Wintersteckzwiebeln BeetIm Winter können wir schon erste grüne Schlotten ernten.
Im Winter können wir schon erste grüne Schlotten ernten.

Lange Zeit war es mir völlig unbekannt, dass der Anbau von Gemüsezwiebeln durch Steckzwiebeln auch im Spätsommer mit anschließender Überwinterung möglich ist. Für diese Zwecke werden im Handel tatsächlich spezielle Wintersteckzwiebeln angeboten. Für Selbstversorger sehe ich in dieser Art des Anbaus große Vorteile, da das Zwiebelbeet Ende Juni des folgenden Jahres bereits abgeerntet werden kann und für eine zweite Kultur zur Verfügung steht. Ein weiterer Vorteil ist, dass die im Frühling bereits gut entwickelten Pflanzen häufig resistenter gegen die gefürchtete Zwiebelfliege sind, als es bei der üblichen Herangehensweise (Pflanzung von Steckzwiebeln im Frühjahr) der Fall ist. Deshalb soll in diesem Beitrag speziell darauf eingegangen und Lösungsvorschläge gemacht werden.

Einleitendes zur Wintersteckzwiebel und deren Überwinterung

Prinzipiell sind alle Gemüsezwiebeln (Allium cepa) winterhart, allerdings manche Sorten mehr und andere weniger.

Wenn heutzutage auch keine wilde Ursprungspflanze von Allium cepa mehr zu finden ist [1], kommt sie doch aus einer Klimazone, in welcher es winterliche Frostperioden gibt. Immerhin stammt die am nächsten verwandte Art der Küchenzwiebel Allium vavilovii [2] aus Turkmenistan und Iran, also ganz aus der Nähe jener Landstriche, in welcher am Ende der letzten Eiszeit die Menschen dazu übergingen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Das war gut 10 oder 12.000 Jahre vor Christi Geburt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stand die Gemüsezwiebel (Zwiebel und Lauch) damals schon auf dem Speiseplan, ob nun wild geerntet oder in primitiver Kultur. Wurde sie gezielt angebaut, dann sicher zuerst in Varianten, wie wir sie heute von der Schalotte (Allium cepa var. ascalonicum) her kennen, mittels Nutzung von Nebenzwiebeln und seltener durch Aussaat.

Auch durch eigene Beobachtung hat sicher der eine oder andere schon die Winterhärte der Zwiebel bemerkt, wenn nämlich eine Zwiebel ungeerntet im Gartenland verblieb und dort ohne unser Zutun überwinterte und anschließend im Frühling austrieb. Die Pflanze bildet wieder Laub (meist schon im Herbst), blüht und reift zur Mittsommerzeit Samen aus, teilt sich bei dieser Gelegenheit und zergliedert in ein Büschel von etlichen neuen Zwiebeln. Was bei der Schalotte oder auch bei der Winterheckzwiebel gewünscht ist, wird bei der Gemüsezwiebel verhindert. Von ihr möchte der Gärtner, dass sie große Zwiebel-Bollen ausbildet, statt sich zu teilen. Das erreicht er durch bestimmte Aussaatzeiten oder mittels Steckzwiebeln. Allerdings müssen wir wissen, dass die Steckzwiebeln einer bestimmten Wärmebehandlung bedürfen, die die Blüte verhindert. Wenn wir also selber Steckzwiebeln gewinnen wollen, müssen sie längere Zeit einer Temperatur von 40°C ausgesetzt werden, die die Anlagen zur Blüte zerstört. Ansonsten schießen ihre Nachkommen in den Samen und bilden keine ordentlichen, haltbaren Bollen aus. So viel sollten wir über die Kultur des uralten Würzgemüses wissen.

Mein Plan gegen die Zwiebelfliege

Über den üblichen Anbau von Gemüsezwiebeln im Garten habe ich eine separate Infoseite geschrieben. Dieser geschieht im Frühjahr mittels Aussaat oder mit Steckzwiebeln. In wintermilden Gegenden ist auch eine Spätsommer-Aussaat möglich, bei der die Jungpflanzen überwintern. All diese Anbautechniken sind zu empfehlen, doch haben sie im Hausgarten ein Manko. In manchen Jahren gibt es enorme Ausfälle in der Ernte, welche durch die sogenannte Zwiebelfliege verursacht werden.

