Majoran Origanum majorana getrocknet
Vorzugsweise wird das Würzkraut in Kräutermischungen verwendet

Der echte Majoran ist ein Küchenkraut, welches man bereits in der Antike zum Würzen verwendete. Bei uns weisen frühere Namensgebungen, wie "Bratekräutche", "Bratenkräutel" oder "Wurstkraut" schon in die Richtung der Verwendung. Neben dem Aroma macht Majoran nämlich auch fette Speisen und Hülsenfrüchte bekömmlicher [1]. Eine zweite althergebrachte Verwendung verrät uns der umgangssprachliche Name "Bad-Kraut". Früher kochte man den Majoran für Entspannungsbäder als Sud auf und gab ihn dem Badewasser hinzu.

Für all diese Zwecke wurde früher und auch heute noch, ein ordentlicher Vorrat an getrockneten Blättern und Blüten benötigt, und so baut man das Würz- und Heilkraut traditionell feldmäßig an. Die hier vorgestellte Art ist also nicht nur ein Gartenkraut, sondern auch eine Feldfrucht.

Die botanische Bezeichnung von Majoran lautet Oreganum majorána L.. Eine ältere Bezeichnung (Synonym) lautet Oreganum horténsis MOENCH. Um die hier beschriebene einjährige Kulturpflanze (Bild unten) richtig einordnen zu können, mache ich normalerweise einen Abstecher in die Systematik der Botaniker. Doch einfacher ist es, wenn wir sie der heute besser bekannten Origano-Staude (Origanum vulgare) gegenübergestellten.

echter Majoran

Was derzeit die botanische Zuordnung dieser ganzen Oreganum-Pflanzenarten-Gruppe betrifft, so herrscht hier und da im Internet ein heilloses Durcheinander. Fragen wir uns also einmal:

Majoran und Oregano (Wilder Majoran) – was unterscheidet beide Kräuter voneinander?

Zunächst ist festzuhalten, dass es in der Natur verschiedenen Pflanzenarten gibt, welche sich jeweils bestimmten Gattungen und Pflanzenfamilien zuordnen lassen. Origanum (zu deutsch Dost) ist also eine Pflanzengattung, welche sich in gut 40 verschiedenen Arten aufspaltet. Majoran (O. majorana) und Origano (O. vulgare) sind Arten dieser Gattung.

Nun kann es aber sein, dass botanisch gesehen, verschiedene Pflanzenarten einer Gattung genetisch voneinander relativ weit entfernt liegen. Anders herum besteht wiederum die Möglichkeit, dass die verschiedenen Arten relativ nahe beieinander stehen und sich mitunter sogar vermischen. Prinzipiell ist es so, dass die Oregano-Arten, die man heute regional oder überregional in der Küche verwendet, ohnehin nicht nur zwei, sondern mindestens zehn Arten umfassen – plus weitere Unterarten sowie natürliche und gezüchtete Hybriden. Sie unterscheiden sich aus botanischer Sicht nicht sehr voneinander. Ich liste die wichtigsten Küchen-Varianten unten auf, um zu zeigen dass es "den Majoran" oder "den Oregano" heute so eigentlich gar nicht gibt:

  • O. creticum (syn. O. vulg. ssp.hirtum) = Kretischer Oregano (einjährig in der Kultur)
  • O. dictamnus = Kreta-Majoran (Staude)
  • O. heracleoticum = Griechischer Oreg. (Staude ) das ist der Pizza-Oregano
  • O. majorana = der klassische Majoran (einjährig in der Kultur)
  •      Origanum x majoricum – Sizilianischer Oregano = ein Hybrid, also Arten-Mix (Staude) bildet Blüten, aber keine Samen aus
  • O. onites = Türkischer Orig. (Staude)
  • O. tytthantum = Kirgisischer Oreg. (gut schattenverträglich, Staude)
  • O. species = bezeichnet Sortenzuchtergebnisse aus versch. Arten, z.B. Sorte 'Supreme' (Staude)
  • O. syriacum (syn. Majorana syriaca) = Arabischer Maj., Zatar, vermutlich der biblische Ysop (Staude)
  • O. virens = Spanischer Oreg. (Staude)
  • O. vulgare = der klassische Oregano aus dem Gartenmarkt (Staude)
  •     Origanum vulgare x laevigatum, Sorte ‘Aromatico’ Blumen-Oregano = Arten-Mix (Staude)

