boden gering sind und dass die ertragreichen Gemüse relativ schnell wachsen. Die Entwicklung bei frühen Sorten dauert von der Pflanzung an 45 bis 50 Tage. Die späten Sorten benötigt 70 bis 80 Tage.

Frühjahr- und Herbstanbau

Man konzentriere sich im Kleingarten besonders auf den Frühjahrs- und Herbstanbau. Die Sorten, welche im Hochsommer reifen platzen schnell auf und bedürfen deshalb der besonderen Pflege (sehr regelmäßig Wässern). Und weil es im Sommer andere Kulturen reichlich zu ernten sind, sollte der Anbau im Frühjahr und Nachsommer für den Selbstversorgungsbedarf genügen, zumal sich die Spätsorten relativ einfach in einer flachen, abgedeckten Erdgrube überwintern lassen und den Winterbedarf abdecken. Dafür gräbt man eine spatentiefe flache Grube auf ein Beet und schlägt (pflanzt) die mit Wurzeln herausgezogenen Herbstkohlrabi ohne Blätter am Boden der Grube ein. Bei stärkerem Frost wird die Senke mit Brettern abgedeckt und bei Starkfrost zusätzlich mit Laub geschützt.
Mit dem Kohlrabi kann auf gleiche Weise auch Knollensellerie und Winterrettich überwintert werden. Baut man im Herbst ausgesprochene Frühsorten (welche eine kurze Kulturzeit haben) an, was durchaus möglich ist, sollten diese frisch verwendet werden. Im Lager sind sie nur bis Weihnachten zu halten. Die Herbstsorten sind in der Regel auch explizit sogenannte Lagersorten.
Wer seinen Selbstversorgergarten effektiv bestellen möchte, sollte sich zudem von dem Gedanken lösen, alle Gemüsearten stets vorrätig haben zu müssen. Es ist zwar möglich, sich die gesamte Anbauperiode beispielsweise mit Kohlrabi zu versorgen, doch ich sehe es als zweckmäßiger an, sich auf diejenige Anbauzeit zu konzentrieren, die wenig Arbeit macht und keiner besonderen Schädlingsbekämpfung bedarf. In der vorgeschlagenen frühen und späten Anbauphase sind die hier vorgestellten Oberrüben nämlich am wenigsten von Schädlingen bedroht und bedürfen auch sonst keiner übermäßigen Pflege, welche bei dieser Art die ausgeglichene Wasserversorgung ist.
Der Nachteil beim Anbau mit Ernte im Sommer ist, dass die Kohlrabiknollen durch teilweise Schwankungen zwischen Trockenheit und Nässe zum Platzen neigen. Zudem macht häufig die Weiße Mehlfliege im Sommer den Pflanzen zu schaffen und erfordert ein mühevolles gründliches Säubern nach der Ernte.

Frühkultur unter Glas?

Der Anbau bereits im Februar als Frühgemüse (Ernte Anfang Mai) ist natürlich auch möglich. Wer ein frostfreies Gewächshaus oder Frühbeet hat, kann das tun. Ich persönlich nutze diese Einrichtungen lieber für ergiebigere Gemüse wie Winterportulak und Wintersalat bzw. für die Überwinterung von Salat und Kohlpflänzchen. Außerdem kann unter Umständen der Anbau von Gurken nicht rechtzeitig erfolgen.

Anbauanleitung (wie ich es mache) Aussaat-Zeitpunkt – Saattiefe 2cm

Frühjahrsanbau

  • 1. Charche: Da ich keine Möglichkeit zur sehr zeitigen Jungpflanzenanzucht habe, kaufe ich diese Ende Februar in der Gärtnerei. Ich setze sie abwechselnd mit Rotkohl auf ein gut gekalktes Beet. Im Mai ist dieser 1. Satz früher Oberrüben erntereif. Danach hat das Rotkraut Platz, sich auszubreiten – dies nennt man übrigens eine Zwischenkultur.
  • 2. Charche: Wenn es die Witterung erlaubt, säe ich Ende Februar eine Reihe 'Azur Star' zur Jungpflanzenanzucht in mein kleines unbeheiztes Frühbeet (2. Satz).
  • 3. Charche: Mitte März säe ich dann direkt ins Freiland den 3. Satz ebenfalls zur Anzucht von Jungpflanzen. Auch dafür verwende ich die Sorte 'Azur Star'. Das ist eine bewährte, sehr frühe, blaue Treib- und Freilandsorte mit feinem Geschmack. Wenn starker Frost droht, ist eine Abdeckung aus Flies oder Folie erforderlich, um die zarten Pflänzchen zu schützen. Auf einem kleinen Tümpel gesät lassen sie sich auch mit einer Kegel-Schutzhaube abdecken.
  • Die Pflanzen aus dem 2. und 3. Satz verwende ich nur, um damit Lücken auf meinen Beetflächen zu füllen. Ich pflanze also nie ein komplettes Beet, sondern verwende die Kohlrabipflanzen als Lückenfüller.

Besonders der 1. und 2. Satz (siehe oben) liefern Gemüse in den Monaten Mai und Juni, in denen es relativ wenig saisonales Produkte gibt. Neben dem Kohlrabi sind das im Selbstversorgergarten nur: Spargel, Kopfsalat, Spargelsalet, Mairübchen, Grün- und Spargelkohl, Radieschen, frühe Rettiche und zeitige Erbsen, Melde und vielleicht noch etwas Spinat.

Herbstanbau und Winterlagerung

Für die Ernte im Herbst bzw. für die Winterlagerung baue ich Riesensorten an, die nach den Frühkartoffeln auf die freigewordene Fläche gepflanzt werden. Auf einer 10 m lange Reihe stehen bei mir etwa 30 Pflanzen, was für einen Vier-Personen-Haushalt ausreichend ist.
Momentan verwende ich dafür die Sorten 'Gigant' oder 'Superschmelz'. Beide verholzen trotz der außergewöhnlichen Größe nicht und sind gut lagerfähig.

Gemüseeinschalg.

Gesät wird Mitte Mai, gepflanzt ab Mitte Juni, und geerntet kann Anfang November werden. Was nicht sofort verbraucht wird, kommt in eine frostfreie Erdgrube, die ich auf einem brachliegenden Beet anlege, und aus der ich im Winter jederzeit das Gemüse entnehmen kann. Bis Ende März hält sich der Kohlrabi auf diese Weise.
Für diese Art der Lagerung werden, wie schon erwähnt, die Knollen mit Wurzeln aus der Erde gezogen, von alten Blättern befreit und dann in einer spatentiefen Grube, quasi eine Etage tiefer, eingepflanzt. Die Grube wird anschließend mit Brettern, etwas Laub, Reisig oder ähnlichem Material abgedeckt. Dieser Einschlag sollte sich zur Entnahme im Winter leicht öffnen und wieder verschließen lassen.