Zwiebelfliege und LauchmotteBefall von Zwiebelfliege und Lauchmotte

Diese Fliege (Delia antiqua), welche der Stubenfliege recht ähnlich ist, legt ihre Eier besonders gern unter jungen, zarten Zwiebelpflanzen ab. Schlüpfen die Larven, fressen sie das Gemüse arg an und breiten sich im Beet auch sofort von Pflanze zu Pflanze weiter aus, was besonders in kleinen Gärten zum Totalausfall führen kann. Ähnliche Schäden richtet die Lauchminierfliege (Phytomyza gymnostoma) an. Anders als im landwirtschaftlichen Anbau [3], haben wir im Hausgarten keine zugelassenen Insektizide zur Verfügung, welche diesen Schädlingen beikommen. Wir können lediglich vor der Flugzeit der Insekten (ab April) Insektenschutznetze über die Beete spannen. Weiterhin gibt es im biologischen Anbau noch die Möglichkeit, sogenannte nützliche Nematoden anzusiedeln, welche die natürlichen Feinde dieser Schädlinge sind. Darauf wird unten näher eingegangen.

Schutznetz im Zwiebelanbau

Aus der Beobachtung heraus, dass besagte Schadfliegen üblicherweise auf junge Pflanzen gehen, welche noch zart sind und keine harten Zwiebelhäute sowie hartes Laub ausgebildet haben, wird geraten, die Kulturzeit so weit es geht nach vorn zu verlegen (bereits im Spätsommer oder nach dem Frost im März) und statt Samen Steckzwiebeln zu verwenden, weil sich diese schneller entwickeln. Wintersteckzwiebeln sind diesbezüglich die beste Wahl, da sie sich von Oktober bis März so weit stärken können, dass sie dem Schädling im folgenden Frühjahr schon recht gut widerstehen. Ein hundertprozentiger Schutz ist jedoch nicht möglich. Trotzdem lässt sich schon vorweg sagen, dass ein Mix von Maßnahmen die Lösung des Problems darstellt.

Wintersteckzwiebeln anbauen

Boden vorbereiten

kein Stallmist – Kalk zugeben

Für den Anbau von Speisezwiebeln benötigen wir Beete, die möglichst sonnig sowie frei und luftig liegen. Optimal ist es, wenn der Boden Lehmanteile besitzt, allgemein in einem gut bearbeiteten Zustand ist und keine Unterversorgung an Pflanzennährstoffen aufweist. Nun ist aber immer wieder zu lesen (und es wird oft falsch verstanden), dass für den Zwiebelanbau nicht frisch gedüngt werden darf. Damit ist aber gemeint, dass vor der Aussaat oder Pflanzung kein frischer Stallmist (Pferdemist, Kuhdung usw.) eingearbeitet werden darf. Jeder frische tierische Dung lockt unweigerlich die Zwiebelfliege und ähnliche Schadinsekten an! Aber selbst ein in der Nähe befindlicher Misthaufen mit frischem Dung kann das schon verursachen. Das Thema "Tierdung" habe ich an anderer Stell sehr ausführlich beschrieben und rate im Kleingarten prinzipiell dazu, frischen Mist nicht pur zu geben, sondern zunächst mit Komposterde zu vermischen und ca. ein Vierteljahr lang reifen zu lassen. Das ist die einfachste Möglichkeit, die im Dung enthaltenden Nähstoffe zu konservieren und gleichzeitig die tierischen Exkremente zu neutralisieren. Doch nun wieder zurück zu Dünger und Zwiebelbeet. Dass dieses im Vorfeld Pflanzendünger im Sinne von einem ausreichend breitem Nährstoff-Spektrum (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Spurenelemente) besitzen sollte, ist eine wichtige Voraussetzung für den gelingenden Anbau. Das erwähnte Dung-Kompost-Gemisch oder ein äquivalenter Kunstdünger ist dafür geeignet. Zusätzlich ist Kalk vonnöten, da die Zwiebeln sonst "entarten", also nur Laub treiben. Fehlt Kalk, was durch einen Boden-pH-Wert ermittelt werden kann, muss bei der Bodenvorbereitung Gartenkalk zugegeben werden! Ein optimaler pH-Wert für den Zwiebelanbau ist 6,5 bis 7,5.

