Toskana Landschaft mit Zypressen
Wie entsteht dieses romantische Flair?

Nördlich der Alpen ist es durchaus sinnvoll, nicht winterharte, mediterrane Pflanzen in der Terrassen- oder Gartengestaltung zu ersetzen durch Alternativen, die dem Original ähneln aber weitaus pflegeleichter sind. So haben viele Pflanzen, die wir aus dem Mittelmeerraum kennen und mit denen wir uns gern die Erinnerung an schöne Urlaubswochen auf unseren Balkon, auf die Terrasse oder in den Garten holen wollen, hohe Ansprüche an Standort, Boden und Pflege. Doch wer beispielsweise keine Unterstellmöglichkeit für nicht frostharte Kübelpflanzen hat, wird nur eine kurze Freude an diesen haben. Da aber Habitus und Flair dieser südlichen Gehölze so prägend für die Landschaft und somit auch für unseren Garten sind, möchten viele Gartenfreunde nicht auf ihren Charakter verzichten. So müssen Überwinterungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen oder auf Ersatzpflanzen zurückgegriffen werden.

Mittelmeerzypresse (Cupressus sempervirens)

An anderer Stelle (Toskana-Haus) erwähnte ich bereits, dass die Besonderheit vieler malerischer italienischer Landschaften durch diese sehr düster wirkenden Säulenkoniferen geprägt wird. Das Malerische entsteht dabei einerseits durch liebliche, sanft hügelige Landschaftsbilder im Zusammenspiel mit einer besonderen Architektur der Dörfer und Gemäuer auf den sanften Bergrücken und andererseits durch die scharfe Gegensatzwirkung einer melancholischen Stimmung, geschaffen durch düster wirkende Zypressen. Die Mittelmeerzypresse verträgt Frost bis zu -18 °C, aber keine lang anhaltenden starken Frostperioden ohne Schnee. Deshalb sind sie nur in sehr milden Gegenden auch bei uns verwendbar. In den europäischen Landschaftsgärten (Mitte 18. bis Mitte 19. Jahrhundert), nördlich der Alpen, pflanzte man deshalb Säulenpappeln (Populus nigra 'Italica') an Stelle der Zypressen. Auf Grund ihrer zu erreichenden Höhe, und weil sie Ausläuferwurzeln bilden, sind sie aber nur für größere Anlagen geeignet und für den Garten völlig unbrauchbar.

Säuleneiben

Als eine Möglichkeit können Scheinzypressen (Chamaecyparis) zum Einsatz kommen, doch auch diese werden noch verhältnismäßig hoch, 30 m und mehr. Somit sind auch sie nur für Parkanlagen und sehr große Gärten geeignet. Für begrenzte Areale sind da die schmalen Säulenformen des Wacholders ein guter Tipp, wie etwa Juniperus virginiana 'Skyrocket'. Um vieles besser, und weil sie auch die beschriebene Düsternis besitzen, sind jedoch dunkelgrüne Säuleneiben. Zwei Sorten kommen hierfür in Frage:

  • Taxus baccata 'Fastigiata' – Säuleneibe, wird 4 bis 7 m hoch, im Alter mehr ein eiförmiger Wuchs
  •  Taxus baccata 'Fastigiata Robusta' – hat eine Zigarrenform; sehr robust, wie schon der Name sagt

Olivenbaum (Olea europaea)

Auf den malerischen Olivenbaum (Ölbaum) wollen wir in unserem südländischen Gartenprojekt nicht verzichten. Man kann ihn bei uns durch ähnliche Gehölze ersetzen, etwa durch einen zum Baum gezogenen Sanddornstrauch oder durch die Pflanzung einer Ölweide, Eleagnus angustifolia. Über diese Ersatzpflanzungen habe ich an anderer Stelle ausführlich geschrieben. In milden Gegenden oder mit technischen Tricks (Wurzelraumheizung), kann der Olivenbaum aber auch in unseren Breiten an geschützter Stelle im Freiland gepflanzt werden.

