In den russischen Selbstversorgergärten ist der Altai-Lauch eine allbekannte Zwiebel, deren Lauchblätter in der Küche reichlich Verwendung finden. Hierzulande, wo die meisten von uns ihre Zwiebeln im Supermarkt kaufen, kennt man das Gemüse kaum. Denn für die Vermarktung eignet sich der Altai-Lauch weniger, doch für den Selbstversorgung ist er äußerst wertvoll. Man nutzt und baut ihn ähnlich unkompliziert wie Schnittlauch an. Hat man erst einmal einen Grundstock von diesem Zwiebelgewächs, dann vermehrt man es durch ständige Teilung und pflanzt ein komplettes Beet mit dieser winterharten Staude, welches dann fast ganzjährig zu beernten ist.
Botanik
Allium altaicum ist eine Lauch-Art welche der Unter-Gattung Cepa (Zwiebel) zugeordnet ist. Diese gehört zur Pflanzengattung Allium und stellt dort in der Allieae eine Unter-Unter-Familie (Tribus) dar. Dieser zählt zur Unter-Familie der Allioideae, welche innerhalb der Pflanzenfamilie der Amaryllidaceae (Amaryllisgewächse) auszumachen ist. Diese wiederum gehören zur Ordnung der Asparagales (Spargelartigen).
Allium altaicum ist eine von gut 1000 Laucharten. Zur oben genannten Unter-Gattung Cepa gehören auch die allbekannte Küchenzwiebel (Allium cepa), die Schalotte (Allium ascalonicum; eigentlich ebenfalls Allium cepa) sowie die Winterheckzwiebel/Winterzwiebel (Allium fistulosum). Vermutlich stammt die letztgenannte Art sogar direkt von Allium altaicum ab und diese ist demnach ihre direkte Wildform.
Tatsächlich sind sich beide sehr ähnlich und im ersten Moment kaum zu unterscheiden, doch sind die Röhrenblätter beim Altai-Lauch bauchig dick und gehen mehr buschig in die Breite, wie im Bild1) zu sehen. Dadurch lassen sie sich schlecht bündeln, was wiederum der Grund ist, warum dieser Lauch sich nicht gut für die Vermarktung eignet. Und so ist diese Wildform der Lauchzwiebel ein Würzgemüse der Selbstversorgerküche geblieben.
Wie es der Name bereits sagt, stammt der Altai-Lauch aus dem Altaigebirge und den umliegenden Gebieten, welche ein ausgeprägtes Kontinentalklima aufweisen. Das bedeutet, dass es dort lange, harte Winter und kurze, heiße Sommer gibt. Diese Herkunft macht, dass wir mit dieser Lauchzwiebel auch in unseren Gärten ein sehr robustes und vor allem winterhartes Gewächs anbauen können, was von anderen Zwiebelarten kaum behauptet werden kann. Einzig die Winterheckzwiebel, die Etagenzwiebel und in besonders milden Gegenden vielleicht noch die Schalotten vertragen den Winter unserer Breiten.
Anbauanleitung
Altai-Lauch möchte einen möglichst sandig-lehmigen Boden haben, der reichlich Humus enthält und nicht dauerhaft nass ist, also ein normales Gartenland in guter Kultur. Wenn wir ein Beet mit ihm bepflanzt haben, dann vermehren sich die Zwiebeln durch Teilung quasi von allein. Man kann den Lauch aber auch im Frühling selber vermehren, so wie wir es auch mit den Stauden tun. Er wird ausgegraben und die Zwiebelbüschel in einzelne Exemplare aufgeteilt. Diese werden vereinzelt im Dreiecksverband mit einem Pflanzabstand von 20 bis 25 Zentimeter gepflanzt und gut angegossen.
Alle zwei bis drei Jahre lasse ich einige Pflanzen in den Samen gehen und säe im folgenden Jahr direkt in die gepflanzte Reihe einige Samen unter. Da sich der Altai-Lauch weniger üppig vermehrt wie beispielsweise die Winterheckzwiebel, kann es passieren, dass ein nur durch Teilung vermehrter Bestand von Jahr zu Jahr weniger wird und ausdünnt. Wie stark der Rückgang ist, hängt vom Standort ab.
