Holzbauten, Spielplatz
Holzbauten auf einem Spielplatz. Ein rustikaler, nordalpiner Stil.

Es gibt für den Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) eine Fülle von Baumaterialien. Um die Auswahl für die eigene Gartengestaltung zu erleichtern, habe ich eine Hilfestellung entwickelt, mit der man schnell eine Entscheidung über die gestalterisch sinnvolle und baulich zweckmäßige Materialverwendung  treffen kann. Zunächst teile die Gärten ganz grob in vier Stilrichtungen ein.

Außenanlagen könnte man also in folgende vier Kategorien einteilen: mediterrane, nordalpine, fernöstliche und moderne Gärten. Jeder dieser Stilformen verwendet traditionelle Baustoffe und Bauersatzstoffe. Die traditionellen Materialien sind diejenigen, die jeweils natürlich vorkommen, wie Holz (Wald), Stein (Steinbruch) oder Bambus, Weidenflechtwerk, Lehm.

Holzbank

Die Bauersatzstoffe (unten wird darauf eingegangen) sind Ersatzmaterialien, welche auch schon ein lange Tradition haben, wie Schmiedeeisern für Zäune oder Backsteine für Wege oder Mauern.

  • Mediterrane Gärten: Naturstein, geschmiedetes Eisen
  • Nordalpine Gärten: Holz, Flechtwerk, Schmiedeeisen, Klinkerstein (z.B. Bauerngarten, Cottagegarten)
  • Fernöstliche Gärten: Bambus (ein universeller Baustoff), Holz, Findlinge, Kiesel, Kies
  • Moderne Gärten: Naturstein, Edelstahl, Klinker, Glas und Beton

Damit ist recht einfach vorgeschlagen, welche Baustoffe wo verwendet werden können. Gestalte ich beispielsweise einen traditionellen Bauerngarten, dann hat Bambus dort nichts zu suchen. Für mediterrane Projekte kaufe man keine rustikalen Gartenmöbel aus Holz, und in japanischen Gärten ist ein geschmiedetes Eisentor unangebracht, weil dort Zäune und einfache Pforten aus Bambus stilecht sind.

Welche Baustoffe stehen zur Verfügung?

Hier sind die einzelnen Grundstoffe nun etwas ausführlicher bezeichnet und ich bitte den Leser die kleine Mühe zu machen, diese kurz zu studieren, da hier bereits stichpunktartig wichtige Tipps für die weitere Gartengestaltung gegeben sind:

Naturmaterialien

1. Holz

Mit Holz lässt sich relativ leicht arbeiten, und so ist dieser Baustoff ideal für den Heimwerker. Vom Zaun bis zur Pergola, Holzterrasse und Laube kann der Baustoff Holz eingesetzt werden. Wichtig ist nur, ordentliches Werkzeug für die Holzbearbeitung zur Hand zu haben. Dann macht die Arbeit noch mal so viel Spaß. Wichtig ist, dass entsprechend der Techniken nach der Verbauung das Holz nie dauerhaft nass werden oder bleiben darf, sonst fault es sehr schnell. Problematisch finde ich Treppenstufen aus Holz und auch Holzpalisaden, wenn dort billiges Material verarbeitet wird.

2. Flechtwerk und Lehm 

Einer der ältesten Baustoffe für Haus und Garten ist Weidenflechtwerk. Man verwendete Weide im Lehmbau (Stockwerk), das Wort Wand hat den Wortstamm des Winden, Wida = Weide in sich! Aber auch die Zäune wurden in Mitteleuropa und im Osten noch heute traditionell aus Weide geflochten. Inzwischen kommt der Weidenzaun auch bei uns wieder in Mode - ich selber habe einen an der Terrasse als idealen Sichtschutz. Neben Weide wird die Haselnuss als Flechtmaterial verwendet. Wie oben schon bemerkt, ist der Bau mit Lehm artverwandt mit dem Flechtwerk und heute ebenfalls wieder beliebt.

3. Bambus

Bambus ist als Pflanze aber auch als Baumaterial attraktiv. Bambus wirkt als Pflanze und wiederum auch als Material elegant und freundlich. Bambuspflanzen sind immergrün, also auch im Winter schön anzusehen. Die Japaner vermeiden, Holz und Bambus zu kombinieren. Naturstein und Wasser fügen sich gut zu Bambus. Letztlich sollte aber der Gartenstil in der Ganzheit stimmig sein.

Zaunanlage Bambus

Ein Bambusgarten wird immer an den fernöstlichen Stil erinnern. Bambus ist ideal für kleine Gärten. Ich denke da an die platzsparenden Sichtschutzelemente und ebenso an die Bepflanzungen mit dem Riesengras, das wenig Fläche verbraucht.

4. Stein (Naturstein)

Naturstein ist ein Material, was sehr haltbar ist und sich wunderbar in Natur und Landschaft einpasst. Ideal wäre natürlich, wenn du Naturstein aus deiner Umgebung verwendest. Das dürfte kein Problem sein, denn Steinbrüche gibt es meist in der Nähe. Problematisch sind natürlich die Gegenden, wo Steinmaterial von Natur aus in geringem Maße vorhanden ist, wie etwa im Norden.

