Amerikanischer Brauner als Herbstsalat
'Amerikanischer Brauner' in Herbstkultur

Was ein Herbstsalat ist, wird nicht botanisch definiert, sondern leitet sich vom Gebrauch in der Küche ab und bezeichnet die entsprechenden saisonal verfügbaren Blattgemüse. Auch wenn letztere in den Supermärkten ganzjährig zu bekommen sind, so ist es für den Selbstversorger oft schwierig im Herbst das Gemüse vorrätig zu haben. Der Grund dafür ist fast immer derjenige, dass für die Aussaatzeiten der Spätkulturen nur ein kleines Zeitfenster vorhanden ist. Hat man ihn verpasst, gibt es keine Ernte und zudem kommt, dass man diese speziellen Jungpflanzen in den Gartenmärkten faktisch nicht bekommt.

Radicchio Herbstsalat

Ein weiterer Grund für den recht seltenen Anbau der Herbstkulturen ist, dass der durchschnittliche Gartenfreund zunächst von der Fülle der vielen Arten und Sorten zunächst abgeschreckt ist. So gibt es Kopf-, Pflück- und Schnittsalate und unter ihnen die Gruppe der Romana-Salatformen. Es gibt Endivien, Zichorien und Radicchio.
Mit diesen verschiedenen Arten und Sorten besteht ein weiteres Hauptproblem und das sind die beigefügten Anbauanleitungen der Gemüse. Meine Erfahrungen dazu sind die, dass in gut 90 % dieser Kulturanleitungen die Aussaattermine der Gartengemüse zu spät angegeben werden. Weil die Hauptanbaugebiete der Herbstsalate (und der Sämereien) in Südeuropa und Nordafrika liegen, kommen vor dort vermutlich auch die Anbauanleitungen, welche dort funktionieren – hier aber nicht.

Vorkulturen

Der dritte Grund, warum die Herbstgemüse allgemein schwierig anzubauen sind, ist schlichtweg der, dass im Kleingarten die Anbauflächen, die Ende Juni bis Anfang August zu bestellen sind, zu dieser Zeit mit Sommergemüsen besetzt sind. Deshalb braucht es für die geplanten Herbstanbaubeete sogenannte Vorkulturen, die spätestens Anfang Juli abgeerntet werden um dort dann die Jungpflanzen der Spätsalate zu setzen.
Diese Vorkulturen sind unten schnell genannt. Wir sollten uns aber angewöhnen gleich im Frühjahr, wenn wir etwa ein Beet mit Frühkartoffeln pflanzen, dasselbe anschließend für die Pflanzung von Zuckerhut-Zichoriensalat einplanen. Auf einem abgeräumten Zuckererbsenbeet könnten wir alljährlich gewohnheitsmäßig Romanasalat säen usw.
Geeignete Vorkulturen sind: Frühkartoffeln, frühe Erbsen, Kapuzinererbsen, zeitige Buschbohnen, Kohlrabi, Mairübchen, Radieschen und frühe Rettiche.
Eine weitere Möglichkeit ist die Mischkultur z.B. mit Erdbeeren, welche ich unten beschreibe. Damit beginne ich die verschiedenen Herbstsorten und deren Besonderheiten beim Anbau jeweils an einem praktischen und konkreten Beispiel zu beschreiben:

Pflücksalat und Erdbeeren in Mischkultur

Um bis zum Frost reichlich frischen Salat im Garten zu haben, ist die einfachste und von mir empfohlene Anbaumethode folgende: Säe am 15. Juni auf ein Freilandsaatbeet die altbewährte Pflücksalatsorte 'Amerikanischer Brauner' und verpflanze diesen dann am 15. Juli. Ab 15. August kann der Salat bereits geerntet werden. Da von diesem Salat immer nur die unteren großen Blätter gepflückt werden, ist eine Ernte bis Ende September/Anfang Oktober bzw. bis zum ersten Frost möglich.