Von den hier aufgeführten Arten werden von einem Teil vorzugsweise die Blütenstände, als Blätter gesammelt und von einem anderen Teil Blüten und Blätter oder nur Blätter. Dort, wo die regionale Küche mehr durch Selbstversorgung geprägt ist, holt man mehr die Blattsorten aus dem Garten. Dort, wo man aber gewohnt ist, die Gewürzmischungen zu kaufen – stammen diese vermutlich aus der Landwirtschaft und wurden dem ertragreicheren, mit Blüten verarbeiteten Anbaugut entnommen.

Definitiv ist es so, dass die Zuchtauslesen für den Feldanbau (das ist der Majoran) auch wegen der besonderen ätherischen Öle der Blüten geerntet wird und die Quirl-Blüten dann halt auch ein anderes (meist milderes) Aroma aufweisen, als die Laubblätter. Ähnlich ist das übrigens beim Beifuß.

Blüten-Sorten bringen höhere Erträge, sind aber milder (=Majoran)

Man setzte letztlich mit der Sortenauslese auf diejenigen Variationen, welche am schnellsten die gewünschte Blütenmasse ausreift. Der Vorteil dabei ist, dass die Viel-Blüten-Sorten zudem noch den höheren Ertrag abgeben. In der Regel besitzen diese Auslesen aber wenig Blattmasse. [2] Siehe dazu [3]! Wenn wir heute im Garten – was duchaus zweckmäßig ist – hauptsächlich die Blätter ernten, so ergeben sich daraus natürlich auch andere Aromen, die oft als herb bezeichnet werden. Andererseits besteht zum Beispiel das beliebte Pizza-Gewürz aus der griechischen Art O. heracleoticum und von diesem werden besonders die voll ausgereiften Blüten genommen, weil sie kräftig sind. Was sagt uns das? So unterschiedlich ein Rotwein sein kann, so unterschiedlich sind letztlich auch die Geschmacksvarianten der hier vorgestellten Artengruppen in Blatt und Blüte.

Hinzu kommt noch der Umstand, dass man in Deutschland früher (mindestens bis Anfang des 20. Jahrhunderts) bestrebt war, allgemein geschmacklich milde und süße Obst- und Gemüsesorten zu züchten, welchen alle gröberen Naturaromen ausgetrieben wurden – beispielsweise Blumenkohl. Irgendwann merkte man, dann aber doch, dass Brokkoli aromatischer schmeckt und so schlägt das Pendel derzeit wieder in die andere Richtung. Beispiele dazu gibt es die Menge. Und so ist das auch mit den Würzaromen. Die alte, klassische deutsche Küche ist um vieles milder, als die heutige und Majoran mag ein Vertreter dieser eher sanften Geschmacksrichtung gewesen sein.

Die Geschichte geht aber noch weiter, welche die Unterschiede zwischen Majoran und Oregano beschreibt. O. majorana wurde früher in den Guts- und Bauerngärten und größeren landwirtschaftlichen Gütern in größeren Mengen angebaut, getrocknet und dann für die eingangs genannten Zwecke verwendet. Das getrocknete Kraut konnte wegen seiner Haltbarkeit und Leichtigkeit übrigens auch bestens gehandelt werden. Im Prinzip hat sich daran bis dato nichts geändert. Auch heute gibt es Anbaugebiete, wie in Aschersleben (Thüringen), wo gleichermaßen verfahren wird. Zudem ist neuerdings mit der Zusetzung von Origanum-Kräutern zu Hühnerfutter ein weiterer großer Absatzmarkt hinzugekommen. Will man das Würzkraut aber schnell und preiswert anbauen, so geht das nur per Aussaat bestimmter samenbildender Zuchtauslesen. Mit diesen Kulturformen – und hier verwende ich einmal den alten und besseren lateinischen Namen "Origanum hortensis" (= Gartenform der wilden Origanum-Arten) – verbindet man seit Alters her bei uns den Namen Majoran, der vermutlich die alte arabische Bezeichnung (marjamie) der Würzpflanze ist.