Dort wird dann traditionell mit Findlingen gebaut oder man verwendet den ebenfalls traditionellen Natursteinersatz: den Backstein, also den Klinkerziegel, und den Betonstein. Tipp: Wenn du mit Naturstein deinen Garten gestalten willst: Du solltest immer reichlich Material da haben. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Bau einer Natursteinmauer. Nichts ist nerviger, als wenn du so richtig gut bei der Arbeit bist und die Steine sind alle. Video-Notizen (oben) llgemein zur Thematik.

Ersatz durch künstliche Stoffe

Keramik (Ersatz für Stein)

Bei Keramik im Garten, denkt man häufig zuerst an Blumentöpfe oder an verschiedene Dekorationselemente. Aber die keramischen Baustoffe sind vielfältiger im Garten vertreten als du denkst. Zuerst sei vor allem der Backstein (Klinkerziegel) genannt, der für Gartenhäuser, Mauern oder Wege verwendet werden kann. Der Ziegel war in alter Zeit ein Ersatzbaustoff für Naturstein. Deshalb sieht man Klinkerbauten vor allem dort, wo Natursteinbrüche nicht vorkommen, also im Norden. Neben dem Klinkerziegel muss ich hier natürlich noch das Terrakotta nennen. Das ist mehr eine Philosophie... eine Erinnerung an den mediterranen Garten.

Metall (Ersatz für Holz)

Schmiede und Schlossermeister sollten doch wider mehr Aufträge bekommen. In alten Zeiten legte man auf den ersten Eindruck eines Besuchers noch viel mehr Wert als heute. Ich denke da an die wunderschönen, schmiedeeisernen Zäune und Tore. Zäune, Tore, Ziergitter und Gartenmöbel müssen auch nicht protzig wirken. Je sparsamer man das Material einsetzt, umso eleganter wirkt es. Und bevor du der Meinung bist, dass eine geschmiedete Toranlage aus Metall wirklich teuer ist, solltest du dir erst mal ein Angebot einholen. Übrigens: Elegante Metallgitter oder Terrassenmöbel gehören zur mediterranen Gartengestaltung und Architektur.

Beton (Ersatzbaustoff für 1. + 2. + 4.)

Beton wird im GaLaBau etwa seit 1900 verwendet. Dieser Werkstoff ist gar nicht so schlecht, wie er oft gemacht wird. Problematisch ist nur die richtige Verwendung. Das Ergebnis ist dann meist so, dass die Gestaltung mit Beton entweder sehr gut ausschaut oder sehr schlecht. Ein Mittelding gibt es da meistens nicht. Interessant ist die Verbindung mit andern Materialien. Da ist vieles möglich. Beton muss nicht versteckt und kaschiert werden, höchstens mit üppigem Pflanzenwuchs. Kräftige, gesunde, großblättrige Pflanzen geben das nötige Gegengewicht zum Beton. Ein Vorteil von Betonpflaster ist nach meinen Erfahrungen die bessere Rutschfestigkeit gegenüber dem Natursteinpflaster. Allerdings auch wichtig zu beachten: auf Natursteinpflasterflächen kann auch mal ein Unkraut stehen, Betonpflasterflächen sehen dagegen immer ungepflegt aus, wenn dort Gras zwischen den Fugen wächst. Ausnahme sind natürlich Rasenfugenpflasterungen.

WPC (statt Holz)

Wood Polymer Composites. Das ist ein relativ neuartiger Ersatzbaustoff für Holz, welcher aus Bambus- oder Holzabfällen und Kunstharz hergestellt wird. WPC ist sehr haltbar und ersetzt im GaLaBau Tropenhölzer. Meist sind Terrassendielen aus WPC gefertigt, aber auch Sichtschutzzäune werden hergestellt. 

Glas (neu in der Gartengestaltung)

Das ist ein modernes Material für den Außenbereich. Windabschirmungen, Sichtschutzelemente und Geländerverkleidungen werden heutzutage beispielswesie aus Glas gefertigt. Glas ist absolut witterungsfest und bei Bedarf transparent. In Lärmschutzwände fugenlos integriert, schirmt es Schall ab.

Kunstobjekt

Bei Terrassenüberdachungen und Pergola-Überdachungen ist es ein ideales Bedachungsmaterial und sehr viel haltbarer, als ersetzende Kunststoffelemente, wie zum Beispiel die Hohlkammerplatten, Plexiglas usw. Letztere sind dann aber auch schon wieder Ersatzmaterialien für Glas.

Fazit

Mit den oben stehenden Informatinen ist dir nun eine Entscheidungshilfe gegeben. Entscheide dich also zuerst für den Stil und dann für das Material. Achte dann aber auch darauf, dass die Baustoffe für den Garten annähernd mit denen des Wohnhauses korrespondieren. Besonders beim Zaun sollte da ein gewisser Zusammenhang bestehen. Auf dem Lande können wir natürlicher und unbefangener gestalten. Mitten in der Stadt wird unser Konzept mehr den archtektonischen Grundfomen angepasst sein müssen.