Mairübchen Sorte Schneeball
1) Im Eigenanbau braucht es keinerlei Spritzmittel für die Kultur. Bei Industrieware schon.

Wer einmal den Wert der Mairübchen für die Küche erkannt hat, der wird das Gemüse sicher auch selber im Garten anbauen wollen. Die Mairübe ist eine Varietät der Speiserübe, welche vor Einführung der Kartoffel in Mitteleuropa einmal ein wichtiges Hauptnahrungsmittel war. Das Besondere der hier vorgestellten Form ist die sehr kurze Kulturzeit zwischen Aussaat und Ernte. Eine weitere Besonderheit ist, dass sie ganzjährig angebaut werden kann, was zum Beispiel mit den Herbstrüben nicht möglich ist. Der Wermutstropfen bei dem Anbauvorhaben ist jedoch, dass die Kultur oft von Schädlingen heimgesucht wird.

Bedingungen für den Anbau

Mairübchen gedeihen am besten auf einem sandig-lehmigen Boden, welcher im Jahr zuvor gut mit organischem Dünger (z.B. Mist) gedüngt wurde. Man nennt solche Kulturen auch Gemüse (Kulturen) zweiter Tracht oder Mittelzehrer. Frischer Dung wäre auf jeden Fall kontraproduktiv, weil der sich geschmacklich negativ auf das Gemüse auswirkt.

Rümpler [1] schrieb sogar "von einem üblen Geschmack, welchen die Rübchen annehmen", wenn frischer Stallung Verwendung findet. Auf sandigem Untergrund ist der Geschmack des Gemüses am besten, doch je bündiger der Gartenboden ist, um so mehr leidet das feine Aroma.



Was das Klima betrifft, so ist eine beständige, eher kühle und feuchte Witterung dem Anbau von Mairübchen am zuträglichsten. Nahe der Nordsee herrscht wohl das optimale Rübenklima, sodass diese Kultur in der Region besonders gut gedeiht.

Wer seinen Garten mehr in einer kontinentalen Klimazone hat, in der trockene Phasen zum Alltag gehören, sollte sich darauf einstellen, regelmäßig und bei Trockenheit besonders konsequent zu gießen. Müssen die Rübchen oft trocken stehen, und das ganz besonders im Sommer, neigen sie dazu, in den Samen zu schießen, statt Rüben auszubilden.

Doch auch der Standort ist außerordentlich wichtig. Eine offene, luftige Anbaufläche wirkt sich günstiger aus, als ein halbschattiger und gar stockiger Platz.

Was tun gegen Schädlingsbefall?

Erdfloh an den Mairübchen2) Der Erdfloh (Psylliodes) ist ein kleiner Käfer, der schnell fortspringt, wenn wir ihn ergreifen wollen

Können wir nun diese Voraussetzungen erfüllen, so müssen wir aber auch mögliche Schädlinge in das Kalkül einbeziehen. Zum einen ist es ein unauffälliger Käfer, Erdfloh (Psylliodes) genannt, und zum anderen die Maden der Rübenfliege (Pegomya betae), die es auf unsere Rübchen abgesehen haben.

Ein Befall mit Erdflöhen hat zur Folge, dass gleich nach der Aussaat die aufgehenden Pflänzchen komplett aufgefressen werden können. Doch auch wenn wir es erfolgreich zu Jungpflanzen gebracht haben, sind diese vor den gefräßigen Käfern nicht sicher. Sie durchlöchern die Blätter der zarten Pflanzen massiv, siehe Bild 2), bis hin zum kompletten Absterben der Kultur.

Das geschieht besonders häufig an warmen, trockenen Frühlingstagen. Wie wir gegen den Erdfloh vorgehen können, habe ich am Ende des Beitrags ausführlich beschrieben. 

Die Rübenfliege, auch Gemüsefliege genannt, müssen wir ebenfalls von unserer Kultur fernhalten. Das geschieht am besten mit Gemüsenetzen, denn die Fliege legt ihre Eier an die jungen Pflanzen und ihre Larven ernähren sich ausschließlich von den zarten Blättern. Wem der Aufwand mit den Schutznetzen zu groß ist, der kann auch über die Sommermonate auf den Anbau von Mairübchen verzichten und als Ersatz Spargelsalat oder Kohlrabi im Sommeranbau wählen. Wer sich für Kohlrabi entscheidet, dem empfehle ich die Riesensorten für den Anbau im Sommer und Spätsommer.

Was nun den Schädlingsbefall betrifft, so ist es wohl offensichtlich, dass im professionellen Anbau auch entsprechend reichlich Insektizide zum Einsatz kommen. Hinzu kommen Rüben-Fungizide und Herbizide. Alles in allem ist das schon ein Grund, Mairübchen selber im eigenen Garten anzubauen und ein Gemüse zu haben, welches völlig frei von Chemikalien und deren Rückständen ist.