Herbstsalat

Ich pflanze 'Amerikanischen Braunen' am 15. Juli gern zwischen zwei Reihen frisch gesetzter Erdbeeren und nutze so diesen freien Platz optimal aus. Wie ich bereits an anderer stelle schrieb, sollte man bis Mitte Juli auch die neuen Erdbeeren in der Erde haben, denn dieser zeitige Termin bringt höhere Erträge als spätere Pflanzungen. Gleichzeitig säe ich Mitte Juli noch einen weiteren Satz  aus, der dann bei gutem Wetter ab Anfang Oktober geerntet werden kann.
'Amerikanischer Brauner' ist eine alte, samenechte Sorte. Um ihn selber zu vermehren, sät man ihn im zeitigen Frühjahr aus und lässt dann einige Pflanzen blühen und in Samen gehen. Im August können dann die Samen bei trockenem Wetter geerntet werden.

Kopfsalat im Herbst und Spätherbst

Diese Anbaumethode habe ich in einem alten Gartenbuch [1] gefunden: Gewöhnlicher Kopfsalat der zwischen 15. bis 30. Juni gesät* und Ende Juli/Anfang August gepflanzt wurde, bildet bis zum Herbst noch prächtige Köpfe aus. Vor dem Frost wird das Beet mit einem provisorischen Frühbeet eingefasst (z.B. Bretter + Fenster). Ich habe dafür einen temporären Folientunnel genommen und damit das bepflanzte Beet im Herbst überspannt (Bild). Das Foliengewächshaus oder das Frühbeet muss bei milder Witterung aber etwas gelüftet werden. Sonst bleibt es geschlossen und man schützt es mit zunehmender Kälte von den Seiten her mit angeschüttetem Laub. Das geschieht in der Regel Anfang Oktober. **
Die Salatköpfe werden nun zwar kaum noch wachsen, doch halten sie sich auf diese Art sehr lange, mindestens bis Weihnachten und können bis dahin recht bequem geerntet werden. Man kann auch die einzelnen Pflanzen mit Erdballen herausgraben und im leeren Gewächshaus oder Frühbeetkasten einschlagen. Dieses Umpflanzen muss bei trockener Witterung geschehen und noch bevor die Salatpflanzen Frost abbekommen haben. Angegossen wird der Kopfsalat nach dem Einschlagen nicht, da er sonst fault.

Zuckerhut Herbstsalat

Zuckerhutsalat (Fleischkraut) und Radicchio

Beides sind Zichoriensalate (Cichorium intybus ssp. foliosum), die um einiges unempfindlicher gegen Frost sind, als die Varianten des Gartensalates, nur sind sie im Geschmack etwas bitterlich, was aber genau genommen von einem Herbstsalat auch erwartet wird. Die "Zuckerhüte" werden um den 10. Juni gesät*, die Radicchios besser schon am 1. Juni und verpflanzt, sobald die Sämling zwei Blätter haben und Beete frei geworden sind. Dann entwickeln sich bis zum Herbst gesunde üppige Salatpflanzen, welche sogar den ersten Nachtfröste standhalten. Erntereif sind erste Exemplare oft schon Ende September – das Wachstum wird erst im November eingestellt und bis dahin wird geerntet.
Die Anbauanleitung für die Zuckerhut-Zichorie (Fleischkraut) ist hier.

Quellen und Hinweise:

* Saaten vor Schnecken schützen

** Man kann ein transportables leichtes Foliengewächshaus/Tunnel im Sommer für den Gurkenanbau nutzen, es im Herbst für Salat (siehe oben) und es zum Jahresende wiederum auf ein Beet mit im Oktober gesätem Winterportulak umstellen. Letzterer bringt dann im März unter Folie ordentliche Salaternten. 
Nach meinen Erfahrungen bereitet im frühen Winter Kondenswasser innerhalb der Folientunnel Probleme, welches sich an der Innenseite der Folie niederschlägt und dann auf die Pflanzen tropft und diese schädigt. Aus diesem Grunde versorge man sich wärmeisolierende Spezialfolien mit Antitauwirkung  für den Folientunnel.

[1] A. Bier - Lohnende Gemüsezucht, Erfurt um 1920
Dazu unten das Bild. Im Oktober wird mit Brettern und Glasfenstern eine provisorisches Frühbeet auf dem Salatbeet errichtet. Wenn laubabwerfende Bäume in der Nähe stehen, sollten die Pflanzen unbedingt vor den herabfallenden Blättern geschützt werden.

Wintersalat eingeschlagen im Frühbeet