Nützliche Nematoden und Mikroorganismen

Es braucht also einen guten, aber auch biologisch intakten Erdboden. Deshalb kommen wir nun noch einmal auf die sogenannten nützlichen Nematoden zurück. Nematoden, zu deutsch Fadenwürmer, sind winzige Lebewesen, die im Boden leben und oft weniger als einen Milimeter messen. Wir können sie also faktisch nicht wahrnehmen, doch besonders die Arten der Gattung Steinernema [4], sind natürliche Feinde der Zwiebelfliege sowie anderer Schadinsekten. Wer sich einmal mit einem gesunden Bodenleben im Garten befasst hat, wird erstaunt sein, welche Mengen an Bakterien, Pilzen und vor allem auch an Nematoden dort zu finden sind, die nützliche Wirkungen auf das Pflanzenwachstum haben. Nebenbei gesagt, stellen Nematoden die artenreichste Tierart überhaupt dar, das heißt, etwa 80 Prozent der vielzelligen Tiere auf unserem Planeten sollen Fadenwürmer sein! Mit diesen Daten bekommen wir eine Ahnung davon, was ein gesunder Boden alles vermag.

Allerdings: In Böden, die jahrelang mit Chemie behandelt wurden oder aus anderen Gründen kaum eine biologische Aktivität aufweisen, fehlen die meisten dieser Nützlinge fast völlig. Ein lockerer, luftiger Boden (Tiefbeetkultur), der regelmäßig mit Kompost aufgebessert wird, ist anzustreben. Besagte Fadenwürmer kann man kaufen und bestenfalls im eigenen Garten auf Dauer ansiedeln. Effektive Mikroorganismen sind eine weitere Möglichkeit, um die Bioaktivität des Bodens zu verbessern. Sie sind ebenfalls im Handel erhältlich und werden, ebenso wie die Nematoden, in Wasser gelöst und mit der Gießkanne auf dem Gartenland verteilt. Mit all diese Maßnahmen können wir unsere Anbaufläche biologisch beleben und für einen erfolgreichen Zwiebelanbau gute Voraussetzungen schaffen.

Weitere Erfordernisse

Unkraut ist für unsere Zwiebeln ein starker Konkurrent. Deshalb ist regelmäßiges Unkrautjäten unabdingbar. Anbauflächen, die mit Wurzelunkräutern stark verunreinigt sind, sind für den Zwiebelanbau nicht geeignet. Weiterhin ist allgemeingültig, dass der Boden für unserer Kultur nicht frisch umgegraben sein sollte. Locker und luftig und feinkrümlig soll er zwar sein (siehe Bodengare) und das möglichst auch recht tief (siehe oben: Tiefbeetkultur), doch eben nicht frisch bearbeitet. Haben wir das Beet also frisch gelockert, lassen wir es vor der Pflanzung wenigsten eine Woche lang ruhen und wässern es, damit der Boden sich setzten kann.

Das Pflanzen der Steckzwiebeln

Das Pflanzen der Steckzwiebeln erfolgt am besten zwischen Mitte September und Mitte Oktober (später geht es auch noch, also notfalls bis Mitte November). Dabei gehen wir so vor, dass wir eine flache Rille ziehen, die Zwiebeln mit dem Wurzelanstz nach unten zwei bis drei Zentimeter tief einstecken und dann die Rille wieder verschließen. Am Ende sollten überall kleine Zwiebelspitzen aus dem Boden herausschauen. Ist es sehr trocken, wird anschließen gut gewässert, oder wir geben bereits vor dem Pflanzen etwas Wasser in die vorbereiteten Rillen.

Der Pflanzabstand

Als gängiger Reihenabstand sind 25 Zentimeter ideal, und der Pflanzabstand beträgt drei bis fünf Zentimeter. Wollen wir Wintersteckzwiebeln anbauen, kann der Abstand sogar noch verringert werden, weil diese kleiner bleiben, als die Sommersteckzwiebeln. Der Grund liegt darin, dass die Gemüsezwiebeln einer Art biologischer Uhr folgen und egal, wann sie gesetzt wurden, erst im Monat August ein volles, maximales Dickenwachstum bekommen. Die Wintersteckzwiebeln werden aber schon Ende Juni reif und bleiben deshalb kleiner. Somit benötigen sie nicht so viel Platz und der Pflanzabstand kann verringert werden. Beispielsweise habe ich sie mit nur fünf bis sieben Zentimeter Abstand im Dreiecksverband gepflanzt. Wer Reihen den Vorzug gibt, der benötigt nur 15 Zentimeter Abstand und pflanzt aller drei Zentimeter ein Exemplar.

