Schwarzer Rettich Raphanas sativus var. nigerStammt aus dem 16. Jahrhundert
Stammt aus dem 16. Jahrhundert

Der schwarze Winterrettich, Raphanas sativus var. Niger, ist wirklich ein interessantes Gemüse, welches sich hervorragend für den Herbstanbau eignet. Abgesehen der Möglichkeit, aus ihm selber Hustensaft herzustellen, sind leider relativ wenige Zubereitungsarten bekannt, trotz, dass er viel Vitamin C, B1, B2, Eisen und Calcium enthält. Roh lässt sich aus dem Winterrettich Salat zubereiten; Gekocht erinnert er im Geschmack an Rübe. Als Kaninchenfutter ist er in allen Teilen verwendbar.

Aussaattiefe und -zeitpunkt, Abstände

Der schwarze Winterrettich gedeiht auf jedem normalen Gartenboden, nur extrem schwere und leichte Bodenverhältnisse sind ungeeignet. Für die Kultur sind auch etwas überschattete Gartenbereiche brauchbar. Meist wird das Herbstgemüse nach der Ernte der Frühkartoffeln, Erdbeeren oder Erbsen ausgesät.

Rettichsamen bleibt etwa 4 bis 5 Jahre lang keimfähig. Was den Aussaatzeitpunkt betrifft, so liest man, dass der Juli und August geeignet ist, bzw. nicht vor dem 20. Juni gesät werden darf. Nach meinen Erfahrungen liegt der beste Zeitpunkt für den Beginn der Kultur um den 24. Juli, also fünf Monate vor Weihnachten. Die Saattiefe beträgt 2 bis 3 cm. Schon nach 5 bis 8 Tagen keimt die Saat.

Baut man mehrere Reihen an, so ist deren Abstand 25 bis 30 cm weit. Ich säe die Pflanzen möglichst schon in dem Abstand, wie sie später stehen sollen also auf 25 bis 30 cm, je nachdem, ob es sich um eine runde oder möhrenföhrmige Sorte handelt. Gehen die Rettiche dichter auf, so müssen sie auf die genannten Abstände verzogen werden. Gewöhnlich wird man die Winterrettiche nicht in Massen anbauen. Wer mit der Art aber reichlich einlagerbaren "Winter-Futterrettich" kultivieren möchte, der rechne mit einem Samenbedarf von 1/2 g pro m². 1 g Samen sind 100 Korn. Der Ertrag liegt immerhin bei 1,2 bis 1,5 kg pro m².

Verpflanzung ist möglich, Besonderheiten

Weniger bekannt ist (und ich habe es selber auch noch nicht ausprobiert), dass man die Rettiche auch verpflanzen kann. Bei Anderegg ist zu lesen: Die Winterrettige werden vom Juni bis Ende Juli angesät und hernach verpflanzt. Damit können sie ähnlich den Steckrüben behandelt und vorgezogen auch nach späterer Kartoffelernte im August und Anfang September auf das Beet kommen, wenn es für die Direktsaat zu spät ist.

Ernte und Lagerung

Schwarze Winterrettiche weisen auch noch im Spätsommer, ähnlich dem Grünkohl noch ein bemerkenswertes Wachstum auf. Ich hatte schon die schnellwüchsigen Mairübchen zusammen mit den Rettichen am 24. Juli gesät, doch die Rübchen lagen im biologischen Rennen weit hinter ihren Raphanus-Konkurrenten zurück. Im Oktober/November sind die Winterrettiche voll ausgebildet und sollten vor der Frostperiode geerntet werden - obgleich ihnen ein Herbstfrost nach meinen Erfahrungen nicht schadet.

Die Ernte lässt sich sehr gut und ohne Verluste in einer frostgeschützten Erdgrube überwintern, die leicht anzulegen ist, oder man lagert sie eingesandet im Keller.

Links Schwarzer Rettich, recht...
Das Laub wächst üppig und ist ...
Vielseitig verwendbar. Für Sal...

Sorten, eigene Samengewinnung

'Runder Schwarzer Winter' – eine uralte Sorte, die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Guter, leicht süßlicher Geschmack. Überwinterte Rettiche können gepflanzt werden und bilden brauchbaren Samen aus, allerdings besteht die Gefahr der Kreuzung / Verwilderung mit dem Acker-Rettich (Hederich, Raphanus raphanistrum).

'Langer Schwarzer Winter' – diese Sorte bildet etwa 30 cm, lange Wurzeln aus und verlangt tiefgründigen Boden.

Mischkultur und Fruchtfolge

Nach meinen Erfahrungen ist eine Mischkultur mit Rettichen sehr schwierig, weil diese durch ihre mächtige Laubbildung andere Gartenkulturen verdrängen. Im bäuerlichen "Mischkulturanbau in Reihen" ist eine Kultur natürlich möglich. Interessant ist allerdings ein bei A. Bier beschriebener Zwischenkulturanbau von Rettich und Spätkartoffel: Vom Winterrettich kann man auch einzelne Körner nach dem Anhäufeln der Spätkartoffeln stecken, wo sich der Rettich unter der Beschattung des Kartoffelkrautes gut entwickelt. Trocknet das Kartoffellaub dann langsam ab, setzt sich das Kraut der Rettiche durch.

In der Fruchtfolge ist der Anbau des Rettich auf Gemüse der gleichen Art (auch Radieschen sind Rettiche) unvorteilhaft, ebenso der Nachanbau auf Kohl (auch Grünkohl und Kohlrabi). Die Kultur wird in 2. oder 3. Tracht verwendet.

Auf jeden Fall ist der Herbstanbau von Rettichen empfehlenswert und bringt pflanzliche Abwechslung in den Gemüsegarten, was sich positiv auf die Bodenstruktur und das Bodenleben auswirkt.

Zubereitung, Geschmack

Bekannt ist, dass man aus dem Schwarzen Rettich einen herzhaften Salat zubereiten kann. Dafür raspelt man ihn nicht zu grob und setzt ihn mit Salz, Öl, Zitronensaft (oder Essig) und etwas Sahne an. Weniger bekannt ist, dass man ihn auch als Gemüse servieren kann, etwa zu Fleischgerichten. Für diese Zwecke scheidet man die Knolle in Stücke und brät sie langsam in einer Pfanne mit Öl etwas Zwiebel und Knoblauch. Der scharfe Geschmack geht dann weitgehend verloren und das Gemüse schmeckt dann ähnlich dem Kohlrabi. Nach all meinen Erfahrungen ist der Schwarze Rettich ein ideales Selbstversorger-Gemüse in Bezug auf Ertrag, Gesundheit, Lagerung und Verarbeitungsmöglichkeiten - auch ist es ein wertvolles Kaninchenfutter.

Literatur & Quellen:

  • Anderegg, H.: Der Gemüsebau im Hausgarten und im freien Felde, Zürich 1880.
  • Bier, A.: Lohnende Gemüsezucht, Erfurt um 1922, im Verlag des Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau.
  • Sobischek, Josef: Der kleine Garten, Wien und Leipzig um 1940.
  • Buro/Meißner/Reinhold/Vanicek: Freude am Garten, Berlin 1978.