Botanik

Bevor wir uns der Anbauanleitung zuwenden, sollten wir uns doch noch einmal eingehender mit der botanischen Herkunft der Mairübe beschäftigen. Grob gesagt, können wir sie den Kohlgewächsen (bzw. Kohlgemüsen) zuordnen und bereits eine Besonderheit für die Praxis feststellen.

Eine eiserne Regel der Gärtner lautet, dass man nie Kohl auf Kohl anbauen sollte, doch bei der Mairübe gilt das nicht. Sie kann durchaus und ohne Probleme auf Flächen angebaut werden, wo zuvor Erbsen oder auch früher Weiß- oder Wirsingkohl gestanden haben. [1]

Teltower Rübchen im Anbau3) 'Teltower' - eine alte Regionalsorte für sandige, trockene Böden

Die Mairübe (Brassica rapa subsp. rapa var. majalis), auch Mairübchen oder Navette genannt, ist keine Sorte, sondern eine Sortengruppe (Sippe) der sogenannten Wasserrüben (Weißrüben) [2] und diese wiederum eine Varietät der Speiserübe (Brassica rapa subsp.rapa).

Die Speiserübe ist eine Unterart der Pflanzenart der Rübsen (Brassica rapa), und diese gehört zur Gattung der Kohlgewächse (Brassica). Der Kohl fügt sich in die Unterfamilie (Tribus) der Brassiceae und diese in die Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Die Bezeichnung "Mairübe" kann Sortenname oder Sortengruppe sein.

So hat die alte Sorte 'Mairübe' eine platte Form. Die runde, weiße Mairübe hingegen, wie wir sie aus dem Supermarktregal kennen, ist ebenfalls eine über hundert Jahre alte Sorte mit Namen 'Schneeballrübe' und noch rascher im Ertrag, als die Erstgenannte.



Weitere Sorten:

Sorten mit platter Form, meist rotköpfig oder mit rotem Hals. Die ersten vier Sorten sind die ältesten.

  • 'Mairübe' tellerartige Ausbildung; weißes oder gelbes Fleisch, sehr zart mit wenig Süße
  • 'Holländische Weiße'
  • 'Münchener Treibrübe' – rotköpfig; plattrund; weißes Fleisch; nicht zu üppiges Laub
  • 'Amerikanische Mairübe' – sehr ähnlich der Münchener
  • 'Mailänder'
  • 'Primera'

Sorten mit runder Form, meist schneeweiß. Die erste ist die Altsorte. Früher gab es auch viele namenlose, weiße und gelbe Formen in den Gärten. Die runden Sorten werden breitwürfig gesät.

  • 'Schneeball' – (wurde früher zu den Herbstrüben gezählt) [3]
  • 'Market Express'
  • 'White Ball F1'
  • 'Tokyo Top F1'

Ein weiterer Typ ist die Teltower Rübe. Sie ist eine alte märkische Regionalsorte, welche speziell auf sandigen und trockenen Böden gut gedeiht.

  • 'Teltower Rübchen'

Aussaat – Zeitpunkt und Saattiefe

Wir können die Mairüben von März bis zum 5. August säen. Es ist ratsam alle 14 Tage ein Quantum auszusäen, damit man später beständig ernten kann. Später kann man nur noch Herbstrübchen anbauen. Diese sät man vom 1. Juli bis zum 1. September direkt ins Freiland.

Die runden und plattrunden Sorten werden traditionell breitwürfig gesät im Gegensatz zu den karottenförmigen Rübensorten. Die Saattiefe beträgt bei beiden ein bis zwei Zentimeter. Die Keimdauer liegt bei sieben bis zwölf Tagen. 

Bei der Breitwurfsaat werden die winzigen Samen mit einer Zinkenhacke leicht in den Boden eingearbeitet und danach die Erde mit einer Schaufel etwas festgeklopft. Das Gießen im Anschluss muss sehr vorsichtig geschehen und sollte am besten mit einer feinen Brause erfolgen, damit die Samen nicht wieder ausgespült werden.

Der Pflanzenabstand zueinander ist je nach Wüchsigkeit der Sorten sehr verschieden. Die Teltower benötigt beispielsweise 20 – 25 cm² Raum für die Entfaltung.

Natürlich kann auch in Reihen gesät werden. Hier sind 15 Zentimeter Reihenabstand optimal. Der Pflanzabstand kann ja nach Sorte zwischen 6 und 15 Zentimetern variieren.

Mischkulturanbau kann Erdflohbefall verhindern

Eine weitere Möglichkeit für den Anbau ist der in Mischkultur. Er muss aber bereits vor der Aussaat gut geplant werden.

Mairüben Aussaat Mischkulturanbau4) Aufgehende Saat vom Mairübchen und Schnittsalat.

Nach einem deutschen Gartenbuchklassiker, der sich mit Mischkulturanbau befasst [4] haben holländische Gärtner früher Kohlrabi, Radieschen und Kopfsalat in Mischkultur, um Erdflöhe fernzuhalten. Der Salat auf den Außenflächen verhinderte den Flohbefall bei Radischen und Kohlrabi.