Steckzwiebeln Pflanzung Abstand

Wird auf doppeltief bearbeitete Beete gepflanzt (siehe Tiefbeetkultur), ist ein noch geringerer Pflanzabstand möglich [5]. Im Prinzip stört es Zwiebeln gar nicht, wenn sie eng beieinander stehen. Bei einer ausgewachsenen Schalotte sind ja auch vier oder fünf Zwiebeln an einer einzigen Stelle vereint. Wir können also sehr eng pflanzen, doch irgendwann kommt dann natürlich der Punkt, wo die Zwiebeln aufgrund der Enge kein ausreichendes Dickenwachstum mehr hervorbringen. Übrigens ist das genau der Trick, wie Steckzwiebeln gewonnen werden. Sie werden einfach überdicht und dazu noch auf magerem Boden gesät. Also noch einmal zusammengefasst: ein Abstand von fünf Zentimetern ist ideal, drei Zentimeter geht bestimmt auch noch, doch weniger ist nicht ratsam.

Mit der Entscheidung für die Anbaumethode braucht es natürlich auch die Kalkulation für die nötige Menge an Steckzwiebeln, für welche ich (bitte dem Link folgen) bereits eine Beispielrechnung aufgemacht habe, immer mit dem Gedanken der Selbstversorgung im Hinterkopf.

Austrieb vor dem Winter

Nach dem Pflanzen bemerken wir recht bald, dass die Zwiebeln rasch anwachsen und Kräfte sammeln. Sie treiben schon vor dem Winter grünes Laub, welches, wenn der Winter nicht zu hart wird, in der Regel immergrün bleibt. Und damit gibt es bereits im Vorfrühling schon lange vor dem Schnittlauch das erste Grün für die Küche.

Der winterliche Bewuchs des Beetes hat auch auf die Bodenfruchtbarkeit einen sehr positiven Einfluss. Das Bodenleben bleibt nämlich dort gesünder und bioaktiver und die Erde feinkrümeliger, wo das Gartenland ununterbrochen von Nutzpflanzen durchwurzelt ist. Neben dem Ökosystem von Mikroorganismen direkt im Boden tut sich in der unmittelbaren Nähe lebendiger Wurzeln (Zone von vier Zentimetern) ein eigener Mikrokosmos auf. In dieser sogenannten Rhizosphäre [6] existiert ein eigenes sehr nützliches Ökosystem von Bakterien, wertvollen Wurzelpilzen (Mykorrhizen) und Nematoden. Letztere lernten wir bereits kennen.

Fazit: Mit der Pflanzung und Überwinterung der Wintersteckzwiebeln befördern und bewahren wir eine äußerst aktive und vielfältige Bodenbiologie.

Pflege im Winter und Frühjahr

Die wichtigste Pflegearbeit nach dem Pflanzen und Anwachsen ist die Unkrautbekämpfung, die im Garten auf kleiner Fläche leicht zu bewerkstelligen ist. Beim landwirtschaftlichen Zwiebelanbau (Ökolandbau) ist die Winterbestellung schon schwieriger, weil die Felder im allgemeinen über die Wintermonate sehr verunkrauten und ein Technikeinsatz in dieser Zeit kaum möglich ist. Im Hausgarten hingegen, haben wir gerade im Winter viel Zeit für solche Gartenarbeiten, um das kleine Stück "Zwiebel-Acker" unkrautfrei zu halten. Im Frühling wird weiter Unkraut gejätet oder es wird flach gehackt. Nur tiefgründig darf der Boden nicht durchgehäckelt werden, um die flachen Wurzeln nicht zu beschädigen..

Gegossen wird nur bei starker Trockenheit.

