Waldgarten mit Gartenhaus
A.) Das Motiv einer Lichtung im Kontrast zu dunklen Koniferen.
A.) Das Motiv einer Lichtung im Kontrast zu dunklen Koniferen.

Wer die Natur, Berge und Wälder liebt, der möchte nicht selten auch in seinem Grundstück etwas von diesem Flair einfangen. Wie man einen Waldgarten anlegen und gestalten kann, das erfährst du hier. Wie sollte ich vorgehen, wenn ich vorhabe, einen Waldgarten anzulegen? Auch ich habe so ein kleines Waldgärtchen, welches tatsächlich recht romantisch ist, aber nicht ganz problemlos. Es gibt drei Umstände, die man vor dem Anlegen wissen sollte und diese betreffen die Eigenschaften der hoch wachsenden Nadelbäume, die eventuell gewählt werden.

Waldgarten am HangB.) Besonders Hanggärten eignen sich diese waldartig zu gestalten. Hier sind alte Rhododendren der Ersatz für Koniferen.

Tannen, Fichten, Kiefern

Das Erste, an das man bei einem Waldgarten in der Regel denkt, sind die markanten Nadelbäume. Die Tanne ist bekanntlich der Deutschen liebstes Kind. Das zeigt sich, dass sich im Vorgarten so manche Konifere, die einmal für die Weihnachtsbaumbeleuchtung gepflanzt wurde, längst ihre optimale Vorgartengröße verlassen hat und zum Baumriesen durchgewachsen ist. Ist der Termin für eine Fällung der Konifere in der Jugend verpasst worden, wird sie in deren Alter zum Problem behördlicher und finanzieller Art. Pflanzen wir Bäume für eine waldartige Neuanlage, also für den geplanten Waldgarten, so ist auch dort zu beachten, dass viele der Koniferen, die anfangs noch die gewünschte Form und Größe haben, nach etwa zehn Jahren in die Höhe schießen und jährliche Zuwächse von gut 1,5 m haben können. Aus diesem Grund ist es außerordentlich wichtig, die richtige Pflanzenwahl zu treffen.
Weiterhin sollten wir uns klar werden, dass später bei Neupflanzung und besonders dann, wenn schon eine stattlicher Baumbestand vorhanden ist, der eine oder andere Baum gefällt werden, oder die unteren Äste entfernt (aufgelichtet) werden müssen. Das betrifft auch diejenigen Anlagen, welche direkt in einem Wald angelegt werden sollen.

Probleme, welche entstehen können

Bevor wir zu den gestalterischen Dingen kommen, will ich aber noch einmal drei weitere Problempunkte benennen. Wer sein Grundstück in einer engeren Tallage hat, der sollte wissen, dass dort Tannen, Fichten und Kiefern besonders schnell und hoch wachsen, weil sie aus dem Tal heraus zum Licht streben. das kann man auch in der Natur beobachten, wo die Bäume in Tälern gut zwei mal so hoch werden, wie in der Ebene und drei mal so hoch, wie auf einem Berggipfel. Dies Talsituation kann aber auch in flacher, aber bebauter Umgebung entstehen, wenn eine wüchsige Konifere im Schlagschatten eines hohen Gebäudes steht.

Die zweite Schwierigkeit von hohen Tannen, Fichten und Kiefern in Wohngärten ist der besonders im Sommer herabtropfende Harz, der schnell einmal an den Schuhen klebt und so mit ins Haus gebracht wird. Noch unangenehmer ist es, wenn das Harz auf abgestellte Autos oder auf Gartenstühle und -tische tropft. Aus diesem Grunde sollten Sitzecken in entsprechendem Umfeld immer ein Überdachung besitzen. Ein Äquivalent sind die Wanderhütten im Wald, welche durchaus als Gestaltungsmotiv in den Garten übernommen werden können.

Waldgarten Passage kleiner WaldgartenC.) Ein leicht abgesenkter Hohlweg als Gestaltungsmotiv in einem kleinen Waldgarten. Für üppige Staudenbepflanzungen ist etwas Abstand zu Bäumen mit flachen Wurzeln nötig.