Mein Mischkulturanbau mit Pflücksalat, siehe Bild 4), soll die Mairübchen schützen. Dafür habe ich den Salat in Reihen mit einem Abstand von 20 Zentimetern ausgesät und in die Zwischenräume breitwürfig die Mairübchen. In der oberen Zeile stehen zusätzlich junge Frühjahrsrettiche, die ebenfalls oft den Erdflöhen zum Opfer fallen. 

Nach meinen Beobachtungen schützt aber nur frisch aufgegangener Salatsamen vor den Käfern. Ausgewachsene Pflanzen, zumal wenn sie verpflanzt wurden, haben keine Schutzfunktion mehr. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich den Salat eine knappe Woche vor den Mairübchen gesät. Die Keimlinge der Rübchen und Rettiche haben zwar auch einige Fraßstellen, doch sie ewerden es verkraften, solange es nicht mehr werden.

Neben dem Salat ist auch Spinat ein Geruchsfeind der Erdflöhe. Beide Arten können, entsprechend alter Literatur, auch gemischt mit Rübensamen breitwürfig in einem Zuge in die Erde kommen.

Eine vom Autor erfolgreich erprobte Mischkultur für die herbstliche Ernte ist die breitwürfige Aussaat, der folgenden Gemüse, Anfang August auf abgeerntete Beete. Es werden Mairübchen, verschiedene Herbstrübchen, Schwarzer Rettich und Italienischer Brokkoli gemischt gesät. Gehen die Pflanzen zu dicht auf, wird entsprechend verzogen und man hat damit gleichzeitig frisches Futter für Kaninchen, Hühner und Co. Die Kultur wird nicht gedüngt! Als erstes werden die Mai- und etwas später die Herbstrübchen erntereif. Mit den ersten Nachtfrösten holen wir die Winterrettiche vom Beet. Zuletzt sind die etwas herben Brokkoli-Röschen (Stängelkohl) für die Küche verfügbar.

Pflege, Ernte, Lagerung

Nachdem die Samen aufgelaufen sind und nach etwa drei Wochen die Jungpflanzen vereinzelt wurden (was zu dicht steht, wird ausgerissen), brauchen wir die Beete nur noch unkrautfrei halten und gelegentlich mit einer Hacke die Erde zwischen den Pflanzen zu lockern. Bei Trockenheit und großer Hitze wird ein regelmäßiges Gießen die Qualität der Rübchen auf jeden Fall sehr befördern.

Nur das 'Teltower Rübchen' ist einigermaßen trockenheitsvertäglich und die Alternative für die Gärten, welche nicht bewässert werden können. Nach frühestens 8 Wochen sind die ersten Mairübchen Erntereif und werden vorsichtig aus der Erde gezogen. Wenn wir die Ernte lagern wollen, müssen wir die Herzblätter an den Rüben belassen. Im Kühlschrank halten sich die Mairübchen gut 4 Wochen lang und stehen in praktischen Portionsgrößen in der Küche zur Verfügung. Die Winterlagerung in Mieten und Kellern ist möglich, wobei die kleinfrüchtigen Sorten in Sand eingeschlagen werden müssen.

Samen selber gewinnen

Von der Augustsaat, und dessen duchwinterten Mairüben, werden die schönsten Exemplare (z.B. 5 Stück) gewählt. An einer sonnigen Stelle werden sie im zeitigen Frühjahr mit 45 cm Abstand eingepflanzt. Sie treiben bald 1 m hoch Blütenstängel, welche angebunden werden und im Frühsommer ihren feinkörnigen Samen in Schoten ausreifen.

Der Mairübchensamen bleibt 4 Jahre lang keimfähig. Wer keine überwinterten Rüben zur Verfügung hat, der kaufe sich dieselben im Supermarkt und pflanze diese ein. Man achte aber bei Kauf, dass die Herzblätter noch gesund aussehen. Letztere Art an Mutterpflanzen für die Saatzucht zu gelangen, ist aber nur Privatpersonen erlaubt.

Der Kleingärtner wird die selbst gewonnenen Sämereien sicher mehr schätzen, als gekauftes Saatgut. Frischer, selbst gewonnener Samen geht nicht selten sicherer auf, als gekaufter. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich die Gemüsepflanzen über einige Generationen memetisch an den Standort eingewöhnen konnten, so die Meinung das Autors.


Literatur und Hinweise

  • [1] Rümpler, Theodor; Illustrierte Gemüse- und Obstgärtnerei (bearbeitete Auflage); Verlag von Wiegand, Hempel & Parey; Berlin 1879
  • [2] Die Wasser- oder Weißrüben sind eine Rübenfamilie, in der die Mai- und Herbstrüben als sogenannte Sippen gelten.
  • [3] Lange, Theodor; Allgemeines Gartenbuch. Band 2: Gemüse und Obstbau, Leipzig, Spamer, 1908
  • [4] Wierth, A. G.; Höchsterträge duch Mischkultur wahlverwandter Gemüsearten; Ludwigsburg 1946
  • [TJ.33.9] [Zählmarke] Thomas Jacob, 25.5.2018

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