Die Baumärkte brachten den Unterschied ...

Wir halten also noch einmal fest, dass der klassische Majoran nichts anderes ist, als die ältere kultivierte Auslese von Oregano-Pflanzen, welche sich zudem durch Aussaat sicher vermehren lassen und rasch hohe Erträge bringen. [2] Um Majoran im Garten oder auf dem Feld anbauen zu können, war es selbst bei uns noch bis in die 1980er Jahre hinein üblich, dafür Samen in einer Gärtnerei oder bei einem speziellen Versandhändler zu kaufen. Erst mit dem Aufkommen der modernen Garten- und Baumärkte wurden Oregano-Sorten gezüchtet, welche sich – lukrativer als Samen – als Topfpflanzen vermarkten ließen. Zuerst nahm man sich von den Staudengärtnern einfach die ab den 1920er Jahren ausgelesenen Ziersorten, wie Origanum vulgaris 'Compactum' (eigentlich eine Polsterstaude [4]) und verkaufte sie als Küchenkraut. Mit der Möglichkeit der einträglichen Vermarktung von Topfware kamen bald weitere winterharte Artvarianten, wie auch weitere Sortenzüchtungen hinzu, so wie sie oben aufgelistet sind. Die Hybrid-Formen sind natürlich gar nicht durch Samen vermehrbar, und sind damit erst in den Fokus heutiger Verkaufs- und Versandstrukturen gerückt.

Zu diesen vielen neuen innovativen "Produkten", wurden natürlich auch zahlreiche neue Namen kreiert, wie Wilder Majoran, Oregano (eigentlich ein bot. Gattungsname). Beziehungsweise nennt man das Kraut in Italien, Griechenland oder Spanien halt Origano, Origanon oder ähnlich und man kopierte dieses ins Deutsche um den modernen Gartenbau-Produkten ein Alleinstellungsmerkmal zu geben. Mittlerweile gibt es diesbezüglich dutzende von Pflanzennamen und niemand weiß mehr genau, wie es dazu kam.

Herkunft und Beschreibung

Als klassisches Herkunftsgebiet von Origanum majorana gilt Vorderindien, Arabien und Nordafrika (Ägypten, Lybien). Das Kraut wurde bereits im alten Ägypten, in Arabien und von den antiken Griechen als Heilkraut beschrieben (Dioskorides und Hippokrates). Im mittleren Europa ist es vermutlich keine typische Klostergartenpflanze, sondern wurde erst im 16. Jahrhundert allgemein bekannt.

Im milden Mittelmeerraum überdauert die Art viele Winter. Bei uns wächst die frostempfindliche Pflanze, die ein Halbstrauch ist, nur einjährig – sie wird 15 bis 40 Zentimeter hoch. Die verästelten Stängel wachsen aufsteigend oder aufrecht und sind verhältnismäßig dünn, brechen aber nicht. Die grünen Pflanzenteile sind grün oder grau filzig überzogen, sodass die Pflanzen dadurch eine graugrüne bis weißliche Optik bekommen. Die  kleinen ganzrandigen Blätter sind kurzgestielt und weisen eine Spatelform auf. Sie werden zwischen einen halben und zwei Zentimeter lang und etwas weniger breit. Die Blüten (Juli bis September) bilden sich als Scheinqiuirle aus und stehen in acht bis zwölf kugeligen Trauben beieinander. Die winzigen Blütenblättchen erscheinen in weißen, blaßlila oder rosa Farbvarianten. Es gibt mehrere Kultursorten (mir ist allerdings nur die Sorte 'Erfo' bekannt), die sich durch ein- oder Mehrjährigkeit, frühe oder späte Reife oder verschieden starke Aromen auszeichnen. [3]

Standort, Aussaat, Pflege Ernte – die Anbauanleitung

Der Platz im Garten muss sonnig und der Boden darf nährstoffarm sein.

