Gemüsegarten im HerbstMein Gemüsegärtchen im Herbst (Oktober).
Mein Gemüsegärtchen im Herbst (Oktober).

Herbstgemüse sind eher selten im Kleingarten zu finden. Gewöhnlich säen und bepflanzen wir im Frühjahr die Beete, pflegen diese bis zum frühen oder späten Sommer und fahren dann die Ernte ein. Diese Methode kennt fast jeder und man braucht sich im Spätherbst nur die Kleingartensparten anzusehen, wo die Beete frisch umgegraben auf den Winter warten. Dann hören wir oftmals die höflich gemeinte Floskel: "Na hast du deinen Garten schon winterfest gemacht?" – worauf ich regelmäßig antworte: "Nein, so etwas gibt es bei mir nicht".

Gemüse Anbau im HerbstIm Herbst wird der Kleingarten noch lang nicht winterfest gemacht.

Die Hersbstkultur beginnt im Hochsommer

Bezüglich des Gemüses praktiziere ich bei mir den Spätsommer/Herbst- und Winteranbau im Freiland und es bleibt bei mir in auch dieser Zeit fast kein Gartenland unbestellt. Abgesehen von einigen Wurzelgemüsen, wird bei mir die Anbaufläche zwei Mal im Jahr gesät und bepflanzt, wobei die erste Haupternte im Frühsommer erfolgt.
Im Juli, wo bei vielen Gartenfreunden schon eine gewisse Urlaubsstimmung aufkommt, herrscht bei mir Hochbetrieb. In diesem Monat müssen die mit Frühkartoffeln, Erbsen, Blumenkohl und Erdbeeren bestellten Beete abgeerntet und neu vorbereitet werden. In diese Zeit fällt übrigens auch die Pflanzung der frisch geschnittenen Erdbeerabsenker. Geschieht die Pflanzung der Absenker um die Mitte des Monats Juni, so kann man im Folgejahr mit Höchsterträgen der Erdbeeren rechnen. Die Erträge nehmen nämlich sofort ab, wenn die Senker erst nach dem 20 Juli gepflanzt werden. Werden die Erdbeerenabsenker gar erst Mitte September neu gesetzt, so erntet man im kommenden Jahr nur 15 % und im 2. Jahr lediglich um die 50 % des möglichen Ertrages. (siehe Tabelle im Kalendarium zum Monat Juli).

Knollenfenchel Romanesco Porree HerbstanbauDie Kultur des Knollenfenchels gelingt im Spätanbau am besten, da er dann seltener schießt. Hinter ihm steht Romanesco und Porree.

Die wichtigsten Herbstgemüse

Die einzigen Gemüse, die in meinem Garten vom Frühjahr bis Spätherbst "durchwachsen", sind neben dem separat gepflanzten Yacon (Inkawurzel), Rosenkohl, Porreepflanzen, Hafer- und Schwarzwurzeln, Wurzelpetersilie, Pastinaken und Möhren (also Wurzelgemüse) und Spinatblätter, wobei die frostfesten Schwarzwurzeln und Pastinaken, sowie Winterspinat,  Rosenkohl und Winterporree auch über die Wintermonate auf den Beeten verbleiben und dort an milden Tagen direkt vom Freiland geerntet werden.

Neben den besagten Bestellarbeiten im Juli beginnt natürlich im Hochsommer bis weit in den Herbst hinein (vor allem wenn er frostfrei ist) die Erntesaison der typischen Sommergemüse, wie Neuseeländer Spinat, Gurken, Tomaten, Paprika, Zucchini und Bohnen und gegebenenfalls deren Haltbarmachung. Das alles zeigt, dass der Juli der entscheidende Monat im Gartenjahr ist. Ist dieser erntetechnisch "überstanden", dann bringt das Land ein zweites Mal frisches Gemüse vom September Oktober/November über den Winter bis zum kommenden Frühlingsmonat März.

Ulmer OchenhörnerDas Herbstrübchen Sorte 'Ulmer Ochenhorn' ist ein wahres Wachstumswunder. Ende August gesät, bringt es noch Ertrag.. Es wird in der Küche wie Mairübchen verwendet.