Das dritte Problem sind sehr flach wurzelnde Großgehölze, vor allem sind das die Rotfichten. Unter deren Schirm gedeiht kaum ein anderes Gewächs, obgleich eine Unterpflanzung mit gut gewählten, robusten Pflanzen nicht unmöglich ist. Neben den Wurzeln ist aber auch der Schattenwurf zu beachten. Es ist schon ein großer Unterschied, ob ich alte Rotfichten und Tannen im Garten stehen habe, oder ob es lichte Kiefern sind. Letztere haben Pfahlwurzeln.
Unter Kiefern kannst du beispielsweise ziemlich problemlos Rhododendron als Unterholz pflanzen. Unter Fichten mögen robuste Bodendecker gedeihen, doch Rhododendren und Gartenazaleen tun das nicht.
Übrigens: Der Gedanke, der dem Waldgarten zugrunde liegt, baut auf den idealisierten Nadelwald auf. Meist genügt es aber mit wenigen Bäumen den Wald anzudeuten. Das geht auch mit schwächer wachsenden Arten. Um beim Beispiel der Kiefer zu bleiben, ist es im Garten sinnvoller, die schwachwüchsige Latschenkiefer (Pinus mugo) zu pflanzen, statt der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris).

Was wächst unter Fichten?

Die Standorte unter alten Fichten sind fast immer sehr trocken. Trotzdem lassen sich hier robuste Farne anpflanzen. Dazu müssen nicht immer Exoten Verwendung finden. Der gewöhnliche Wurmfarn (Dryopteris filix-mas, der häufigste Wald- und Rosettenfarn) tut es auch, besonders in kleinern Gärten. Etwas höher wächst der Trichterfarn (Matteuccia struthiopteris, Strauß- oder Straußenfarn). Ein weiterer Kandidaten ist Waldmeister (Galium odoratum, das ist der für Waldmeisterbowle). Er ist ein typischer Fichtenwald-Bodendecker. Auch Bergenien, die immergrünen Stauden vertragen Trockenheit und Schatten.
Ein sehr robuster Bodendecker ist die Golderdbeere (Waldsteinia geoides), das ist quasi der große Bruder der Teppich-Goldbeere (Waldsteinia ternata). Beide sind wunderschöne Bodendecker, Waldsteinia ternata ist nur etwas trockenheitsempfindlich. Ein weiterer wunderschöner, blau blühender Bodendecker soll zum Schluss genannt sein. Es ist das Wald-Vergissmeinnicht (Omphalodes verna), mit einer himmelblauen Frühjahrsblüte.

Rhododendron WaldD.) Die verschiedenen Freilandazaleen eignen sich bestens dafür, Farbe in dein Projekt zu bringen.

Weitere Unterpflanzungen

Für weniger schwierige Standorte, welche auch eine gewisse Grundfeuchte aufweisen habe ich bereits unter dem Titel "Blühende Stauden im Schatten" Bepflanzungsvorschläge gemacht. Neben den Stauden sind noch einmal die Rhododendren und Azaleen zu nennen, welche einen gestalteten Waldgarten bereichern. Wald- und Rhododendrongarten (Bild D.)sind aufs engste miteinander Verwand.
Neben Gehölzen oder höheren Einzelstauden prägen besonders die Bodendecker das Bild. Sie durchdringen die Fläche und verschmelzen die unterschiedlichen Gestaltungselemente im Garten zu einem ruhigen Gesamtbild. Deshalb sind sie nach den Großgehölzen von höchster Wichtigkeit.

Moos und FarnkrautE.) Der Einsatz weniger Pflanzenarten schafft eine besonders harmonische Stimmung. Hier ist es allein Moos und Farnkraut.

Moos?

