Euonymus alata Flügelspindelbaum repräsentatives rot
Euonymus alata Flügelspindelbaum im brennenden Herbstlaub

Die Zahl der attraktiven Ziersträucher für den Haus- und Vorgarten scheint zunächst riesig groß und so sollten wir bei der Auswahl Kriterien festlegen. Entweder mögen wir repräsentative Arten und Sorten oder legen mehr das Gewicht auf ökologische Aspekte. Für beide Wahlmöglichkeiten sind Beispiele gegeben, doch soll vorweg ein wichtiger Tipp zu den gestalterischen Regeln gegeben sein. Wer repräsentativ gestalten möchte, dem sei unbedingt geraten Ziergehölze zu pflanzen, welche an dem gewünschten Standort absolut passen sind und dort gesund und kräftig wachsen. Zum Beispiel sollen ja die meisten Blütensträucher sollen ja auch außerhalb der Blütezeiten passabel aussehen. Aber jedes Ziergehölz, welches auch nur ein wenig im Wuchs kümmert und wo die Blätter dadurch fahl erscheinen, strahlt auf seine Umgebung ein Flair aus, welches tatsächlich nicht als repräsentativ bezeichnet werden kann.

Sieben Favoriten vorweg

Bevor wir uns der Thematik etwa eingehender widmen, sollen doch die wichtigsten Vorschläge vorweg genannt sein:

  • Blumen-Hartriegel (Foto unten)
  • Farnwedel-Essigbaum
  • Flügelspindelbaum
  • Hortensien
  • Rhododendren und Azaleen – bei Halbschatten
  • Rosen – leuchtende Farben
  • Zier-Ahorn

Tipps zur Gestaltung und Auswahl

Prinzipiell gilt in der Garten- und Landschaftsarchitektur die Regel, dass man nicht  zu viel durcheinander pflanze sollte. Wenige Arten und Sorten an Ziergehölzen, und diese durchaus nicht zu sparsam eingesetzt, sehen in ihrer Gesamtheit immer gediegen aus, schon aus dem Grunde weil der Betrachter bei solchen Anlagen eine klares Konzept erkennt.

Rhododendronblüten

Dem entgegen steht die Auffassung, dass bei der Verwendung vieler verschiedener Ziersträucher in  Arten und Sorten, doch immer irgendwo etwa blüht und dass doch schön aussieht. Diesbezüglich wird der Autor nicht müde immer wieder auf den Fachartikel des berühmten Staudenzüchters Karl Foerster hinzuweisen (auf folgendem Link nachzulesen), der die Auffassung des "Verflatterns der Blütenwirkungen durch ihre Zersplitterung in Zeit und Raum" sehr überzeugend vertritt. Gleiches gilt für alle individuellen Nutz- und Zierwirkungen von Sträuchern. Das kann

  • die Blüte,
  • die Blütenfarbe,
  • der Blütenduft,
  • die Herbstfärbung des Laubes,
  • die Form der Sträucher
  • oder der Fruchtschmuck sein.

Wie soeben angerissen, sind Ziersträucher nicht nur in der Blüte schön, sie können auch durch besondere Herbstlaubfärbungen, Früchte, Wuchsformen oder Blattformen aufweisen. Aber neben dem Zierwert müssen Sträucher sehr oft auch noch andere Aufgaben erfüllen: als Decksträucher werden sie zur Schaffung "grüner Räume" benötigt oder sie dienen als Sichtschutz und mitunter auch zur Dämpfung von Lärm und auch von Elektro-Smog. Ein Strauch muss sich aber auch seiner Natur entsprechend entfalten können. Es ist für die Optik sehr nachteilig, wenn wir beispielsweise ausladend wachsende Büsche pflanzen und diese dann durch Schnitt wieder im Zaume halten müssen. Und bei all diesen Tipps und Hinweisen sollten wir auch bedenken, dass es trotz aller Vorinformationen und Beratungen auch dem Fachmann passieren kann, dass er einen Zierstrauch ungünstig gepflanzt hat. In diesem Falle sollte man sich nicht scheuen, das Gehölz wieder umzupflanzen oder ganz aus dem Garten zu entfernen.