Im April, spätestens wenn der Löwenzahn zu blühen beginnt, sollten wir feinmaschige Insektenschutznetze über unser Beet spannen, weil mit der einsetzenden Löwenzahnblüte auch die Zwiebelfliege aktiv wird. Nach meiner Erfahrung ist es günstig, das Netz rings um das Beet am Boden zu befestigen. So wird verhindert, dass es bei starkem Wind davonfliegt, und den Schädlingen wird keine Möglichkeit geboten, an unsere Kulturpflanzen heranzukommen. Beim Einsatz der Schutznetze zeigt sich nun aber auch, dass es günstig ist, die Zwiebeln enger und zusätzlich in Gleichkultur zu pflanzen. Ein weitflächiger Anbau oder gar der Anbau in Mischkultur, beispielsweise mit Möhren, erfordert ein großflächiges Abdecken von Gartenland mit Insektenschutznetzen und verursacht unter Umständen höhere Materialkosten. Zudem sind mit Netzen abgedeckte Beete schwerer vom Unkraut zu befreien. 

Was das Düngen betrifft, so kann es im Grunde unterlassen werden, wenn der Boden gut vorbereitet wurde. Wer will und vor allem, wer sie zur Verfügung hat, der kann zum beginnenden Frühjahr etwas Holzasche streuen. Sie ist ein guter Kalidünger, was die Reife und Haltbarkeit der Zwiebeln befördert. Außerdem ist in der Holzasche Kalk enthalten, und der wiederum ist ein wichtiger Bodendünger für unsere Kultur.

Erntezeit, Ernte und Lagerung

Die ersten Ernte, von der wir profitieren können ist die, dass wir uns schon im Winter etwas von dem röhrenförmigen, grünen Laub der Zwiebeln holen können. Das geschieht natürlich moderat, weil zu viel Rückschnitt später das Wachstum der Pflanzen schwächt. Haben wir dagegen sehr dicht und reichlich gepflanzt, kann von einzelnen Exemplaren das Laub geerntet und sie nach dem Ausreifen ebenfalls entfernt werden. Ebenso ist es möglich, ganze Lauchzwiebeln (Schlottenzwiebeln) herausziehen und sie in der Küche wie Frühlingszwiebeln zu verwenden.

Zwiebelernte

Zur Ernte ist folgendes zu sagen. Anfang Juni werden die Lauchspitzen der Zwiebeln gelb, was nicht am Nährstoffmangel liegt, sondern an der beginnenden Reife. Das Gelbwerden setzt sich immer weiter fort, und meist können wir Ende des Monats oder Anfang Juli die Exemplare aufnehmen. Geerntet sind sie schnell, denn man zieht sie einfach nur am Laub aus der Erde. Zur Nachreife werden sie zuerst in der Sonne und später an einem hellen, luftigen Ort ein oder zwei Wochen lang trocken gelagert. Anschließend sind sie verbrauchs- und bis in den Winter hinein lagerfähig.

Mischkultur mit Möhre gegen Zwiebelfliege?

Wenn es um die Thematik der Bekämpfung der Zwiebelfliege geht, lesen wir immer wieder davon, dass der Mischkultur-Anbau von Möhren und Zwiebeln die besagten Schadinsekten abhält, unsere Kulturen zu befallen. Dabei darf man aber nicht den Fehler begehen, Steckzwiebeln unmittelbar neben Möhren zu stellen, weil das üppig wachsende Laub der Möhren das Laub der Zwiebeln sehr bedrängt. Allerdings gibt es tatsächlich eine besondere Form des Zwischenkultur-Anbaus und das ist die, bei der die Zwiebeln gesät werden. Dabei ist es möglich, in einer Reihe Zwiebeln und daneben schwachwüchsigen Frühsorten der Möhre zu kultivieren.

Überhaupt ist die klassische Mischkultur bezogen auf die Kultur von Lauchgewächsen, nicht die von Möhre und Zwiebel, sondern der Anbau von Möhre und Porree (Lauch). [7] Konkret der von frühreifenden Karotten und Porree, die beide im Frühjahr in einer Rille ausgesät werden. Bei dieser Anbautechnik wird der Samen beider Arten im Gewichtsverhältnis von 3:2 gemischt und gesät. Die Mischsaat wächst auf und wird so weit wie nötig vereinzelt. Im Juli kommen dann die Frühmöhren zur Ernte. Der Porree bleibt stehen, bekommt anschließend eine gute Düngung und wächst alleinstehend auf dem Beet weiter bis zu seiner Ernte im Herbst oder Winter.