Tib Oleander und Granatäpfel

Oleander (Nerium oleander) und Granatapfel (Punica granatum)

Oben im Bild finden wir in diesem Mittelmeergärtchen beide Gehölze zwischen üppig blühendem Lavendel, welche allesamt den mediterranen Kulturraum prägen. Ist der Lavendel bei uns im Freien ganzjährig kultivierbar, so die Gehölze doch nicht. Auch besitzen sie leider keine besonders guten Doppelgänger, die wir nördlich der Alpen an ihre Stelle setzen könnten. Einzig der schmalblättrige Kirschlorbeer 'Zabelina' kann anstelle des Oleanders gepflanzt werden und die kleinblättrige Stechpalmensorten an die des Granatapfelbaumes. Der Oleander hat, wie die Zypresse, eine etwas düster wirkende Physiognomie und seine Blüten bilden dazu einen interessanten Kontrast. Der Granatapfelbaum besitzt auch wieder diese besonderen Gegensatzwirkungen in sich. Von dunklem, sperrigem Geäst leuchten, heitere Stimmung verbreitend, zart hellgelbgrüne Blättchen. Der erwähnte Lavendel (Lavandula angustifolia) ist wie gesagt winterhart, allerdings auch nur begrenzt. Lange, sehr kalte Winter können ihm stark zusetzen. Als Ersatz bieten sich Steppensalbei und der sogenannte Afghanische Lavendel an, die man beide auch gut mit Lavandula angustifolia kombinieren kann.

Echter Lorbeer (Laurus nobilis)

Die Alternative zum Lorbeer ist der Kirschlorbeer. Man nehme dabei eine kleinblättige und schwächer wachsende Sorte, wie 'Otto Luyken'. Sie kann in Kübel oder direkt in den Boden gepflanzt werden, ist sehr winterhart und verträgt Trockenheit.

Melancholie durch Trauerkoniferen und Säuleneiben

Zeder

Zypern-, Blau- und Libanon-Zeder (aus dem Mittelmeerraum) sind für den Garten sicher zu gewaltig. Ohnehin gedeiht bei uns nur die vom Atlas-Gebirge stammende Blauzeder (Cedrus atlantica). Eine Alternative ist die Himalaja-Zeder (Cedrus deodara), die bei uns um die 15 m Höhe erreicht. Günstiger ist es, den malerischen Habitus dieser legendären Koniferen zu kopieren. Das geht zum Beispiel mit Hängeformen des Wacholder (Bild oben). Dieses im Erfurter egapark fotografierte und merkwürdig gestaltete Lava-Steingärtchen hat im Bild viel von der oben mehrfach erwähnten düsteren, aber malerischen Ausstrahlung. Olivenbaum, Säuleneiben und unheimlich wirkende Wacholderbüsche sind die überzeichnete Kopie einer mediterranen Vulkanlandschaft.

Weitere Ersatzpflanzen:

Zitrusbäumchen – kann kaum durch vergleichbare Gehölze ersetzt werden

Weinstock – er gedeiht auch bei uns, ist aber sehr wüchsig. Tipp: Vitis vinifera purpurea, ein Zierwein mit roten Blättern und schwarzroten Weinbeeren, die aber keinen besonderen Geschmack haben. Die Wuchskraft dieser Sorte ist leicht im Zaum zu halten, womit sie sich für Balkon oder Dachterrasse sehr empfielt.

Tamarisken – Tamarix ramosissima, mit der Sorte 'Rubra', ist die Sommertamariske. Sie stammt aus dem Süden und ist außerordentlich resistent gegen Trockenheit. Der Strauch wird 3 bis 4 m hoch und verzweigt sich nur wenig. Die zarten Triebe hängen leicht über, und so bekommt das Gehölz insgesamt ein malerisches Aussehen, wenn es am richtigen Platz steht, das heißt möglichst immer in Bezug zu einer Architektur. Tamarix parviflora ist die Frühlingstamariske, sie ist wüchsiger (bis 5 m hoch!) und sie verträgt Sonne und Schatten gleichermaßen gut. Die Blüte zeigt sich im Mai.