Sträucher in repräsentativen Pflanzungen 

Wo es sich anbietet, können wir Sträucher mit kompaktem Wuchs einsetzen. Das ist zum Beispiel Rhododendron. Um diesen in Pflanzungen etwas aufzulockern, sind Freilandazaleen bestens geeignet. Für lockere, hainartige Überpflanzungen dieser Rhododendren eignen sich diverse Kiefernarten. Solche Kombinationen sehen zu jeder Jahreszeit edel und gediegen aus und zur Rhododendrenblüte natürlich besonders spektakulär. Wo es vom Stil her passt sind Hortensien ein heißer Tipp. Diese gibt es in verschiedenen Arten, die aber nicht gemischt werden sollten. Die einfachen blauen Bauernhortensien sind im Hochsommer wiederum auf ihre Art effektvoll, aber nur wenn wir mehrere Büsche davon in der Pflanzung haben. Interessant aus der Nähe, wie aus der Entfernung betrachtet ist der geschlitztblättrige Essigbaum (Farnwedel-Essigbaum Bild ganz unten), der strauchartig wächst. Dieser besitzt einen malerischen Wuchs und farnartige Blätter, welche herrlichsten orangen Farbtönen in den Herbst gehen. Ein Gehölz, welches im Herbst feuerrot aufglüht ist der kompakt wachsende Flügelspindelbaum, der zusätzlich durch Schnitt geformt werden kann. In den Anlagen sieht dieser immer ordentlich aus und sorgt für Prestige.

Cornus kousa rosa Rosabella

Die Rosen, als edelste Ziergehölze dürfen natürlich nicht unerwähnt bleiben. Hier wähle man Sorten, welche auch während längeren Regenperioden nicht unordentlich aussehen. Die rosa Strauchrose 'Angela' wäre so ein Kandidat. Zudem sind alle Rosen mit leuchtenden Farben, wie rosa, pink und orange-rosa ideal für Vorgärten oder Schauanlagen in der Firma. Die Edelrosen im weißen, roten, tief roten und violetten Spektrum sind mehr etwas für die privaten Gärten, die man in ein geheimnisvolles Flair hüllen möchte. Mit den oben genannten Arten sind auch schon die gängigsten Sträucher genannt, welche irgendwelche Besonderheiten aufweisen. Hier kommen natürlich auch die unersetzlichen im Frühling blühenden Ziergehölze hinzu, die man in einen Garten pflanzt, um auch immer ein paar blühende Zweige für die Vase zu haben. Das sind Forsythien, Mandelbäumchen, Flieder und Zierkirschen.  

Ziergehölze mit Überraschungseffekt

Es gibt auch eine Gruppe von Sträuchern, die dadurch punkten, dass sie doch eher etwas unbekannt sind und dann durch ihre spektakuläre Blüte oder Herbstfarbe auffallen. Dieser Effekt ist immer dann gegeben, wenn man das Gehölz das ganze Jahr über eher unterschätzt und für gewöhnlich hält. Kommt dann zum Beispiel ein edler rosa Blumenhartriegel in den Flor, ist man immer wieder auf neue überrascht. Ähnliches geschieht mit den Erscheinen der Blüten der Arten:

  • Blumenhasel mit gelben Blütentrauben
  • Blumenhartriegel – Edelsorten pflanzen!
  • Perückenstrauch (kompakte Sorten)
  • Zaubernuss
  • Herbst-Zaubernuss

Buntlaubige Sorten

Fast bei allen Arten von Ziersträuchern (und -bäumen) gibt es buntlaubige Blattformen, etwa in den Varianten grün-gelb oder grün-weiß panaschierten Varianten. In voller Sonne wirken sie oft fade, doch in halbschattigen Partien geben sie stimmungsvolle Effekte. Von den buntlaubigen Ziersträuchern werden allerdings nur Einzelexemplare gepflanzt, um einen Kontrapunkt im Gewöhnlichen zu geben.

Geschlitzte Sorten

Sogenannte geschlitztblättrige Laubgehölze sind Sortenauslesen mit einer Anomalie der Blattform. Als Beispiel wurde oben bereits der geschlitzte Essigbaum erwähnt, welcher wohl das auffälligsten und zierenste Laub in dieser Sortengruppe hat. Bei Bäumen nimmt man diese gern, weil sie den Vorteil haben, da sie nicht so scharfe Schatten werfen, wie die gewöhnlichen Sorten. Ein gutes Beispiel hierfür sind die geschlitztblättrigen Birken. Sie wirken allein schon durch ihren Habitus elegant und die besondere Blattform unterstützt dabei noch deren heitere Ausstrahlung. Verwenden wir entsprechende Ziersträucher, so müssen diese unbedingt in der Nähe eines Weges, Gebäudezugangs oder Warteplatzes stehen, damit man diese Besonderheit natürlich auch wahr nimmt. Die meisten dieser geschlitzten Formen sind eher Sammlerobjekte für botanisch interessierte Gartenfreunde.

Schlitzahorn

An repräsentativen Arten gibt es aber noch die Gruppe der Zierahorne und die Varianten des Schlitzahorn. Sie eignen sich besonders für kleinere Anlagen, für Innenhöfe (Atrium) und auch für winterharte Kübelbepflanzungen. Pflanzkübel sind aber nur zu empfehlen, wenn sie gut gepflegt werden und immer topfit aussehen, da sie sonst kein gutes Aushängeschild für Haus- oder Firmenbesitzer sind.

