Das Buch der Kräuter: Vorwort des historischen Heilpflanzenlexikons

Pflanzenübersicht Heilkräuter

Seit Anbeginn der Menschheit hat man die Heilkraft vieler Kräuter erkannt und vielfach erprobt. Die Kräuterkunde war einst hochberühmt. Gelehrte aber auch erfahrene Menschen mit geringer Schulbildung wie beispielsweise Schäfer oder Kräuterfrauen haben sich mit ihr befasst und viele bewährte Rezepte hinterlassen.

Alte Fürsten und hochgeborene Herren haben sich ihrer mit Erfolg bedient und sich von manchem Kräuterkundigen behandeln lassen. In den alten Chroniken lesen wir vom König Enax, Herrn von Arabia, dass er dem Kaiser zu Rom, Claudio Naroni, ein gemaltes Kräuterbuch zugeschrieben zu einem königlichen Geschenk, welches auch von Kaiserlicher Majestät, wiewohl eines lyramischen Gemüts mit hohem Dank angenommen wurde. So sind noch viele andere Fälle historisch beglaubigt.

Nicht nur die Christenhei sondern auch Heiden schreiben den Kräutern göttliche Heilkraft zu. Unsere Vorfahren und Alten haben die Heilpflanzen hochgeachtet und gepriesen und sich mit ihrer Hilfe lange gesund erhalten oder sie zur Linderung und Beseitigung von Krankheiten angewendet.

Seitdem sind auch unendlich viel Kräuterbücher erschienen. Allein, wohl kein einziges reicht an das umfassende Werk von Otto Brunnfels, das im Jahre 1532 erschien und die Kraft der Kräuter bei Krankheiten beschreibt.

Abgesehen davon, dass von diesem Buch nur noch ganz wenige Exemplare existieren, die der Allgemeinheit nicht zugänglich sind, hat das Werk einen Umfang, der dem der Bibel gleichkommt, so daß es für den Laien schwer ist, sich darin zurechtzufinden. Aber auch die altdeutsche Sprache würde es ihm schwer machen, alles richtig zu verstehen.

Um nun diese erprobten Mittel auch der Menschheit von heute zugänglich zu machen, damit in jedem Haus diese vorzüglichen Hausmittel ihren Platz finden, hat der unterzeichnete Verlag, welcher aus hundertjährigen Familienüberlieferungen ein so altes, seltenes Kräuterbuch von Otto Brunnfels aus dem Jahr 1532 besitzt, dieses Buch, das von wunderbaren Heilkräften der Kräuter berichtet, für den Familiengebrauch bearbeiten lassen und übergibt es hiermit der weiten Öffentlichkeit zu Nutz und Frommen der kranken Menschheit und zur Verhütung von Krankheiten.

Möge es überall ein treuer Ratgeber sein und bleiben.

Hochachtungsvoll

Verlag Urbania-Gesellschaft
M.Urban u. F. Auerswald.
Dresden (um 1920)

Alle Heilkräuter des Buches auf einen Blick

Deutscher Name, botanischer Name, Hinweise und übliche Sammelort der jeweiligen Pflanze:

  • Dost, Origanum vulgare (Waldrand)
  • Engelwurz, Angelica archangelica (Wiesen, Wegrand)
  • Erbse, Pisum sativum (Garten)
  • Erdbeere, Fragaria vesca (Waldwiesen, Kräutergarten)
  • Johanniskraut, Hypericum perforatum (Wiesen, Waldwiesen, Wegrand)
  • Mistel, Viscum album (auf Bäumen)
  • Nachtkerze, Oenothera biennis (Wegrand, Triften)
  • Rainfarn, Tanacetum vulgare (giftig! Wegrand)
  • Veilchen, Viola odorata (Wiesen, Wegrand, Garten)
  • Zinnkraut, Equisetum arvense (s. Schachtelhalm)