Aussaat
Haben wir keine Möglichkeit, die Lauchzwiebel anderweitig zu beziehen, schaffen wir uns einen Grundstock an teilungsfähigen Pflanzen durch Aussaat. Den Samen dafür kann man online kaufen. Wir säen ihn im April oder Anfang Mai am besten breitwürfig, zunächst auf ein Beet ins freie Land. Anschließend arbeiten wir den Samen flach in den Boden ein, drücken die Erde gleichmäßig fest und überbrausen das Saatbeet vorsichtig mit Wasser. In der Regel muss das Saatbeet nur bei Trockenheit gegossen werden.
Nach einer reichlichen Woche geht der Samen auf. Die jungen Pflänzchen wirken wie grüne, dünne Fäden und brauchen nun einige Wochen, bis sie die Stärke von Schnittlauch bekommen. Je nach Aussaatzeitpunkt wird das Ende Juni der Fall sein. Das Bild 2) zeigt Größe und Beschaffenheit der zum Verpflanzen bereiten Zwiebelchen.
Nun nehmen wir die kleinen Lauchzwiebeln vorsichtig heraus, kürzen Wurzeln und Laub etwas ein und pflanzen sie auf das endgültige Beet. Mit einem Reihenabstand von 20 bis 25 Zentimeter kommen alle 20 Zentimeter drei Setzlinge in ein Pflanzloch. Die bis zum Herbst erstarkten Pflanzen können bereits ohne Frostschutz überwintern.
Wie bereits erwähnt, gewinne ich regelmäßig Samen vom Altai-Lauch selber. Im Mai bekommen die Pflanzen kugelige Blüten und bilden bis zum Sommer kleine, flache, schwarze Samen aus. Sind diese ausgereift, schneidet man den gesamten Samenstand ab und bewahrt ihn trocken in einem Behältnis bis zum Frühjahr auf.
Wer im zeitigen Frühjahr keine Zeit oder den Aussaatzeitpunkt versäumt hat, kann das auch noch bis August nachholen. Man lässt dann lediglich das Verpflanzen weg und die Sämlinge an Ort und Stelle überwintern. Diese Kultur ist jedoch nicht so effektiv wie die zeitige.
2) Die kräftigen Sämlinge werden im Juni herausgenommen und verpflanzt.
Ernte und Verwendung
Vom Altai-Lauch erntet man in der Regel nur die Röhrenblätter, welche, in Ringe geschnitten, Speisen würzen und verfeinern. Die Ernte kann durchaus auch im Winter erfolgen, jedoch wachsen die Blätter in der kalten Jahreszeit nicht nach. Aber auch die Zwiebeln können in der Küche Verwendung finden. Bei alten Exemplaren werden diese bis zu drei Zentimeter stark.
Man sollte sie aber möglichst nur im Frühling ernten, damit man über den Winter noch den Lauch benutzen kann. Da immer ein ganzes Zwiebelbündel ausgegraben wird, sortiert man nur die stärksten Exemplare für die Küche aus und nimmt die schwächeren für den weiteren Anbau wieder als Steckzwiebeln.
Für Selbstversorger kann das durchaus zu einer rentablen Angelegenheit werden, wenn man über den Winter noch den Lauch und im zeitigen Frühjahr, wenn andere Vorräte bereits aufgebraucht sind, frische Gemüsezwiebeln zur Verfügung hat.
Zur Eigenversorgung sollte der Altai-Lauch gemeinsam mit anderen Speisezwiebeln angebaut werden, denn die verschiedenen Arten ergänzen sich in den Erntezeiten recht gut. Die hier vorgestellte Urform deckt dabei vor allem die Monate Januar bis März ab. Der Geschmack ist nicht so mild, wie der der Winterheckzwiebel und hat eine Schärfe, die als angenehm würzig bezeichnet werden kann.
Theoretisch ist die Winterheckzwiebel, die auch einzeln auch als Lauchzwiebel gezogen werden kann, dem Altai-Lauch durchaus ebenbürtig, und wer nur eine Form anbauen will, wird sich auf erstere beschränken. Ich jedoch ergänze meine Kulturen gern mit Wildformen, da diese bekanntlich reicher an Mineralstoffen sind, als die Hochzuchtformen. Da der Altai-Lauch leicht zu kultivieren ist – ich habe neben Schnittlauch, China-Lauch und Perllauch auch von ihm einen laufenden Meter im Garten – komplettiert er mein Angebot an Schnittlauch über das ganze Jahr.
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[TJ.17.16] I ©Bildrechte und Themen: Thomas Jacob, 28.4.2018