Man sät den Samen im März flach in Schalen (Gewächshaus) und pflanzt die frostempfindlichen Pflänzchen dann Mitte Mai auf 20 x 20 Zentimeter aus. Auch die Aussaat ab Mitte Mai bis weit in den Juni hinein, direkt auf das Beet, ist eine Möglichkeit und wird von mir bevorzugt. Ich versuche prinzipiell so wenig wie möglich (wegen des Aufwandes), vorher in Töpfen zu ziehen. Die Saat ist regelmäßig zu gießen und die weitere Pflege beschränkt sich auf das Unkraut jäten und häckeln des Bodens.

Die Erntezeit geht von Juli bis September. Die blühenden Büschel werden etwa 20 cm über dem Boden abgeschnitten und in dünner Schicht zum Trocknen ausgelegt. In einem Fachbuch aus dem Jahre 1970 findet sich noch der merkwürdige Hinweis: "Die Aufbewahrung der Droge (die getrocknete Ware) hat in Blechgefäßen zu erfolgen."

Die Verwendung des getrockneten Majoran ist allseits bekannt und das Kraut ist auch ein Bestandteil in vielen klassischen Gewürzmischungen. Stellvertretend dafür will ich die Cajun-Gewürzmischung der kreolischen Küche nennen. Sie besteht aus Salz, süßem Paprika, Knoblauch, weißem und schwarzem Pfeffer, Chili, Thymian und aus Zwiebelpulver.


  • [1] ähnliche bewirkt bei Hülsenfrüchten z.B. Bohnenkraut oder Mexikanisches Bohnenkraut (Epazote)
  • [2] Die Artengruppe gehört zu den sogenannten Langtagsspflanzen (LTP) und werden in Kultur so gesät und gezogen, dass sie in der Jahreszeit mit vielen Sonnenstunden aufwachsen. Damit treiben sie sofort in die Blüte.
  • [3] In einem ostdeutschen Sortenverzeichnis von 1956 finden sich zwei Hinweise, welche meine Ausführungen bestätigen. Da gab es von M. hortensis den "Blattmajoran (Französischer Staudenmajoran), Krautdroge, Gewürz. Anspruchsvoll an den Standort, milder, humusreicher Boden in warmer Lage, sehr Blattreich, spät [reifend]. im Samenertrag unsicher.
    Knospenmajoran (Deutscher M.), Krautdroge, Gewürz. Weniger anspruchsvoll an den Standort, mittelfrüh, blattärmer, im Samenertrag sicherer."
    Quelle: Ministerium f. Land- und Forstwirtschaft; Ratgeber zur Sortenwahl landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Pflanzenarten; Berlin [1951]; S. 116
  • [4] Karl Foerster; Der Steingarten der sieben Jahreszeiten; Leipzig/Radebeul 1981; Seite 243; dort als O. vulg. 'Comactum' geführt und deutsch allgemein als Gündel, Dost und die Sorte als Zwergheidegündel
  • Eine fachlich gute Beschreibung findet sich bei: Dr Dr. Friedrich Dörfler / Prof. Dr. habil. Gerhard Roselt; Unsere Heilpflanzen; Leipzig, Jena, Berlin 1979; Seite 265
  • https://www.kraeuter-und-duftpflanzen.de/wuerzkraeuter/oregano (hier findet sich das umfangreichste Angebot in D)
  • https://www.t-online.de/leben/essen-und-trinken/id_77694650/cajun-gewuerzmischung-statt-kaufen-selber-machen.html
  • http://www.majoranwerk.de
  • https://familiealacarte.wordpress.com/majoran/