Recht markant ist auch der Rotblättrige Schlitz-Holunder, Sambucus nigra 'Black Lace' (beide Namen®), der vor Fassaden besonders gut zu Geltung kommt. Wer nun, nach diesen vielen Vorschlägen immer noch Ratlos ist, der kann aber auch auf andere Zierpflanzenarten ausweichen. Ähnliche interessante Zierwirkungen durch ihre Belaubung, die zudem noch wintergrün ist, weist der Park- und Garten-Bambus auf. Bambus wirkt immer heiter, auffällig, doch nie unangenehm dominant und einengend.

Des Stil bestimmend

Zierpflanzen, also Blumen, Stauden, Gräser, Bäume, wie auch die hier näher betrachteten Ziersträucher, prägen natürlich auch den Stil einer Außenanlage. Eine ländliche Wirtschaft hat im Biergarten den Kastanienbaum stehen, und in den Außenanlagen natürlich dazu auch das traditionelle Strauchwerk der bäuerlichen oder ländlichen Gärten. Das können, Rosen, Fliederbüsche und Hortensien, sein aber auch Arten wie Schneeball, Bauernjasmin oder Sommerflieder. Natürlich sind dies, um beim beim Beispiel des Gasthauses zu bleiben, vorzugsweise Arten, welche in der warmen Jahreszeit imposant sind, wenn draußen ein Biergarten unterhalten wird. In anderen Branchen, etwa in der repräsentativen Grünanlage vor dem Anwaltsbüro, sind dann eher klare Formen (Formschnitte) gefragt, oder alles was dem japanischen Stil nahe kommt. Da ist Bambus, die geformte Kiefer und Zierahorn gefragt oder die große Palette der Zierkirschen.

Bauernhortensien

Wiederum ein ganz anderes Spielfeld sind die Gehölze, welchen den mediterranen Stil prägen. Hierzu hat der Autor auch eine Liste der mediterranen Ersatzpflanzen zusammengestellt, welche wir alternativ an Stelle der klassischen Arten kaufen können. An Ziersträuchern sind das beispielsweise Tamariske und Lavendelweide. Solche Arten passen aber nur zum entsprechenden südländischen Flair. Diese, den Stil prägenden Aspekte, sollten wir unbedingt beachten, damit am Ende nicht kontraproduktiv gestaltet wird und was vielleicht noch schlimmer ist, ein Stil-Mix entsteht. Der Künstler kann dies tun, der an seinem Arbeitsplatz einen Skulpturengarten oder ein grünes Atelier besitzt. Dort, wo jedoch repräsentativ gestaltet werden soll, müssen klare Konzepte ersichtlich sein und da gehört die Auswahl an Pflanzen und vor allem an Ziersträuchern dazu, welche das Grundgerüst und die Struktur der Anlage bilden.

Decksträucher

Bei der hier behandelten Thematik ist es wichtig auch noch einmal darauf hinzuweisen, dass in der Gartenarchitektur darauf geachtet wird, dass man nahe an Gebäuden und Architekturen vor allem die domestizierten, also die züchterisch hoch veredelten Pflanzenarten verwendet (z.B. Edelrosen), wie auch die Exoten, wozu die buntlaubigen Gehölze zu zählen sind. Je weiter wir in die Natur hinaus gestalten, werden einfacherer und weniger veränderte Ziersträucher genommen. Dabei ist unbedingt zu beachten, das die Sträucher nicht über den Rasen gestreut gepflanzt werden sondern so, dass sie einen Raum umschließen. Sie sind quasi die Wände grüner Gartenzimmer und dazu recht oft noch Lebensraum für heimische Insekten, Schmetterlinge und Singvögel. Und dort erfüllen dann auch viele heimische Straucharten diesen Zweck besser, als manche Exoten, und dort sollten wir auch wirklich die ökologischen Aspekte befördern. Besonders, was die heimische Insektenwelt betrifft, so gibt es viele wertvolle Ziersträucher, welche wir wählen können. Stellvertretend für etliche Arten ist hier die besonders wertvolle Heckenkirsche in den Arten Lonicera xylosteum und Lonicera tatarica genannt, die als frei wachsende Decksträucher oder auch als geschnittene Hecken Schmetterlingen und anderen Insekten Heimat geben.

Rhus typhia dissecta farnwedelessigbaum Herbstlaub

Am Ende sein an den Fürsten und Gartengestalter Pückler (1785 – 1871) erinnert, der da richtig meinte, dass ein "ganz gewöhnlicher, üppig blühender Lonicerastrauch" an der richtigen Stelle platziert, besser als ein kümmerndes Exotengewächs, das auf beigen und brechen repräsentieren soll. Von Pückler stammt übrigens der Leitgedanke: "Der Verstand will auch im Kleinsten immer durch Zweckmäßigkeit erst befriedigt sein, ehe das gefälligste Ganze ihm völlig genügen kann."