Zusammenfassung, Bewertung und Erfahrungen

Die oben aufgezeigte Form, Küchenzwiebeln im Garten selber anzubauen, ist so ziemlich perfekt. Dafür spricht die Einfachheit der Kultur, eine gewisse Resistenz gegen die Zwiebelfliege, sowie die Möglichkeit, das Beet Ende Juni noch ein zweites Mal mit einem späten Gartengemüse bestellen zu können. Dagegen sprechen die höheren Kosten für Steckzwiebeln im Vergleich zu Samen, es sei denn, man vermag die Steckzwiebeln selber anzubauen und zu behandeln.

Die angebauten Zwiebeln bleiben etwas kleiner, als die vom Frühlingsanbau, und sie sind nicht ganz so lange lagerfähig, wie die spät geernteten. Große Zwiebeln lassen sich allerdings unter häuslichen Verhältnissen auch nicht so sicher lagern, wie die kleineren Exemplare.

Ich jedenfalls plädiere für die Wintersteckzwiebel, denn sollten sich diese hier und da auch wirklich nicht so lange im Lager halten, so sind doch schon sehr zeitig Lauchblätter und Lauchzwiebeln zu ernten (wie oben bereits erwähnt). Außerdem können wir noch ein kleines Beet mit echten Lauchzwiebeln (Frühlings- bzw. Winterheckzwiebel; es ist alles die gleiche Art) bestellen, welche ebenfalls selten von der Zwiebelfliege heimgesucht werden. Sie liefern vom April bis in den Sommer hinein frische Lauchzwiebeln, die in der Küche ebenso Verwendung finden können, wie die dicken Bollen.


[1] Beachtenswert ist, dass die Gemüsezwiebel nur noch eine reine Kulturpflanze darstellt, deren wilde Ausgangsform bis jetzt nicht auffindbar ist. Diese Tatsache beweist das hohe Alter dieser Kulturpflanze.

[2] R. M. Fritsch und N. Friesen Evolution, Domestication and Taxonomy 1. The Genus Allium L.; Gatersleben, Osnabrück 2002; PDF: https://www.researchgate.net/publication/237309729_1_Evolution_Domestication_and_Taxonomy

[3] Wir fragen uns natürlich, wie das die Zwiebelbauern machen, die hektargroße Felder bestellen. Insektizide Spritzmittel sind in Deutschland derzeit verboten. Nach meinen Recherchen hilft man sich damit, dass das Profi-Saatgut gebeizt und so behandelt wird, dass die Samen mit einem Insektizid ummantelt werden. Mit der Aussaat kommt dieses dann punktuell und mit einer gewissen Depotwirkung in den Boden, genau dorthin, wo die Schädlinge wirksam werden. Das Verfahren ist mindestens seit den 1940er Jahren in Anwendung.

[4] https://www.e-nema.de/shop/zier-und-nutzpflanzen/nema-care/1313020-nema-care.html (nützliche Nematoden/Fadenwürmer)

[5] Pflanzabstand: Bisher habe ich 200 Steckzwiebeln auf einen Quadratmeter gesteckt und komme damit auf einen Ertrag von ca. sieben Kilo pro Quadratmeter. Doch in Zukunft gehe ich auf 300 Stück pro Quadratmeter.

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Rhizosph%C3%A4re (Rhizosphäre)

[7] Wirth, A.G.; Höchsterträge durch Mischkultur wahlverwandter Gemüsearten (Grundlagen und Fortschritte im Selbstversorger-Gartenbau, Heft 1); Ludwigsburg 1946

Weiterführende Literatur:

  • Koehler, Horst; Das praktische Gartenbuch; Hannover 1952 (Seite 419ff)
  • Prof. Dr. Jürke Grau und Dr. Hans-Christian Friedrich; Mein Gartenjahr; Honos Verlags AG, Zug 1988 (Seite 312ff)
  • Stein, Hanni; Zwiebeln das ganze Jahr. Praktische Anbauanweisung für alle Zwiebelarten, Anbautabellen, Zwiebelrezepte.; Berlin 1949
  • https://www.bingenheimersaatgut.de/de/bio-saatgut/pflanzgut/steckzwiebeln/wintersteckzwiebeln.html
  • https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/informationen/p_19984.pdf (WZ in der Landwirtschaft)