Herbstgemüsearten, mit denen im Spätsommer (Möglichst noch im August) das Gartenland bestellt und welche noch vor dem Winter geerntet werden können, sind:

Gemüse, die nicht so recht in das oben aufgezeigte Schema passen, sind rote Beete (Rote Rüben) und Rosenkohl. Denn deren Kulturzeit beginnt bereits im Mai. Ende Oktober ist die Erntezeit für rote Beete und für Rosenkohl im Dezember. Doch auch bei diesen beiden Kulturen gibt es keine Lücken in der Beetbestellung, denn die beliebten roten Beete können sofort gesät und Rosenkohl gepflanzt werden, wenn der sogenannte Wintersalat (zeitiger Kopfsalat) abgeerntet ist. Anschließend sät man – wenn gewünscht – Spinat; Das geht sogar noch im Dezember.

Wer reichlich selbstgewonnenen Spinatsamen zu Verfügung und genügend Platz hat, der kann reichlich Spinat anpflanzen und diesen anschließend zur Gründüngung verwenden, wenn das Land im März bald für anderen Kulturen gebraucht wird. Doch notfalls kann man junge Spinatpflänzchen im Frühjahr umsetzten und wenn es die Umpflanzung auf einen Platz am Rande ist, wo man den Spinat blühen und die Samen ausreifen lassen kann. Das man Spinat schon in älterer Zeit als Gründüngung verwendete, ist aus den alten Klostergärten bekannt. Dort säte man das Blattgemüse in engen Reihen und häckelte später die Blätter jeder zweite Reihe zur Verbesserung des Bodens ein.

Zichorie Zuckerhut BlattgemüseFür unser Klima ist von den Zichoriensalaten die Sorte 'Zuckerhut' am ertragreichsten und am sichersten im Anbau. Die Jungpflanzen werden um den 1. Juni gesät und im August eingesetzt. Sie bilden längliche, dem Kopfsalat ähnliche Salatköpfe.

Jungpflanzen im Sommer Verpflanzen für die Herbsternte

Neben dem Monat Juli gibt es für den Herbstanbau im Geemüsegarten aber noch einen zweiten wichtigen Termin. Und zwar der, am dem die Gemüsearten gesät werden, deren Jungpflanzen später verpflanzt werden. Dieser liegt, je nach den klimatischen Verhältnissen, um den 1. Juni. Zu diesem Zeitpunkt werden verschieden Kohl- und Zichorienarten gesät. Es kommt hier bei dem Saatzeitpunkt nicht auf eine Woche an, für diese Arbeiten ist das Zeitfenster etwas weiter geöffnet. Das gilt ebenso für die März-Saaten des Porree und Sellerie für die Sommerpflanzung.

Meine Video-Notizen:

Gartenkalender und -Tagebuch zum Herbstanbau 

Zur Thematik möchte ich den von mir verfassten Gartenkalender Band 2 (Foto) empfehlen, welchen man preiswert und ohne Versandkosten über amazon beziehen kann. Der Kalender fungiert gleichzeitig als Tagebuch, wo du deine individuellen Notizen zu den Aussaatzeiten und selber verwendeten Sorten machen kannst.

Gartenkalender Herbstanbau von Gemüse im Selbstversorgergarten

Besonders bei den Spätgemüsen ist das Zeitfenster für die Aussaat oder das setzen der Jungpflanzen sehr kurz und abhängig vom Regionalklima . Mir gelingt die Spätkultur erst gut, seit dem ich mir diese Anbauhinweise jährlich genau notiere und dann mit den Ergebnissen (Reifezeiten) vergleiche. In diesem Zusammenhang hatte ich mir anfangs eigene Kalendarien geschaffen und diese später auch in gedruckter Form veröffentlicht. Inklusive sind die Bücher mit den nötigen Schnellinfos ausgerüstet, welche der Kleingärtner vor Ort ständig braucht, wie Kulturanleitungen, Saattiefen, Düngehinweise und Anbauplan. Für denjenigen, der von den Gemüsearten selber Samen gewinnen will, sind entsprechende Hinweise gegeben usw. Im Garten vor Ort ist der Info-Kalender dann auch einfacher zu gebrauchen als ein Smartphone und so hat er sich in vielerlei Hinsicht bewährt.
Mittlerweile sind es drei Gartenkalender mit verschiedenen Themen die ich sehr kostengünstig bei amazon anbiete – leider sind sie zur Zeit nur dort erhältlich.