Dass mit sehr wenigen gestalterischen Mitteln große Wirkungen erreicht werden können, das zeigen uns die japanischen Moosgärten. Dabei entsteht dieser Effekt aber nur dadurch, dass in diesen Anlagen nur eine einzige Art von Moos den Boden bedeckt. Ähnliches können und sollen wir auch auf unser Projekt übertragen. Besonders bei der Pflanzung von Bodendeckern entstehen malerische Effekte, wenn nur eine einzige Art und Sorte von Pflanzenmaterial zur Anwendung kommt. Weniger ist mehr.

Gartenhain von Birken und Konstrastwirkungen

Ich bemerkte eben, dass weniger an Durcheinanderpflanzung mehr an Gestaltungseffekten bringt. Das trifft auch auf die Großgehölze zu. Wenn wir mit nur einer einzigen Baumart eine hainartige unseres Projektes vornehmen, so entsteht ein romantischerGartenhain.

BirkenwäldchenF.) Birkenwäldchen wirken immer heiter und vertreiben düstere Gedanken.

Das Foto (F.) zeigt uns, dass für solche Anlagen nicht zwangsweise Koniferen benutzt werden müssen. Birken eigenen sich beispielsweise besonders gut für derartige Passagen, zumal durch sie auch überschattete Bereiche immer heiter aussehen.
Übrigens: Haine sind ein Stück Kulturlandschaft, die durch die jahrundertlange Beweidung der Wälder entstanden sind. Wurden solche Haine weitere Jahrzehnte für die Weidewirtschaft genutzt, entstanden aus den lichten Wäldern die Heidelandschaften. Beide Gestaltungselemente, also Hain und Heide, können im Garten thematisch Eingang finden.

Kontraste setzen

Eine andere Möglichkeit einer Waldgartenanlage ein freundliches Aussehen zu geben ist das Gestaltungsmotiv einer Lichtung aufzunehmen. Diese bewirkt mit dem Gegensatzprogramm zu düsteren Gartenteilen ein Spiel der Kontraste, welche die Anlage insgesamt wirkungsvoller und eindrucksvoller macht.
Die verschiedenen Kontrastwirkungen, welche hier genannt werden, sind das Salz in der Suppe einer anspruchsvollen Gartengestaltung, denn allein die Darstellung einer bewaldeten Gartenpassage bringt keinerlei optische Spannung und Akzente in derartige Projekte. Eine weitere Möglichkeit solcher gewollten Gegensatzdarstellungen ist der Natur architektonische Elemente entgegenzustellen. Im einfachsten Falle ist das ein Gartenhaus (Bild A.) oder ein Pavillon (G.), der eingefügt wird und aus dem Stück Wildnis wird ein besonderer Ort.

Chinesischer Pavillon im WaldG.) Dieser chinesische Pavillon macht den Garten zum besonderen Ort und bringt zudem interessante Farbkontraste ins Spiel.

Gartenpfade

Im Waldgarten wünscht man ja immer den Eindruck einer möglichst unberührten Natur. Andererseits wurde soeben bemerkt, dass man der Natur aber auch architektonische Elemente entgegensetzen muss. Ein altes romantisches Motiv der Gartenarchitekten ist es aber auch darzustellen, wie sich die Natur das Menschnwerk zurückerobert. In der Zeit der Romantik tat man das zum Beispiel durch die Einbindung eigens gebauter Ruinen in den Parkanlagen. In kleineren Projekten können wir den Gartenweg, der ja auch ein Bauwerk des Menschen in der Natur darstellt, mit dieser Gestaltungsidee verbinden.

Pfad im WaldgartenH.) Die Natur erobert sich den angelegten Weg zurück. Natur und Menschenwerk im Kontrast. Mit Tulpenmagnolien (Magnolia x soulangiana) lassen sich solche Szenen gestalten.

Zuletzt sei noch die speziellen japanischen Gärten hingewiesen, welche dort für die Teezeremonie angelegt werden. Diese symbolisieren mit stilistischen Mitteln einen von Wind und Wetterunbilden gezeichneten Wald mit Hütte in Meeresnähe. Dort kannst du dir Anregungen holen, wie man mit Andeutungen romantische Stimmungen erzeugen kann.