Selbstversorgergarten
Selbstversorgergarten im Herbst.

Wer im Garten Gemüse für eine weitgehende Eigenversorgung anbauen will, der wird am Anfang sicher erst einmal alle möglichen Gemüsearten säen. Die erste Feuerprobe, ob denn die richtige Auswahl getroffen wurde, besteht man dann mit den Familienangehörigen und besonders den Kindern, wenn sie mehr oder weniger begeistert die entsprechend zubereiteten Mahlzeiten annehmen.

Nur anbauen, was gern verwendet wird und was Ertrag bringt

Und die Erkenntnis wird dann sein, dass es gar nichts bringt, Gemüse anzubauen, welches der Familie nicht schmeckt. Allerdings ist es neben dem Anbau von Gemüse für den Selbstversorger auch wichtig, die Verarbeitung und schmackhafte Zubereitung zu erlernen und zu verfeinern, inklusive schmackhafte Rezepte auszuprobieren.
Pastinake Verwendung als BratgemüeseBeispiel: Wir hatten unseren Kindern das erste Mal Pastinaken kartoffelbreiartig zubereitet serviert. Was von einem Freund empfohlen wurde, endete bei uns desaströs. Heute verwenden wir die winterharten Pastinaken nur als Suppengemüse, als Beigabe in Gemüseaufläufen oder in gebratenem Zustand. Der recht dominante Geschmack wird auf diese Weise abgemildert.
Ähnlich verhält es sich mit dem Kürbis. Jahrelang fristete er ein Dasein als "Armeleuteessen" oder in der Zubereitung als süßsaures Kompott (in der DDR auch Arbeiterananas genannt), bis er in den letzten Jahren in Form von Süppchen und Gratin auch das nobelste Sternerestaurant eroberte. 

Das zweite Kriterium der Auswahl ist, nur das anzubauen, was gesund wächst und ordentlich Ertrag bringt. Alle Gemüse, die jedes Jahr kümmerlich wachsen oder von Schädlingen befallen werden, solltest du durch andere Arten und Sorten ersetzen. Die Lage meines Gartens ermöglicht es beispielsweise nicht, Zwiebeln und Erbsen in ausreichender Menge und Qualität anzubauen. Auch Möhren wachsen auf meinem Gartenland sehr schlecht, sodass ich auf deren Anbau weitgehend verzichte. Hier bietet die Pastinake einen guten Ersatz.

Autarkie und Permakultur: Verwenden, was selber vermehrt werden kann.

Bohnen SamenIch baue sehr viele verschieden Gemüse an. Wer das ebenfalls tut, der wird merken, dass die Sämereien ein echter Kostenfaktor sind. Ich ziehe mir aus diesem Grund Saatkartoffeln und Gemüsesamen selber. Außerdem ist das eine weitere Möglichkeit, autark zu sein.
Und noch ein weiterer Aspekt ist wichtig: Gemüsearten selber vegetativ und generativ zu vermehren ist ein Grundprinzip der Permakultur. Das heißt, Kulturpflanzen müssen sich sowohl genetisch als auch memetisch an den jeweiligen Standort anpassen. Die Vorstellung, das eine einzige Sorte für jedes örtliche Klima im Kleingartenanbau geeignet sein könnte, ist aberwitzig. Früher kannte man die sogenannten Landsorten. Diese bildeten im laufe der Zeit optimale Eigenschaften für den jeweiligen Standort aus. Aber sie konnten nicht zentral gezüchtet und durch Kartelle beherrscht werden.
Mein dritter Tipp also lautet: Baue überwiegend an, was du selber vermehren kannst.

1.) Die wichtigsten Gemüse/ Obstarten zur  grundlegenden Ernährung

  • Frühkartoffeln. 2/3 meiner Fläche wird zunächst mit den frühen Kartoffelsorten und nach der Ernte mit einer 2. Kultur bestellt.
  • Bohnen. Frühe Buschbohnen und viele Kletterbohnen als Gemüse- und Trockenbohnen.
  • Pastinaken. Schon im alten Rom eines der beliebtesten Gemüse, seither Grundnahrungsmittel, welches kaum Krankheiten kennt und sogar noch auf sauren Böden wächst.
  • Grünkohl und Spargelkohl sind einfach zu kultivierende Kohlarten, ähnlich wie Brokkoli, Romanesco, Blumenkohl (im Frühbeet).
  • Spinat. Spinat, Gartenmelde, Neuseeländer Spinat und etwas Mangold als immer frisch verfügbares Blattgemüse.
  • Kürbis und Zucchini für mediterrane Küche
  • Salat (Kopf- und Pflücksalat), Salatgurken und Tomaten für frische Salate.
  • Apfel. Das gut lagerbare Superobst.
  • Walnuss. Sie verhalf unseren Altvorderen, den Winter zu überstehen. Allerdings muss auch der Platz da sein. Schwachwüchsige Sorten sind 'Weinsberg 1', 'Jupiter'

2.) Weitere, einfach zu kultivierende Gartengemüse

Hier kann man nun alle üblichen Gartengemüse und Küchenkräuter aufzählen. Ich selber baue beispielsweise an: Paprika, Freilandgurken, Rhabarber, Schwarzwurzeln, einige Möhren, Staudensellerie, Rote Rüben, Mairüben, Schwarzer Rettich, Mairettiche, Radieschen. Zwiebeln, Winterheckzwiebeln, Porree, Knoblauch.
Kräuter: Petersilie, Schnittlauch, Majoran, Dill, Salbei, Pfefferminze, Thymian, Rosmarin, Basilikum, Ysop,  Liebstöckel, Peperoni.

Obst: Erdbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen, Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen, Birnen, Quitten, Wein, Edelebereschen, Aronia, Kiwi, Haselnuss, Walnuss

Hier sollte man sich entscheiden,

  • ob man eher Tafelobst für den Frischverzehr und für Marmeladen anbauen,
  • oder Obst zum Einkochen/Backen benötigt,
  • oder ob du Obstsäfte, Most oder Obstwein herstellen möchtest.

3.) Typische Feldfrüchte lohnen auf Dauer nicht

Es gibt einige Kulturpflanzen, die nach meiner Auffassung im freien Feldbau um vieles ertragreicher sind als in gärtnerischer Kultur. Diese sollte man besser zukaufen.
So ist es zwar möglich, Kopfkohl im Garten anzubauen, doch dieses Gemüse zehrt den Boden stark aus. Dieser und verschiedener anderer Kohl dürfen erst wieder nach fünf Jahren am selben Platz angebaut werden. Das ist im Kleingarten schwer umsetzbar.
Auch größere Mengen von Mais sind im Garten schwierig zu kultivieren, weil sie andere Gemüse zu stark beschatten und die Beete ganzjährig in Beschlag nehmen.
Erbsen und Sojabohnen sind im Feldbau ertragreicher.